Hersfel-eEag Matt Hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö
mit den Beilaaea: IlluskrterleS Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / SerS and Gcholle / Anierbaltuna and Wissen Belehrung and Kurzweil / Wirtschaftliche TageSfrasen.
Nr. 112
Ein Tag der deuMen Jugend.
Verein für das Deutschtum im Ausland.
Wie alle Jahre zur Pfingstzeit, so veranstaltet diesmal wieder der Verein für das Deutschtum im Ausland seine große Tagung in erster Linie in Form eines Treffens der deutschen Jugend aus allen deutschen Gebieten. Bei keiner anderen Gelegenheit, auch bei den größten Sportveranstaltungen nicht, wird so viel Jugend mobil gemacht wie zu den V.-D.-A.-Jahresversammlun- gen. Es ist eine der Hauptaufgaben, daß die jungen Deutschen, mögen sie stammen, aus welchem Gau sie wollen, sich gegenseitig kennenlernen. Aus der Geschichte unseres Volkes wissen wir, was dieses gegenseitige Sichkennenlernen bedeutet. Niemals wäre die deutsche Einigkeit politisch verwirklicht worden, wenn nicht Jahrzehnte vorher schon bei den vielen Sänger- und Turnfesten der Badener mit dem Ostpreußen, der Nieder- rheiner mit dem Sachsen, der Schleswiger mit dem Bayern in Herzensfühlung gekommen wären.
Heute hat das deutsche Volk eine andere Aufgabe zu erfüllen. Nur zwei Drittel aller deutschen Menschen wohnen innerhalb der Grenzen des Reiches und Österreichs. Jeder dritte Deutsche, ein Zustand, der bei keiner andern Nation vorkommt, lebt unter fremder Herrschaft, die meisten davon als Minderheit bedrängt und im ständigen Kampfe um die Erhaltung ihrer Sprache und Kultur. Dieses Drittel aller Deutschen seinem a n g e - stammten Volkstum nicht verlorengehen zu lassen, das ist das Ziel des Vereins für das Deutschtum im Ausland. Da aber den entscheidenden Kampf das Geschlecht zu führen haben wird, das jetzt her- anwächst, so muß nach wie vor im Vordergründe die Arbeit an der Jugend stehen.
Eine Aufgabe ist zu lösen, so groß, daß sich ihr niemand entziehen darf, der sich als Deutscher fühlt, der SLraM. GeMtunL. -"d^2<nsrl liebu Diese Aufgabe kann also nur so angefaßt werden, daß es jedem Deutschen, unbeschadet seiner politischen Stellung, seiner sozialen Lage und seines religiösen Bekenntnisses möglich ist, mit ganzem Herzen mitzuarbeiten. Das klingt einfach und selbstverständlich, ist aber nirgends schwerer zu verwirklichen als in unserem augenblicklich noch von so viel Zwietracht zerrissenen Vaterlande. Wer es hier versucht, sich an keine Partei zu binden, der läuft leicht Gefahr, daß er sich das Mißvergnügen und die stille oder tätige Feindseligkeit verschiedener Parteien zuzieht. Der V. D. A. ist diesem Schicksal nicht entgangen. In einer kürzlichen Ausschußsitzung wurde aus den in einer Woche erschienenen Zeitungsstimmen verlesen, daß es Leute gibt, die den V.D.A.als freimaurerisch, als reaktionär, als jüdisch, als jesuitisch, als demokratisch usw. ablehnen, je nachdem in einer Bezirksgruppe u. a. eine Persönlichkeit ist, die ihren näheren Gegnern nicht gefällt. Die Wahrheit ist es, daß der V. D. A. keines von alledem ist, sein will und sein darf, sondern daß er keinen, der ehrlich mitarbeiten will, fragen darf, was er außerhalb des Vereins für Überzeugungen betätigt. Nur innerhalb des Vereins hat der Mitarbeiter alle diese Überzeugungen schweigen zu lassen, hier hat er lediglich für die kulturelle Erhaltung des Deutschtums im Auslande zu wirken. Jeder Angriff aus Jnuendeutschland ist um so mehr zu bedauern, als er die tatsächliche Arbeit außerhalb des Reiches schädigt. Noch immer hat der V. D. A. mit der ausgesprochenen Feindschaft vieler ausländischen Regierungen zu ringen, die sein Wirken nach Möglichkeit zu verhindern versuchen und sich dabei den Anschein geben, als glaubten sie, der V. D. A. wolle die Deutschen der Auslandsgebiete zur Staatsfeindschaft gegen ihre Wirtsvölker erziehen oder ihre Losreitzung aus dem bisherigen Staatsverbande befördern. Das ist eine bewußte Verleumdung. Der V. D. A. wahrt lediglich die durch internationale Verträge festgelegten, in Wirklichkeit vielfach nicht gehaltenen Rechte der Minderheiten, und zwar in seinem Falle der deutschen Minderheiten. Er tut also nichts anderes, als was für sämtliche Minderheiten der Völkerbund pflichtmäßig zu vertreten hätte, wenn er es bisher auch noch mit wenig Erfolg durchgeführt hat.
Seiner Gepflogenheit entsprechend sorgt der V. D. A. durch den jährlichen Wechsel seiner Tagungsorte dafür, daß die ihm angeschlossene Jugend, die in billigen - Sonderzügen befördert wird, stets ein anderes Stück des Reiches und Österreichs zu sehen bekommt. Vor zwei Jahren führte man die Teilnehmer in das Herz Deutschlands, nach Goslar im Harz, im vorigen Jahre nach Gmunden in die Alpen des Salzkammergutes, dieses Jahr ist die Ostseestadt Kiel im Norden des Reiches das Ziel der Zehntausende. Von Ausländsdeutschen werden aus ihrem engeren Heimatgebiet besonders Vertreter aus Nordschleswig, Brasilien, Nordamerika, der Bukowina und Siebenbürgen Bericht erstatten. Den Höhepunkt der Veranstaltungen wird die Morgenfeier in der Wirker PBucht und der Festzug nach der Volksfestwiese bilden. Im »Anschluß an die Unterhaltungen und Festlichkeiten ist den DJugendlichen reiche Gelegenheit zu Ausflügen an die Wasserkante geboten, um Land und Leute kennenzulerneu. «'Inzwischen werden in zahlreichen Ausschuhsitzungen die -Erwachsenen ernste Arbeit leisten, damit die Tagung in ’ Kiel ein neuer Markstein werde auf dem Wege, den . V. D. A. zu einem Volksverein für alle Deutschen zu machen. W. S.
Mittwoch, den 15. Mai 1929
„Grus Welins"
3m Zeppelin über den Ozean.
Berühmte Gäste und Fracht.
In Friedrichshafen herrschte am Dienstag Hochbetrieb, da es galt, die letzten Vorbereitungen für die neue Amerikafahrt des „Graf Zeppelin" zu treffen, die er am Mittwoch antritt. Zahlreiche Neugierige aus Deutschland, der Schweiz und aus Österreich waren in Friedrichshasen eingetroffen, um dem Schauspiel des Amerikastarts heiwohnen zu können. Im ganzen werden sich an der neuen Amerikafahrt 59 Personen beteiligen, von denen 13 zahlende Passagiere und fünf geladene Gäste sind. Die übrigen Mitreisenden gehören zum Personal des Luft- ichiffes.
Unter den Passagieren befindet sich der berühmte Flieger W i l k i it s , der sich durch seinen Flug von Amerika nach Europa über den Nordpol einen weltbekannten Namen gemacht hat. Großes Interesse bringt man dem Gorillaweibchen entgegen, das von einer Han- noverschen Tierhandlung an den Zoologischen Garten nach Chikago verkauft worden ist und das die Reise über den Ozean im Luftschiff machen wird. „Susi", so heißt der Gorilla, wird seine Unterkunft in dem Luftschiff in
Mussolini un^ der Batikon.
Eine Rede in der Kammer.
In der Italienischen Kammer hielt Mussotint in Anwesenheit aller Abgeordneten und bei vollbesetzten Tribünen anläßlich des Abschlusses der Aussprache über die Lateran- verträge eine Rede. Der Ministerpräsident knüpfte an die Worte des Berichterstatters über bte Vorlage an, daß „die Kirche frei und souverän in einem freien und souveränen Staate" sei, und sagte erläuternd, daß diese Formel zu der sehr getrennt, völlig und gegenseitig ane-fanni sind. Aber in einem Staat ist die Kirche keineswegs souverän oder frei. Nicht souverän wegen des Widerspruchs in sich selbst nach den Worten Dantes und auch nicht frei, denn in ihren Institutionen, in ihren Menschen, ist sie den allgemeinen Staatsgesetzen unterworfen und im besonderen den Bestimmungen des Konkordats. Italien hat das einzigartige Vorrecht, sagte Mussolini, worauf wir stolz sein müssen, die einzige europäische Nation zu sein, die der
Sitz einer Weltreligion
ist. Diese Religion ist in Palästina entstanden, aber in Rom zur katholischen Religion geworden. Nach einer Anspielung auf Birgil und Cäsar als Vorläufer des Christentums kam Mussolini zu der Feststellung, daß das Christentum in Rom den geeigneten Mittelpunkt sowohl vom historischen wie vom moralischen Standpunkt aus gefunden habe. Dann legte der Redner die einzelnen Bestimmungen des Konkordats dar, um zu zeigen, daß die Staatshoheit in allen Punkten gewahrt werde. Ferner betonte er, daß die verbotenen politischen Parteien niemals Wiederaufleben würden. Am Schluß erhob Mussolini die Büste des Papstes Pius XL, worauf die Kammer erneut eine begeisterte Kundgebung darbrachte.
Staat und Landwirtschaft.
Lehrgang in Berlin.
Vom 14.—17. Mai findet an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin ein Lehrgang zur staatswissenschaft- lichen Fortbildung von Lehrkräften landwirtschaftlicher Schulen statt, der Dienstag in Anwesenheit von Vertretern der Staatsbehörden, bet Landwirtschaftskammer und der Hochschule vom preußischen Landwirtschaftsminister Dr. Steiger mit einer kurzen Ansprache eröffnet wurde.
Der Minister betonte, daß die Landwirtschaft als lebendiges Glied an der Volkswirtschaft. Anteil nehmen müsse. Die staatswissenschaftliche Schule bilde die Voraussetzung zu einer erfolgreichen Mitarbeit am Staatswesen. In der Zeit der wirtschaftlichen Not seien die Augen auf den landwirtschaftlichen Nachwuchs gerichtet, dessen Aufgabe es sei, das Ziel auf weite Sicht abzu- stecken. Der Heranwachsenden Generation von Landwirtschaftslehrern solle eine bessere Ausbildung als bisher gegeben werden. Dazu sollen die Vorträge der Dozenten in erster Linie beitragen. Der Minister schloß mit dem Wunsche, daß alle an den staatswirtschaftlichen Lehrgang geknüpften Erwartungen sich zum Wohle des Staates und des Volkes erfüllen mögen.
Erhöhte Einnahmen für die
Nranntwemmvnvpoiverwallung.
(72. Sitzung.) OB, Berlin, 14. Mai.
Nach der Eröffnung der Sitzung teilt Präsident Lobe mit, daß gegen den Abgeordneten Straffer (Nat.-Soz.) in sieben Strafsachen Anträge auf Vorführung etngelaufen sind, die dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen werden.
Das Haus geht dann an die zweite Beratung der
Novelle zum Branntweinmonopolgesetz.
Diese Novelle gehört zu den Deckungsvorlagen des Etats. Eine Reihe von Maßnahmen werden vorgeschlagen, die Erhöhungen der Einnahmen aus der Monopolverwaltung bringen sollen. Geplant sind Eindämmung der Hinterziehungen, Verbot des
79. Jahrgang
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einer bu Zentimeter yoyen stille ermatten, Die mit großen Eisenstäben vergittert und mit breiten Glasfenstern versehen ist. Auch für „Susis" Ernährung mußten besondere Maßnahmen getroffen werden. Von dem Frachtgut, das „Graf Zeppelin" nach Amerika bringen wird, verdient ein Gemälde von Rubens Erwähnung, das im Lande des Dollars von seinem jetzigen Besitzer an einen reichen amerikanischen Kunstliebhaber verkauft werden soll. Über zehn große Säcke mit Post werden ebenfalls im Luftschiff über den Ozean fliegen.
Die Route, die „Graf Zeppelin" einschlagen wird, liegt noch nicht genau fest. Da das Luftschiff auf dem kürzesten nördlichen Wege über Irland—Neufundland mit zahlreichen Tiefs, Gegenwind, Regen und Nebel zu rechnen hätte, so wird es wahrscheinlich weder diesen Weg noch den Kurs der Dampferstraßen, sondern einen der längeren Wege im Süden wählen. In Frage kommen die Strecken über Bordeaux—Azoren—Bermuda oder Gibraltar—Funchal—Vermuda oder aber noch weiter südlich an der Grenze des Nordostpassats entlang. Dieser letzte Weg, auf dem mit mitlaufenden Winden gerechnet werden könnte, wäre der günstigste, aber auch der längste. Hier hätte das Luftschiff 12 000 Kilometer zurückzulegen, während die nördlichste Route nur über 6500 Kilometer führt.
privaten Handels zu niedrigeren Preisen, Beseitigung des ermäßigten Branntweinaufschlags, Aufhebung der Preisbegünstigung zur Herstellung von Heilmitteln und Essenzen. Im Steuerausschuß hat man noch eine Erleichterung zugunsten der süddeutschen Brauereien beschlossen.
Abg. Freiherr v. Richthofen (Dtn.) kennzeichnet die große Unruhe, die gegen die Vorlage in einem Berufsstand hervorgerufen worden ist, der an sich schon schwere Not leide. Man dürfe den Branntwein, wenn man ihn schon monopolisiere, nicht weiter mit Steuern belasten. Die Landwirtschaft werde durch solche Vorschläge schwer geschädigt.
Abg. Kerschbaum (Deutsche Bauernpartei) sagt, die Moiiopvielnriatzvui, fällen nch dauernd gefenti, obivo^I die Steuern schließlich vervierfacht worden seien. Damit werde bewiesen, daß die Gesetzgebung nicht in Ordnung sei. Es blieben überviele Beschränkungen für die kleinen Brenner in der Vorlage. Nur diese kleinen Leute würden betroffen.
Abg. Führ (Ztr.) ist mit den Vorschlägen, die ein Kompromiß der Regierungsparteien bedeuten, einverstanden. Der Redner will eine Erweiterung der Steuervergünstigung über den Edelbranntwein hinaus und eine verbesserte Anlieferungsmöglichkeit für die Kornbrenner.
Ministerialdirektor Ernst vom Reichsfinanzministerium erklärt, unter der Voraussetzung der Annahme des Gesetzentwurfes sei die Monopolverwaltung bereit, den in den abzu- findenden Brennereien hergestellten Kornbranntwein zu übernehmen und unter Umständen neben dem Betriebszuschlag einen Sonderzuschlag zu gewähren.
Abg. Julier (Chr.-Nat. Bauernpartei) sagt, die Vorlage des Gesetzes bedrohe abermals schwer die Lebensmöglichkeit der kleinen Bauern.
Abg. Horlacher (Bayr. V.) macht Wünsche der kleinen Brenner geltend. Ihnen muß die notwendige Bewegungsfreiheit erhalten bleiben. Die Monopolverwaltung wird so loyal vorgehen, daß sie laut gewordene Verbesserungsanträge noch in das Gesetz aufnimmt.
Abg. Höllein Komm.) meint, Hilferding sei heute der Vorkämpfer für die Besteuerung des Alkohols.
Abg. Puchta (Soz.) sagt, angesichts der Finanzlage des Reiches müßten alle Mittel zur Erhöhung der Einnahmen angewandt werden. Der kleine Verbraucher werde nicht schwerwiegend belastet durch diese Vorlage.
Damit schließt die Aussprache und es beginnt die Abstimmung. Unter Ablehnung aller Abänderungsanträge, die zum Teil namentlich erfolgt und sich lange hinzieht, wird die Vorlage über das Branntweinmonopol in der Ausfchutzfafsung an» genommen.
Dann vertagt sich das Haus auf Mittwoch.
Weitere Notsrontverbote.
Auch in Württemberg und Lübeck.
Das Württembergische Innenministerium hat den Roten Frontkämpferbund und die Rote Jungfront mit khren Zweigorganisationen und Einrichtungen auf- gelost und deren Vermögen zugunsten des Reiches beschlagnahmt und eingezogen.
Vom Polizeipräsidium Stuttgart wird mitgeteilt: Der Rote Frontkämpferbund ist in Württemberg verboten werben. Das Polizeipräsidium Stuttgart hat infolge- dessen auch das Rote Treffen zu Pfingsten in Stuttgart und alle ihm dienenden öffentlichen und geschlossenen Versammlungen sowie jedweden Auf- und Umzug der Kommunistischen Partei für die Zeit von Freitag, den 17., bis Pfingstmontag, den 20. Mai, je einschließlich verboten.
• Der Senat von Lübeck hat für das Gebiet des Freistaates Lübeck den Roten Frontkämpferbund und seine Nebenorganisationen verboten.
10,5 Millionen Steuerausfall durch die neue Anleihe.
. Berlin. Der Haushaltsausschuß des Reichstages beriet den Gesetzentwurf über Maßnahmen zur Behebung der Kassen- lage. Reichsfinanzminister Dr. Hilferding wies" darauf hin, daß die ungünstige Lage des Geldmarktes zu dieser Maßnahme zwinge. Wahrend der Pariser Verhandlungen wolle man keinen Appell an den Auslandsmarkt richten. Die Anleihe werde zu 7 Prozent begeben und einen Steuerausfall von etwa 10,5 Millionen zur Folge haben. Die Anleihe belaste das Reich daher jährlich mit etwa 9 Prozent fürZinsen und Steuerausfall, also nicht mehr als jetzt die kurzfristigen Anleihekosten. ......... ....—