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Nr. 42

mit den Beilaaea: Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herd and Schotts / Auterhaltans vnb Willen Aelehmn« und Kor?wekt / üBitff(baffOAr Toseslragen.

Dienstag, den 19. Februar 1929

19. Jahrgang

Wie steht es mit der Koalition?

Ochcherle Reichsregierung nötig.

Dr. Marx verlangt Initiative.

Der Reichstag hat nach kurzer Pause seine Sitzungen wieder ausgenommen und es steht außer Zweifel, daß nun­mehr die durch den Rücktritt des Zentrumsministers von G n 6 r a r d so jäh unterbrochenen Verhandlungen.um das Zustandekommen einer tragsähigen Regierungskoali­tion erneut ausgenommen werden. Denn die während der Reparationsverhandlungen in Paris so wichtigen außen­politischen Probleme wie die Notwendigkeit der Etats­erledigung drängen geradezu zu einer Lösung nach der einen oder anderen Seite. Die Reichsregierung muß eine feste Geschlossenheit und sichere Basis aufweisen, soll anders ersprießliche Arbeit geleistet werden können. Demgegenüber treten die preußischen Angelegen­heiten, die mit der Regierungsumbildung im Reiche frei­lich eng verknüpft sind, von selber etwas an die zweite Stelle.

Nicht ohne Grund nimmt man an, daß Reichskanzler Müller beim Neuzusammentritt des Reichstages unver- weilt die Fäden der Besprechungen dort wieder aufnimmt, wo sie abgebrochen sind. Vielleicht wird auch ein Frak- sionsgenosse des Reichskanzlers die erste Fühlungnahme veranlassen. Man nennt in dieser Beziehung den Ab­geordneten B r e i t s ch e i d.

Die Forderungen des Zenirums.

Eine beachtenswerte Rede über die Ansprüche des Zentrums hielt am Sonntag der frühere Reichskanzler Marx in einer stark besuchten Versammlung des Landesverbandes Hamburg der Zentrumspartei.. Dr. Marx wies zunächst aus die Aussöhnung des Heiligen Stuhles mit dem Königreich Italien hin. Angesichts der bedenklichen innenpolitischen. Lage mit einem Etat von mindestens- 300 Millionen Reichsmark Defizit habe das Zentrum schon beizeiten aus die Notwendige

Defizit habe das Zentrum schon beizeiten auf die Notwendig- &S MSLWllMMkarM Volke die Wahrheit zu sagen. Es sei nicht Sache tc* politischen Parteien, eine Koalition zu bilden, vielmehr falle diese Aus­gabe der Regierung zu. Diese gehe aber mit einer erstaunlichen Gemütlichkeit an die Aufgabe heran.

Das Zentrum lehne die Verantwortung für den Etat ab, wenn die Koalition nicht gebildet werde. Diese Auffassung der Parteileitung werde im ganzen Lande geteilt. Im Reichstag habe kürzlich die Sozialdemokratie zur Krisenfürsorge den

unbekümmerten Antra

auszudehnen, worau

Habe kürzlich die Sozialdemokratie zur Krisenfürsorge den unbekümmerten Antrag gestellt, diese Fürsorge auf alle Berufe auszudehnen, worauf sie schließlich gezwungen gewesen sei, legen ihren eigenen, von den Kommunisten aufgenommenen Antrag zu stimmen.

Solange das deutsche Volk noch auf solche Dinge eingehe, solange könne ihm nicht geholfen werden; denn der Reichstag sei genau nach dem Willen des Volkes zusammengesetzt. Die Große Koalition müsse kommen, sie sei aber nur dann wirksam, wenn die Parteien Vertrauen zueinander hätten Man Verse dem Zentrum nun vor. daß es drei Ministersitze bean­spruche. Diejenigen, die dann wähnten, .das Zentrum sei mnerlich zermürbt, würden sich wundern. In dieser Frage stehe die Partei wie' ein Mann geschlossen da.

Das Zentrum werde nicht, wie scheinbar noch immer ge­hofft werde, mit dem Bemühen hervortreten, die Parteien wieder zusammenzubringen. Diese Initiative überlasse es der Keichsregierung. Wenn aber die Forderungen des Zentrums »verkannt würden, dann werde es auch wieder die Hand, zu

zeineinsamer Arbeit reichen.

Haarspaltereien.

Ein wenig kühler werden ja in den acht Tagen, die sich der Reichstag als Ferien bewilligt hatte, die Köpfe der Führer geworden fein,. die bei den Verhandlungen über die Bildung einer festen Regierungskoalition im Reichstag bisher nicht gerade überwältigende Führer- eigenschaften gezeigt hatten. Man spricht jetzt schon wesentlich konzilianter vonMißverständnissen" auf allen Seiten und das pflegt ja die Einleitung dafür zu sein, daß man einander wenigstens nicht mehr den guten Willen abspricht und außerdem sich ganz gern wieder an den gemeinsamen Verhandlungstisch setzen will. Dabei veranstaltet man natürlich ein paar Rückzugsgefechte um dasGesicht zu wahren", wie der Chinese sagt, knurrt und brummt ein wenig, aber das ist eben nur äußerlich. Freilich bleibt als Drehpunkt der kommenden Entwicklung immer noch die Preußenfrage oder, genauer gesagt, die K o n k o r d a t s f r a g e; das ist in zahlreichen Pressestimmen der Zentrumspartei immer wieder zutage getreten.

Also: man will in dieser Frage in Preußen erst ein­mal zu einer Einigung mit der Deutschen Volkspartei ge­langen, der das Zentrum vorläufig mit großem Miß­trauen gegenübersteht. Und dann erst Umbildung der Regierung und der hinter ihr stehenden Koalition in Preußen vielleicht wenistens! Denn man kann mög­licherweise auch damit rechnen, daß das Zentrum sein Angebot, eines seiner preußischen Ministerien sozusagen als erste Konzession einem Mitglied der Deutschen Volks­partei sofort zu überlassen, von neuem macht, diesmal sich andererseits mit diesemVorläufig" zufrieden gibt, das Zentrum aber auch sofort oder auf Abzahlung die Drei von ihm geforderten Reichsministerien erhält. Vielleicht die nächste Zeit erst wird es lehren, ob man

zu einem gegenseitigen Entgegenkommen bereit ist oder Den unbedingt auf seinem Standpunkt Verharrenden "weiterspielen will. Dem Reichskanzler Müller wird wieder die bisher nicht gerade sehr angenehm ausschauende Aufgabe obliegen, die immer noch leise S ch m o l l e n d e n wieder am Verhandlungstisch zusammen- z u f ü h r e n.

Hart genug ist ja die Kritik gewesen und das wird sein Bemühen möglicherweise erleichtern, die an den Vorkommnissen der letzten Zeit im politischen Leben geübt worden ist; erinnert sei vor allem an die geradezu er­bitterten Worte, die der frühere Reichskanzler Dr. Wirth gegen diese Art parlamentarisch-demokratischerBetäti- gung" gefunden hat. Von feinem und seiner Freunde Standpunkt aus gesehen war es auch wirklich untragbar, wenn die Souveränität des deutschen Volkes, die sich im R-ichstag verkörpert, so gar keine Plattform für eine er­sprießliche Tätigkeit zu finden vermag. Eine Tätigkeit, die doch so bitter notwendig ist, jetzt vor allem aus außen- politischen Gründen. Denn in Paris tagt die R e p a r a t i o n s ko n s e r e n z.

Und dann: wo bleibt die Etatsberatung, wo die Be­sprechung und Erledigung der vielleicht notwendig bleiben­den Ausgabendcckung und die Erledigung dieser Frage? Und immer noch weiter: wir haben über 2,2 Mil­lionen Arbeitslose, das ganze Wirtschaftsleben

Die wohltemperierte Kälte

Zroß davem-e MnchlMg.

In Iaku 1 sk, nu r 70 M i s grade.

Bei Beginn der neuen Woche war die Wetterlage so:

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18 Grad Kälte, Frankfurt a. M. 16 Grad, Karlsruhe 14 Grad Jm übrigen Deutschland bewegten sich die Temperaturen zwischen 6 und 9 Grad unter Null. Die Schneefälle haben allgemein aufgehört. Es besteht die Möglichkeit, daß in Mitteldeutschland wieder eine Ver­schärfung des Frostes eintreten wird. Eine so starke Kälteperiode, wie sie im Anfang Februar auftrat, soll aber nicht zu erwarten sein. Die Tagestemperaturen bürsten sich im mittleren Norddeutschland zwischen 4 und

6 Grad unter Null halten.

Und nun wieder das Ausland. Es ist da zu sagen, daß sich in Ungarn, in Österreich und in der Tschechoslowakei mit dem Nachlassen der Kälte >ine Besserung der Verkehrsverhältnisse einfteßte. Sehr kalt ist es nach wie vor auf dem Balkan und in ganz Nord- und Osteuropa. Polen ist tief verschneit und Podolien ist seit einer Woche von der übrigen Welt ab­geschnitten. Um Dänemark schließt sich der Eisring immer fester. Der Verkehr über den Großen Velt mußte vollkommen eingestellt werden; auch in der Ostsee ist einsVerschlimmerung eingetreten. In Südschweden

Deutsch-persischer Vertrag.

Freundschafts- und Handelsvereinbarungen.

Am Sonntag wurde in Teheran von dem deutschen Gesandten vonderSchulenburg und dem Vertreter des persischen Außenministers, Farzine, das deutsch- persische Vertragswert unterzeichnet, das aus einem Freundschaftsvertrag, einem Handels-, Zoll- und Schiff­fahrtsvertrag und einem Niederlassungsvertrag besteht. Der Vertrag ist aus dem Boden der Meistbegünstigung und der gegenseitigen Gleichberechtigung aufgebaut. Er hat eine Dauer von fünf Jahren und setzt fest, daß die beiden vertragschließenden Mächte alle Streitfälle einem Schiedsgericht unterwerfen.

Die Verträge treten an Stelle des gekündigten deutsch­persischen Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsab­kommens vom 11. Juni 1873. Der Freundschafts­vertrag bestimmt, daß die Kontrahenten alle Streitig­keiten dem vorgesehenen Schiedsgericht unterbreiten, wo­bei sich die Parteien vorbehalten haben, die Klauseln über das Schiedsgerichtsverfahren zehn Jahre nach der Rati- fizierung aufs neue zu prüfen. Das Handelsab­kommen betont grundsätzlich den beiderseitigen Willen, nichts zu unternehmen, was den Warenaustausch und Transitverkehr behindern könnte; es sieht ferner die üblichen Einschränkungen, besonders hinsichtlich des Ver­kehrs mit Kriegsmaterial vor. Die Schiffe beider Länder werden den internationalen Schiffahrtsregeln entsprechend behandelt werden. Das Handelsab­kommen enthält eine Zollunionsklausel, wonach die Meistbegünstigungsverpflichtungen für den Fall der Ein­gehung von Zollunionen seitens einer der beiden Parteien feine Anwendung finden. Das Niederlassungs­abkommen bestimmt, daß die Gerichte beider Länder die Untertanen des anderen Landes wie die eigenen Staatsangehörigen behandeln, doch bleiben die personen- rechtlichen ißest immun gen der Heimatländer in Geltung.

ist in gefährlicher Krise von noch nicht übersehbarer Dauer das deutsche Volk würde, wie Dr. Wirth es ausführte, es einfach nicht verstehen, wenn der Deutsche Reichstag sich mit parteipolitischen Haarspaltereien beschäftigen würde statt mit diesen Fragen brennendster Art. Dann erhebt sich auch darin hat Dr. Wirth recht immer lauter der Vorwurf und die Anklage, ob nicht das ganze System unseres demokratischen Parlamentarismus' an diesen überflüssigen Zwistigkeiten und dieser gefährlichen Unfruchtbarkeit schuld sei. Dann wenden achselzuckend immer größere Kreise unseres Volkes diesem Treiben den Rücken und die Parteien klagen später ganz unberechtigt über diepolitische Müdigkeit" im deutschen Volke. Das ist nicht politische Unreife, sondern ein Werturteil über vieles, was im Reichstag oft genug zu geschehen pflegt. E r mag in sich gehen, nicht die Wähler.

Ob er es in den kommenden Tagen oder Wochen unter dem Zwange der äußeren und inneren Not nun endlich tun wird? Seit dreiviertel Jahren, feit den Maiwahlen, ist's nicht geschehen, wurde alles nur schlimmer. Am wenigsten achtete man auf die immer ablehnendere Stim­mung im Volk, wo man für all dieseFinessen" der Parteitaktik ein herzlich geringes Verständnis aufbringt, höchstens aufbegehrt, wenn es ein bißchen allzu toll ge­trieben wird. Wie dies geschah, kurz, ehe der Reichstag in die jetzt beendeten Ferien ging.

Noch einmal: wird er endlich eine feste Grundlage und damit die Voraussetzung für positive, täglich dringen­der notwendige Arbeit finden? Er muß sie finden, vor allem in feinem eigenen Interesse.

wüteten furchtbare Schneesturme, ym osuicyen Eng­land sind infolge der scharfen Kälte zehn Menschen ums Leben gekommen. Dagegen wurde in Frankreich und in Oberitalien eine wesentliche Milderung der Kälte verzeichnet. Rom hatte Montag srüh 4 Grad Wärme; als .Pendant" hierzu meldet I a k u t s k in Sibirien gattF' einfach 7U ®wro 3r-»*»*w*~.^ Tage ausreichen dürfte.

Unsere eigenen Winterleiden und Wintersreuden.

Ganz so schlimm ist es ja, wie gesagt, bei uns nicht mehr, aber darum ist es noch lange nicht gut. Die ost- preußischen Bahnen haben noch immer mit starken Störungen zu kämpfen und aus der Ostbahnstrecke mußte militärische Hilfe zur Freilegung der vereisten und ver­schneiten Gleise herangezogen werden. Vereist ist auf weite Strecken hin auch der Rhein. Das ungewöhn- liche Erlebnis, ihn an seiner breitesten Stelle auf deut­schem Gebiet, zwischen Cleve und Emmerich, zu Fuß überschreiten zu können, hatte Sonntag große Menschen- massen angelockt: etwa 15 000 Personen überquerten den Strom auf diesem jetztnicht mehr ungewöhnlichen Wege". Auf dem vollständig zugefrorenen Königs- see bei Berchtesgaden landete am Sonntag nach­mittag zum erstenmal ein Flugzeug der Österreichischen Verkehrsfliegerschule. Beim Aufstieg überquerte daS Flugzeug auf seinen fliartigen Kufen fast den ganzen See und nahm dann nach einigen kunstvollen Schleife» Ricktuna Berchtesgaden.

Papstfeier in Münchsn.

Kardinal Faulhaber über die Verträge.

In München wohnten Sonntag anläßlich der Feier deS Krönungstages und des goldenen Priesterjubiläums deS Papstes die katholischen Jugendverbände Münchens einem Gottesdienst in der Basilika bei. In: Zirkus Krone, in dem über 5000 Personen, darunter auch Ministerpräsident Dr. Held und Kultusminister Dr. Goldenberger versammelt waren, er­griff Kardinal Faulhaber das Wort.

Er führte u. a. aus, die Gefangenschaft des Papstes fei beendet. Die Stunde der Freiheit habe für ihn geschlagen, eine säkulare Stunde der Weltgeschichte. Am Nachmittag fand in der Michaelskirche eine liturgische Papstfeier statt, bei der der Kardinal die Predigt hielt. Er wies auch hier auf das

weltgeschichtliche Ereignis

der Befreiung des Papstes hin und bemerkte dabei, wohl stehe auf der anderen Seite ein Mann, den die Vorsehung geschickt habe, einer der Großen der Weltgeschichte, dessen Staatswissen nicht versumpft sei in staatswissenschaftlichen Paragraphen, ein Mann, der ungehemmt und ungekettet und nicht belastet von parlamentarischen Hemmnissen sei, aber alles sei nur ein Werk der göttlichen Vorsehung. Der Papst sei ein Priester des Friedens und sein Staat sei nicht auf Grund eines Vertrages nach einem Kriege, sondern auf Grund eines friedlichen Ver­trages zustande gekommen, das müßte auch für die übrige Welt ein Beispiel sein.

Schweres Zugunglück.

Zehn Personen schwer verletzt.

Auf dem Hauptbahnhof B i e l e fe l d ereignete sich ein folgenschwerer Zusammenstoß, bei dem mehr als zehn Personen schwer verletzt wurden. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß eine Rangier­lokomotive das Haltesignal Überfuhr und aus den am Bahnsteig haltenden Personenzug mit voller Wucht auf« fuhr, wodurch die drei letzten Wagen des PersonenzngcS eingedrückt wurden.