HersfelöerTageblatt hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfel-
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Nr. ss (erstes Nach
GonnabenS, den 13. April 1929
79. Iahraaa«
Boxkämpfe.
Empfindliche Beziehungen. — überhebliche Bevormundungen. — Eine wahre Schande.
Es ist immer noch so, wie es von jeher gewesen ist: es braucht nur zwischen zwei Nachbarn, die sich von Haus aus nicht grün sind, aus irgendeinem Anlaß ein Funke aufzuglimmen. und sofort droht ein Feuerbrand wieder Land und Leute zu überziehen. Das große Italien und das kleine, ach! so klein gewordene Österreich stellten dieser Tage ihre beste Fußballmannschaft zu einem Wettkampf in Wien, wo die italienische Mannschaft sehr entschieden und nicht gerade ruhmvoll den kürzeren zog. Statt nun aber den Siegern, wie es sich nach allen in der ganzen Welt sonst anerkannten Sportregeln gehört, den wohlverdienten Ruhm und Preis neidlos zu gönnen, entfesseln die Italiener in ihrer heimischen Presse einen wütenden Schimpf- und Rachefeldzug, mit Behauptungen, die nichts weniger dartun sollen, als daß die Österreicher ihre Überlegenheit nur der Anwendung verwerflichster Kampfmittel zu danken und daß die nach vielen Tausenden zählenden Zuschauer ihren Haßgefühlen gegen Italien in geradezu unverschämter Weise freien Lauf gelassen hätten. Man schreit nach Genugtuung, nach Entschuldigung. nach amtlichen Sühnehandlungen sogar, man speit dem Unterlegenen von 1918 die ganze Verachtung einer Siegernation ins Gesicht — und vergißt dabei nur die Kleinigkeit, daß dieser Kriegsausgang nichts weniger als italienischen Waffenerfolgen zu danken war.
In Wahrheit hat die italienische Mannschaft ihre Niederlage selbst verschuldet, sie soll schwere sportliche Fehler begangen und dadurch den Unwillen der Menge nur allzusehr gereizt haben. Jedenfalls ersteht man aus diesem Beispiel, wie ungemein empfindlich noch die Beziehungen unter den Völkern sind, und wie eine allzu eilfertige Einlassung auf gemeinsame Veranstaltungen irgendwelcher Art doch auch ihre bedenkliche Seite haben kann. Die deutschen Chirurgen haben sich jetzt bei ihrer Ostertagung erneut veranlaßt gesehen, die Einladung zu einer internationalLN Zuf unenkunft in Warschau abzulehnen, weil sie Grund haben, hier bot der ihnen besonnten Einstellung gewisser fremdländischer Berufskollegen Ungelegenheiten zu besorgen. Und andererseits haben die französischen Studenten auf der letzten Tagung der Internationalen Studentenschaft auch in diesem Jahre wieder Forderungen gestellt, die von den deutschen Kommilitonen als ein überheblicher Bevormundungsversuch gegenüber ihren eigenen organisatorischen Schwierigkeiten aufgefatzt und dementsprechend natürlich zurückgewiesen werden müssen. Internationale Bor- und Fußballwettkämpse finden immer und überall ein großes Publikum; wenn sich aus ihnen aber internationale Verwicklungen entspinnen sollen, dann täte man schon besser, sich einstweilen noch auf weniger aufregende Vergnügungen zu beschränken.
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Etwas anderes ist es natürlich, wenn die Kampf-
lustigen eines und desselben Volkes untereinander Dom Leder ziehen; dann braucht man sie von außen her in solchen Belustigungen nicht weiter zu stören. In dieser Lage befinden sich augenblicklich die edlen Polen. Ihnen hat Marschall P i l s u d s k i wieder einmal einen Spiegel vorgehalten, der die ungemein reizvollen Züge ihres Nationalcharakters in gar nicht mehr zu überbietender Deutlichkeit widergibt. In einer Sprache, deren Unflätigkeit allerwärts mit ungläubigem Staunen ausgenommen wurde, setzt sich dieser Liebling des Volkes mit der Parlamentsmehrheit auseinander, die es gewagt hatte, den Finanzminister seines Kabinetts wegen zahlreicher Verstöße gegen die Verfassung dem Staatsgerichtshof zu überweifen. Die derbsten Vergleiche aus dem Tier- rd unsaubersten Andeutungen auf menschlichen Körpers werden nicht ym begreiflich zu machen, wie un- sich im Herzen des
reich, die niedrigsten und
gewisse Funktionen des i , , , verschmäht, um dem Sejm begreiflich „„
fäglich die Verachtung ist, deren er sich im Herzen des Marschalls zu erfreuen hat, so daß oberschlesische Polenblätter sticht umhin konnten, auszusprechen, daß dieser
Schlag gegen die Volksvertretung eine wahre Schande und ein wahres Unglück für Polen bedeute. Er ist aber wohl in Wahrheit nur der Anfang einer Abrechnung, die zwischen den Gewalten in Polen, den verfassungsmäßigen und den diktatorischen, über kurz oder lang einmal unweigerlich kommen muß und deren Ausgang erst endgültig darüber entscheiden wird, ob dieses Volk überhaupt imstande ist, ein selbständiges Staatswesen aus eigener Kraft aufrechtzuerhalten. Die zehn Jahre seiner neuesten Geschichte, auf die es nun bald zurückblicken kann, haben jedenfalls diesen Beweis noch nicht geliefert, obwohl es den Polen in dieser Zeit wahrhaftig nicht an mächtigen und einflußreichen Freunden und Helfern in der Alten wie in der Neuen Welt gefehlt hat. Eine Zeitlang war man sehr geneigt, ihnen als von Natur aus etwas un-
^geratenen Kindern alle nur mögliche Nachsicht zu ge- Gwähren. Mittlerweile sind sie aber doch ziemlich heran- »gewachsen und es besieht kaum noch Aussicht für die Woffnung, daß sie als Männer sich wesentlich tugendvoller Neigen könnten. Vielleicht, daß dieser kranke Marschall, ^der schon einmal für seine Nation das Schicksal bedeutete, t-mm auch in ihren inneren Kämpfen und Krämpfen die sich offenbar
huun auch , ^Rolle der Vorsehung spielen wird, zu der er ,aus ehrlichster Überzeugung berufen suhlt.
Dr. Sy.
Ka ZnhlniWlan für RutWand?
Die Pariser Echulösefisetzung.
Angeblich letztes Wort.
In vielen Betrachtungen war die Meinung zum Ausdruck gekommen, aus der nun seit Wochen tagenden Pariser ReparaLionskonscrenz werde überhaupt nichts her- auSkommen. Denn alle für Deutschlands Lebens- und Wirtschaftssähigkeit annehmbaren Pläne würden von der Gegenseite als für ihre Forderungen nicht ausreichend angesehen und abgewiesen, obwohl sie selber sich durchaus nicht einig seien über das, was sie nun endgültig verlangen sollten. Jetzt soll es so weit sein, daß die Ententemächte sich über die Höhe ihrer Ansprüche und die Verteilung der von Deutschland zu leistenden Jahreszahlungen einig seien. Es werden mancherlei Zahlen in der Pariser Presse genannt. So sollen in den nächsten 37 Jahren jährlich Beträge von zwei bis zweieinhalb Milliarden, in den folgenden 21 Jahren jährlich 1,7 Milliarden Mark von Deutschland geleistet werden. Andere Quellen sprechen von 1,5 Milliarden in den ersten zehn Jahren, dann Steigerung auf 2,1 Milliarden bis zum 33. Jahre und dann wieder Senkung aus 1,5 Milliarden bis zum 59. Jahre, wo endlich die Schuldverpflichtung erlöschen würde.
Es wird nicht viele Leute auf deutschem Boden geben, die dieser ungeheuren Verpflichtung gegenüber auch nur Verständnis aufzubringen imstande sind bei der schlechten Konjunktur in Handel und Industrie, der Notlage der Landwirtschaft, dem Millionenheer der Arbeitslosen usw.
Eine deutsche DentschnA
zur Mhrüsinngssrage.
Nützliche Morarbeit für dw AMstungskonferenz.
Am nächsten Montag beginnt die sechste Tagung des Vorbereitenden .Abrüstungsausschusses in Gens. Der Delegierte Deutschlands, Graf Bernst o r f f, hat dem Ausschuß eine Denkschrift zugehen lassen, die jetzt vom Völkerbundsekretariat veröffentlicht worden ist. Sie bezweckt, wie Graf Bernstorfs in seinem Begleitbrief hervorhebt, die bevorstehenden Arbeiten zu fördern und fruchtbar zu gestalten, und sie solle eine Diskussionsgrundlage für die weiteren Beratungen bilden. Es besteht der Eindruck, daß der Ausschuß sehr nützliche Vorarbeit für eine Abrüstungskonferenz leisten könnte, wenn er den Anregungen des Grasen Bernstorss folgen würde.
Der Vertreter der englischen Abrüstungsdelegation, Lord Cushendun, sprach sich über die Aussichten der Abrüstungskonferenz ziemlich pessimistisch aus. Die Verzögerung und die Schwierigkeiten, die sich einem Abkommen entgegenstellten, würden allgemein beklagt. Die Abrüstung würde von allen gewünscht, aber niemand sehe, wie sie erreicht werden könne. Allerdings sei in Betracht zu ziehen, daß seit dem ersten Zusammentritt der Vorbereitenden Abrüstungskommission erst zwei Jahre verstrichen seien, angesichts der gewaltigen Ziele eine kleine Zeitspanne.
Trotzkis Einreisegssuch abgeTehni.
Auch kein vorübergehender Aufenthalt.
Das Reichskabinett hat das Einreisegesuch Trotzkis endgültig abgelehnt. Auch ein vorübergehender Aufenthalt Trotzkis ist nicht bewilligt worden. Trotzki ist von dieser Entscheidung der Reichsregierung, die nach eingehender Prüfung aller Umstände gefaßt wurde, unterrichtet worden.
Maßgebend für die Ablehnung des Gesuches Trotzkis soll vor allen Dingen die Erwägung gewesen sein, die guten Beziehungen zu Sowjetrußland durch die Folgen, die möglicherweise durch den Aufenthalt Trotzkis in Deutschland entstehen könnten, nicht zu trüben. Fest steht, daß gefühlsmäßige Gründe für die Entscheidung nicht ausschlaggebend gewesen sind. Im übrigen wird noch darauf hingewiesen, daß Trotzki von der Türkei die Aufenthaltsgenehmigung erteilt worden ist.
Gerüchte um LaNnowitz.
Die Untersuchung in Sachen Stoiberg.
Zu dem Stand der Untersuchung in der Sache Stol- berg-Jannowitz wird von amtlicher Seite mitgeteilt, daß die Vernehmungen fortdauern. Die Gerüchte, daß die Haftentlassung des Grafen Christian erfolgt oder ungeordnet sei, entbehren jeder Begründung, ebenso das Gerüst, es stehe bereits fest, daß die Anklage auf fahrlässige Tötung lauten werde. Mit der Erhebung der Anklage sei in der nächsten Zeit noch nicht zu rechnen, und es stehe auch keinesfalls fest, ob sie auf vorsätzliche oder fahrlässige Tötung lauten werde.
Wofhm an Nord sines jaGMen Minenlegers.
Tokio. Amtlich wird mitgeteilt, daß infolge einer Minenexplosion, die sich bei einer Übung an Bord des Minenlegers „Rokosuka" ereignete, 52 Mann verletzt wurden. Das Heck des Minenlegers wurde vollständig zerstört. Eine U«ter- k»ch«ng ist eingeleitet.
Kein Llttimaium.
Einige Pariser Blätter behaupteten bereits, die deutsche Delegation in Paris habe amtlich Kenntnis erhalten von dem Ergebnis der Arbeiten, die die Delegationen der vier reparationsberechtigten Länder im Laufe dieser Woche durchgeführt haben. Dr. Schacht habe die Ziffern, zu denen die vier Delegationen gelangt sind, als eine annehmbare Diskussionsbasis bezeichnet. Hierzu ist nach Anfrage bei der zuständigen deutschen Stelle zu erklären: Die deutsche Delegation hat Kenntnis von dem Stand oder dem Ergebnis der Arbeiten der Delegationen der vier reparationsberechtigten Länder nur durch die Zeitungen erhalten. Sie kann also erst dazu Stellung nehmen, nachdem ihr das Ergebnis der Beratungen offiziell zur Kenntnis gebracht worden ist.
Etwas gemäßigter als die unkontrollierbaren und offenbar auf Stimmungsmache abgesehenen Nachrichten der französischen Blätter lauten die Angaben der halbamtlichen Havasagentur. Sie meldet, in unterrichteten Kreisen sei man der Ansicht gewesen, daß ein merklicher Fortschritt auf dem Wege der Verständigung zwischen den Delegierten der reparationsberechtigten Länder erzielt worden sei. Man erwarte, daß die Diskussion mit der deutschen Delegation alsbald wiederauf- genommen werden könne. Hervorzuheben sei, daß die anscheinend erzielte Verständigung in keiner Weise gegen die deutsche Delegation gerichtet sei und nicht in einer Art Ultimatum zum Ausdruck kommen werde, das die deutschen Vertreter anzunehmen oder abzulehnen hätten. Der allgemeine Eindruck sei, daß man etwa Mitte nächster Woche über die Ergebnisse der Konferenz Klarheit haben kö"""
Sie Ernennung der nenen Reich-minister
Da der Reichsminister der Justiz, Koch-Weser, am Sonnabend im besonderen Auftrage des Reichspräsidenten und der Reichsregierung den neuernannten Reichsgerichts- Präsidenten Dr. Bumke in sein Amt einführen wird, wird die Umbesetzung des Reichsjustizministeriums und die Ernennung der anderen neu in das Kabinett eingetretenen Reichsminister erst Sonnabend erfolaen.
Der scheidende Justizminister Abg. Koch-Weser.
Wie offiziös mitgeteilt wird, dankte in einer Sitzung des Reichskabinetts Reichskanzler Müller dem scheidenden Justizminister für seine Mitarbeit im Reichskabinett sowre für sein verdienstvolles Wirken als Reichsminister der Justiz. Der Reichskanzler gab der Erwartung Ausdruck, daß das reiche Können des Reichsministers Koch-Weser unserem Vaterlande noch für lange Zeit erhalten bleibe.
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Der bayerische Ministerpräsident und der bayerische Finanzminister befinden sich in Berlin, um mit der Reichsregierung über eine Reihe finanzieller Fragen zu verhandeln. Es handelt sich bei diesen Besprechungen vor allem um die Entschädigungen, die Bayern noch für die Abtretung der Post, der Eisenbahnen usw. beansprucht.
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Wettrennen zwischen Eisenbahnzug und Wirbelsturm.
über 50 Todesopfer eines Tornados.
.Die. Gesamtzahl der Opfer des Doppeltornados im nordöstlichen A r k a n s a s wird auf ü b e r 5 0 T o t e und
Verletzte geschätzt. Ein Eisenbahnzug der Missouri- Pazrsrkbahn entging nach einem atemraubenden Wett- rennen mit dem Tornado mit knapper Not der Zerstörung. Der Lokomotivführer erblickte den heranbrausenden Tornado und sah bereits entwurzelte Bäume durch die Luft snegen, doch gelang es ihm, innerhalb weniger Minuten die Geschwindigkeit des Zuges auf 70 Meilen zu steigern, worauf es rhm innerhalb einer halben Stunde glückte, dem Tornado zu entkommen.
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