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HersfelöerTageblatt

ftMtgrnpret,; St» «tn^alktg« petttZrtle 15 Pfmata, öt» ReName^ttl» 50 Pfennig. (GrukSschrift Korpus). Bei WItdechslungen wir- ein eutjprechrnötr preis* Nachlaß gewährt §ür die Schristleitung oeranf* «srtltch: Kranz Kunk in ^tesfeld.«- Kernfprecher Nr. 8

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Heesfelö mit des Beilagea: Aliustrieetes Anterhaltungsdlatt / Mach UeiekübMß / AskS KKS Scholle / UWkerhaliWng voS Wlffeo BelehrAkA und ««erweü / Wirtschaftliche Uagösttageu.

SßsaatSAee Bqogspeeis; durch Sir Post bezogen 140 Neichs-Mark, ausschließlich VestrllgekS, für sitrsfelS 1.20 Keichs-Mark bei freier Zustellung, pr Abholer 1.00 Reichs-Mark. druck und Verlag von Luowig Kunks LuchSruckerel in HersfelS, MltglieS des VVZV.

Nr. 68 Donnerstag. Sen 21. Mär; 192g 79. Aahrgang

Lleberfremdung."

Daß die weltbekannte Automobilfirma Opel jetzt in amerikanische Hände gerät, hat in Deutschland ganz ge­waltiges Aufsehen erregt. Und das mit Recht: denn ein Aktienpaket von einem solchen Umfang ist Wohl noch nie­mals an das Ausland übergegangen. Aber doch ist dies nur ein weiterer, wenn auch sehr großer Schritt auf dem Wege, den die deutsche Wirtschaft vor allem nach der Stabilisierung der Währung hat einschlagen müssen nnö auf dem die Übereignung ganzer Aktienpakete an das Ausland auch keineswegs die einzige Methode bedeutet, ausländisches Kapital hereinzuholen. Nur sind solche Transaktionen wie die Opels besonders auffallend und leider ist es gerade die große deutsche Automobilindustrie gewesen, in der sich derartige Vorkommnisse im letzten Jahre nicht gerade selten abgespielt haben oder abspielen sollten.

Denn noch auf anderen Wegen marschiert das ausländische Kapital in die deutsche Wirt­schaft hinein und gewinnt dort immer größeren Einfluß. Da ist vor allem die auf eine beträchtliche Anzahl von Milliarden angewachsene Aufnahme von Anleihen im Ausland. Man schätzt, daß auf diese Weise allein in den letzten vier Jahren mindestens 4,5 Milliarden Schulden im Ausland gemacht worden sind, und zwar zu Bedin­gungen, die sich ständig verschlechtern; in allerletzter Zeit ist es freilich dazu gekommen, daß z. B. für deutsche An­leihen öffentlich-rechtlicher Körperschaften sich der ameri­kanische Geldmarkt schon so gut wie verschlossen hat, weil die Amerikaner ihr Geld selbst brauchen.

Immerhin läßt sich die Höhe dieser Anleihesummen, die Masse des auf diese Weise hereinströmenden aus­ländischen Kapitals noch einigermaßen, sicher abschätzen; viel unklarer aber liegen die Dinge bei der anderen finan­ziellen Einflußnahme des Auslandskapitals auf die deutsche Wirtschaft, nämlich hinsichtlich der Höhe, in der das Ausland für k u r z f r i st i g e deutsche Betriebskredite in Anspruch genommen worden yt. Hierüber läßt sich ^"'.irtMmi^ infolgedessen recht ausemandergehend. Doch vielleicht stimmt es einigermaßen, wenn behauptet wird, daß das Auslandskapital hier mit etwa 3 bis 4 Milliarden beteiligt i st. Gar nichts aber weiß man darüber, wie hoch sich die stillen Ankäufe deutscher Aktien durch Ausländer belaufen, Käufe, die ja ohne jede Kontrolle nicht bloß an deutschen Börsen oder deutschen Banken erfolgen können, sondern die auch an auslän­dischen Börsen und Banken zu tätigen möglich ist. Vor einiger Zeit hat der preußische Handelsminister die Ge- samtverschuldung Deutschlands an das Ausland auf etwa 10 Milliarden mindestens beziffert und diese Schätzung mag einigermaßen zutreffend sein.

Nun beschränkt sich dieser Eroberungsfeldzug des fremden Kapitals in der Hauptsache auf die Aktiengesell­schaften, hat aber einen breiten Einbruch« uchindic übrigen Wirtschaftsteile Deutschlands da­durch vollzogen, daß auch das Reich, die Länder und namentlich die Kommunen durch Aufnahme von Anleihen dem Ausland gegenüber stark verschuldet wurden, infolge­dessen vielfach der einzelne Steuerzahler für die Ver­zinsung und Amortisation dieser Schulden haftet. Nur merkt er das nicht so genau, vielfach nur dann, wenn diese Zahlungen, wie bei den Jndustrieobligationen und den Reparationsschuldverschreibungen für die Reichsbahn dem Dawes-Plan gemäß, besonders deutliche Form annehmen. Tatsächlich aber ist diese Überfremdung, also die weit­gehende Verschuldung an das Ausland, überall wirksam, weil natürlich durch den Zwang der Zinszahlung und Amortisation die Erzeugungskosten der deutschen Wirtschaft beträchtlich erhöht werden. Zuwenig denkt man auch daran, daß die Schuldsumme von etwa zehn Milliarden eine jährliche Zinszahlung von etwa einer Milliarde an das Ausland bedeutet, sich die Passivi­tät unserer Handelsbilanz um diese Summe noch erhöht. Der deutsche Arbeiter wirkt demnach sehr erheblich für das Ausland, und weil wir so viel Zinsen zahlen müssen, hemmt dies auch ganz beträchtlich die eigene Kapital- bildung im Inland. Denn leider verhindern ja auch die schweren steuerlichen Lasten, nicht zuletzt die Zahlungs­verpflichtungen des Dawes-Plans, es so ganz außer­ordentlich, daß es bei uns in der Wirtschaft zu erheblichen Überschüssen und damit zu einer raschen Kapitalneu­bildung kommt. So haben wir es leider immer wieder nötig, unsere Zuflucht zum Ausland zu nehmen, ver­schulden immer stärker und immer größer wird der Anteil des ausländischen Besitzes am deutschen Volksvermögen. Damit und das ist die darin liegende Gefahr werden, wir auch immer abhängiger in unserer Wirtschaft nicht bloß von der ausländischen Einflußnahme, sondern auch von den wirtschaftlichen Krisen im Ausland. Wir können uns immer weniger dagegen wehren, weil uns das Blut, die eigene Kraft fehlt. Freilich sind wir anderer­seits auch wieder in der verhältnismäßig günstigen Lage , eines so stark überschuldeten Mannes, daß dessen Zu- sammenbruch den Gläubiger selbst in schwerste Verlegen- heit bringen würde aber das ist doch nur ein sehr magerer Trost!

1 Und leider muß man immer fragen, ob sich die Herein­nahme dieser Riesensummen ausländischen Kapitals volks­wirtschaftlich auch wirklich gelohnt hat, ob also die Renta­bilität der mit Hilfe dieses Kapitals umorganisierten oder neugeschaffenen Wirtschaftsbetriebe in Deutschland heran gesteigert worden ist, daß der heutige Wirtschaftsertrag

Zum Mord im Grafenschlost

Wer hat Graf EtMera getötet?

Der Sohn unter Mordverdacht verhaftet.

In dem idyllisch am Fuße des Riesengebirges zwischen Waldenburg und Hirschberg gelegenen I a n u o- witz herrscht große Erregung: der allbeliebte Herr des Schlosses Jannowitz, Graf Eberhard zu Stoi­ber g - W e r n i g e r o d e, ist in der Nacht in seinem Zimmer ermordet aufgefunden worden. Feige-Mörder- hände haben ihn hinterrücks mit einem Jagdgewehr er­schossen. Der ruhige Ort füllt sich noch in der Nacht mit fieberhaftem Leben. Arzt und Landjäger eilen ins Schloß. Telegraph und Telephon arbeiten. Aus Hirschberg treffen Oberstaatsanwalt und Untersuchungsrichter mit einem Stäbe von Mitarbeitern ein. Aus Liegnitz kommt die Kriminalpolizei. -Die Untersuchung des Tatortes, die Vernehmungen der Familienangehörigen und Haus­angestellten führen schließlich zu einer zweiten Über­raschung:

Der Untersuchungsrichter erläßt den Haftbefehl gegen den ältesten Sohn des Ermordeten, den 28 Jahre alten Grafen Christian Friedrich zu Stolberg-Wernigerode, der sich bei seiner Vernehmung derart in Widersprüche ver­wickelt hat, daß er verdächtig ist, die schaurige Tat voll­bracht zu haben. Ein Auto bringt ihn ins Unter­suchungsgefängnis nach Hirschberg.

Noch ist die Tat selbst in Dunkel gehüllt und nur einzelne Verdachtsmomente haben zu der schweren Be­schuldigung des Vatermordes geführt. Was war ge­schehen? Graf zu Stolberg-Wernigerode wohnte mit seiner Familie nicht im eigentlichen Schloß Jannowitz, sondern in dem dahinter liegenden kleineren Hause, in dem sich früher das Nentmeisteramt befand. In diesem Gebäude hatte der Graf die unteren Räume, die anderen otnp ovtortrhiene Tochter und zwei schulpflichtige Töchter, die oberen Raume inner Ferner schliefen in dem Hause noch zwei Dienstmädchen. Am Mordabend hatte die Familie zusammen in dem im ersten Stockwerk. befindlichen Speisezimmer Abend­brot gegessen. Die-erwachsenen Familienmitglieder, zu denen auch der im Schloß selbst wohnende älteste Sohn, Graf Christian Friedrich, gehörte, hatten sich dann noch im Arbeitszimmer des Grafen im Erdgeschoß zu einem Plauderstündchen versammelt. Nach einer Stunde beaaben sich die weiblichen Familienmitalieder in ihre oberen Schlafräume und unten blieb nur Gras Eberhard mit seinem Sohn zurück Was sich hier im weiteren Ver­lauf abgespielt hat, muß durch die eingehende Unter­suchung noch völlig klargestellt werden. Der Sohn des Getöteten, Graf Christian Friedrich zu Stolberg-Wer­

höher ist als die Verzinsung und Tilgung der Summen, die in diese Rationalisierung hineingesteckt worden sind daß sich unser Volkseinkommen also vermehrt hat. Das wird vielfach bestritten, und zwar gründet sich dieser Pessimismus darauf, daß namentlich in letzter Zeit infolge der Wirtschaftskrise die Erzeugungsmöglichkeiten unserer Industrie, nicht zuletzt auch wegen der ihr entgegen- gestellten Absatzschwierigkeiten im Ausland, längst nicht so ausgeschöpft sind, wie es eine wirkliche Rentabilität über jene Auslandverschuldung hinaus verlangen müßte. Und wenn dies wahr ist, so wird d a s L o ch i m m e r g r ö ß e r. durch das die übersremdung unserer Wirtschaft Einlaß findet. ,

D§r RÄeiai angenommen.

(59. Sitzung.) CB. Berlin, 20. März.

Der Reichstag nimmt die zweite Beratung des Rotetats vor, der bis zum 30. Juni Geltung haben soll Im Ausschuß ist die von der Regierung erbetene Ermächtigung, über ein Viertel der Etatsansätze für 1929 verfügen zu dürfen, nicht angenommen worden, sondern es wurde beschlossen, den zur Verfügung zu stellenden Betrag auf ein Fünftel zu reduzieren.

Abg. Freiherr von Richthofen (Dtn.) schildert die Notlage unserer gesamten Wirtschaft und unseres Staatswesens. Diese Not sei in erster Linie dadurch entstanden, daß man

die Landwirtschaft vernachlässigt

habe, während sie gerade die Grundlage unserer Volkswirt­schaft bilden müsse. Die Landwirtschaft selbst habe sich alle Mühe gegeben, und wenn irgendwo das Fremdwort ,/Ratio­nalisierung" angewandt sei, so dürfe die Landwirtschaft dies voll für sich in Anspruch nehmen. Wir bekämpfen, sagt der Redner, die jetzige Ausgabenwirtschaft im Staate, die nicht mit den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen rechnet. Kommt'für die Landwirtschaft jetzt nicht schnelle Hilfe, dann ist sie und damit

unsere gesamte Volkswirtschaft nicht mehr zu halten.

Dann werden Not und Elend auf immer verankert. Die deutschnationale Fraktion wird den Notetat nicht bewilligen.

Abg. Torgler (Komm.) führt aus, daß es sich hier nicht um einen wirklichenNotetat", sondern um ein voll aus­gewachsenes Ermächtigungsgesetz handele. Die Kommunisten werden das Ermächtigungsgesetz ablehnen.

Abg. Stücklen (Soz.) gibt zu, daß es unangenehm ist, wenn ein Notetal erforderlich wird; aber das sei aus polthW Ur sachen zurückzuführen. Die Sparabsichten werden sich immer noch an den vier Fünfteln des Hauptetats verwirklichen lassen. Die von Herrn von Richthofen geschilderte Not der Landwirtschaft hat auch mit dem Notetat nichts zu tun.

nigerode, gab bei der Vernehmung an, mit dem Mörder zusammengestoßen zu sein, als er nach seinem Weggang in das Mordzimmer zurückkehrte, nachdem er den Schuß gehört hatte.

Schloß Jannowitz in Schlesien, der Schauplatz der Tat.

Er habe von dem flüchtendem Mörder sofort einen hes- iigen Schlag gegen den Körper und gegen den Kopf er­halten, so daß er stark benommen gewesen sei und den Täter nicht erkannt habe. Auf dem Hof, auf den er sich darauf begeben habe, sei er zusammengebrochen.

Diese Angaben haben sich als außerordentlich unwahr­scheinlich herausgestellt und zu der Verhaftung des jungen

Mysteriös kling? die Mitteilung der Landeskriminal­polizeistelle Liegnitz, daß es nicht ausgeschlossen erscheint, daß weitere Mitglieder der gräflichen Familie an der. Tat beteiligt sind, und zwar mittelbar oder unmittelbar.

Die Untersuchung im Mordprozetz Stolberg-Wernigerode.

Hirschberg i. Riesengeb. Die Gattin des Grafen Eber- Hard zu Stolberg-Wernigerode, Gräfin Erika, hat einen Nervenzusammenbruch erlitten und ist in ein Sanatorium ge­bracht worden. Wieweit der Verdacht, daß außer dem Grafen Christian Friedrich noch weitere Hausangehörige genannt wird dabei auch der Name der Gräfin an dem Morde mittelbar oder unmittelbar beteiligt waren, steht vorläufig noch nicht fest. Gras Christian Friedrich bestreitet nach tote vor jede Schuld

Ein Mitztraucnsantrag.

Die Kommunisten beantragen jetzt ein Mißtrauensvotum gegen den Reichsfinanzminister Dr. Hilferding. Über diesen Antrag soll am Donnerstag abgestimmt werden

Nunmehr sollen die Abstimmungen über den Notetat be­ginnen. Abg. Stöhr (Nat.-Soz/ bezweifelt die Beschluß- fähigkeit des Hauses, das gänzlich leer ist.

Präsident Lobe unterbricht die Verhandlungen für einige Zeit und die in den Wandelhallen usw. zerstreuten Abgeord­neten strömen in den Saal. Die Beschlußfähigkeit wird nun­mehr festgestellt. Unter Ablehnung der kommunistischen Ab­änderungsanträge wird der Notetat in zweiter und britter Lesung gegen ' die Deutschnationalen, Christlich-Nationale Bauernpartei,. Nationalsozialisten und Kommunisten an­genommen. Die Novelle zur

Verordnung über die Arbeitskammern im Bergbau kommt nunmehr zur Beratung. Die Wahlperiode der Kam­mern soll von zwei auf vier Jahre verlängert werden.

Abg. Jadasch (Komm.) meint, es sei eine vermehrte Aus- beutung der Arbeitskraft geplant. Der Entwurf wird dant. in erster und zweiter Lesung angenommen.

Hierauf vertagt sich das Haus auf Donnerstag.

Deuisches Gold in Rewyork.

Das Depot der Reichsbank.

Die Reichsbank hat ihren Ausweis per 15. März vor­gelegt und bei dieser Gelegenheit mitgeteilt, daß sie einen Posten Gold in Höhe von 36 Millionen Mark zur Ver­stärkung ihres Newyorker Golddepots verschifft habe. Nach Newyorker Meldungen ist die Sendung soeben mit dem DampferDeutschland" in den Vereinigten Staaten eingetroffen. Gleichzeitig hat die Reichsbank einen Posten Gold im Betrage von etwa 5 Millionen Dollar von der Bank von Frankreich aus deren Newyorker Depot über­nommen gegen Übersendung eines gleichen Goldbetrages von Köln nach Paris. Die Reichsbank hat sei Jahres­beginn einen Devisenverlust (Forderungen an das Aus­land) von etwa 350 Millionen Mark zu verzeichnen. Trotz­dem ist die Notendeckung weiterhin sehr beträchtlich. Infolge eines Rückganges des Notenumlaufes um rund 170 Millionen Mark besserte sich die Deckung der Noten durch Gold allein von 61,8 Prozent in der Vorwoche aus 63,5 Prozent, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 64,8 Prozent auf 65,2 Prozent.