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KersfelöerTageblaü

hersfel-er Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger für den kreis Hersfelö

mit den Beilagen: Illustriesles Anlerhaltungsblatt / Nach Feierabsuß / Herb nnö Schotts / Anterbsltimg und Wissen Beledrong und Kurzweil / WirtschaKttLe Tasesfragen.

Str. 58

(Erstes Matt) Sonnabend, den 9. Mär; 1929

T9. Jahrgang

Fälscherhauffe.

Fragwürdige Dokumente. — „Ich sei, gewährt mir die Bitte..." — Taschenspielerkniffe.

Das Geschäft blüht und scheint den Beteiligten auch etwas einzubringen. In B e r l i n wird eine Fälscher­zentrale ausgehoben, die von russischen Emigranten eingerichtet war und ihre Fangarme bis hinüber in die Reue Welt auszustrecken suchte, um auf die politischen Ent­scheidungen der gesetzgebenden Körperschaften der Ver­einigten Staaten im Sinne sowjetfeindlicher Beschlüsse Einfluß zu gewinnen. Man erinnert sich sofort des be­rühmten Sinowjew-Briefes, der unmittelbar vor den letzten englischen Unterhauswahlen veröffentlicht wurde und nicht wenig dazu beitrug, der Konservativen Partei einen überwältigenden Sieg zu verschaffen. Ge­fälscht, gefälscht! schrien schon damals die Leidtragenden dieses grandiosen Wahlmanövers und sie wiederholen heute diesen Ruf um so energischer, als es der britischen Re­gierung bis apf diesen Tag, trotz aller Interpellationen im Parlament, nicht gelungen ist, die geheimnisvolle Ge­schichte dieses fragwürdigen Dokuments auch nur einiger­maßen glaubhaft aufzuklären. Jetzt schreien die Mos­kauer abermals über Verrat und tückische Niedertracht ihrer Gegner, der „Weißen", die sie von Herd und Hof vertrieben und ihrer ganzen Habe beraubt haben, fo daß sie sich nun eigentlich nicht so sehr darüber wundern dürfen, daß einzelne von ihnen versuchen, Gleiches mit Gleichem zu vergelten und nun auch den „Roten" einen gehörigen Schabernack zu spielen. Es bleibt noch auf­zuklären, ob die Herren Orlow und Pawlonowski nur aus reiner Gewinnsucht gehandelt oder ob sie bei ihren Fäl­schungen nicht in der Hauptsache politische Absichten ver­folgt haben.

Nicht weniger zweifelhaft in ihren Motiven scheint es einstweilen mit den holländischen Dokumenten- veröffentlichungen zu stehen, die mit Recht in der ganzen Welt so ungeheures Aufsehen erregt haben. Hier brauchte der angebliche Fälscher gar nicht erst, - n der Polizei

Erfolg allerdings, daß man

in

wenige Tage, nachdem er ins Gewahrsam gesteckt worden war, wieder laufen ließ. Ein sonderbarer Fall, nehmt alles nur in allem; und selbst wenn man es als

glaubhaft ansehen wollte, daß es bei den behaupteten und von dem Täter offenbar mit größtem Vergnügen ein­gestandenen Fälschungen mit rechten Dingen zugegam sei, so bliebe doch ein Rest, zu tragen peinlich, zu dessen Aufklärung auch in diesem Falle wieder die Beteiligten

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anscheinend nicht die geringste Lust verspüren. Hat auch die holländische Regierung, weil ihr offenbar nichts anderes übrigblieb, vor der Kammer den gebotenen Rückzug angetreten, fo schweigen sich doch andere Leute, die in die Angelegenheit sehr stark mit verwicketl sind, hartnäckig aus, und man wird die Empfindung nicht recht los, daß, wenn hier wirklich Fälscher ihre Hand mit im Spiel hatten, sie doch sehr geschickt und — wie soll man sagen? — sehr glaubwürdig gearbeitet haben. Die französische jedenfalls und die belgische Regierung haben bei dieser Gelegenheit so ziemlich von allen Seiten zu hören bekommen, wessen man sie selbst oder doch ihre Generalstäbler in den Zeiten von Genf und von Locarno für fähig hält — sie werden noch einigermaßen zu tun haben, bis dieser sehr tiefe und sehr nachhaltige Ein­druck wieder aus den Gemütern der Zeitgenossen weg­gewischt sein wird.

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Ich sei, gewährt mir die Bitte, hört man es inzwischen von Litauen her rufen, und als Dritter im Bund meldet sich das offiziöse Organ der Regierung von Kowno mit der Enthüllung eines angeblichen geheimen polnisch- rumänischen Kriegsprotokolls, das man ruhig als ein würdiges Seiteustück zu den französisch-belgischen mili­tärischen Abmachungen bezeichnen kann. Hier marschieren Sowjetrußland und Litauen als mögliche Kriegsgegner auf und sie werden auf dem Papier ebenso schneidig und gründlich erledigt, wie es die westlichen Generalstäbler mit Holland und Deutschland im Schilde führen sollen. Man erinnert sich noch der vielfachen verdächtigen Reisen des französischen Generals L e R o n d in die Hauptstädte des östlichen Europas, und ebenso ist der auffällig lange Sommeraufenthalt des Feldmarschalls P i l s u d s k i in rumänischen Luft- und anderen Kurorten nichts weniger als vergessen. Trotzdem wird auch hier die Dementier- spritze sehr bald in Tätigkeit treten, und es müßte mit merkwürdigen Dingen zugehen, wenn besonders in War­schau nicht auch sofort die Fälschungsausrede hervorgeholt würde, da die Polen doch sonst in allen Dingen so über­aus folgsame Schüler ihrer französischen Lehrmeister zu sein pflegen.

*

Und bei den polnischen Politikmachern muß man ja | sagen, daß sie selber sich schon gut genug auf das Fälscher- ! Handwerk verstehen. Wie hat der tüchtige Herr Zaleski • eben erst vor und in Genf die Minder heitenaktion ; des deutschen Außenministers durch Taschenspielerkniffe zu * entwerten gewußt! Erst ließ er in Kattowitz den Führer der deutschen Minderheit auf Grund von gefälschten Urkunden ins Gefängnis werfen, um sich hinterher vor versammeltem Völkerbundrat als die vollendete Unschuld aufzuspielen, unfähig, auch nur das kleinste Wässerlein zu trüben. Eine wahre Ermunterung für Abeytenrer nach

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Aachfle Tagung in Madrid?

Am Freitag hielt der Völkerbundrat eine geheime Sitzung ab. Er beschäftigte sich darin mit der Note der amerikanischen Regierung über die Bedingungen, unter denen der Beitritt der Vereinigten Staaten zum Inter­nationalen Haager Schiedsgerichtshos stattfinden könne. Der Juristenausschuß soll die An­gelegenheit prüfen und die amerikanischen Wünsche mög­lichst berücksichtigen. Vorher hatte eine einstündige öffentliche Sitzung stattgefunden, auf deren Tages­ordnung auch die deutsch-oberschlesischen Be­schwerden einschließlich des Falles Ulitz standen. Diese Angelegenheiten wurden aber abgesetzt und aus Sonnabend vertagt. Für Freitag abend war eine neue Unterredung des englischen Außenministers Chamber- l a i n mit Dr. S t r e s e m a n n vorgesehen. In unter­richteten Kreisen verlautet, daß in der Schlußsitzung des Rates am Sonnabend der spanische Vertreter den Rat offiziell einladen werde, seine nächste Tagung in Madrid abzuhalten. Es bestehe Übereinstimmung zwischen den Ratsmitgliedern, dieser Einladung Folge zu leisten.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann hatte eine längere Unterredung mit dem in Genf weilenden pol­nischen Gesandten in Berlin. Bei dieser Unter­redung wurden die Verhandlungen des Rates in der Minderheitenfrage sowie auch die Verhaftung des Ab­geordneten Ulitz eingehend besprochen. Dr Strese- ®M8ÄÄ»S®Kia®^^^

mann soll dabei daraus aufmerksam gemacht haben, daß für die in letzter Zeit wachsenden Schwierigkeiten ■ zwischen Polen und Deutschland die Ursachen nicht in der Haltung der deutschen Regierung lägen.

Hilfe für angegriffene Staaten.

In der öffentlichen Morgensitzung des Freitags wurde auch der Plan einer internationalen Übereinkunft besprochen, angegriffenen oder bedrohten Staaten eine finanzielle Unterstützung des Völkerbundes zu sichern. Über diese Idee soll bei der nächsten Tagung im Sep­tember eine gründliche Aussprache stattfinden. Von einigen Seiten wurde betont, ein solcher Plan sei ein wichtiger Bestandteil der vom Völkerbund geleisteten Vor­arbeit zur Verwirklichung der Abrüstung.

Das Minder heiienproblem.

Die Donnerstag vom Völkerbundrat angenommene Ent­schließung über die Minderheitenfrage, die vom japanischen Vertreter Adatschi formuliert wurde, weist folgende Haupt­gesichtspunkte auf:

Der Völkerbundrat beauftragt seinen Berichterstatter, für die Junitagung eine aus'.........

lgung eine ausführliche Übersicht über die deutschen ifdien Anträge in vieler Beziehung vorzulegen und sie zu ergänzen durch die neu aufgetauchten Gesichtspunkte. Großbritanniens und Spaniens Vertreter werden

und kanadi

um ihre Mitarbeit für Adatschi gebeten. Das dadurch gebildete Dret-Männer-Kollegium kann von allen beteiligten Regierun­gen Anregungen und Vorschläge entgegennehmen, die bis zum 15. April 1929 beim Generalsekretär des Völkerbundes cin- getroffen sein müssen. Der Rat wird schon vor dem für die nächste Tagung festgesetzten Termin zusammentreten, um eine erste Übersicht des eingelaufenen Materials vorzunehmen.

Art dieses Herrn ^raiü-veine, sich im Dienste heimischer „ . „

oder auch feindlicher Spionagebureaus an der Trübung darauf hingewiese: der ganzen Zeitgeschichte nach Kräften zu beteiligen. Wie -ch^A"?!"^ gesagt, hier blüht wemasteuäUcä E'k^MN r-

'Gewerbe ist, mit dem nicht gerade viel Staat zu machen ist. Dr. Sy.

' In der folgenden Beratung des Haushaltsplanes wurde Ien, die Telegraphist arbeite nach wie vor mit

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Wiffetts 60. GeburiMag.

Dem Reichsarbeitsminister Wissell, der am 8. März sein 60. Lebensjahr vollendete, hat Reichspräsident von, Hin den bürg ein in herzlichen Worten gehaltenes Glückwunschtelegramm gesandt. Unter den übrigen ein- gelaufenen Gratulationsschreiben befindet sich auch ein Brief des Reichskanzlers, der die Verdienste

die WöbnuNgSfürsorge entfielen. Es fei beabsichtigt, in den nächsten drei Jahren je 5000 bis 5500 Wohnungen zu erstellen.

Reichspostminister Dr. Schätzet teilte dann mit, die Frage der Senkung der Rundfunkgebühren sei noch nicht ab­schließend geprüft, weil das Finanzergebnis der Rundsunk- gesellschaften noch fehle. Die Verbesserung der Organisation des Rundfunks sei im Gange. Eine Senkung der Fern­sprechgebühren sei nur möglich, wenn man die Ausgaben vermindere.

Wtsjells um die deutsche Sozialpolitik hervorhebt.

Im Reichsarbeitsministerium sprach eine Vertretung der Beamten, Angestellten und Arbeiter des Ministeriums unter Überreichung einer Blumenspende bcm Reichs- arbeitsminister die Glückwünsche seiner Mitarbeiter aus. In den Ansprachen wurde das vertrauensvolle Ver­hältnis, das sich zwischen dem Minister und seinen Mit­arbeitern auch in persönlichem Verkehr entwickelt habe, sonders betont. — Eine Abordnung der Kieler Uni­versität überbrachte in feierlicher Form dem Neichsarbeits- minister Wissell die Ernennung zum Ehrendoktor der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Christian- Albrecht-Universität in Kiel.

Gespannte Finanzlage der Reichspost.

Keine Anleihe.

gsrat der Reichspost hielt eine Sitzung ab, in der Reichspostminister Dr. Schätze! zur Verkehrs- und Finanzlage der Reichspost bemerkte, daß im Januar der g< Wöhnliche saisonmäßige Rückgang eingetreten sei. Gegenübt

Der Verwaltn»

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dem Januar 1928 zeige sich aber eine Steigerun voraussichtlichen Rechnungsabschluß für 1928 Ich

etreten sei. Gegenüber Steigerung. Über den

voraussichtlichen Rechnungsabschluß für 1928 lasse sich sagen, daß das Haushaltssoll an Einnahmen erreicht, ja sogar noch etwas überschritten werden würde. Trotzdem bleibe die Finanz­lage gespannt, weil die Kapitalien für Anlagen fehlten. Mit einer Anleihe der Reichspost sei nicht zu rechnen. Deshalb sei bei der Ausstellung des Etats für 1929 Vorsicht geboten ge-

Wesen.

Wendung im Fememordprozeß?

Waren die Roßbacher doch Soldaten?

Die letzte Verhandlung im Stettiner Fememord­prozeß, der die unerfreulichen Zustände der Nachkriegszeit von neuem aufrollte und die Frage wieder aktuell werden ließ, ob das Freikorps Roßbach als eine militärische Orga­nisation anzusehen war, die den Befehlen militärischer Ober­befehlshaber unterstand, brächte

eine Überraschung.

Nach Abgabe des Gutachtens des militärischen Sachver­ständigen, General von Hammerstein, übergab Rechtsanwalt Bloch-Berlin ein Schreiben, das ihm von dem. jetzigen General der Infanterie z. D. W e b e r, der im Jahre 1920 General­major und Kommandeur des Wehrkreiskommandos II in Stettin war, «versandt worden ist und in dem der General u. a. zum Ausdruck bringt, daß er niemals im Zweifel darüber gewesen sei, daß

die Roßbacher eine ihm unterstellte Truppe waren.

Er sei bereit, jederzeit hierüber auszusagen. Der Verteidiger stellte hieraus den Antrag, General Weber als Zeugen zu laden.

Der militärische Sachverständige General v. Hammer- stein, gab hieraus folgende offizielle Erklärung ab: Wenn das Genast die Mitteilungen des Generals Weber als wahr unterstellen sollte, so erkläre ich ausdrücklich, daß dann der damalige Kommandeur der II. Diviston

die Heeresleitung hintergangen hat

und in diesem Falle würde ich alle bisher gemachten V o r - würfe gegen den Zeugen Oberleutnant Rotz- bach znrucknehmen. Das Gericht beschloß hierauf, den General W e v e r rar Montag als Zeugen zu laden.

Auch ein polnisch-rumänischer Geheimvertrag.

Gegen Rußland und Litauen.

Die halbamtliche Zeitung „Lietuvos Aidas* in Kowno veröffentlicht einen angeblichen Geheimvertrag vom 1. Oktober 1928 zwischen Polen und Rumänien gegen R » ß l a n d « « d L r t auen. Der Vertrag soll während des Aufenthalt Pilsudskis in Rumänien unterzeichnet worden fern. Fall einer Gefahr solle an Rußland ein rurzbefrtswtes U l t t m a t u m gerichtet werden. Wenn dreses mcht erfüllt werde, sollen die polnisch-rumänischen Strertkrafte zum Angriff übergehen. Falls auch Litauen Kampf beteilige, habe Polen das Okkupa­tionsrecht.

In Moskau hat diese Nachricht großes Aufsehen ^regt Die Sowjetpresse veröffentlicht den Text des Geheimabkommens und erklärt, das Bestehen eines j Geheimabkommens zwischen Rumänien und Polen bestätigen zu können. Das Blatt des Kriegs- und Nevo- lutionsrates sagt, der Geheimvertrag sei der Sowjet» regierung längst bekannt gewesen. Die polnische und die rumanrscke Regierung hätten auch einen Plan für den Ausbau des Elfenbahnnetzes an der polnischen und der rumänischen Grenze, die Rußland berühre, aufgestellt.