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kersfel-er Kreisblatt M

Vel Wiederholungen wird ein entspreckend« pttle- NachlaS gewährt. ♦ Zür die SchriMeitung verant. »örtlich r $rong Zunk in tzersftld. ♦ §«nsp«chrr Nr. 8

Amtlicher Anzeiger für -e« Kreis Hersfelö

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mit ben Beilagen: Allaßriertes UnterhaltuNgsblatt / Nach Ieierabekb / Aerb vub Schslle / Auterbaltsug ssb Wissen Belehrottg uvb Knerwell / WEEckafEliLe TageSfrageu.

Nr. rs

Erstes BW

Sonnabend, den 30. März 1929

79. Jahrgang

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Mößerliche Veirschiungen.

Ein schauriges Familiendrama. — In Qualm und Rauch.

Unerträgliche Gewaltherrschaft.

War es eine „stille" Woche, diese Woche vor dem Oster­fest, die der innerlichen Vorbereitung auf die Feier der Auferstehung gewidmet sein soll?, Eingeleitet wurde sie durch die Schreckenstat in den gräflichen Räumen des Schloßgebäudes von Jannowitz,mit deren Aufklärung jetzt die berühmtesten Mordspezialisten der Reichshauptstadt beschäftigt sind. Ein Familiendrama in einem der ältesten deutschen Fürstenhäuser, ein von ab­grundtiefer Verworfenheit zeugendes Verbrechen, wenn die bisher getroffenen polizeilichen Feststellungen den noch ausstehenden richterlichen Nachprüfungen standhalten soll­ten. Nicht viel weniger fürchterlich wäre es, wenn der Verdacht Bestätigung finden sollte, daß der Riesen­brand, dem wieder einmal ein Wunderwerk deutscher Technik und deutschen Arbeitsfleißes, der für die trans­atlantische Fahrt bestimmt gewesene neue Lloyddampfer „E u r o p a", in der Hauptsache zum Opfer gefallen ist, von ruchloser Menschenhand mutwillig verursacht sein könnte. Sachwerte in Höhe von 2—3 Dutzend Millionen sind hier in wenigen Stunden in Qualm und Rauch aufgegangen. Aber das wäre immerhin ein Schaden, der sich so oder so ersetzen ließe; wenn aber wirklich niedrige Rachsucht oder Haßgefühle irgendwelcher Bestien in Menschengestalt hier am Werk gewesen sein sollten, um mit Hilfe der verzehren­den Macht der Elemente zu zerstören, was Tausende von willigen Händen in sinnvoller Zusammenarbeit während der knappen Bauzeit von rund 1% Jahren geschaffen hatten, so müßte man fast verzweifeln an der Idee einer aufbau- und tragfähigen Volksgemeinschaft, derer wir ja gar nicht entraten können, wenn wir den uns gestellten Aufgaben gewachsen bleiben wollen. Wir fühlen es mit jedem Tage mehr, wie schwer es uns fällt, den staatlichen Notwendigkeiten im Reich, in den Ländern, den Forderun­gen des Gemeinwohls in den Kommunen zu genügen, und die Pariser Sachverständigenkonferenz, deren Ende immer noch gar nicht abzusehen ist, bringt es uns jetzt wieder zum Bewußtsein, wie sehr unser Schicksal noch abhängig ist von dem anten e^, Willen.

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Muß doch der Oberpräsident der Rheinprovinz in der soeben fertiggestellten Denkschrift über die Besetzungsnöte von „unerträglicher Gewaltherrschaft" sprechen in einem Land, das auf mehr als zweitausend- jährige Kultur zurückblicke, und das Wort des preußischen Ministers des Innern zitieren, der nach einer Besichti­gungsreise durch die besetzten Gebiete erklärte, größeres Elend und größere Armut in ganz Preußen noch nicht ge­sehen zu haben. Nicht weniger als 316 Sondergesetze, „Ordonnanzen" genannt, hat die Interalliierte Rheinland­kommission in Kraft gesetzt. Es gibt keine Versammlungs­und keine Preßfreiheit, deutsche Staatsbürger werden vor fremden Kriegsgerichten abgeurteilt und nicht einmal die selbstverständliche Rechtswohltat deutscher Verteidigung wird ihnen belassen, seitdem das neue französische Militär­gesetz angeblich „mildere" Rechtszustände in dem besetzten Gebiet eingeführt hat. Starke Verarmung und erschreckend hohe Sterblichkeit, insbesondere unter der Landbevölkerung, sind Signaturen dieser Lage, und selbstverständlich gibt es nirgends in Deutschland höhere Arbeitslosenziffern als in den Bezirken von Köln, von Koblenz' und Trier. Kommunale Steuer- zuschlüge von600bis 10 0 0 P r o z e n t sind keine Seltenheit im besetzten Gebiet — was die Franzosen natürlich nicht im mindesten davon abhält, Deutschland Tributzahlungen auf fünfzig, sechzig oder wer weiß wie lange Jahre noch zuzumuten, die nur eine von Gesundheit strotzende Volks- und Staatswirtschaft aufzubringen im­stande wäre. Im sächsischen Industriegebiet muß eine etwa dreitaufend Einwohner zählende Ge­meinde, die Uhrenstadt Glashütte, Konkurs anmelden, weil sie nicht mehr in der Lage ist, ihren Anleiheverpflich­tungen zu genügen, und das ehemals blühende Berg­revier von Waldenburg in Schlesien ist dem Unter­gang geweiht, weil die dortigen Betriebe nach den ganzen Veränderungen der Wirtschaftslage wie der Grenzverhält- nisse in Schlesien und Oberschlesien nicht mehr zu halten sind.

Für alle diese Vorboten einer Gesamtkatastrophe unserer Wirtschaft zeigen weder Franzosen noch Eng­länder, weder Belgier noch Italiener auch nur das ge­ringste Interesse. Das Reichsgericht in Leipzrg aber muß sich unausgesetzt mit Landesverrätern befassen, die eben diesen unseren Nachbarstaaten diese oder ;ene murta- rischen „Geheimnisse" für teures Geld zu verschachern bereit und fähig waren. In die einzige Geschutzfabrtk, dre der Versailler Vertrag uns belassen hat, sollen französische Versucher sich einzuschleichen verstanden haben, anscheinend um die Einzelheiten der artilleristischen Bestückung des neuen Panzerkreuzers^. mit Hilfe deutscher Ver­räter in Erfahrung zu bringen. Sollen wer auch dann etwa freundnachbarliche Bemühungen sehen und um ihretwillen unsere Bereitschaft zur Aufbrmgung immer neuer Milliarden für den Geldhunger der Franzosen und ihrer Vasallen geradezu ins Ungemessene stergern? Das wäre reichlich viel verlangt. Nur gut, daß Dr. Schacht wenigstens für solche Zumutungen nicht zu haben ist; auch nicht auf die Gefahr hin, daß seine wochenlangen Be­mühungen in Paris ganz und gar vergeblich bleiben sollten. ______ _ Dr. Sy.

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Vorschläge in der Sachverständigenkonferenz.

In der letzten Vollsitzung der Reparationskonferenz vor Ostern haben die Delegierten der vier Hauptgläubiger, länder Frankreich, England, Belgien und Italien eint formulierte Erklärung über ihre Ansprüche vorgebracht, desgleichen der Vorsitzende der Konferenz, Owen Uoung, aber nur in seiner Eigenschaft als Vor­sitzender und nicht als amerikanischer Delegierter. Diese beiden Vorschläge enthalten, wie ausdrücklich betont wird,

keine

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e Zahlen, sondern sind lediglich grundsätzliche sführungen, auf welchem Wege man am besten zur Diskussion über die Höhe der Reparationsverpflich­

tungen nach Ostern gelangen kann. Beide Vorschläge wurden schriftlich formuliert sämtlichen Delegierten über­mittelt, damit sie Gelegenheit haben, sie während der Osterpause zu prüfen. Die nächste Sitzung der Konferenz findet am Donnerstag, den 4. April, statt.

Der „Matin" weiß über die. Vollsitzung der Sachver­ständigenberatung noch zu berichten, daß der Vorsitzende der Konferenz, Owen Uoung, Schacht nicht gebeten habe, irgendeine Zahl zu nennen, ihn aber ausgefordert habe, dem Ausschutz mitzuteilen, ob er bereit sei,> die deutschen Angebote aus der Grundlage der alliierten Forderungen (Deckung der Schulden und Ersatz der Kriegsschäden) aufzubauen. Falls dies nicht der Fall sei, so habe Owen Uoung hinzugefügt, müsse die Konferenz fristlos vertagt werden. Schacht habe in seiner Antwort auf die deutsche Leistungsfähigkeit zurückkommen wollen, worauf ihn Owen Uoung jedoch mit den Worten unterbrochen habe: „Keine Zahlen, sagen Sie uns, ob Sie , unsere Verhand­lungsgrundlage annehmen." über die Antwort Dr. Schachts werde das größte Stillschweigen bewahrt.

Zwei Schüsse in ZannVWitz.

Mötzliche Erkrankung des.HatAuchungsrichters.

Den Ermittlungen Ln'JannowiH hinzugezogene Berliner Schießsachverständige, der eine anerkannte Auto­rität ist, ist zu dem Schluß gekommen, daß in der fraglichen Nacht nicht nur ein, sondern zwei Schüsse abge­geben worden seien, und daß die aufgefundene Kugel nicht das todbringende Geschoß gewesen sei, sondern daß ein zweiter Schuß abgefeuert worden sein müsse. Träfe das Sachverständigengutachten zu, dann läge nicht fahr­lässige Tötung, sondern wahrscheinlich Totschlag vor, der im Anschluß an eine vorausgegangene Auseinandersetzung erfolgt sein müßte. Gerichtschemiker Universitätsprosefsor Dr. Brüning ist aus Berlin nach Jannnowitz berufen worden.

Gräfin Erika, die Mutter des Verhafteten, und die Komteß Antonie wurden wieder eingehend verhört namentlich wegen der B r i e f e, die in der M o r d n a ch t verbrannt worden sind. Die Kriminalpolizei ist zu der Ansicht gelangt, daß die vernichteten Briefe durchaus harmloser Natur gewesen seien. Weiter hat die Ver­nehmung der Gattin des ermordeten Grafen Eberhard und der ältesten Schwester des verhafteten Grafen Christian, der Gräfin Antonie, ergeben, daß Graf Christian sich ihnen in der Mordnacht nicht, wie es verschiedene Gerüchte be- hanpteten, anvertraut hat. Graf Christian hat vor dem Untersuchungsrichter eine neue Darstellung der Umstände gegeben, unter denen der Schuß losgegangen sei. Diese Erklärung soll den Zweck gehabt haben, den Hergang deutlicher und verständlicher zu machen. Sie soll , von feinen früheren Aussagen in mancher Beziehung abweichen und wird bei der weiteren Entwicklung der Untersuchung unter Umständen noch eine sehr wichtige Rolle spielen.

Landgerichtsrat Thomas, der Untersuchungsrichter in der Jannowitzer Mordangelegenheit, mußte plötzlich in ein Sanatorium gebracht werden, wo er sich sofort einer Blinddarm operation unterziehen ließ. An feine Stelle tritt Landgerichtsrat Späthe, der früher 'Staats­anwalt am Hirschberger Landgericht war, als Leiter der weiteren Untersuchung, die durch diesen Wechsel natürlich eine gewisse Verzögerung erleiden dürfte.

LandVirischafiiicher Käuferstreik.

Was nicht mehr gekauft werden darf.

Nach dem einstimmigen Beschluß der Vertrauens- männerversanlmlung des Provinziallandbundes Han­nover beginnt am 1. April der allgemeine Käuferstreik der Landwirtschaft. Dieser Beschluß wird jetzt den Kreis­landbünden bekanntgegeben. Danach dürfen nicht mehr gekauft werden: Kleider, Wäsche, Jndustrieerzeugnisse aller Art, Haushaltungsgegenstände, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte. Schadhaftes soll durch gegen­seitige Hilfe ausgebessert oder durch Entleihen von Nach­barn ersetzt werden. Alle Neu- und Umbauten sollen unterbleiben, Ausbesserungen auf das Notwendigste be­schränkt werden. Ab 1. Mai soll jeder Kunstdünger kauf eingestellt werden.

Man ist der Ansicht, daß es ein Jahr lang und auch länger ohne Kunstdünger geht. Der mit der Landwirt­schaft schicksalsverbundene Mittelstand soll jedoch möglichst geschont werden. Landwirte, die Mitglieder eines sozial- demokratischen Konsumvereins bleiben, werden als Ver­räter bezeichnet. Großstadtzeitungen, die dem Landvolk in den Rücken fallen, wird der Kampf angesagt.

Die Pariser Presse berichtet, zum Teil in offenbar tendenziöser Weise, über den Verlauf der letzten Vollsitzung des Reparationsausschusses und sucht, wie der „Petit Parisien", in der öffentlichen Meinung den Ein­druck zu erwecken, als fei die deutsche Delegation vor das Ultimatum gestellt worden, bis kommenden Donnerstag mit Zahlen belegte Vorschläge zu unterbreiten. Davon kann keine Rede sein, vielmehr hat man nur versucht, eine neue Verhandlungsmethode aufzustellen, durch die man eine Basis für die Diskussion über die Höhe der Reparationsverpflichtungen baldigst gewinnen zu können glaubt. In den Memoranden, so schreibt der „Petit Parisien", werde Dr. Schacht gezeigt, daß der alliierte Block, den er durch geschickte M a n ö v e r s p r e n - g e n zu können gehofft habe, und der sich tatsächlich ein wenig gelockert hat, jetzt seine Einheit wiedergefunden habe. Das Verdienst hierfür falle zu einem großen Teil Owen Uoung zu, der zuerst gewisse Argumente der euro­päischen Gläubiger Deutschlands, namentlich hinsichtlich des Schadensersatzes, abgelehnt, aber schließlich zr^ gestanden habe, daß sie begründet seien, so daß er sich ihnen im weitestem Maße angeschlossen habe. Die,e Solidarität des ersten amerikanischen Delegierten mit seinen europäischen Kollegen, die sich eindrucksvoll gezeigt habe, müsse de- heilsamsten Einfluß auf die spätere Hal­tung der Deutschen ausüben.

Demgegenüber ist festzustellen, daß Owen Uoung lediglich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Kon­ferenz und nicht als amerikanischer Delegierter ge­sprochen habe. Man kann annehmen, daß die amerika­nischen Delegierten die bis jetzt eine Meinung in der Zahlenangelegenheit noch nicht geäußert haben, vorläufig diesen Standpunkt beibehalten werden.

Verlängerung des mitteldeutschen

Um fünf Jahre.

Das Reichswirtschaftsministerium teilt mit: Das mitteldeutsche Braunkohlensyndikat, dessen Dauer mit dem 31. März 1929 endigen würde, ist von der Gesellschafter­versammlung nach Vornahme einer Reihe von Satzungs­änderungen um fünf Jahre verlängert worden. Durch Verordnung vom 28. März 1929 hat der Reichswirtschafts­minister einzelne Besitzer von Braunkohlenbergwerken, die den Beschlüssen der Gesellschafterversammlung nicht bei- traten, dem Syndikat beigefügt.

Bei einer Reihe von Werken mußte der Weg der zwangsweisen Beifügung gewählt werden, weil wegen der Kürze der bis zum Ablauf des 31. März noch zur Ver­fügung stehenden Frist aus formellen Gründen ein frei­williger Beitritt nicht mehr herbeigeführt werden konnte.

Eine Gedenkmünze zum 50jährigen Priester­jubiläum

wurde von dem Münchener Bildhauer Karl Roth ge­schaffen. Die Vorderseite zeigt den von der Tiara ge­krönten Kopf des Heiligen Vaters, die Rückseite das päpst- liche Wappen, das sich aus dem Familienwapen Pius XI.

und den apstlichen Jnfignien zusammensetzt. Darum steht die Unterschrift: Du bist Fels, und auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen. — Die Münze wird im Bayeri­schen Hauptmünzamt in der Größe eines Fünfmarkstückes in Femstlber und in Dukatengold, außerdem in 15 Milli­meter Durchmesser in Dukatengold geprägt.

Hinrichtung eines chinesischen Marschalls.

Neue Gefahren für den Bürgerkrieg.

Marschall Lichaisum, der in Südchina viel zur Herbei­führung einer englisch-chinesischen Annäherung getan hat, ist in Nanking hinger ichtet worden, obgleich drei führende Mitglieder der Nankingregierung und auch Tschiangkaischek sich für fein Leben eingesetzt hatten.

In chinesischen Kreisen nimmt man an, daß die Hin­richtung Lichaisumsdas AufflammendesBürger- k r i e g e s in großem Maßstab nach sich ziehen dürfte. Man erwartet, daß die Führer der Bewegung in Kwangst sich jetzt bemühen werden, ein gemeinsames Vorgehen mit Hankau herbeizuführen, dessen Ziel ein kombinierter Vor­marsch aus Nanking wäre.