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HersfelöerTageblatt

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis tzersfelS

L«^N«WK«Z 1.20 Rrlchs-Mark bei stritt Zustellung, Abholer 1.00 Krlchs-Mark. druck und Verlag von Luowtg Zank« Nuchöruckerei in Herrfelb, Mitglied öer vDZV.

mit Sea Beilagen: Illustriertes Anterbaltungsblatt / Nach Seisrabeuß / AeeS nah Scholle / Unterhaltung unS Wisse« Belehruug uuö Kurzweil / Wirtschaftliche SaseSfrageu.

Nr. 74

Donnerstag, den 28. März 1929

19. Jahrgang

Ariedrichshafen Jerusalem

Die Reparaiiousbesprechungen

Es will nicht vorwärtsgehen.

Zeppelin" aus der MksM

über dem Olberg.

In 17stündiger Fahrt legteGraf Z e p p e l i n" die Reife von Friedrichshafen bis zur asiatischen Küste bei Jaffa zurück. Die dortige Bevölkerung bekundete ihre Freude durch lebhaftes Schwenken von Tüchern und Fahnen, sie füllte die Straßen und drängte sich winkend auf den flachen Hausdächern zusammen. Vom Hafen her heulten zur Begrüßung die Sirenen. Das Hochrufen der Menschenmengen war sogar an Bord hörbar. Um 18,20 wurde Jerusalem überflogen. Es war schon dunkel, in einem Lichtmeer erschien als dunkler Schatten der £ l - berg. Das Luftschiff warf seine Postsäcke ab und tauschte mit den englischen Fliegern FunkgrüLe aus. Um 18.30 HA* iiAö*ff

eine Botschaft an das ägyptische Volk richten. Eckener habe darauf gesagt:

Von u n g ü n st i g e n Winden leider gehindert, Ägypten zu überfliegen, grüßen die Passagiere desGras Zeppelin" von der Schwelle dieses märchenhaften Landes aus das Land und seine uralte Kultur; sie hoffen, daß das nächste Luftschiff, das hierherkommen wird, gün­stigere Wetterbedingungen vorfinden möge und dem ägyptischen Volk das moderne Luftschiff als ein

Symbol des friedlichen Verbindungsmittels zwischen Völkern zeigen wird."

(Dr. Eckener meinte, wie dazu berichtet wird: ungünstigen politischen Winde, eine Anspielung das englische Verbot der Überfliegung Ägyptens.)

Auf der Rückreise.

den

Die aus

Trotzdem die Verhandlungen in Paris über Art und Umfang der deutschen Schuldverpflichtungen nun schon acht Wochen im Gange sind, ist ein merklicher Fortschritt kaum zu spüren. Alle Meldungen über bevorstehende Einigung, zu der auch Deutschland Ja und Amen sagen könnte, stellen sich hinterher als unbegründet heraus. Der Hauptwiderstand scheint von französischer Seite auszu- gehen. Ein deutlicher Beweis dafür sind die Auslassungen der Pariser Presse, die mit unzähligen Erfindungen und kniffligen Auseinandersetzungen jeden Tag aufs neue Hat« zumachen sucht, D e u t s ch l a n d sei es, das durch allerlei Manöver die Erledigung des Problems hinauszuschieben suche. Wer den wirklichen Sachverhalt mit offenen Augen betrachtet, weiß solche Behauptungen als das zu erkennen, was sie sind: Versuche zur Stimmungsmache für Frank­reichs übersteigerte Ansprüche.

was

Uhr überslog das Luftschiff das T o t e M e e r.

An der Schwelle von Ägypten.

In Port Said kehrte es zum Rücksluge um. Dr. Eckener sandte dem Ministerpräsidenten von Ägypten folgenden Funkspruch:Die Bemannung und die Passagiere desGraf Zeppelin", am Rand des Lan-

des der Tausend Wunder angelangt, bitten Ew. Exzellenz, Seiner Majestät dem König F u a d ihre achtungsvollen Grüße und ihre Glückwünsche zu Seiner Majestät heutigem Geburtstag z

gnügen zu haben, Ew. Majestät als hochwillkommenen und geehrten Gast in Deutschland begrüßen zu können."

Vom Bord des Luftschiffes wird bekannt, daß Dr. Eckener gebeten wurde, er möge auf der Höhe von Port Said, bevor das Luftschiff wieder Kurs nach Hause nähme,

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: Glückwünsche zu Semer Majestät heutig, übermitteln. Sie freuen sich, bald das V

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gaben, Ew. Majestät als hochwillkommenen

Das Luftschiff besand sich Mittwoch morgen vier Uhr nordwestlich der Insel Melos und überslog um sechs Uhr Athen. Zur allgemeinen Freude kehrte es um neun Uhr zurück und überslog die Stadt Athen zum zweiten Male. Der gesamte Verkehr in der Stadt und das ge­samte öffentliche Leben standen eine Viertelstunde lang still. Alles starrte gebannt auf das Luftwunder. Der Eindruck war gewaltig. Das aus der Akropolis zusammengedrängte Volk brach in begeisterte Hochrufe aus. Die Fahrtrich­tung ging nicht über die Dardanellen, sondern in Richtung zum Adriatrschen Meer. Um 12 Uhr mittags teilte das Luftschiff folgenden Standort mit:Quer ab K o r f u."

Zeppelin" über Ragusa.

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( Reichsarbeitsminister Wisse«

gab bei einer Versammlung in Hildesheim soeben ein der deutschen Auffassung und Notwendigkeit wesentlich näherkommendes Bild. Der Bericht des Reparations- agenten über das letzte Dawes-Jahr schildere Wohl die Fassade Deutschlands, nicht aber das Elend, das in der Millionenzahl von Arbeitslosen zum Ausdruck komme. Weder über die Höhe der Jahresleistungen noch über die Dauer der Zahlungen sei in Paris bis jetzt Positives in der Öffentlichkeit bekanntgeworden. Die mit dem Plan einer Reparationsbank durchzuführende Entpolitisierung des Reparationsproblems sei zu be­grüßen, jedoch mache die der Bank in den Schoß fallende Machtfülle dieses Institut kaum tragbar. Das deutsche Volk müsse freivon allen Bindungen nach innen werden, damit es selbst bestimmen könne, w i e die Lasten aufgebracht werden sollen. Maßgebend bei allem müsse sein, was auch das Dawes-Gutachten festgesetzt habe, daß der L e b e n s ft a n d a r d des deutschen Walkst «^$

Zm Flammenmeer des Szeanriesen.

Die Wiederherstellungsarbeiten.

Nachdem der Brand auf derEuropa" gelöscht ist, beschäftigt man sich mit der Frage, wie das Schiff auf chnellste Weise wiederhergestellt werden kann, hierüber sind gegenwärtig seitens der Werft und der Direk- -ion des Norddeutschen Lloyds Erwägungen im Gange. Wie verlautet, soll bereits in der nächsten Woche mit den Wiederaufbauarbeiten begonnen werden, die voraussicht­lich vier bis fünf Monate in Anspruch nehmen dürften.

Zurzeit ist man eifrig damit beschäftigt, den aus Nrund festliegenden Schiffskörper leerzupumpen und den örandschutt, der teilweise meterhoch liegt, fortzuräumen.

Die Zerstörungen.

Wie der Norddeutsche Lloyd zum Brand derEuropa" nitieilt, war die Kammeranlage des Schiffes im Rohbau aufgestellt. Von den Saloneinrichtungen und von »er inneren Kammereinrichtung war nichts an Bord. Sie Kammerwände haben im Mittelschiff an den Seiten ßeuer gefangen und sind mit allen schon verlegten Rohr- »nd Kabelleitungen zerstört. Hierbei ist die Eisenkonstruk- !ion der Ausbauten des Schiffes in Mitleidenschaft ge­logen. Der Hintere Teil des Schiffes sowie die gesamten Raschinen- und Kesselanlagen sind vom Steuer verschont geblieben. Durch die bei der Bekämp­fung des Feuers aufgewendeten Wassermengen hat sich »er Tiefgang des Schiffes so vergrößert, daß es nunmehr mf Grund liegt. Eine Kentergefahr für das Schiff be- teht nicht. Inwieweit alle Eisenkonstruktionsteile des Schiffes durch den Brand der Holzeinbauten gelitten jaben, bleibt noch weiteren Untersuchungen Vorbehalten. DieEuropa" war durch die Werft bei fast allen deutschen Versicherungsgesellschaften versichert. An der Rückver­sicherung sind auch ausländische Gesellschaften beteiligt.

Der Schaden, der bis zu 50 Millionen geschätzt wurde, wird jetzt mit etwa Z0bis25Millionen an­genommen, da die wertvollen Kessel- und Maschinen- inlagen vom Feuer verschont geblieben sind und die Ein- 'ichtungsgegenstände für die Kabinen und die Gesellschafts­räume sich noch nicht an Bord befanden. Als besonderer Mücksumstand wird es bezeichnet, daß50TonnenL>l, »ie in einem Tank im Hinterschiff gelagert waren, nicht rxplodiert sind.

Die schwierigen Löfcharbeiien.

Die Feuerwehr konnte von der Wasserseite aus zu­nächst nicht an Bord gelangen, weil dort keine Stellagen und Fallreeps zum Aufentern vorhanden waren. Durch eine Luke konnte sie schließlich ins vierte Deck einsteigen, wo sie feststellen mußte, daß die drei Oberdecks bereits über Laie ganze Mitte des Schiffes bräunten. Die Löscharbeiten »gestalteten sich sehr schwierig, da das ganze Oberschiff Wald ein einziges Flammenmeer bildete, das /Über der Mastspitze zusammenschlug. Die Tatsache, daß »äch das Schiff noch im Bau befand und die Wasser- und «feuerdichten Schotten noch nicht geschlossen waren, be- zünstigte die schnelle Ausdehnung des Feuers, das im übrigen in den zahlreichen Baugeräten und Stellagen sowie frischen Farbenanstrichen und der Teerkalfaterung reichlich Nabruna fand. Zudem wurden die Flammen

hurchdenWind vom Heck bis zum Bug vorgetrieben. Von der Landseite.aus wurde das Feuer mit zehn Lösch- zügen, von der Wasserseite aus mit zwölf Löschdampfern bekämpft. Als man hoffen konnte, durch die vereinigten Lemühungen den Brand in die Gewalt zu bekommen, neigte sich der Schiffskörper infolge der hineingeslossenen Wassermenge zur Seite. Darauf wurden alle Mann vom Deck zurückgezogen, wodurch die Feuer- bekämpsung erheblich eingeschränkt wurde und der Brand wieder größere Ausdehnung gewinnen konnte. Als später beim Einsetzen der Ebbe die Gefahr des Kenterns dadurch

DieEuropa" in Flammen.

Die Lanöwirifchast im Osten.

Oberschlesiens Lage.

Die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Oberschlesien wurde in Oppeln eingeleitet durch ein Referat des Präsidenten über die Lage der oberschlesischen Landwirtschaft. Die Verschuldung der oberschlesischen Landwirtschaft habe bereits 1927 114 Millionen Mark ausschließlich mindestens 20 Millionen laufender Be­triebsschulden betragen. Die Wirtschaftskatastrophe größten Ausmaßes, vor der der Osten Deutschlands stehe, könne nur durch rasche und umfassende Maßnahmen aus zoll-, Handels- und wirtschaftspolitischem Gebiete ab­gewandt werden.

Im Verlaufe der Versammlung wurde eine Ent­schließung angenommen, in der die Landwirtschaft von Oberschlesien die Reichsregierung dringend bittet, im Interesse der Erhaltung einer lebensfähigen Land­wirtschaft im gefährdeten Osten unverzüglich die in dem Programm der vereinigten landwirtschaftlichen Spitzen- verbände vorgeschlagenen Maßnahmen durchzuführen.

beseitigt war, daß die Steuerbordseite des Schiffes aus festen Grund zu liegen kam, wurden wieder Löschkräfte an Bord geschickt. Das Feuer hatte jedoch inzwischen zu große Gewalt gewonnen, als daß es wirksam bekämpft werden konnte.

Wer trägt die Schuld?

Über die Ursache des Brandes herrscht nach wie vor völlige Ungewißheit, und ob es bei der Eigenart der Brandstätte möglich sein wird, sie überhaupt zu ermitteln, - - ~p - - * ' Ausbreitung

steht dahin. Es verlautet, daß nach Art der .

des Feuers Sabotage vermutet werden kann, zumal ein, wenn auch unbedeutender Sabotageakt erst kürzlich aus dem Schiff vollführt worden war. £ - >

Erleichterung am ArbsiisMÄrki.

Überwindung derFrosteinwirkung.

In der Berichtswoche vom 18. bis 23. März hat der schwer belastete Arbeitsmarkt eine spürbare Erleichterung erfahren. Sie war allerdings in den ländlichen Bezirken, st zuerst den Frühjahrsaufschwung tragen, geringer ... den größeren Städten. Auch die einzelnen Landes- arbeitsamtsbezirke waren ungleich beteiligt; als Grenz- sälle standen sich Ostpreußen, in dem die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger um rund 600 fiel, und Westfalen, in dem sie um 22 000 zurückging, gegenüber. Man kann also annehmen, daß zunächst nur die Wirkun- gen des ungewöhnlich strengen Frostes überwunden sind, und daß dienormale" jahreszeitliche Entlastung noch kaum begonnen hat. ^ ' "

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Geemannstss.

Drei Dampfer mit 41 Mann verschollen.

Durch Spruch des Hamburger Seeamtes wurden drei Dampfer mit ihren Besatzungen für verschollen erklärt. Es handelt sich um die DampserR e n a t e",Berlin" undImmenho f". Der Altonaer FischdampferRe- nate" war mit einer Ladung Holzmasse am 22. November vorigen Jahres von der Elbmündung aus in See ge-

gangen und auf der Fahrt nach Amsterdam überfällig geworden. Er ist mit 1 5 Mann Besatzung wahr­scheinlich den Herbststürmen der Nordsee zum Opfer ge­fallen. Nur die Leiche eines dänischen Matrosen sowie ein Rettungsboot derRenate" waren an der holländischen Küste angetrieben worden. Der Kuxhavener Fischdampfer Berlin" war am 23. November vorigen Jahres von Kux- Haven aus mit Bestimmung nach dem Weißen ^Meer in See gegangen. Von ihm wurde später ein gürtel beim Elbfeuerschiff H gesunden und ferne Leiche des Schiffskochs bei Helgoland aufgesischt.

mutlich ist der Dampfer mit der 13köpfigen B e - s a tz u n g in der Elbmündung gesunken. Auch der dritte für verschollen erklärte Hamburger DampferJmmenhos" hatte 13 Mann Besatzung an Bord. Er dürfte ebenfalls in den Herbststürmen der Nordsee untergegangen sein.

Drei Tote bei einem SchiffSbrand.

In dem dänischen Hasen Horsens entstand im Mann­schaftsraum des 4000 Tonnen großen, vor Anker liegenden schwedischen DampfersEtna" Feuer. Von den vierzehn Mann der Besatzung gelang es nur elf, die steile Treppe hinauszukommen. Die übrigen drei wurden von den Feuerwehrleuten, als es diesen nach etwa zweistündigem t Kampf mit den Flammen gelang, des Feuers Herr zu; werden, im Mannschaftsraum als stark verkohlt« Leichen gesunden. Ein Heizer hat schwere Brand­wunden erlitten und liegt im Krankenhaus in bedenklichem Zustande danieder.

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