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HersfelöerTageblatt

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Amtlicher /lnzeiger für den Kreis Hersfelö

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»nafll»« vtzugrprewr durch Mt poft byoarn 1.50 Relchr-Mark, aurschlleSlich Sestellgrw, für fiersfeto 1.20 Reicho-Mark bei freier Zustellung, pt Abholer 1.00 Retchs-Mark. druck und Verlag von Suosfg Juni« vuchüruckerrl in yrrsfew, Mltglte» beo VdZV.

mit den Beilagen: Illvßrlerles Anlerhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb naß Scholle / Allterbaltnug und Wissen Belehrung nub Kurrwell / Wirtschaftliche TageSfragen.

Nr. 77

Mittwoch, den 3. April 1929

79. Sobraone

Der Wahlkampf in England.

In England brodelt der Wahlkampf nun doch schon höher auf aber das eine Gemeinsame läßt sich für die Taktik der drei Parteien sagen: die Außenpolitik Eng­lands übt auf den Wahlkampf von heute nicht den ge­ringsten Einfluß aus. Das war beim letztenmal noch be­trächtlich anders und erklärte den Sieg der Konservativen aber fünf Jahre sind eine lange Zeit und die innen­politischen Erfolge der Konservativen seit den letzten Wahlen sind nicht derart, daß man jetzt damit prunken kann. Vielmehr werden auch von den Konservativen in größtem UmfangWechsel auf die Zukunft" ausgestellt.

Das zieht aber beim englischen Wähler in der Regel nur dann, wenn sich die Opposition dieser Taktik bedient. Denn die regierende Partei, so sagt er sich, hätte ja längst Zeit und Möglichkeit gehabt, ihre jetzigen Verheißungen und Versprechungen in die Wirklichkeit umzusetzen. So haben denn bisher die Resultate der Nachwahlen nament­lich in allerletzter Zeit eine recht herbeVerurteilung der Kabinettspolitik gebracht- sind die Stimm- ziffern der Arbeiterpartei erheblich angeschwollen auf Kosten der Konservativen.

Denn M a c d o n a l d , der Führer dieser Partei, denkt auch nicht daran, irgendwelche außenpolitische Gesichts­punkte beim Wahlkampf zu berücksichtigen. Man hört nichts davon, daß er z. B. das immer noch recht heiße Eisen der englisch-russischen Beziehungen auch nur an­getippt hat; denn so ganz genau weiß er es selbst noch nicht, ob der berühmte Sinowjew-Brief, der derLabour- Party" so viel politisches Herzeleid schuf, nun eigentlich echt oder gefälscht ist. Der Brief oder die Fälschung trug ja zu einem großen Teil dazu bei, daß die Konservativen

einen schier überwältigenden Sieg erringen konnten.

Jetzt aber steckt man auch in England sehr tief in allerhand Wirtschaftsnöten, hat im eigenen Hause mehr als genug zu tun, als daß man die Blicke allzusehr nach außen wendet. Alle Welt, auch die Konservativen, reden von einem bevorstehenden Erfolg der Arbeiterpartei und diese quittiert dankbar für diese ihr so günstige

aber dem Audrängen der Arbeiterpartei gegenüber eine Art konservativ-libe­raler Abwehrfront herauszubilden wobei man freilich über die Politik des Führers der Liberalen, Lloyd George, zurzeit nur recht Unbestimmtes weiß. Er selbst wird allerdings auch kaum Bestimmtes wissen; denn die Liberale Partei ist politisch in dem Augenblick bedeutungs­los, wenn eine der beiden anderen sie nicht mehr braucht. Infolgedessen hatte sie in der Regierungszeit Macdonalds ebensowenig zu sagen wie in der Baldwins. Nicht wie stark sie wird, ist für sie und Lloyd George das Ent­scheidende, sondern wie stark bzw. wie schwach die Kon­servativen auf der einen, die Arbeiterpartei auf der anderen Seite werden. Um dann vielleicht das Züng­lein an der Wage darstellen zu können. Was eine parteipolitisch ausgeprägte neue Regierung nur noch mehr verhindern würde.

Angesichts all dieser Unklarheiten und Unbestimmbar- keiten, die dem gegenwärtigen Wahlkampf in England nicht erspart geblieben sind, können sich die Wettlufttgen über den Ausgang der Wahl recht gründlich streiten. Noch ist's aber nicht ganz so weit, weil auch die Konser­vativen den großen Erfolg verwerten, daß ihr letztes Budget einen ganz erheblichen Überschuß aufweist, man also die bisherige Defizitwirtschaft überwunden habe. Vielleicht wirkt das doch noch stärker zugunsten der Konser­vativen, als es die Arbeiterpartei wahr haben will aber der nüchterne Engländer achtet eben auch bei der Wahl mehr auf Taten als auf Worte oder Programme, deren Verwirklichung noch der dunklen Zukunft überlassen

Wird.

9r. Schacht über die Schuldenlonserenz.

Bisheriger Verlauf.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat, da private Äuße­rungen von ihm in der ausländischen Presse mißverständ­lich wiedergegeben zu sein scheinen, den Pariser Vertreter des W. T. B. zu folgender Erklärung über seine Auffassung von dem bisherigen Verlauf der Konferenz ermächtigt:

Die Pariser Besprechungen innerhalb der Repara­tionskonferenz haben sich bisher in durchaus freundwilli­gem Geiste bewegt. Die Bedeutung des Gegenstandes, nämlich die finanzielle Regelung internationaler Be­ziehungen auf Jahrzehnte und damit die endgültige Liqui­dierung des Krieges lassen jedoch noch manche Schwierig­keiten erwarten und eine längere Dauer der Verhandlun­gen voraussehen. Bei dem allseits vorhandenen guten Willen zur Verständigung und zur Ausbringung der not­wendigen Geduld bei den schwierigen Verhandlungen be- Bt jedoch die Hoffnung aus einen erfolgreichen Verlaus Konferenz durchaus weiter.

Der chimsißhe Bürgerkrieg.

Vormarsch gegen Hankau.

Die bisher der nationalen Regierung feindlichen Ge­nerale in Kanton haben sich nunmehr für den in Nan­king zum Oberhaupt gewählten Präsidenten und General Tschiangkaischek erklärt. Sie wollen keine Truppen mehr gegen die Nationalregierung in Nanking schicken. Sollte Kanton von der Nationalregierung aufgefordert werden,

Die Not im besetzten Gebiet

Die Leiden durch die Vesatzung.

Denkschrift an den Reichstag.

Der Reichsminister für die besetzten Gebiete, Seve­ring, hat dem Reichstag die von diesem gewünschte Denkschrift über die besetzten Gebiete zugehen lassen, und zwar in der Form einer Zusammenstellung der Einzel- denkschriften, die von den fünf betroffenen Ländern Preußen, Bayern, Hessen, Baden und Oldenburg ausgearbeitet worden sind.

Die Ausarbeitungen der einzelnen Länder für den Reichstag sind außer denjenigen für Baden und Oldenburg bereits bekanntgeworden und bilden in ihrer Zusammenstellung in der großen, nunmehr dem Reichstag übersandten Denkschrift ein anschauliches Bild von den Leiden der betroffenen Gebiete unter der fremden Besetzung. Sie zählen die Wünsche und Erwartungen auf, welche die Bevölkerung zu ihrer Hilfe für notwendig er­achtet und deren Erfüllung sie möglichst bald erhofft.

Die Meinung der Regierung.

Der Reichsminister für die besetzten Gebiete gibt zu der Denkschrift eine Erläuterung, die wie folgt lautet:

Die Reichsregierung erkennt die wirtschaftliche und kul­turelle Fürsorge wie für den Osten so auch für die not­leidenden westlichen Grenzgebiete und für das besetzte Gebiet als eine besonders wichtige Aufgabe an, die vom Reich in Gemeinschaft mit den beteiligten Ländern zu lösen ist. Wenn die Reichsregierung im gegenwärtigen Zeitpunkt davon absieht, das in den Denkschriften der fünf Länderregierungen zufammengetragene Material zu einem Hilfsprogramm von großem Ausmaß für den Westen auszuwerten, so ist. hier­für in erster Linie die Rücksicht auf die derzeitige

schwierige Lage der Reichsfinanzen

2^_ MMMMA^M«^^'««e"'SterchzetrkHL Mnlebtting limsafsender h r Aktionen in sämtlichen Grenzgebieten des Reiches verbietet.

Grenzgebiete

Dazu kommt aber, daß ein solches Programm vor allem auch auf die wirtschaftlichen Hauptprobleme der westliche n Grenzgebiete, wie z. B. die künftige Wirtschaftsgestal- tung im Aachener Jndustrierevier, an der Saar, in Rhein­hessen und der Pfalz, die Lösu.ng der Transportfrage usw. abgestellt sein muß und demgemäß noch eingehende Verhand-

lungen mit den verschiedensten amtlichen Stellen und die An- ^" - Ä * ^ - ^^ s.....-xs. x Denn eine

höruna von Sachverständigen erfordert

Verzettelung in unorganische Einzelmaßnahme reichsseitige Subventionerung zahlreicher mittlerer und kleinerer Projekte wäre unwirtschaftlich und würde den Not­wendigkeiten einer aus weite Sicht gestellten und durch­greifenden

elmaßnahmeu oder eine

sich an dem Feldzug gegen Sans an, wo ebenfalls eine Nebenregierung fi^tj zu beteiligen, so würde dies ge­schehen. Auf Grund dieser Vorfälle war Tschiangkaischel in der Lage, die gegen Kanton geschickten Divisionen abzu- lenken, und an die Front gegen Hankau zu werfen. Er erließ eine Erklärung, in der er den Fall Hankaus und das Ende der Feindseligkeiten innerhalb von 14 Tagen ver­heißt. Die Truppen der Nationalregierung sollen angeb­lich bereits knapp 100 Kilometer von Hankau stehen. '

Die Schlacht um Limmez.

Siegesnachrichten von beiden Seiten.

Die Kämpfe in Mexiko dauern nach den einlaufenden Berichten mit unvermindeter Heftigkeit an. Um die Stadt Jiminez, in der die Aufständischen sich verschanzt haben, soll eine wütende Schlacht toben. Der Führer der Regie­rungstruppen, General C a l l e s , berichtet, die. Kampf­front betrage zwei Meilen. Der Hauptkampf finde eine Meile südlich von Jiminez statt. Der linke Flügel der feindlichen Truppen sei bereits in die Stadt zurückge­drängt, wo es zu einem Straßenkampf gekommen sei.

Von dem Hauptquartier der mexikanischen Aufständi­schen wird ergänzend bekanntgegeben, daß die Armee der Aufständischen die Streitkräfte General Calles' in der Nähe von Eskalon nach zehnstündigem Kampf vollständig geschlagen hat. 400 Mann Regierungstruppen sollen ge­tötet und 1500 Mann gefangengenommen worden fein. Unter den Gefangenen sollen sich auch zwei Generale der Regierungstruppen befinden. An den Operationen waren 15 Flugzeuge beteiligt.

Winier im Frühling.

Schnee, Frost und Stürme.

Nach dem Kalender ist bereits seit vierzehn Tagen Frühling, nach dem Thermometer aber ist seit Ostern wieder Winter oder mindestens doch Vorwinter, denn viel schlimmer undböiger" als in diesen ersten Apriltagen hätte das Wetter auch im November nicht sein können. Aus fast allen Gegenden Deutschlands werden scharfe Wetter­stürze gemeldet und in den anderen Ländern Mitteleuropas ist die Lage nicht besser.

In Bayern tobte während der Osterfeiertage ein heftiger Sturm, der Regen untermischt mit Schnee brächte. Die Temperatur sank bis auf den Nullpunkt, hier und da sogar bis auf 2 Grad Kälte. In den Bergen des Algäus ist bis aus 1500 Meter Höhe herab Neuschnee gefallen. Richtiges Winterwetter meldet auch der Schwarz-

Grenzpolitik

in keiner Weise entsprechen. Die Reichsregierung wird tn den nächsten Monaten die Vorarbeiten an der Aufstellung eines einheitlichen Hilfsprogramms für den Westen fortsetzen und behält sich ihre Entschließung über die etwaige Einbringung einer besonderen Gesetzesvorlage bis nach Ab- schluß der Verhandlungen und für einen finanzpolitisch ge­eigneten Zeitpunkt vor."

Muß hiernach die Frage der Einleitung einer neuen großen Hilfsaktion für den Westen einstweilen zurückge­stellt werden, so soll die laufende Betreuung der bedräng­ten westlichen Grenzgebiete und des besetzten Gebiets in dem bisherigen Rahmen auch weiterhin selbstverständlich fortgesetzt werden.

Die Reichsregierung hat zu diesem Zwecke aus- keichende, zum Teil gegenüber dem Borjahr erhöhte Be­träge in den Entwurf des Haushaltsplans des Reichs für das Rechnungsjahr 1929 eingesetzt. Die von der Reichs- cegierung aus den Grenzfonds I und II im engeren Grenz- zürtel an der Westgrenze und in Baden geförderten Hilfs» Maßnahmen sind in der Durchführung begriffen und wer­den voraussichtlich im Laufe des Rechnungsjahres 1929 zum Abschluß kommen.

*

Unsichtbare Schäden.

Ergänzend wird mitgeleilt, daß die Vorarbeiten für die Aufstellung eines einheitlichen Hilfsprogramms vor­aussichtlich im Laufe des Sommers soweit fertiggestellt werden können, daß die von dem Reichsminister für die

»ussichtlich im Laufe des Sommers werden können, daß die von dem $ besetzten Gebiete angekündigte besondere Gesetzesvorlage im Herbst eingebracht werden dürste. Alle unsicht­baren Schäden lassen sich nicht in Zahlen, fassen und können deshalb auch nicht durch die Entschädigungen des Reiches ausgeglichen werden. Diese Schäden werden ver- rrsacht einmal durch die allgemeinen Auswirkungen des ®-e^hrrrrvr-®-rt* c t 8, zweitens durch dre Besetzung rn sich, drittens durch die sogenannteblutende Grenze", unter der der Westen durch den Verlust von E u p e n und Malmedy, die Aufhebung der Zollunion mit Luxem­burg, die Abtrennung des Saargebiets und andere Umstände ähnlich schwer leidet wie der deutsche Osten, und viertens durch die Entmilitaristerung des linken Rheinusers und der 50-Kilometer-Zone auf der rechten Seite des Rheines, weil durch die Kontrollbestim­mungen die wirtschaftliche und namentlich die verkehrs- mäßige Entwicklung dieser Gebiete ungemein gehemmt wird. Die Reichsregierung wird diesen Schäden, wie es in dem Schreiben des Ministers Severing zum Ausdruck kommt, auch in Zukunft ihre Aufmerksamkeit widmen.

w a l ö ; aus dem Feldberg sank das Quecksilber in der Ostermontagsnacht bis auf minus 7 Grad. Schlesien stand Dienstag im Zeichen starker Schneefälle. In ver- schiedenen Gebieten des Reiches, so in Bayern und a m R h e i n, gingen heftige Wintergewitter mit Schnee, Regen und Hagel nieder. Frostig, stürmisch und regnerisch ver- liefen die Festtage auch in B e r l i n.

In den Berglagen der S ch w e i z hat der Wintervoll und ganz seinen Einzug gehalten. Das St. Gotthard- Gebiet erreichte mit minus 18 Grad Celsius einen für diese Jahreszeit ganz achtbaren Kälterekord.

Schwere Sturmschäden in Amerika.

Mehrere Staaten des mittleren Westens der Vereinig ten Staaten sind von tornadoartigen Stürmen Heimgesuchi worden. Nach den bisher vorliegenden Meldungen hat das Sturmwetter elf Todesopfer gefordert. Der Sachschaden durfte mehrere Millionen betragen.

politische Rundschau

Deutsches Reich

150 Millionen an den Reparationsagenten.

Die am 1. bzw. 2. April fällig gewordene erste Halb- fahresrate der Jndustriebelastung für das fünfte Repara- tronsjahr in Höhe von 150 Millionen Goldmark ist von der Bank für deutsche Jndustrieobligationen an den Ge­neralagenten für Reparationszahlungen für Rechnung des Treuhänders für deutsche Jndustrieobligationen über- wresen worden.

Ostoberschlesische Schulfragen.

Wie aus Genf gemeldet wird, werden die deutsch- polmschen Verhandlungen über verschiedene oberschlesische Schulfragen, die unter dem Vorsitze des japanischen Ge­sandten Adatschi, der sie in seiner Eigenschaft als Bericht­erstatter über diese Fragen vor dem Völkerbund leitet, in der letzten Woche in Paris begonnen und während der Ofterferien unterbrochen worden waren, noch in dieser Woche wieder ausgenommen werden. Die Meldung be­zeichnet die Aussichten der Verhandlungen als günstig.

Belgien.

Hungersnot im belgischen Mandatsgebiet.

Der britische Missionar Dr. Church hat einen Appell zur Linderung der grauenhaften Zustände im belgischen Mandatsgebiet von Ruanda veröffentlicht, das erein Land lebender Skelette" nennt. Er berichtet, daß Tausende von Eingeborenen auf den mit Leichen besäten Wegen