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HersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher ^nzsigse ftte den Kreis Hersfelö mit öea Beilage»: AlluRrlestes AntsrhaltangsblsEt / Nach Aelersb^sh / Herd »nS Scholle / MterbsÜMS « Wissen A-^--^" «nS KM-well / WirkschaKlichss SeMsirasen-

M,tg«np«t»r M etafpotttge yrtttZrilr 13 pftmM die »Mawyrttr 50 Pfennig. (SmaSschrist Korpus). Bei wlrörrholünsrn mied ein «rtfprechrnörr preis« Nachlaß gewährt Zür Sie Gchristleitnng verant­wortlich: §ranzZunk in heeeftlS. Zernfprechrr Nr. 8

Nr. 4S Freitag, den 22. Februar 1929 79« Jahrgang

Jas Singen m die MWeffel

Koalitionsverfuchs.

Der nun schon allmählich den Charakter der dauernden Krise gewinnende Streit um die Bildung einer festen Regierung im Reich und in Preußen dreht sich bekanntlich hauptsächlich um die Frage, wie viele Ministersitze dem Zentrum im Reich und der Deutschen Volkspartei in Preußen eingeräumt werden sollen.

Am Mittwoch waren die preußischen Koalitionsver- Handlungen wieder ausgenommen worden, und zwar unter führender Beteiligung des Ministerpräsidenten Brau« durch eine Reihe von Einzelbesprechungen, deren wichtigste eine Unterhaltung Dr. Brauns mit dem Zentrumspartei- siihrer Dr. Kaas und dem preußischen Fraktionsführer Dr. Heß gewesen sein dürfte. Im Mittelpunkt der Be­sprechungen steht eine neue Kompromißidee des preußischen Ministerpräsidenten. Der Kompromißvorschlag für Preußen wollte den Versuch machen, den Anspruch der Deutschen Volkspartei aus zwei Ministersitze in Preußen zu erfüllen. Es wurde daran gedacht, einen der volksparteilichen Reichsminister zum preußischen Staats minister »hne Portefeuille zu ernennen. Diese Doppel­stellung alS Minister im Reich und in Preußen ist dem Reichswirtschastsminister Dr. C u r t i u s zugedacht. Dem anderen volksparteilichen Minister sollte das preußische Handelsministerium zufallen.

Bereits im Jahre 1923 hat der damalige Reichskanzler Stresemann den Vorschlag einer engeren personellen Ver- binduna Zwischen dem Reiwskabinett und dem preußischen '

Kleine Awstmilderungen

Mut der Winter ab?

tmrwwt neT^wmVBW ton.

In Deutschland herrschte Donnerstag größten­teils heiteres Wetter, was, nach den Wettererfahrungen, die wir in diesem Winter so reichlich zu machen Gelegen­heit hatten, ein Fortdauern der Kälte bedeutet. Aber etwas milder scheint das Regiment des Winters allmählich doch zu werden. Magdeburg und Hannover zwar ver­zeichneten immer noch 22 Grad Kälte, aber im übrigen Deutschland betrugen die Durchschnittstemperaturennur noch" 10 bis 12 Grad unter Null und nur im Nordwesten eine Kleinigkeit darüber. Etwas ganz Besonderes hat sich Berlin oder vielmehr der Winter in Berlin geleistet: während in den Außenbezirken der Stadt in der Nacht zum Donnerstag 21 Grad unter Null festgestellt wurden, hatte die Stadt selbst nicht weniger als 10 Grad weniger» also nur 11 Minusgrade. Mit der Erklärung dieses Phäno­mens war man rasch bei der Hand: es hatte sich über der Innenstadt nachts bei nur schwacher Luftbewegung eine niedrige Wolkendecke gebildet; sie bestand hauptsächlich aus dem Ruß der Fabrikschornsteine und aus Staub und lieferte ein klassisches Beispiel dafür, daß schon eine ganz dünne Wolkendecke schützend wirken sann. Was die allge­meine Wetterlage in Deutschland betrifft, so dürfte, wie die Wettergelehrten sagen, in Norddeutschland viel- leikbt wieder einioe Bewölkung aufkommen, was wieder

Richtlinien für Wohnungsbau.

Die Reichsregierung an den Reichstag.

Die von der Reichsregierung ausgearbeiteten Richt- knien für den Wohnungsbau sind an den Reichstag gelangt. Sie enthalten wenig Hoffnungsfreudigkeit. Unter den heutigen Umständen, heißt es. könne für die nächsten Jahre nur die Bekämpfung der allerschlimmsten Notstände ins Auge gefaßt werden. Der laufende Bedarf wird für die Zeit von 1927 bis 1930 auf 225 000, für die Zeit von 1931 bis 1935 auf 250 000, von 1936 bis 1940 auf 190 000 Wohnungen jährlich geschätzr. Dazu komme ein Rückstand von etwa 500 000 Wohnungen, weitere 300 000 Wohnungen sind abbruchreif, ferner be­stehen nicht weniger als 750 000 überfüllte Wohnungen mit etwa fünf Millionen Bewohner. Für die An- und Um­siedlung von gewerblichen Arbeitern sind 160 000. für die Ansiedlung von Landarbeitern jährlich 150 000 Woh­nungen erforderlich. Dieser Gesamtbedarf könne angesichts der Auslandslasten und der Lage des inländischen Kapital­marktes im Laufe der nächsten Jahre nicht entfernt gedeckt werden. Zum Schluß wird festgestellt, daß der Fehlbedarf an Wohnungen die Aufrechterhaltung des Reichsmieten- gefetzes, des Mieterschutzgesetzes und des Wohnungs- mangelgesetzeS erforderlich mache.

Langsamer Fortschritt in Paris. ^)iestockendenReparationsverhandlun gen.

j Die letzte Sitzung der Schuldenkonferenz in Paris ^beschloß, daß sich die Programmkommission aufs neue zur Aufstellung eines einheitlichen Programms zusammen- Anden soll. Am Freitag findet wieder eine Vollkonferenz , in der dann dieses Programm besprochen werden soll.

Kabinett gemacht. Damals handelte es sich allerdings um die Verbindung des Reichskanzlerpostens mit dem des preußischen Ministerpräsidenten.

Zurückhaltung der Do-kspariei.

In einigen politischen Kreisen versprach man sich bereits viel von diesem Lösungsvorschlag. Die Landtags- fraktion der Deutschen Volkspartei trat Donnerstag zu einer Sitzung zusammen, in der sie sich mit dem Kom- Promißvorschlag für den Eintritt in die preußische Re­gierung beschäftigte. Die Mehrheit der Fraktion war aber der Ansicht, daß der Kompromißvorschlag unzweckmäßig sei. Die Fraktion müsse an der Forderung nach zwei Fachministern festhalten. Später trat die Reichstags- sraktion der Deutschen Volkspartei gemeinsam mit den Führern der preußischen Fraktion zusammen, um sich ebenfalls mit der politischen Lage zu beschäftigen. Die Reichstagsfraktion nahm von der Haltung der preußischen Fraktion Kenntnis, hielt aber den grundsätzlichen Ge­danken einer Verbindung zwischen preußischer und Reichs­regierung für beachtlich und wert, weiterverfolgt zu werden. Es ist nach Meinung der volksparteilichen Ber­liner Presse infolgedessen anzunehmen, daß trotz der Ab­lehnung des bisherigen Kompromißvorschlages weitere Verhandlungen stattfinden.

Der Reichspräsident empfing 8en ReichS- «inister des Auswärtigen, Dr. S t r e f e m a n n , zum Bortrag. _

ein bißchen weniger Kälte bedeuten würde; in Süd- deutschland dagegen dürfte es noch weiter kalt bleiben.

Uhrinon VuroM tnnr H»,M» tust ««verändert Mgcn di- lebten Tage. Stimmig kalt war es noch in Frankreich und im östlichen England, wogegen in Skandinavien der Frost von etwa 30 aus etwa 15 Minusgrade heruntergegangen ist. Neue Kältewellen meldeten Südslawien und Österreich. Aus der Zuidersee in Holland fahren die Leute mit Fahr­rädern und Autos spazieren, was auf der Insel Urk, die auf solche Weise Besuch vom Festland bekam, ungeheures Aufsehen erregte. Sportfreudige kletterten aus die zehn Meter hohen Eisberge und konnten sich einbilden, am Nordpol zu sein.

Hochwassergefahren.

Am Rhein trifft man alle erforderlichen Maß­nahmen zur Verhütung von Überschwemmungen, die zu befürchten sind, wenn plötzlich Tauwetter eintreten sollte. Überall arbeiten Ingenieure, um die Dämme auf ihre Widerstandsfähigkeit zu prüfen, und die Bewohner der dicht am Rhein gelegenen Ortschaften sind in fieberhafter Tätigkeit, um rasch noch Bollwerke gegen dräuende Wasser­katastrophen aufzurichten. Griechenland ist bereits mitten in einer Hochwasserkatastrophe. Zahlreiche Dörfer stehen vollkommen unter Wasser. Es ist noch nicht möglich, genau anzugeben, wie hoch sich der Gesamtschaden belauft, indessen dürfte er mehrere hundert Millionen Drachmen betragen.

Allgemein ist der Eindruck, daß man nicht recht vorwärts- kommt. Die Auffassung verstärkt sich, niemand wolle recht an die Dinge, um die es sich wirklich handelt, herangehen. Die deutschen Delegierten haben deutlich genug aus­gesprochen, es handle sich um die deutsche Wirtschaft­lichkeit und Leistungsfähigkeit, nicht um For­derungen und etwaiges Handeln und Feilschen. Das aber ist der Weg, den immer noch besonders die Franzosen im Auge haben, wir man deutlich aus ihrer Presse erkennt.

Kohlenverlaöung durch Arbeitslose.

Erklärung des Reichsarbeitsministeriums.

Das Reichsarbeitsministerium beschäftigt sich in einer Veröffentlichung mit den durch die Presse ge­gangenen Mitteilungen, nach denendas Verladen von Briketts in die Eisenbahnwagen ins Stocken gekommen sei, weil es unmöglich sei, aus dem Riesenheer von Arbeitslosen die nötigen Arbeitswilligen zu bekommen, die sich zum Verladen der Brikettstapel bereit fänden".

Die amtliche Erklärung fährt fort:Daran waren zum Teil recht abfällige Kritiken der Arbeitslosen­unterstützung geknüpft. Das Reichsarbeitsministe- rium hat veranlaßt, daß alle Einzelfälle, die ihm bekannt­geworden sind, sofort nachgeprüft werden. Dabei ist fest­gestellt worden, daß der Bedarf der Gruben an Arbeits­kräften sofort ohne Stockung gedeckt worden ist. Einige Gruben haben sogar eine größere Zahl Abraumarbetter entlassen, die jederzeit für Arbeit zur Verfügung stauben. Damit erübrigt es sich, auf die Angriffe gegen die Arbeits­losenunterstützung einzugehen, die mit den Meldungen verbunden worden sind."

Gieuerärger.

Der gute alte Diogenes, bekannt als philosophischer Tonnenbewohner, hat einmal mit brennender Laterne am Hellen Tage einen Menschen gesucht und finden wollen; die Geschichte vermeldet nicht, ob ihm das geglückt ist. Aber weder ihm noch sonst jemandem wird es, gleichgiltig, ob er am Tage oder bei Nacht sucht, jemals gelingen, einen Menschen zu finden, der seine Steuern gern zahlt. Und wenn man den Gelehrten Glauben schenken soll, so war schon im alten Ägypten und Assyrien die Steuererhebung nur mittels recht drastischer Zwangsmaßnahmen durchzu- setzen. Und diese Erscheinung ist ungefähr das einzig Be­ständige in der Geschichte der Völker.

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Steuerscheu" ist also eine sozusagen allgemein-mensch­liche Charaktereigenschaft, solange es Staaten gibt, die Geld brauchen. Und immer sind die Staatsver- Wallungen der Ansicht, daß jene Steuerscheu keineswegs eine Eigenschaft ist,die den Menschen zieret", während die Steuerträger in jedem Finanzbeamten so etwas wie ihren natürlichen Feind erblicken, den es mit allen Mitteln besonders dann zu überlisten gilt, wenn die Steuerschraube, um mit Wippchen zu reden, dem Bürger an der Kehle sitzt. Denn dann nähert sich dieses Ringen schon bedenklich einem Existenzkampf gegen ja, gegen wen? Doch nicht gegen den Steuerbeamten, wenn man sich die Sache etwas überlegt. Wenigstens sollte der Kampf nicht gegen ihn gehen.

Der deutsche Staatsbürger ist ja zurzeit wieder ein­mal verpflichtet, sich einschätzen zu lassen oder sich selbst einzuschätzen wobei wohl jeder sich selbst möglichst ge­ringschätzt", die Steuerbehörde aber häufig mit einer derartigen finanziellenSelbsterniedrigung" nicht sehr einverstanden zu sein scheint. Und dann geht das Ringen los. Besonders dann natürlich, wenn, wie heute in Deutschland, der Steuerdruck so unerträglich schwer istT Und es ist ja zudem noch in Aussicht genommen, neue Lasten auf die Schultern der Steuerzahler zu legen. wächst sich aus zu persönlichen Differenzen mit jenen, die die Diener dieses Fiskus' sind, gegen die Steuerbeamten also. Aus den verhaßten Finanzämtern werden die ver­haßten Steuerbeamten, soweit diese in direktem Verkehr mit dem steuerzahlenden Bürger stehen müssen.

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Erinnert sei an so manches bekannte VprkommniS, das ja dann in Gerichtsprozessen zur Sprache kam, erinnert z. B. an einen Fall neuesten Datums, als ein Finanzamt in einer Stadt des Harzes angeblich einen Steuerzahler, der wegen der Kosten der akademischen Ausbildung seiner Söhne um Steuerherabsetzung ersuchte, die Antwort ge­geben haben soll, er solle sichin seiner Lebensführung die größten Beschränkungen auferlegen" ein Fall, der viel Staub aufwirbelte und mißbilligend erörtert wurde, aber in den Einzelheiten sich als ni ch t z u t r e f f e n d heraus- gestellt hat. Natürlich hat man sich in den Kreisen der Finanzbeamteüschaft sehr über diese Angriffe aufgeregt, unzweifelhaft mit Recht. -Veranlassung gibt für diesen Fall wohl mehr die schematische, formularmäßige und in ihrem Wortlaut nicht gerade glückliche Antwort als» nicht das Verhalten des betreffenden Finanzbeamie«, sondern das S y st e m.

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Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, daß es unter den über 90 000 Finanzbeamten allein des Reiches auch schwarze Schafe" gibt, die unnötige oder verbitternde, wirtschaftlich bisweilen schwer schädigende Schärfen in die Durchführung der Besteuerung hineinbringen,Men­schen, Menschen san mer alle," wie ein Wiener Kouplet- dichter fingt. Aber.auf der andern Seite, bei den Steuer­pflichtigen, gibt es doch auchSünder" genug, da leider aber auch nur als Folge des schweren Steuerdrucks in Deutschland ein erbitterterAbwehrkampf" gegen daS Steuersystem geführt wird, das übrigens ein sehr be­kannter englischer Politiker alsein System der Einkom­mens- und Vermögenskonfiskation, gemildert nur durch Steuerhinterziehung" bezeichnet hat. Und in der Regel ist doch der Verkehr zwischen dem Steuerzahler und seinem" Finanzbeamten ein ruhiger, höflicher, entgegen­kommender geworden soweit das freilick möglich ist. Denn schließlich ist der Beamte doch nur Beauftragter, verpflichtet zur Durchführung von Bestimmungen, die zahllos sind wie der Sand am Meer, einander nicht gerade selten widersprechen, mit wirtschaftlichen Möglichkeiten kaum oder gar nicht zu vereinbaren sind. Aber: dafür kann doch der Steuerbeamte, das Finanzamt nichts. Der Fehler liegt anderswo, höher oben, oder in Verhältnissen, auf die die Steuerbehörde bis ganz oben hinauf gar keinen Einfluß hat. Da regnet es denn von feiten der Steuer­pflichtigen Beschwerden, die teils berechtigt, teils un­berechtigt sind, unberechtigt in der Regel aber dann, wenn sie ein Amt oder etwa einen bestimmten Finanzbeamten zum Zielpunkt haben. Auf beiden Seiten sollte man doch zweckmäßiger das Sachliche vom Persönliche« trennen.

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Man muß auch einmal ein gutes Wort für die Steuer­beamten einlegen, die doch letzten Endes schuldlos sind an dem Druck, der auf dem deutschen Voll lastet; haben st«