Der Gternenhimmel im Mai.
Die Sehnsucht nach dem Frühling, der in diesem Jahre ganz besonders lange auf sich warten läßt, wird in unserem Herzen immer größer, und so freut es uns um so mehr, daß die Sonne von Tag zu Tag höher am Himmel emporsteigt und uns nun düch endlich die Wärme bringen muß, die wir seit langem erhoffen. Das Tagesgestirn wandert im Laufe des kommenden Monats aus dem Sternbilde des Widders in das des Stieres und beschert uns eine Verlängerung des Tages bis zu etwa 16 Stunden. Am 9., dem Tage des Neumondes, findet eine totale Sonnenfinsternis statt, von der jedoch in unseren Gegenden nichts zu sehen sein wird. Von allen größeren Sternwarten sind daher in den letzten Monaten Expeditionen ausgerüstet worden und so haben sich die Astronomen des Potsdamer Observatoriums zur Inselgruppe der Philippinen und die der Kieler Sternwarte nach Siam zur Beobachtung des seltenen Phänomens eingeschisst.
Die Mondphasen fallen auf folgende Tage: am 2. Mai ist Letztes Viertel, am 9. Neumond, am 15. Erstes Viertel, am 23. Vollmond und am 31. Letztes Viertel.
Von den Planeten ist im Mai der Merkur günstig zu beobachten, am besten kann er am 10. dicht über der zarten Mondsichel aufgefunden werden. Um Mitternacht erscheint Saturn am Osthimmel, während die Venus in den frühen
Morgenstunden kurze Zeit sichtbar ist. Der Mars wandert aus dem Sternbilds der Zwillinge in das des Krebses, es lohnt sich kaum, ihn aufzusuchen, da er durch die immer größer werdende Entfernung nur noch ein unscheinbares Sternlein ist und auch in größeren Fernrohren keine Einzelheiten seiner Oberfläche erkennen läßt. Jupiter ist während des ganzen Monats unsichtbar.
Am Sternenhimmel fesseln unsere Aufmerksamkeit in erster Linie die Sommerbilder Schwan und Leier. Unsere Sternkarte zeigt als Nr. 9 das charakteristische Kreuz dieser erstgenannten Konstellation, D ist Deneb, der hellste Stern, während am Futzpunkte Albireo nicht ganz so strahlend leuchtet, dafür aber im Fernglas schon bei schwacher Vergröße
rung als wundervarer Doppelstern erkennbar ist. Unser Instrument zeigt uns zwei dicht beieinanderstehende Sternlein, von denen das eine hellgelb leuchtet und das andere durch eine bläuliche Färbung diesem Objekt eine besondere Schönheit verleiht. Hoch zu unseren Häupten steht jetzt der Große Wagen, dessen beide „Hinterräder" um das Fünffache verlängert auf den Polarstetn weisen, der gleichzeitig der hellste Stern im Kleinen Wagen ist.
Zum Schluß noch eine kleine Anweisung zum Gebrauch unserer Sternkarte. Man verbindet vorteilhaft die Punkte N und 8 durch eine Linie und erhält auf diese Weise den Meridian, nach dem die Karte orientiert werden muß. Am besten mittels eines Kompasses, für den Fortgeschrittenen durch Anvisieren des Polarsterns, der ja immer im Norden steht, wird diese mit der Nord—Südlinie in Übereinstimmung gebracht, wodurch die Karte ohne weiteres die Stellung der Sternbilder anzeigt, die durch Vergleichen leicht ausgefunden werden können. Z ist das Zenit, also der Punkt, über uns, 0 und W bezeichnen die beiden anderen Himmelsrichtungen. Man merke sich: die Sterne gehen im Osten auf, beschreiben einen Bogen über Süden und erreichen im Westen beim Untergänge den Horizont. Nun frisch hinaus ins Freie! Wir hoffen, daß die Sternkarte unseren Lesern eine wesentliche Erleichterung beim Aufsuchen der Sternbilder verschaffen v' d ihnen recht viel Freude machen möge. noe.
Rah und Aem
O Diamantene Hochzeit mit 75 Enkeln und Urenkeln. In Alt-Rüdnitz an der Oder konnte im Kreise seiner fünf Kinder und 75 Enkel und Urenkel das Ehepaar Friedrich Dewitzsch das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feiern.
Ö Schnitter Tod beim Autorennen, über den entsetzlichen Autounsall, der sich bei der Kilometerprüsung in Stendal ereignet hat, werden jetzt noch verschiedene Einzelheiten bekannt. Bei dem Rennfahrer Baron von Wentzel-Mosau wurden als Todesursache eine Gehirnerschütterung, ausgedehnte Verbrennungen zweiten und dritten Grades und Weichteilverletzungen festgestellt. Der Monteur Christian Schepp, der sofort den Tod fand, war grausam zugerichtet worden. Die Gehirnmasse hing weit aus dem Kopse heraus. Dem ebenfalls tödlich getroffenen Privatmann Robert De Vaux, der im 70. Lebensjahre steht, waren beide Beine gebrochen. Auch er trug schwere Kopfverletzungen davon und starb, ohne die Besinnung wiederzuerlangen, an der Unglücksstelle. Der schwerverletzte 24jährige Tierzuchtinspektor Wolfgang Götze- Stendal hatte Rippenbrüche, Lungenbluten und schwere innere Verletzungen erlitten. Er starb im Krankenhause. Mit dem Hinscheiden Götzes ist das vierte Opfer dieses furchtbaren Autounglücks zu beklagen. Der Maurerlehrling Willi Endert erlitt einen Unterschenkelbruch und eine Gehirnerschütterung. Der sechsjährige Fritz Thürnagel- Dahlen konnte, nachdem die am Unglücksort weilenden Ärzte dem Jungen, der Verbrennungen an beiden Händen und am Kopfe erlitten hatte, einen Verband angelegt hatten, feinem Vater übergeben werden.
O Zensuren für Zahnpflege. Um die Schulkinder zu gründlicher und regelmäßiger Zahnpflege zu erziehen, beabsichtigt die städtische Schulzahnklinik in Halberstadt künftig Zensuren für Zahnpflege einzusühren, die regelmäßig mit den anderen Zeugnissen verteilt werden sollen.
Bör^e und HÄZZ^ek
Amtliche Berliner Notierungen von, 1. Mai.
^Börsenbericht. Tendenz: Befestigt Nach dem gut behaupteten Frühverkehr setzte die Börse allgemein leicht abgeschwächt und abwartend ein. Die Grundstimmung war trotzdem nicht unfreundlich. Eine gewisse Stutze gab auch die feste Haltung der Auslandsbörsen und das Absinken der Newyorker Tagesgeldrate. Am Geldmarkt waren die letzten hohen Sätze immer noch unverändert. Tagesgeld war weiter mit 8%—1014 Prozent gefragt. Auch Monatsgeld erforderte noch 8^—9 Prozent. Nach Festsetzung der ersten Kurse verstärkte sich das Auslandsinteresse und die Tendenz konnte sich allgemein befestigen. Im weiteren Verlauf kam es zunächst zu einer, leichten Abschwächung. Später trat wieder eine Befestigung ein.
^^Devisenbörse. Dollar 4,21—4,22; engl. Pfund 20,44 bis 20,48; holl. Gulden 169,39—169,73; Danz 81,74—81,90; franz. Frank 16 47-16/51; schweiz. 81,19-81,35; Velg. 58,51-58,63; Italien 22,07—22,11; schwed. Krone 112,60—112,82; dän. 112,38 112,60; norweg. 112,35—112,57; tschech. 12,47—12,49; österr.
^59,17—59,29; Argentinien 1,772—1,776; Spanien bU,oy—60,71.
* Produktenbörse. Der Handel interessierte sich in erster Lime für die Andienungen von Brotgetreide, die für Roggen umfangreicher als für Weizen waren. Qualitativ war' der Weizen überwiegend erstklassig, während beim Roggen nicht ganz ein Zehntel des Kontraktanspruches nicht genügte Prompte Abladung fehlte weiter. Die Notierungen stellten mb auBerbem im Anschluß an die etwas festeren Auslands- meldungen etwa eine Mark höher. Nur Mairoggen in geringerem Umfange befestigt; der zum erstenmal notierte Sep- temberweizer! war gegen Juli annähernd sechs Mark höher, wayrend der Rekord beim Roggen nur etwa zwei Mark aus- inachte. Das Geschäft für Hafer war still.
Getreide und
Olsaaken per 1000 Kilogramm, sonst
per 100
Kilogramm in Reichsmark.
1. 5.
30. 4.
1. 5.
30.4.
Weiz., märk.
225-227
225-227
Weizkl.f.Bln.
14,4-14,5
14.6-14.7
pommersch.
—
Rogkl. s.Blu.
14,1-14.3
14,2-14,4
Rogg., mark
205-207
204-206
Raps
—
—
pommersch.
_
—
Leinsaat
——
—
westpreuß.
—
—
Vikt -Erbsen
43,0-50.0
43,0-50,0
Braugerste
218-280
218-230
kl.Sperfeerbs. 28,0-34.0
28,0-84,0
Futtergerste
192-202
192-202
Futtererbfen
21.0-23.0
21,0-23,0
Hafer., märk.
200-206
200-206
Peluschken
25,0-26.5
25,0-26.5
pommersch.
—
—
Ackerbohnen
22,0-24.0
22.0-24,0
westpreuß.
Wicken
28,0-30,0
28,0-30,0
Weizenmehl
Lupin., blaue
16,5-17,5
16,5-17/5
p. 100 kg fr.
Lupin., gelbe
22.0-24.0
22.0-24,5
Brl br. inkl.
Seradella
56.0-62.0
56.0-62,0
Sack (feinst.
Rapskuchen
19.0-19.2
19,0-19.2
Mrk. ü. Not.
25.2-29.5
25,2-29.5
Leinkuchen
21,8-22.0
22,2-22.4
Roggenmehl
Trockenschtzl.
13.4-13.6
13,4-13.6
P. 100 kg fr.
Sopa-Schrot
20.2-21.0
20.0-20.8
Berlin br.
Torfml. 30/70
—
—
inkl. Sack
27,0-28.6
26.9-28.1
Kartoffelflck.
18,0-18 6
18.0-18.6
* Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „Sonstiger Bedarf") belauft sich für den Durchschnitt des Monats April auf 153,6 gegenüber 156 5 im Vormonat. Sie ist sonach um 1,9 Prozent zurückgegangen. Der Rückgang ist im wesentlichen auf eine Senkung der Ernährungsausgaben zurückzuführen; insbesondere haben die Preise für Eier, Milch und Butter sowie für Kartoffeln nachgegeben.
Vekamtmchmg.
Im Wege derZwangsvoll- streckung sollen zu Hersfelö am 3. Mai 1929, nüchm. 3 Uhr, folgende Gegenstände als:
1 Kredenz
1 Sofa
1 Chaiselongue m. Decke
1 Büffet
1 Wäscheschrank öffentlich meistbietend gegen gleich Barzahlung versteigert werden.
Zusammenkunft der Kaufliebhaber in der Wirtschaft „Zur Lu ll u sque ll e." Hersseld, den 2. Mai 1929.
Becker,
Ober-Gerichtsvollzieher.
Verkaufskurse der Goldpsandbriese ums Gold-Kommun«l-Schulldverschrerbunge« der Landsskreditkasse zu Kassel.
8 %ige Goldpfandbriefe Reihe 10
frühestens kündbar zum 1. 3. 1934 g6%
7 %ige Goldpfandbriefs Reihe 4
frühestens kündbar zum 1. 9. 1931 go%
7 °/oige Goldpfandbriefe Reihe 6
frühestens kündbar zum 1. 9. 1932 gi %
6 %ige Goldpfandbriefe Reihe 5
frühestens kündbar zum 1. 9. 1932 82%
8 %ige Gold-Komm.-Schuldverschr. Reihe 3
frühestens kündbar zum 1. 9. 1933 g4%
Für geistig Regsame
5 ' -V
li’-RÄeitel
Wilhelm Heil
Hersfeld — Fernspr. 71
Stiiatsthealer Raffel.
Freitag, 3. Mai. Don Pasquale.
Sonnabend, 4. Mai. Uschi
Sonntag, 5. Mai Rigoletto.
Montag 6. Mai. Die zwölf Brüder.
Dienstag,?. Mai. DieOpern- probe. Hierauf: Jahreszeiten der Liebe.
Mittwoch, 8. Mai. Karl und Anna.
Donnerstag, 9. Mai. Der Rosenkavalier.
Freitag, 10. Mai. Der Prozeß Mary Dugan.
Sonnab., 11. Mai. Scheiterhaufen.
Sonntag, 12, Mai. Der fidele Baner.
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