HersfelöerTageblatt
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Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö | Zank, vo»ömck^ä)»^^ld, Mtölk«d°ü» VVM | mit beo Beilaaea: giloltoetle« Unterfjaltnnasiblall z Nach 8d«aben6 , Seit gab Scholle z llnterbnltuna gab Wille« Belebe««« «ab Kurzweil z Wirtschaftliche Tooechraae«.
Nr. 114
Freilag, den 17. Mai 1929
79. Jahrgang
Pfingstferien des Reichstags
2,34 Millionen für die Werst aufzuwenden. Das Haus wendet sich nun der Fortsetzung der Aussprache zum
Haushalt des ReichsernährungSministeriums
Der Reichstag bis 3.3uni vertagt.
Die wirtschaftliche Hilfe für Ostpreußen.
Berlin, 16. Mai.
Das Pfingstfest rückt eilig heran, die Abgeordneten haben ihre Koffer gepackt und harren der Ferienankündigung im Reichstagshause, um alsbald in die Arme der geliebten Angehörigen zu eilen, alle Bosheit der politischen Gegner für eine Weile zu vergeffen, dafür milde Pfingstblümchen auf heimatlicher Flur zu sammeln und süßes Festgebäck aus der eigenen Küche der holden Gemahlin zu knabbern, statt gallige Redensarten verbissener Parteifeinde schlucken zu müssen. Also friedliche Stimmung an diesem letzten Tage, denkt der Uneingeweihte. Weit gefehlt! Während der Pfiff der bald abfahren- denden Lokomotive sozusagen schon in der Luft schwebt, geraten eine Anzahl temperamentvoller Kampfhähne noch einmal in Streit, als es sich um die Zustimmung zur Strafverfolgung einiger Herren von den Nationalsozialisten und den Kommunisten handelt. Mit Ordnungsrufen und zeitweiligen Ausschließungen sucht der Präsident zu beschwichtigen. Er kann es nicht verhindern, daß hier und da mit übelduftender Ausdünstung eine in guten Salons ungewöhnliche Verball- injurie an der Saaldecke oder am gesetzgeberischen Haupte des Betroffenen zerplatzt. Dann schafft die Abstimmung Ruhe. Ein Kommunist wird unter Widerspruch seiner Freunde und der Nationalsozialisten, ein weiterer und ein Nationalsozialist gegen den Willen auch der Deutschnationalen und der Christ
ycu mtt Dem neuen Staalskommissar für Ostpreußen. Dieser sei parteipolitisch eingestellt.
Nunmehr erfolgt die Abstimmung und die Vorlage über die Ostpreutzenhilfe wird in zweiter und dritter Lesung in der Ausschußfassung angenommen.
Das Haus verabschiedete sodann den Gesetzentwurs über die Sanierung des Schichau-Unternehmens.
Die Reichsregierung wird darin ermächtigt, einen einmaligen Varbetrag von 14 Millionen und einen laufenden Zuschuß von
Abg. Willickens (Nal.-Soz.) verlangt alsbaldige Einstellung der Reparationszahlungen an das Ausland. Diefe Verpflichtungen hätten die Not der Landwirtschaft verursacht. Abg. Dorsch-Hessen (Christl.-Nat. Bauernp.) will unbedingt baldige Einführung von Schutzzöllen. Eine Revision der Sozialgesetzgebung sei dringend notwendig. Der Redner schließt mit einer Ermahnung zur Schaffung einer großen und einheitlichen Bauernpartei.
Daraus wird die Beratung abgebrochen und das Haus vertagt sich bis Montag, den 3. Juni.
W.
| „@rof 3welio“ über 6panien mgebehrt
lich-Nationalen Bauernpartei dem begehrenden Arm des Richters ausgeliefert. N'üti ist die Talkra^......" ""
ist erschöpft. Die wirtschaftliche Hilfe für Ostpreußen, der Beistand für die Schichauwerft erhalten schnelle. Zustimmung . . . Dann er-
schallt Abschiedsläuten. Herr Löbe entläßt seine Schutzbefohlenen mit freundlichen ,Wünschen zu Pfingsten. Am 3. Juni hofft man sich wiederzüsehen. io.
*
(74. Sitzung.)
6L. Berlin, 16. Mai.
Angenommen wird in allen drei Lesungen das Luftverkehrsabkommen mit den Niederlanden. Der Gesetzentwurf über die weitere Hinausschiebung der Bindung der Länder und der Gemeinden an die nach dem Reichsbewertungsgesetz festgestellten Einheitswerte findet ebenfalls Annahme.
Nachdem diese Sachen verabschiedet sind, wird es ziemlich lebhaft im Hause, als die Anträge des Geschäftsordnungs-
Genehmigung von Strafverfolgungen
der Abgeordneten Bertz und Flortn (Kommunist) Iowie Straffer (Nationalsozialist) wegen Beleidigung zur Verhandlung kommen.
Weiter wird beantragt in einem weiteren Falle die Vorführung des Abg. Strasser. Sofort zeigt sich größere Unruhe bei den Nationalsozialisten und den Kommunisten.
Abg. Dr. Frick (Nationalsoz.) beantragt, den Fall Straffer von der Tagesordnung abzusetzen, was jedoch abgelehnt wird.
Abg. Pieck (Komm.) protestiert gegen die Aufhebung der Immunität des Abg. Bertz. Abg. Dr. Frick (Nationalsoz.) bestreitet, daß der Abg. Straffer die Immunität mißbraucht habe. Da die Nationalsozialisten in lebhafte Erregung geraten, erhalten nacheinander Dr. Frick, Dr. Göbbels und Reventlow wiederholte Ordnungsrufe. Abg. Frick redet Wetter über die Zeit hinaus und wird
vom Rednerpult verwiesen.
Als der sozialdemokratische Abg. Heilmann zu sprechen beginnt, erhebt sich großer Lärm. Nationalsozialisten und Kommunisten bedenken ihn minutenlang mit Zurufen: „Barmal". Die Nationalsozialisten Frick und Göbbels werde« wegen grober Beschimpfungen von der Sitzung ausgeschlossen. Der Redner Hellman erklärt, es sei ein grober Mißbrauch der Immunität, wenn Abg. Straffer für zehn Zeitungen verantwortlich zeichne und sich dabei der Immunität bedienen will. Abg. Stöhr (Nationalsoz.), der Heilmann zuruft, er sei des Meineides verdächtig, wird von der Sitzung ebenfalls ausgeschlossen. Während seiner weiteren Ausführungen erhält auch der Abg. Heilmann einen Ordnungsruf, da er den Kommunisten und den Nationalsozialisten vorwirft, ste erstrebten mtt der Immunität das Vorrecht strafloser Verleumdung. Die Strafverfolgung der Abgg. Bertz (Komm.), Florin (Komm^ und Straffer (Nationalsoz.) wird genehmigt.
Nunmehr erfolgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über
wirtschaftliche Hilfe für Ostpreußen.
Dr. Eckeners Wetter Amerilaflog.
Begeisterung rund um den Ozean.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" befindet sich nach Überwindung der zahlreichen, vor allem poütifd)en Schwierigkeiten aus seiner zweiten Fahrt nach Amerika.
Der glatte Start.
Die Passagiere waren alle zur Abfahrt pünktlich zur Stelle. Nachdem das Schiff noch einer kurzen Besichtigung unterzogen war, wurde es 5.49 Uhr zu dem westlichen Tor aus der Halle gezogen. Nachdem es gewendet worden war, ertönte um 5.54 Uhr das Kommando „Marsch! Nach einer kurzen Schleife über Friedrichshafen verschwand es in westlicher Richtung im Nebel. Das Wetter in Friedrichshafen war zur Zeit des Abfluges regnerisch.
über Frankreich.
Das Luftschiff überflog dann um 7.20 UhrBasel auf der bei seinen bisherigen Fahrten üblichen Route, den Rhein entlang. Die sranzösische G r e n ze wurde etwa um 7.30 Uhr passiert. Fünf schweizerische Flugzeuge gaben dem „Graf Zeppelin" bis an die schweizerische Grenze da« Gefeit. Um 10.10 Uhr überflog das Luftschiff Lyon und etwa zwei Stunden später erschien es über der südfranzösischen Stadt V a l e n c e im Rhonetal.
Amerika in Zeppelinbegeisterung.
In Amerika werden die Nachrichten über den Zeppelinflug mit fieberhafter Erregung erwartet. In L a k e- h u r st werden alle Vorbereitungen getroffen, um dem Massenandrang der Newvorker am Tage der Landung des deutschen Luftschiffes gerecht zu werden. Jedenfalls ist auch der zweite Amerikaflug des „Graf Zeppelin" für die sportbegeisterten Amerikaner wieder die allergrößte Sensation.
Friedrichshafen. Nach hier eingelaufenen Meldungen überflog das Luftschiff „Graf Zeppelin" um 14.30 Barcelona.
Abbruch der Zeppelinfahrt.
Unregelmäßigkeiten in den Maschinenanlagen.
Ein Funkspruch von Bord des „Graf Zeppelin" besagt, daß die Amerikasahrt plötzlich abgebrochen werden muß, da die Maschinenanlagen Unregelmäßigkeiten aufweisen, und es nicht wünschenswert erscheint, die Fahrt über den Ozean unter diesen Umständen fortzusetzen. Dr. Eckener hat sich am Donnerstag abend, 6.35 Uhr, nach Rücksprache mit den Passagieren entschlossen, nach Friedrichshafen zurückzukehren und die Fahrt erst nach Behebung der Störung auszuführen. Die letzte Standortmeldung des Luftschiffes war, wie gemeldet, Barcelona.
Graf Zeppelin auf der Heimfahrt.
Friedrichshafen. 17. Mai. Das Luftschiff Graf Zeppelin hat heute Morgen um 8 Uhr die französische Küste in der Nähe der Rhonemünduug Mtert ÄteW^M^ P^^7
gefchwinöigkeit beträgt nur 30 Klm Das Luftschiff hatte gestern Abend 11 Uhr Barzelona zum zweiten male passiert. Den Passagieren war mitgeteilt worden, daß die Rückkehr nach Friedrichshafen weßen eines doppelten Wellenbruches notwendig sei Die Passagiere waren enttäuscht, aber ruhig. Der Defekt entstand 420 Meilen vor Gibraltar, die Ankunft in Friedrichshafen wird heute Mittag erwartet. Sobald der Fehler behoben ist, wird die Fahrt erneut augetrete«.
Die Katastrophe von Cleveland
DieKrankenhaMMosionmAmerika
116 Todesopfer.
Die Untersuchung der Explosionskatastrophe im Krankenhaus zu C l e v e l a « d (Ohio), die furchtbare Verheerungen anrichtete und Menschenopfer in großer Zahl forderte, hat ergeben, daß drei Explosionen erfolgt sind. Die erste Explosion, die zum Ausbruch eines großen
Feuers führte, geschah durch die Entzündung eines großen Stapels von Chemikalien, durch die etwa 25 Kranke, Pfleger und Ärzte in den unteren Räumen getötet wurden. Die Hauptverheerungen wurden durch die dritte Explosion durch sie Giftgase entwickelt wurden, die inze Krankenhaus verbreiteten. Ob es sich
angerichtet, da
sich über das ganze .
hierbei um Bromin oder Nitrogas oder Phosgengas ge-
handelt hat, weiß man noch nicht. Das Gas hatte bräunliche Farbe und die Verunglückten wiesen zunächst gelbe, dann grünliche Hautfarbe auf. Während in den unteren Räumen das Feuer tobte, versuchten verzweifelte Kranke aus den oberen Stockwerken das Freie zu erreichen. Es
Abg. Gottheiner (Dtn.) bittet um und um schleunige Durchfüh
entstanden regelrechte Kämpfe. Die Feuerwehr fand später das Treppenhaus mit Leichen übersät, die ineinander- gekrampft waren, als ob ein letzter verzweifelter Kampf vor dem Ausgang stattgefunden hätte. Der Dachstuhl * siendert. Die Feuerwehr konnte
wurde in die Lu
Brett die Namen der festgestellten Toten bekanntgegeben wurden. Die Liste der Getöteten weist zahlreiche Namen von
Familien deutscher Herkunft
auf. Ein medizinisches Blatt will durch eine Umfrage bei
den Filmfabrikanten die Ursachen der Explosion feststeüen, indem es aus die Vorräte an medizinischen Filmen, die in den unteren Geschossen des Krankenhauses ^nntergebracht waren. hinweist. Diese Zellulose- Nitrat-Filme sind brennbar und entwickeln Gase, die bei einer gewissen Temperatur von selbst explodieren.
_____.... ______D______.....g. Abg. Neumann (Ztr.) will außer der Vorlage die moralische Unterstützung der Regierung und des Reichstages für Ostpreußen. Abg. Hörnle (Komm.) bringt Anträge ein, die die Lage der Kleinbauern
irum
verbessern sollen.
Reichsernährungsminister Dietrich:
Die schlechte Finanzlage des Reiches habe es nicht ermöglichen lassen, noch größere Mittel für Ostpreußen auszu- werfen. Doch die Hilfe sei immerhin beträchtlich. Im Zu- lsammenhange mit dem preußischen Vorgehen betrage die Lastensenkung für die ostpreutzische Landwirtschaft 40 Prozent. Bei Besserung der Reichsfinanzen könne die Hilfe noch weiter ausgebaut werden auf notleidende Gebiete im Osten. Die Grenzmark Posen-Westpreutzen ist hier besonders ins Auge zu fassen. Die Siedlungsmöglichkeit soll erweitert werden. Eine Bevorzugung des Grotzgrundbesitzes wolle man auf keinen Fall eintreten lassen.
Abg. Hillebrand (Deutsche Bauernpartei) spricht Wünsche aus für die besondere Förderung der Anlegersiedlungen. Abg. Hänse lChristl.-Nat. Bauernpartei) äußert Unzufrieden-
ostpreutzische Landwirtschaft
chsfinanzen könne die Hilfe noch weiter
nur mit Gasmasken vordringen. Das Gas drang aus die Straßen hinaus, wo es unter ungezählten Neugierigen todbringend wirkte. Viele Personen sollen dabei erblindet sein. Sobald es bekannt wurde, daß Giftgase ausgeströmt waren, entstand unter den Zuschauern eine unbeschreibliche Panik. Schreckensszenen, wie man sie noch nicht erlebt hatte, spielten sich ab.
Nach den letzten bekanntgegebenen Angaben ist die Zahl der Todesopfer auf 116 gestiegen.
Bei 40 Personen, die lebend geborgen wurden, besteht nur geringe Aussicht auf Errettung des Lebens. Alle in Cleveland und der näheren Umgebung der Stadt verfügbaren Ärzte, Krankenwärter, Krankenwagen und Autos wurden an der Unglücksstelle zusammengezogen. Unter den Toten befinden sich mehrere Arzte, fünf Krankenschwestern und zahlreiche Angestellte des Krankenhauses. Tausende von Menschen umstanden stundenlang die Trümmer des Hauses, vor denen auf einem schwarzen
I Unbegreifliche Beschimpfung
des Generals von Seeckt.
Angriffe im Rumänischen Senat.
In der rumänischen Senatssitzung hat der frühere liberale Außenminister Argetoianu an den Ministerpräsidenten Maniu eine Frage über seine Zusammenkunft mit dem General von Seeckt in Klausenburg gerichtet, wobei er General von Seeckt als „Commis voyageur" und „Abenteure r" bezeichnete. Argetoianu hob die Notwendigkeit guter Beziehungen zu Deutschland hervor, fügte aber hinzu, er protestiere dagegen, daß Personen, die an der Spitze der deutschen Armee gestanden hätten, Rumänien als Arbeitsfeld betrachteten. In einer sofortigen Replik hob Ministerpräsident Maniu nochmals hervor, daß die Annahme des rein privaten und vollkommen un- politischen Besuchs ein selbstverständlicher Akt der Höflichkeit gewesen sei, und bemerkte unter den Beifallsrufen der Mehrheit, daß die p o l i t i s ch e Moral sehr tief st e h e n m ü ß t e, um irgendwelche Kommentare an diesen Besuch zu knüpfen. Der Ministerpräsident protestierte weiter energisch gegen die Beschimpfung des Generals von Seeckt. Argetoianu erkannte dann vor dem Senat selbst an, daß die von ihm gewählten Ausdrücke zu stark gewesen wären, und erklärte, keine weitere Kampagne in der Angelegenheit der Zusammenkunft des Ministerpräsidenten Maniu mit General von Seeckt führen zu wollen.