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HersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Mzeiger für öen kreis yersfelö

mit den Bellagea: Illustriertes AnlerhallongSblatt / Nach Feieradenö / Herb und Gckolle / Auterbaltuno u«v Wissen

_________________________________________Aeledrona nuS Kurrweil / Wirtschafttiche TageSfragea.__

Nr. 107

Mittwoch, den 8. Mai 1929

79. Jahrgang

Deutsches Entgegenkommen.

Gegen alles Erwarten und eben nur durch deutsches Entgegenkommen ermöglicht, ist die Pariser Konfe­renz für den Augenblick anscheinend wieder slott ge­worden. Dr. Schacht hat sein früheres „Nein" gegenüber jeder Zahlungsverpflichtung, die über den deutschen von ihm entwickelten Plan hinausgeht, dadurch zurückgenom­men, daß sofort mit einer Jahreszahlung von 1750 Mil­lionen begonnen wird und diese Summe sich jährlich um 25 Millionen während der nächsten 37 Jahre steigert. Das bedeutet eine Durchschnittsjahreszahlung von 2050 Millionen, während in den darauf folgenden 21 Jahren von Deutschland die Schulden der Ententemächte an Amerika jedesmal mit 1700 Millionen abgedeckt werden sollen. Nicht einbezogen in die Höhe der 37 Jahreszahlungen ist die Verzinsung und Amortisation der deutschen Dollaranleihe von 1924, wofür auch noch 70 Millionen jährlich eingerechnet sind.

Während dieser Zahlungsplan, der den Vorschlägen des amerikanischen Delegierten Owen Boung entsprungen ist, von ihm formuliert und am Montag als Denkschrift den übrigen Delegierten überreicht worden ist, die deutsche Billigung, übrigens auch angeblich die der Engländer und Italiener gefunden hat, sträubt sich offiziell die französische und englische Presse noch gegen seine Annahme. Und dies, obwohl Deutschland ein Entgegenkommen bewiesen hat, das scharfem Tadel nicht entgehen wird. Nur um 150 Millionen Mark bleibt es im Durchschnitt hinter den Forderungen zurück, die ursprünglich von den vier euro­päischen Mächten der Gegenseite in ihrer bekannten Denk­schrift erhoben wurden. Man hält in Frankreich und Bel­gien vorläufig immer noch daran fest, von Deutschland eine Reparationssumme im Gesamtwert von 50 Milliar­den herauszuholen, während dieser Gegenwartswert des neuen Planes etwa 38 Milliarden beträgt. Man scheint vorläufig wenigstens keinen Schritt zurückweichen zu wollen, obwohl die deutsche Delegation so ziemlich alles zugestanden hat, was die Gegenseite verlangte.

Allerdings ist das neueste Zugeständnis noch an B e - dingungen geknüpft, die im Augenblick noch nicht der Öffentlichkeit bekanntgegeben worden sind. An erster «Steile soll dabei, eine WÜW«ÜM--» 4k einer neuen Überprüfung des Zahlungsplanes für den Fall vorsieht, daß unerwartete wirtschaftliche oder Wäh­rungsschwierigkeiten in Deutschland eintreten. Gruno- sätzlich war ein derartiges Zugeständnis übrigens bereits gemacht worden, und damit erhält auch die neue Art, wie Deutschland seine Zahlungsverpflichtungen erledigen soll, wieder denCharakterdesProvisorischen Eng verknüpft damit sollen weitere Maßnahmen zum Schutz der deutschen Währung sein, die als Be­dingungen an die Annahme dieses Zahlungsplanes durch die deutsche Delegation geknüpft werden. Das ist ein be- sonders kritischer Punkt, weil Dr. Schacht in Paris schon sehr bald das Zugeständnis gemacht haben soll, daß nur für einen Teil der deutschen Zahlungen ein Transfer- fchutz erfolgen soll. Wie groß dieser Teil ist oder vielmehr wie groß er bei der jetzigen Abänderung des ursprüng­lichen Planes werden soll, ist auch noch nicht bekannt, aber man kann wohl damit rechnen, daß hierfür jene rund 700 Millionen der Jahreszahlungen in Frage kommen, die für die Abgeltung der sogenannten Kriegsschaden be­stimmt sind und nach Maßgabe der Aufnahmefähigkeil auf dem Weltmarkt auch mobilisiert werden sollen.

Man wird in Paris angesichts dieser weitgehenden deutschen Zugeständnisse nun auch nichr mehr mit dem geringsten Schein von Recht behaupten können, daß die deutsche Delegation ein Scheitern der Konferenz verur- facht. Zugeständnisse in der Transferfrage, Zugeständ- nifse des weiteren bei der Schaffung der Reparatians- bank, desgleichen bei der Frage der Sachlieferungen, feie namentlich auf englischen Wunsch immer mehr ein­geschränkt werden sollen; Zugeständnisse nun endlich auch weit über den ersten Vorschlag hinaus bei der Höhe der Jahreszahlungen. Dafür aber keine Prüfung der deut­schen Leistungsfähigkeit, vorläufig noch starres Festhalter an dem, was die Gegenseite ursprünglich förderte. Man spricht von wirtschaftlichen Vorteilen, die Deutschland ver­lange und die gleichfalls zu den Bedingungen der An­nahme des neuen Planes gehören. Auch das sind gewiß nicht jene Voraussetzungen, die Dr. Schacht im deutschen Gegenvorschlag ausgestellt hatte. Die Politik hat in Paris lauter gesprochen als die objektive, wirtschaftlich ver­nünftige Erkenntnis der Sachverständigen.

Streik oder Schlichter?

Noch keine Entscheidung im Reichsbahnkonflikt.

Die am Tarifvertrag beteiligten Eisenbahner- organisationen, nämlich der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands, die Gewerkschaft Deut­scher Eisenbahner und der Allgemeine Eisenbahner­verband, sind in Berlin zusammengetreten, um die Frage zu erörtern, welche weiteren taktischen Maßnahmen die Gewerkschaften zur Durchsetzung ihrer von der Reichs­bahn aus finanziellen Gründen abgelehnten Lohn­forderungen ergreifen werden. Im Vordergrund standen die Fragen, ob sofort der Streik ausgerufen oder der Anregung der Regierung, den Schlichter anzurufen, Rechnung getragen werden solle. Die drei Gewerkschaften beschlossen, wegen der großen Bedeutung und Tragweite eines solchen Beschlusses, vor der endgültigen Entschei­dung noch einmal eine Aussprache mit den anderen interessierten Gewerkschaften der Reichs-, Post-, Staats- und Wafserbauarbetter herbeizuführen.

Länöerkonferenr in Berlin

Die kommende Reichsanleihe.

Zusammenkunft der Minister.

Unter dein Vorsitz des Reichsfinanzministers traten Dienstag die Vertreter der Finanz- und Innenministerien der Länder in Berlin zusammen. Die Aussprache galt dem vom Reichskabinett beschlossenen neuen Anleihegesetz, das 500 Millionen in die Reichskassen bringen soll. Da die neue Anleihe als Anreizmittel bekanntlich Befreiung von der Erbschafts-, der Vermögens- und der Einkommen­steuer für die Zeichner vorsieht, bedarf sie einer besonderen gesetzlichen Grundlage. Dieser Grundlage muß der Reichsrat seine Zustimmung geben und somit ist die Mit­wirkung der Länderregierungen notwendig. Außerdem kommen die Kurse der schon bestehenden Länderanleihen in Frage. Besonders erhofft man ferner die rege Be­teiligung öffentlicher Körperschaften, was auch wieder die Interessen der Einzelstaaten berührt.

Die aufgestiegenen Bedenken sind teils politischer, teils wirtschaftlicher Natur, selbst wenn man von den Ein- wänden gegen die Bevorzugung durch Steuerfreiheit ab- steht, die mit dem Prinzip der Gerechtigkeit nicht ganz zu vereinbaren ist. Die Besprechungen wurden noch nicht ganz abgeschlossen, da sich an die Ministerkonferenz weitere Unterhaltungen besonders beauftragter Sachverständigen und Kommissare anschlossen.

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Sie Reform der ArSeMosenversicherung.

Wie weit soll sie gehen?

Nachdem das Reichskabinett am Montag bestimmte Beschlüsse über Reformen bei der Arbeitslosenversicherung gefaßt hat, erhebt sich natürlich sofort die Diskussion dar­über, wie weit die geplanten Veränderungen gehen sollen. Der Beschluß der Reichsregierung sagt ausdrück- lich, daß es mit der Beseitigung der Unzuträglichkeiten, über die kaum Meinuttgsverschiedenhelten vestehe», allein nicht sein Bewenden haben könne. Bei der schwierigen Finanzlage des Reiches müsse auch auf diesen

Das AiisZMi auf Wsiöemaras.

Ein Begleiter tot, zwei schwer verletzt.

Ministerpräsident Woldemaras wollte Montag abend in Kowno ein Konzert im Stadttheater besuchen und ent­stieg gerade seinem Auto, als in rascher Folge von einem Gartenwege aus eine Reihe von Revolverschüssen gegen ihn abgefeuert wurde. Woldemaras war in Gesellschaft seiner Gattin, eines siebten Neffen, des persönlichen Adjutanten, Leutnants Gubtnas, und der Ordonnanz des Kriegsministers, Hauptmanns Verbickas. Der Minister­

präsident und Frau Woldemaras blieben unverletzt, da­gegen wurde Leutnant Gudinas'durch einen Kopfschutz aus der Stelle getötet. Dem Hauptmann Verbickas wurde von einer Kugel die rechte Lunge durchbohrt und der kleine Neffe erhielt einen schweren Bauchschuß. Leicht verletzt wurde noch eine zufällig vorbeigchcude Dame. Der oder die Täter sind unerkannt entkommen.

Wie es heißt, sollen drei Personen an dem Attentat beteiligt aewesen sein, und es scheint sicher zu sein, daß es sich um einen politischen Anschlag gehandelt hat. Wolde­maras übt in Litauen ein streng diktatorisches Regiment aus und ist deshalb mit fast allen Parteien zerfallen. Die früher herrschenden Volkssozialisten, die christlichen Demo? kraten, die Bauernpartei stehen in scharfem Widerspruch xu ihm. Sozialdemokraten und Kommunisten sind ver- boten. Starker Haß gegen Woldemaras äußert sich auch bei den aus Litauen geflohenen oder vertriebenen Emi­granten und bei den benachbarten Polen. Die Atici» täter sollen einer Nachricht zufolge polnisch gesproche- haben. Alle nach oder aus Kowno führenden Straßen wurden abgesperrt.

Keine preußischen StaaWelder an Hauptmar-N Pahsi.

Berlin. In einem Teil der Presse sind Mitteilungen erschienen, die den Eindruck erwecken, als ob Hauptmann Pabst oder der Schutzbund öffentliche Mittel von feiten des Ministe- . riums für Volkswohlfahrt oder als Beamter des Ministeriums erhalten habe. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, entsprechen diese Angaben nicht den Tatsachen.

schwerwiegenden Umstand Rücksicht genommen werden. Das Kabinett plant ein sogenanntes „Sofortprogramm" für Abstellung der Mißstände und Einsetzung eines Sach- verständigcnausschusses zur Fertigstellung' von Richt­linien für die Umgestaltung der Arbeitslosenversicherung.

Die bisher laut gewordene Kritik der Mißstände will vor allem bessere Klarstellung der Bedürftigkeitsfrage, Untersuchung der Leistungen an Saisonarbeiter, gerechtere Berechnung der Unterstützungshöhe, Strafbestimmungen für unbegründete Arbeitsverweigerung, Prüfung der zum Teil nicht klaren Verhältnisse auf dem Lande. Erst nach­dem diese Dinge auf ihre Reformmöglichkeit hin behandelt sind, will man im Kabinett an prinzipielle Fragen herangehen. Hier kommen Erhöhung der bisherigen Beiträge oder Erniedrigung der Leistungen in Betracht, da das Reich durch die großen Zuschüsse, die es infolge des schlechten Winters und der abgesunkenen Wirtschafts­konjunktur leisten mußte, in starke Verlegenheit gekommen ist.

Mögliche Folgerungen.

Die sozialdemokratischen Minister im Reichskabinett haben dem gemeinsamen Beschluß des Reichskabinetts zugestimmt, schon aber meldet sich aus der Partei selbst vorläufig zwar noch bedingter, aber nicht zu verkennender Widerspruch gegen grundsätzliche Änderungen. Mit der Beseitigung von übelständen ist man einverstanden, nicht aber mit einem etwaigen Abbau. So schreibt das Zentral- organ der Sozialdemokratie, der Vorwärts, er habe die Zuversicht, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion fest bleiben und sich hinter die Grenzen, die einem Abbau der Arbeitslosenversicherung gezogen seien, nicht zurück­drängen lassen werde. Sollte eine Reform zuwege gebracht werden von der Art, wie sie in Arbeitgeber­kreisen oder im Hansabunde propagiert würde, so müßte man sich eine andere Mehrheit im Reichstag und auch eine andere Regierung suchen.

Derartige Ankündigungen geben immerhin schon einige Aussichten auf die politischen Kämpfe, auf die man sich gefaßt niachen mui einein ihren Zielen von den bisherigen gründlich verschiedene Art der Arveirs- losenfürsorge ins Leben gerufen werden soll.

Hmöenburg-Speuöe für ErholungsHedürstige.

Der Dank des Reichspräsidenten.

Reichspräsident von Hindenburg hat in einem Dankschreiben der Deutschen Liga der freien Wohlfahrts­pflege Genugtuung und Befriedigung darüber aus­gedrückt, daß die von der freien Wohlfahrtspflege gemachte Hindenburg-Spende einen so großen Umfang angenommen und in ihrer Durchführung so wohltätige Wirkung aufgewiesen hat.

Nach dem Abschlußbericht, den die Deutsche Liga dem Reichspräsidenten vorgelegt hat, konnte die freie Wohl­fahrtspflege eine Hindenburg-Spende in einem angemesse­nen Geldbetrag nicht machen. Die in ihr vereinigten sechs Spitzenverbände beschlossen daher, in ihren

Erholungsheimen für Kinder und Erwachsene 500 Freiplätze für einen Erholungsaufenthalt von 6—12 Wochen dem Reichspräsidenten als Hindenburg-Spende für die Opfer des Krieges und der Kriegsfolgen zur Ver­fügung zu stellen. Der Gedanke fand Widerhall, so daß innerhalb weniger Tage 655 Freiplätze von den Verbänden gemeldet wurden, zum überwiegenden Teil für eine Kur­zeit von drei Monaten. Eine Vermehrung auf 797 Frei­plätze ergab sich durch die ermöglichte Umwandlung zahl­reicher Dreimonatsplätze in solche von 4—6 Wochen Kur­dauer. Etwa 100 Plätze behielt sich der Reichspräsident, durch dessen Bureau alle Gesuche gingen, zu ferner aus­schließlichen Verfügung vor. Insgesamt wurden 797 Hindenburg-Gäste mit 37 217 Pflegetagen in den Frei- Plätzen bedacht. Die Mehrzahl der Plätze, über zwei Drittel, war für Kinder bestimmt, der Rest für Erwachsene und Jugendliche, Kriegsbeschädigte und deren Angehörige, Kriegerhinterbliebene und bedürftige Kriegsteilnehmer,

Ein frecher Raubüberfall.

Ein Kassenbote auf offener Straße beraubt.

an cM®*r^'«^urde der 40 Jahre alte Kassenbote des Wohlfahrtsamtes Tiergarten, Rzyska, in der Wullenweber- fttaße vor der Zahlstelle des Wohlfahrtsamtes über- IV " rlb । Rzyska hatte von der Haupt­kasse des Bezirksamtes einen Betrag von 6495 Mark ab- geholt, um sie nach der Zahlstelle zu bringen. Als er sich dem Hauseingange näherte, kam ihm in ganz langsamer H-ahrt ein Auto entgegen, aus dem plötzlich zwei Männer sprangen, die sich durch Autokappen und Autobrillen maskiert hatten. Beide stürzten sich auf den Boten, der eine entriß ihm die rasche mit dem Gelde und der andere bedrohte ihn mit einem Revolver. Ehe Rzyska noch recht zur Besinnung kam, sprangen die beiden Räuber wieder in ihren Wagen und jagten davon. Eine Schupostreife, die der Bote alarmierte, versuchte vergeblich, ein Auto zu finden, um die Räuber zu verfolgen.

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