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HersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö mit den Beilagen: AlluSrierleS Anterhallungsblatt / Nach Ueieeabevö / Herd and Scholle / Anterbalinua bb6 Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche TageSfrageu.

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Nr. 57

Freilag, den S. Mär; 1929

79. Jahrgang

Eine Reparationsbank?

Nur ganz selten wird die Feststellung „Vor Paris nichts Neues* — über die Arbeiten der dortigen Sach­verständigenkommission nämlich, die den Dawes-Plan revidieren soll — einmal unterbrochen durch die Mel­dung über ganz bestimmte Vorschläge oder gar Beschlüsse dieser Kommission. Alles vollzieht sich hinter den sozu­sagen luftdicht verschlossenen Türen der Konferenzzimmer, aus denen nur hinausdringt, was die Delegierten selbst mitzuteilen für gut befinden.

Aber auch hinsichtlich des Inhaltes solcher Mitteilun­gen ist man sehr zurückhaltend und unbestimmt, sehr diplomatisch-vorsichtig, geht über Andeutungen meist nicht hinaus. Immerhin läßt sich daraus, wenn auch nur in großen und noch unklaren Zügen, ein Bild des jetzigen Standes der Beratungen feststellen, wobei zunächst einmal zu sagen ist, daß tatsächliche Beschlüsse offenbar bisher noch nicht gefaßt sind. Man „einigt* sich wohl auch vor­läufig in viel formloserer Weise, um erst einen wenigstens einigermaßen festen Boden unter den Füßen zu haben. Mit diesem Maß muß also gemessen werden, was alles an Meldungen über die Neuregelung des Transferschutzes bzw. seiner teilweisen Aufhebung, über die „Kommer­zialisierung" der deutschen Zahlungsverpflichtungen, also ihrer teilweisen Kapitalisierung und Verwertung auf den Geldmärkten der Welt, und schließlich über die Um­formung der Sachlieferungen mehr oder minder deutlich an die Öffentlichkeit gedrungen ist.

Das alles gilt, vielleicht in noch größerem Ausmaß, auch für die neueste Meldung, die wissen will, daß man in Paris dabei sei, zwecks Aufnahme, Verwaltung, Ver­wertung und Weiterleitung der deutschen Zahlungen eine Zentralbank zu gründen, deren theoretischer Aufgabenkreis eben jene drei Punkte (Transferregulie­rung, Kommerzialisierung und die Sachlieferungen) um­faßt. An sie sollen die deutschen Zahlungen — über deren Höhe man sich übrigens durchaus noch nicht einig ist — abgeführt werden; dort würden nun als Zentral­stelle die Forderungen der Gläubiger nach Barüber­weisungen oder Sachlieferungen erledigt werden — kurz, -Zentralbank

Neparationsagenten, des Transferkomitees und des Rparationskontos Parker Gilberts bei der Deutschen Reichsbank. Die Anregung, diese Zentralbank durch die staatlichen Noten danken der verschiedenen Länder unter Hinzuziehung der großen Privatbanken, außerdem in einem neutralen Lande, gründen zu lassen, beweist vor allem eines: man hat auf der Konferenz erkannt, daß die Transferfrage doch der Kernpunkt des ganzen Neparationsproblems ist. Es nutzt eben nichts, Riesen­summen alljährlich aus Deutschland herauszupressen, wenn man nicht weiß, wie man sich diese Werte ohne Gefährdung der deutschen Währung übereignen kann. An der Stabilerhaltung dieser Währung sind aber unsere Gläubiger auch deswegen stark interessiert, weil sie selbst uns ja seit fünf Jahren ein rundes Dutzend Milliarden in Form von Anleihen, Aktienkäufen usw. hergegeben haben, bei einem Sturz der deutschen Währung also selbst große Verluste erdulden würden. Folglich: die Gläubiger sind daran interessiert, daß es dem Schuldner nicht un­möglich gemacht wird, am Leben zu bleiben.

Das zweite Bemerkenswerte an dem Vorschlag ist dann noch, daß natürlich auch die Deutsche Reichsbank bzw. ihr Vertreter bei dieser neuen Zentralbank Sitz und Stimme erhält, also Einfluß ausüben kann. Das war bisher nicht der Fall. Parker Gilbert und sein Transfer­komitee, in dem kein Deutscher saß, faßten ganz allein ent­sprechende Beschlüsse über die Durchführung der Barüber­weisungen, verfuhren dabei übrigens mit größter Heim­lichkeit; denn die Deutsche Reichsbank war es, bei der er aus seinem Konto Devisen zum Zwecke des Bartransfers fayfte und die sich nicht weigern durfte, herzugeben, was sie besaß, höchstens Vorstellungen im Interesse der deutschen Währungserhaltung erheben konnte.

Und noch ein Drittes scheint mit dem Vorschlag der Gründung einer solchen Zentralbank bezweckt zu sein: die völlige „Entpolitisierung" der deutschen Tributzahlungen. Das ganze bisherige System des Generalagenten und seiner Unterorgane und -kommissare, der Kontrolle und Gelderverwaltung usw. usw., also diese ganze durch den Dawes-Plan geschaffene, von Parker Gilbert geleitete Be- Hördenorganisation soll fortfallen, soll auch nicht ersetzt werden durch eine irgendwie andersgeartete, sondern — der alte Plan Parker Gilberts! — die deutsche Reichs­regierung allein trägt die Verantwortung für die Auf­bringung der Leistung^'. Im Dawes-Plan waren auch staatliche Zwangsmaßnahme („Sanktionen") vorgesehen für den Fall, daß Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Wenn nun beides in der Versenkung ver­schwände, wäre der Vorschlag — allerdings auch nur unter der Voraussetzung eines ausgedehnten Transfer­schutzes — wohl zu loben. Aber er müßte auch noch weiter dahin ergänzt werden, es Deutsch­land gänzlich zu überlassen, nicht bloß, daß, son­dern auch w i e es die ihm auferlegten Jahreszahlungen aufbringt. Und zwar natürlich endgültig festgelegle; auf solch' unbestimmte, umstrittene Geschichten wie Zahlungs­heraufsetzungen auf Grund eines sogenannten „Wohl­standsindexes" usw., also auf ein jederzeitiges Eingreifen in die Höhe der Jahreszahlungen können wir uns dann wohl nicht nicht mehr einlassen. Am wenigsten natürlich auf ein neu^s Hineinschmuggeln mehr oder weniger ver-

Ehamberlain bei Gtresemann

Ausschuß für die Minderheitenfrage.

Das Kohlenproblem.

Donnerstag morgen erschien der englische Außen- minister Ehamberlain im „Hotel Metropole" in Genf und stattete dem Reichsaußenminister Dr. S t r e s e- mann einen Besuch ab, der sich bis gegen Mittag hin- zog. Die beiden Minister unterhielten sich angelegentlich und angeblich soll eine große Reihe von Fragen zur Be­sprechung gekommen sein. Gegenstände der Unterhal­tungen waren dem Vernehmen nach die Pariser Repara­tionsverhandlungen, ferner die Rheinlandräumung, die Utrechter Fälschungen, vor allen Dingen natürlich auch die angestrebte Lösung der Minderheitenfrage. Man war sich darin einig, daß die politische Behandlung der Reparationen aufgeschoben werden müsse, bis die unabhängige Prüfung der Pariser Sachverständigen zu einem Abschluß gekommen fei.

Nach der gestrigen großen Rede Stresemanns, auf die Za l esk i und Ehamberlain geantwortet hatten, trat noch der finnlandische Außenminister P r o - c o p e für die Rechte der Minderheiten ein und Dr. Stresemann unterstrich seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß durch die Wahrung der Rechte der Minder­heiten der notwendige Ausgleich der europäischen Span­nungen erleichtert werden könnte.

Der französische Außenminister Briand bestätigte seine Worte in Lugano von dem heiligen Recht der Minderheiten, verhielt sich aber im allgemeinen etwas reserviert, indem er sagte, die Gerechtigkeit er­fordere auch, daß über den Schutz der Minderheiten nicht der Schutz der nationalen Souveränität vergessen werden dürfe. Die Vereinigung beider Forderungen müsse der Völkerbund als Pflicht im Auge behalten.

Einfluß auSitben wird, das Schicksal der deutschen Währung und Wirtschaft restlos von ihr abhängt, was natürlich auch gewichtige Bedenken gegen den Vorschlag hervorruft — aber man wird die genauere Erwägung des Für und Wider vorläufig noch zurückstellen müssen, bis man aus dem Munde der „großen Schweiger" in Paris Näheres erfährt.

Sie mekilanischen Rebellen geschlagen.

Monterey zurückerobert.

Wie die Bundesregierung in Mexiko-Stadt bekannt­gab, ist die von Insurgenten genommene Stadt Monterey von den Bundestruppen zurückerobert worden. Auch Cordoba im Staate Veracruz ist von den Regierungs- trruppen wieder besetzt worden. Auch Veracruz soll sich bereits wieder in den Händen der Regierungstruppcu be­finden.

General A g u i r r e, der Führer der Aufständischen, habe mit 2000 Mann die Flucht ergreifen müssen, nachdem sich annähernd drei Viertel der Aufständischen von ihm losgesagt hätten und zu den Regierungstruppen über­gegangen wären. Wie weiter gemeldet wird, sei auch Saltillo wieder in der Land der Reaieruna. General

Die heißumlämpfte Stadt Monterey.

Escobar, der die Stadt" mit 2000" Mann besetzt hielt, be­fände sich auf der Flucht. Die Aufständischen versuchten, die Verfolger durch Aufreißen der Schienenstränge auf- zuhalten. Mit der Niederlage Escobars gilt die Ent­scheidung für den Nordosten als gefallen. Zurzeit werden 17 000 Mann Regierungstruppen zusammengezogen, um gegen Sonora vorzugehen. Man will den Aufständischen die Zufuhren abschneiden, um sie dann infolge Munitions­mangels zur Kapitulation zu zwingen. An der mexika­nischen Grenze in der Nähe von Laredo und Elpaso sind größere amerikanische Grenzschutzabteilungen zusammen­gezogen worden.

Frank-Hemes Enttaffung.

Seine Behauptungen.

Der als angeblicher Fälscher der Utrechter Dokumente über einen geheimen sranzösisch-belaischen Militärvertrag

Die Oonnerstagsitzung des Rates.

Nach dem Besuch Chamberlains bei Strese­mann trat der Völkerbundrat zu einer öffentlichen Sitzung zusammen. Er nahm die Berichte über die Tätig­keit des Wirtschaftskomitees und des Opiumausschusses, über die gesetzliche Formulierung des internationalen Rechts und die Auswandererfragen entgegen. Der deutsche Staatssekretär von Schubert betonte dabei, daß Deutschland für die allgemeine Abschaffung der Paß- visa eintrete. Besonders wurde durch die deutschen Ver­treter noch hingewiesen auf die Notwendigkeit der bal­digen Schaffung des Abkommens über dieKohlenver- s o r g u n g.

Vorschläge zum Minderheitenschutz.

Der Japaner Adatschi, der Vorschläge über die Zu­sammensetzung des Ausschusses für die Minderheitenfrage machen sollte, will den endgültigen Bericht erst im Laufe des Tages geben. Soviel wird aber bekannt, daß er für einen Dreierausschuß eintritt, der aus Chamber- lain, Adatschi und dem spanischen Delegierten Quinones de Leon besteht. Dieser Ausschuß soll dem Ratskomitee vor der nächsten Ratstagung Vorschläge zur Verbesserung des Verfahrens in bezug auf die Minderheiten vorlegen.

MnderheitenvorsHiag in Genf angenommen.

Genf. In der Nachmittagssitzung des Völkerbundrate» legte der japanische Delegierte Adatschi den von ihm ausge- arbeiteten Vorschlag zur Weiterbehandlung der Minderheiten­frage bcm Rate vor. Der Borschlag stellt ein Kompromiß der deutschen und den anderen Vorschlägen vor. Es soll ein be­sonderer Bericht ausgearbeitet und dem Rate baldmöglichst vorgelegt werden. Der Völkerbundrat wird zu Beginn der nächsten Ratstagung dann Entscheidungen treffen. Adatschi» Vorschlag wurde ö ■ Aussprache einstimmig angenommen.

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| suchungsrichter auf Antrag des Staatsanwalts auf freien

Fuß gesetzt, da auch die Tatsache der zuletzt gegen ihn er­hobenen Anklage der Paßfälschung nicht ausreiche, die Untersuchungshaft gegen ihn aufrechtzuerhalten. Selbst wenn die Untersuchung in unwiderleglicher Weise dartut, daß die vom „Utrechtsch Dagblad" veröffentlichten Doku­mente gefälscht seien und daß Frank der Urheber dieser Fälschung ist, gebe es nach belgischem Strafrecht keine Möglichkeit, die Untersuchungshaft gegen Frank ausrecht- zuerhalten.

Aus Brüssel kommende Meldungen besagen, daß Frank alsbald ein Brüsseler Cafe besucht habe, wo er in Begleitung zweier Freunde seine Freilassung feierte. Er habe Champagner getrunken und lebhaft gegen seine Ver­haftung Einspruch erhoben. Seine Äußerungen seien zum Teil sehr herausfordernd gewesen; so habe er u. a. gesagt, wie man es wagen könne, ihn zu verfolgen. Frank behauptet, auf Anweisung der belgischen Gegenspionage hin gehandelt zu haben. Er sei von der Zentralstelle für Spionage in Mülheim auf­gefordert worden, den französisch-belgischen Pakt zu liefern. Der Vertrag sei an einen gewissen Heuser aus­geliefert worden, der dafür 40 000 Frank an Ward Her- mans und 10 000 Frank an ihn selbst bezahlt habe.

Abbau von Reichsbahnbirettionen.

Die Grün dfätze.

Zu den Nachrichten über den Abbau von Reichs- bahndirektionen teilt das Reichsverkehrsministerium mit, daß die Angelegenheit durch einen Beschluß des Reichs­kabinetts dahin geregelt wurde, daß die Deutsche Reichs­bahngesellschaft in das allgemeine Programm der Ver­waltungsreform einzubeziehen ist, wonach sämtliche in Betracht kommenden Verwaltungen gemäß vorher zu treffenden Vereinbarungen gemeinsam beim Abbau der Reichsmittelstellen vorzugehen haben und keine Verwal­tung durch Vorwegnahme des Abbaus anderen vor­greifen soll.

Diese Grundsätze sollen auch für die Reichsbahn­direktionen gelten. Der Reichsverkehrsminister wurde ermächtigt, das Weitere bei der Verwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft zu veranlassen. Der Reichsminister des Innern wird demnächst eine Besprechung der be­teiligten Ressorts anberaumen, an der auch die Ver­waltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft beteiligt sein wird. ____________

Berlin. Infolge bei Einstellung des Fährbetriebes zwischen Dänemark und Deutschland ist das Flugzeug das einzige Schnellverkehrsmitiel aus dem Wege nach Skandinavien. Die Flugzeuge der Deutschen Lufthansa nach Kopenhagen und Malmö sind infolgedessen sehr stark in Anspruch genommen, sowohl durch Passagiere als auch durch Fracht. Die wertvollste Ladung des gestern nach Kopenhagen verkehrenden Flugzeuges der Lufthansa war das Hochzeitskleid der künfti­gen norwegischen Kronprinzessin. Die Sendung, welche mittags in Berlin aufgegeben war, traf bereits um 16 Uhr in Kopenhagen ein um von dort auf dem schnellsten Wege nach Oslo weilerbesörderi zu werden. Auch die Hoch­zeitskleider der übrigen Hofgesellschaft werden aus Paris und Berlin auf dem Luftwege transportiert.