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KersfelöerTageblatt

^nzeigeuperi,! Sie tinfpaMs« prtitMe 15 p^nnis, die Neklamezelle 50 Pfennig. (Senn-fchrist Corpus). Bet Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. §ür die Schristleitung serant- «ortlich: Kranz Zank in Hersfeld. Kernsprecher Nr. 8

Hersfel-er Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für öen Kreis Hersfelö mit den Bella««: MlrMertrs Anterhaltungsblatt / Nach Asisrabmd / AeeS vaS Scholle / U«le§bstt«ks saS Wisse« Belehraag unS Kurrwell / WELffchakilichr TaseMasen.

OMm: 1. Kelcks-Mark bei freier Zustellung, fjt flbhoier 1.00 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig Konks Vuchöruckerei in Hersfelö, Mitglied der VLZL.

Nr. 41

Montag, den 18. Februar 1929

79. Jahrgang

Das Gespenst.

Ein seltsamer Anblick: an den Kohlenhandlungen, bei den Kartoffelverkäufern verschiedener Orte stehen die MenschenSchlange" und das Wort von denPolo­näsen" taucht wieder auf. Hier und da sieht man auch wiederfliegende" Wagen mit Holz, dabei der Verkäufer und umlagert von Menschen, die Heizmaterial haben wollen, weil vielfach Kohlen für den Hausbrand nicht mehr zu erhalten sind.Kriegserinnerungen" tauchen aus und schrecken ab, man denkt unwillkürlich und bange an die vielleicht noch schrecklicheren Zeiten der Inflation als auch überallSchlange gestanden" wurde und als man oft genug enttäuscht wieder abziehen mußte, zurück in die kalte Wohnung und zur leeren Speisekammer. Und noch stärker werden diese unangenehmen Erinnerungen durch den Schreck- oder vielmehr Abschreckungsschuß, den in Berlin der Polizeipräsident abgab: er würde unnachsicht- lich jeden Versuch einer Bewucherung der Bevölke­rung beim Lebensmittelverkauf bestrafen lassen, soweit ihm entsprechende Mitteilungen aus dem Publikum ge- macht würden. Denn ängstliche Gemüter fangen schon an zuHamster n" wie einst und das könnte allzu leichi dazu führen, daß die Preise hochgetrieben werden. Denn wenn die Nachfrage durch die vorhandenen Vorräte oder eine ungenügende Anfuhr nicht gedeckt wird, dann geh: es mit den Preisen in die Höhe.

Doch dieses Kriegs- oder Jnflationsgespenst" lös sich bei näherem Hinsehen in eitel Dunst und Nichts auf Im Krieg war es die Blockade von außen her, in der Inflation aber die Mauer rings um Deutschland, bis durch die Entwertung der Mark immer höherunt unüberwindlicher wurde. Die Mauer auch, die, nich minder hoch und unüberwindlich, zwischen dem Erzeuge: bziv. Besitzer der Ware und dem Heer der Konsumenten bestand und die, ebenso wie jene andere, erst durch Stabilisierung der Währung niedergerissen wurde. Jetz? ist's keine Mauer, weder draußen noch drinnen, die in den letzten Tagen die Verbraucherkreise in Verlegen­heiten mehr kann man wohl nicht behaupten qe an die Fleisch- und Gemüfezufuhren durchaus nich überall unüberwindlich ist. Es ist eben ein Natur­ereignis, das störend eingreift, aber doch nicht gefahr­drohend für die Volksernährung ist.

Bedauerlicherweise sind aber Ungeschicklichkeiten in bei Verwaltung vorgekommen, die auch unerfreulich an manch, Maßnahmen von einst erinnern. Es nutzt zum Beifpie' gar nichts, wenn hier und dort vonoben" her erklär wird, es bestünde weder Kohlen- noch Kartoffelmangel und der Konsument erhält von dem Verkäufer den eilt gegengesetzten Bescheid; muß feststellen, daß dieser ant natürlichen, weil Temperaturgründen zu erklärend, Mangel doch besteht, daß die Schulen geschlossen wurden die Kohlen nur in beschränkten Mengen abgegeben Werder dürfen. Ein Appell an die Vernunft der Be­völkerung mit dem Hinweis auf die nun einmal be stehenden Schwierigkeiten hätte bessere Wirkungen gehabt weil nun außerdem scharfe Kritik an die Behördentätigket gelegt wird, allzu schnell das böse Wort von demVer­sagen" der amtlichen Stellen austaucht, deren Aufgabe ei ist, unter Einsetzung der notwendigen Mittel baldmöglichs die Schwierigkeiten zu beseitigen. Mit den Strafandrohun­gen das weiß ja jeder aus bittersten Erfahrungen ist wenig erreicht. Aber auch hier ist es maßlos übertrieben wenn man schon das Gespenst des Schleichhandels vor- einst wieder auftauchen sieht, nicht bloß der ungerecht­fertigten Preissteigerung. Weiß doch zum Beispiel du städtische Bevölkerung ganz genau, daß bei derartige Kältegraden die Anfuhr der Kartoffeln stocken muß, das die beim Großhandel vorhandenen Vorräte nicht allzu lange reichen und die deutsche Landwirtschaft die Kartaffel- mieten nicht öffnen kann,, ohne schwerste Verluste und ssi: später eine wirkliche Kartöffelnot herbeizuführen.

Es gilt also, vernünftig den Dingen Rech n u n g zu tragen, die die Natur nun einmal als frei­lich höchst unangenehmen Zustand über uns verhängt bat Und sie nicht durch eine ganz und gar unnötige Gespenster furcht nur noch schlimmer zu machen. Vulgär ausgedrückt, es ist ja alles bloß halb so schlimm. Schlimm wird es erf durch mangelndes Pflichtbewußtsein, durch rücksichtsloser Egoismus, der nur an sich selbst denkt. Es kann kau;« davon die Rede sein, daß eine bewußte Zurückhaltung der Waren bei den Produzenten und dem Handel vorlieg; das war aber gerade das Charakteristische jenes Ge­spenstes der Kriegs- und Inflationszeit. Darum ver­sündigt sich geradezu jeder, derunkend" durch die Straße« läuft und die Besorgnis, die nun einmal infolge des Wirkens der eben mächtigeren Naturkräfte besteht, wo­möglich noch steigert. Besser ist's, aufklärend u n i damit beruhigend zu wirken und alles z« tun, um jene Schwierigkeiten, jene Hemmungen nutz Hindernisse zu überwinden, in zielbewußter, weitsich­tiger, energischer Arbeit, aber nicht mit Worten und Ge­spenstermalerei steckenzubleiben.

Zugzusammenstoß in Frankreich.

Paris. Wie aus Chalon-sur-Saone gemeldet wird, stieß aus dem Bahnhof Tournus ein Schnellzug mit einem Guter-, zug zusammen. Der Tender und neun Wagen des Schnell-/ zuges entgleisten. Nach einer Darstellung sollen acht, nach einer anderen achtzehn Personen verletzt worden sein.

I« 6|M m die

Logland für eine Noilenkonferenz. Kühle Haltung in Amerika.

Etwas überraschend kam aus Washington die Nach­richt, der dortige englische Botschafter habe Presie- oertretern mitgeteilt, England werde in kurzer Zeit einen amtlichen Versuch für das Zustandekommen einer neuen Abrüstungskonferenz der hauptsächlichsten Seemächte unternehmen. Fast im gleichen Augenblick beschloß der Unterausschuß des BudgctauSschufles des Amerikanischen Senats, bereits in den laufenden Etat 700 000 Dollar- für den Baubeginn der Kreuzerbill einzusetzen, und Prä­sident Coolidge hat dem Kongreß eine Vorlage zugehen lassen, in der eine Summe von 2 474 000 Pfund als erste Rate für den Bau von fünf der bewilligten fünfzehn Kreuzer zur Verfügung gestellt wird. Dadurch wird der Bau, da die Bewilligung die Hälfte der zunächst erforder­lichen Summe nach der Meinung der Fachleute darstellt, spätestens am 1. Juli d. J. beginnen können, da dann die andere Hälfte fällig wird.

In London sagt man, bei Vorschlag der neuen See­abrüstungskonferenz sei um den 15. April herum zu er­warten. Bekanntlich hat Großbritannien bisher die letzte amerikanische Note im Zusammenhang mit dem englisch- französischen Flottenabkommen, in der Vorschläge für eine

Die Pariser saKimstmdtgenkonserenz.

Das Ergebnis der ersten Woche.

Nach Beendigung der ersten Verhandlungswoche wird über den Verlauf der Beratungen des Sachverständigen- ausschusses von französischer offizieller Seite folgendes mitgetMMDie Erörterungen, die zum Zweck haben, eine ^fldliMBMWIiJ1- ^rin-ri

Problems zu suchen, haben sich mit den Erfahrungen be­schäftigt, die in den vier Jahren des Dawes-Planes sich für Deutschland und die Weltwirtschaft aus der Durch­führung der Reparationszahlungen ergeben haben. Unter stärkster Beschränkung auf die konkreten auf die Lage zu­rückführenden Probleme sind die aus der bisherigen Ver­handlung bereits bekanntgewordenen Gegenstände in voll­kommener Offenheit und Sachlichkeit behandelt worden. Irgendwelche Beschlüsse oder Vorschläge sind bisher nicht vor die Konferenz gebracht worden. Es entspricht auch nicht den Tatsachen, daß es sich etwa im Laufe der ersten Verhandlungswoche nur um Erörterungen von deutscher Seite gehandelt habe. Immer stärker setzt sich die Er­kenntnis durch, daß es sich hierbei um eine allen Beteiligten gemeinsame Angelegenheit handelt.

Da die Generaldebatte abgeschlossen ist, dürste ohne Zweifel im Laufe der kommenden Woche mehr eine Er­örterung von Spezialfragen stattfinden. Bei dieser Er­örterung werden wie bisher die Experten vom rein ökono­mischen Gesichtspunkt aus die Möglichkeit prüfen, die sich aus der gegenwärtigen internationalen Wirtschaftslage ergeben. Wenn die Verhandlungen in der gleichen Weise wie bisher sich fortsetzen sollen, darf mit einer Klärung der Lage, ob überhaupt eine Lösung möglich sein wird, in ver­hältnismäßig kurzer Zeit gerechnet werden.

M'mstskpräWsni Braun über pMiischs Tagssfragen.

Eine Rede im Hauptausschuß des Preußischen Landtages

Fm Haupiausschuß des Preußischen Landtages nahm bei der Beratung des Haushaltes des. Staatsministeriums Ministerpräsident Dr. Braun das Wort zu innreren Ausfüh­rungen. Der Ministerpräsident stellte fest, daß die Frage, ob es mit der Stellung eines Beamten noch vereinbar sei, wenn er sich aktiv im Stahlhelm betätige, jetzt ernstlich im Schoße der Staatsregierung erörtert werde,

Die Krisis der Landwirtschaft liege im Geldmarkt begründet und habe sich natürlich zuerst bei den Großbetrieben gezeigt. Gerade der heutige Preußische Staat habe für die Landwirtschaft sehr viel mehr getan-als der frühere. Für Ostpreußen seien in den letzten Fahren ins­gesamt 170,45 Millionen ausgegeben worden Zur

Frage des Panzerkreuzers erklärte der Ministerpräsident, daß er eine gewisse Wehrhaftig- keit gegen eventuelle Überfälle für notwendig halte» aber die Ausgabe für den Panzerkreuzer sei überflüssig und unzweck­mäßig, weil wir im Kriegsfalle mit den uns zur Verfügung stehenden Seekriegsmitteln den Seeweg nach Ostpreußen nie- mals offen halten könnten. Die Besorgnisse wegen der groß-, zügigen Regelung in der Minderheitenfrage zeigten ein Gefühl der Schwäche, zu dem keine Veranlassung bestehe. Die deutsche Kultur sei stark, daß sie im Wettbewerb auch mit den Minder­heiten nicht leiden werde. Zur

Konkordatsfrage erklärte Ministerpräsident, solange das Staatsministerium nicht mit dem Vertragsgegner einig sei, sei der Zeitpunkt noch nicht gekommen, der weiteren politischen Öffentlichkeit über das Er­gebnis der Verhandlungen irgend etwas zu sagen. In der Frage der Reichsreform sei keiner der bisherigen Vorschläge zu Ende gedacht. Der Ministerpräsident kam in diesem Zusam­menhang nochmals auf den

preußisch-bayerischen Konflikt zu sprechen und bezeichnete die Ausführungen der Bayerischen

Siriftm zur See weitere Flottenabrllstung gemacht worden waren, nicht beantwortet. Da die Auseinandersetzung über den Bau von zwei neuen englischen Kreuzern zwischen der Leitsing der Außenpolitik unter Führung von Chamberlain und der Admiralität unter Führung von Bridgeman vorläufig zu­ungunsten der ersteren ausgegangen ist, erscheint eine allzu hoffnungsfreudige Beurteilung des neuen Schrittes wenig angebracht.

Erst 1931.

Im Staatsdepartement zu Washington wurde mit­geteilt, daß die amerikanische Regierung an dem Washing­toner Abkommen festhalten werde und daß sie die Ein­berufung einer neuen Abrüstungskonferenz frühestens im Sommer 1931 vorsehe. Falls die Mächte jedoch den Wunsch hegten, schon früher Beratungen über die Flotten- frage aufzunehmen, so werde dem wohl nichts entgegen­stehen. Alle Entscheidungen blieben aber dem neuen Hoover-Kabinett vorbehalten.

Weiter wird in Amerika die Meinung ausgesprochen, daß die englische Erklärung als Manöver der Regierung betrachtet werden muß, den Liberalen und der Arbeiter­partei für den kommenden Wahlkampf die Waffe zu ent­reißen. Diese Auffassung bestärkt die ungewöhnliche Tat­sache, daß der Botschafter keinen Schritt beim Staats­departement getan, sondern nur die Öffentlichkeit infor­miert hat. , ,

Pötkspärtei-Korrespondenz, Die Die Tatsache des bayerischen Bedauerns Gestritten habe, als unverständlich. Was der Amt­liche Preußische Pressedienst in dieser Frage veröffentlicht habe, sei Wort für Wort richtig. Die preußische Gesandtschaft in München halte er persönlich nicht mehr für notwendig. Die Abmachungen zwischen Preußen und Hamburg hätten gezeigt, daß bei beiderseitigem gutem Willen Schwierigkeiten behoben werden könnten. Es fei nicht das Bestreben Preußens, sich die kleinen Länder anzMiedern, aber es dürfe zwangsläufig sein,

2 222 000 Erwerbslose.

Verlangsamter A n st i e g der Arbeitslosen.

Vom 15. bis zum 31. Janua/hai die Zahl der Haupt- Unterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung (einschließlich der Sonder-üriorge bei beruslicher Arbeits­losigkeit) um weitere 176 000 Personen oder 8,6 Prozent zugenoMmen. Die Steigerung ist also geringer als in den vorausgegangenen Wochom Insgesamt gab es Ende Januar in der Arbeitslosenversicherung rund 2 222 000 Unterstützte. Hierbei ist zu bemerken, daß in einer Reihe von Bezirken die Zahl der Unterstützungsempfänger in der Sonderfürforge bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit vor­läufig nur geschätzt werden konnte.

Auch die Hanptun-erstüinu in der Krisenunterstützung haben weniger angenommen als bis­her Ihre Zahl bcu-rq .^nb: Fannar rund 145000 Per­sonen gegen 138'000 in der Mitte des gleichen Monats.

Reich-gerichtspräsident Sumse ernannt.

Dr. Simons tritt in den Ruhestand.

Der Reichspräsident hat den Präsidenten des Reichs­gerichts, Prof. Dr. h. c. Walter Simons, auf dessen An­trag zum 1. April d. J. in den Ruhestand versetzt und auf Vorschlag des Reichsrats den Ministerialdirektor im Reichsjustizministerium, Dr. Erwin Bumke, zum Prä­sidenten des Reichsgerichts ernannt.

Ein Krankenhaus vollständig niedergebrannt.

Paris. .In St. Julien (Haute-Savoie) brannte ein vollständig nieder. Die sechzig Insassen konnten rechtzeitig gerettet werden. Die Genfer Feuerwehr beteiligte sich an den Loscharbeiten.