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Hersfelöer Kreisblatt

Mmtücher/rnZ-rrger für öen Kreis Hersfelö mit Sea Beilagen: IttoSrierles AlllsrhaltongsdlaK / Nach UsiembsKS / HerR onß GG^lle / AnlechMLW Wk WM« Belehraas und Kurzweil / WEMchaftlichr Gegenfragen.

Nr. 37

Mittwoch, den 13. Februar 1929

79. Jahrgang

Die Versöhnung

Man mag zu den innenpolitischen Methoden Musso­linis stehen wie man will, man kann auch loben oder ver­werfen, was alles unter seiner Leitung im faschistischen Italien geschieht — niemand wird bestreiten können, daß die Lösung der „römischen Frage" ein großer Erfolg auch Mussolinis ist, nicht bloß des Vatikans. Möglich ge­worden ist das nur durch die Stellung, die der Faschismus und damit das neue Italien eingenommen hat zur katho­lischen Kirche im allgemeinen und zum Papsttum im be­sonderen. Während früher gerade die italienische Re­gierung es war, die die Souveränität des Papstes zwar formell anerkannt, praktisch sich aber zahlreiche Eingriffe in diefe Souveränität gestattet hatte — man denke an zahlreiche Fälle im Kriege, als der Vatikan gezwungen wurde, sämtliche dort amtierenden deutschen Geistlich! zu entfernen, er außerdem auf italienische Veranlassung zum Völkerbund nicht zugelassen wurde —, hat Mussolini auf ein gutes Verhältnis zu dem Haupt der katholischen Kirche größtes Gewicht gelegt, sich auch manches Wort der Mißbilligung seiner Politik, das von dorther kam, ohne jeden großen Lärm gefallen lassen. Fand er doch auch bei seiner Entdeutschungspolitik in Südtirol immer weniger Unterstützung durch den Vatikan. Aber Musso- hat mit der weltlichen Schule in Italien, die von der früheren liberalen Regierung eingerichtet war, gründlich Schluß gemacht, war ja überhaupt heftigster Gegner des italienischen Liberalismus, der seiner ganzen historischen Entwicklung gemäß das Papsttum als Hindernis der italienischen Einigung bekämpft hatte und dann, auch nach dem Falle des Kirchenstaates, aus weltanschaulichem

Festfreude in Italien

9er Papst als Souverän.

Rom ist beflaggt.

In der Peterskirche fand am Dienstag die Feier siebenten Wiederkehr der Krönung des Papstes Pins' statt. In den Straßen wehen die Flaggen Italiens, Stadt Rom und die weiß-gelbe des Papstes. Durch

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geschmückten Straßen zog schon am frühen Morgen eine unübersehbare Menschenmenge zur Peterskirche. Der Papst

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wurde bis auf

mit stürmischem Jubel begrüßt. Die Kirche war den letzten Platz besetzt. In der Diplomatenloge

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Gegensatz heraus diesen Kampf fortsetzte.

Der innenpolitische Erfolg, den Mussolini durch seine Nachgiebigkeit erzielt hat — die ihn übrigens nicht viel kostet —, ist vor allem der» daß er nun sicherlich auf seinen Wegen die italienische Geistlichkeit nicht mehr als Gegner oder nur laue Verbündete, sondern als Freunde finden wird. Das war auch bisher schon vielfach der Fall, aber der Vatikan hielt sich abseits, wenn er es auch an einzelnen Zeichen der Geneigtheit nicht fehlen liest. Fast immer nahmen Geistliche zum Beispiel UN hon 9?nWtfttitfMMn loh»? Wvt ^„<.>il ■<*..* ^^^_^L

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bemerkte man auch den König von Schweden. Sämtliche faschistischen Gruppen von Rom waren mit ihren Fahnen erschienen. Nachdem die Feier im Innern der Kirche be­endet war, erschien, begrüßt von enthusiastischen Zurufen der Menge, während die Truppen die Ehrenbezeugung er­wiesen, der Papst, umgeben von den Kardinälen und den Würdenträgern des Hofes, auf dem äußeren Mittelbalkon der Kirche, von wo er unter andächtiger Stille den Segen erteilte. Nach der Segenserteilung wiederholten sich die begeisterten Kundgebungen der Menge.

In allen Städten Italiens kvurde die Nachricht von dem Abkommen zwischen Vatikan und Quirinal mit un­geheurer Begeisterung ausgenommen. Umzüge in den Straßen der Städte feiern das historische Ereignis und die Bevölkerung bringt Hochrufe auf den Papst, auf den König und auf Mussolini aus. In den Kirchen werden in Anwesenheit von Vertretern der Behörden und faschistischer Verbände seierliche Gottesdienste abgehalten. Tausende von Huldigungsdepeschen wurden an den Papst, an den König und an Mussolini abgesandt Die öffentlichen Gebäude und zahlreiche Häuser haben geflaggt und zeigten abends prächtige Illuminationen.

Eine Ansprache Ph^# XL

Stuhl die vollen Hoheitsrechte aus. Besondere Vorrechte wer­den allen kirchlichen Würdenträgern gewährt, auch wenn sie nicht in der vatikanischen Stadt wohnen, ebenso den Mit­gliedern des päpstlichen Hofes. Italien anerkennt das Recht des Heiligen Stuhls, gemäß dem internationalen Recht Ge­sandtschaften zu schicken und zu erhalten. Italien errichtet beim Heiligen Stuhl eine Botschaft und der Heilige Stuhl beim italienischen Hofe eine Nunziatur. Aber der Heilige Stuhl be­hält es sich dar, seine moralische und geistige Macht in die Wag- schale zu werfen in wichtigen internationalen Fragen. Die vatikanische Stadt wird stets und ewig als

neutrales und unverletzbares Gebiet

zu betrachten sein. Der Heilige Stuhl erklärt endgültig die römische Frage für erledigt und anerkennt den Italienischen Staat unter der Regierung des Hauses Savoyen mit Rom als Hauptstadt.

Das Konkordat besteht aus 45 Artikeln. Es wird darin bestimmt, daß alles, was mit dem heiligen Charakter Roms im Widerspruch steht, vom Italienischen Staat vermieden und nicht erlaubt werden wird. Die Seelsorgefreiheit wird garantiert. Bezüglich des Eherechts wird die Wirkung der rein kirchlichen Ehe anerkannt. Alle Urteile der geistlichen Gerichte werden an­erkannt. Die finanzielle Regelung besteht in der direkten Überweisung von 750 Millionen Lire und einer Milliarde in Staalsrenten an den Papst.

*

Zur Feier des Jahrestages der päpstlichen Thronbesteigung und der Proklamierung des neuen Papststaates fand Dienstag in der Hedwigskirchc zu Berlin ein feierliches Hochamt statt, das von Nuntius P a c c e l l i zelibriert wurde. Als Vertreter des Reichspräsidenten war Reichspostminister Schätzest für den Reichskanzler Staatssekretär Dr. Pünder, für den Reichsaußenminister Dr. Stresemann Staatssekretär Dr. von Schubert, für den preußischen Ministerpräsidenten Braun und das preußische Staatsministerium Staatssekretär Weismann erschienen. Ferner sah man den preußischen Landwirtschafts­minister Dr. Steiger. Auch das Diplomatische Korps war fast vollzählig anwesend.

Mussolini hat vom Oberbürgermeister von Köln, Dr. Adenauer, ein Glückwunschtelegramm erhalten, in dem ge­sagt wird, der Name Mussolini werde in goldenen Buchstaben iiwMäOiiw^^ ii i 1 ' "*"

des Weltkrieges handelte. Wie sich die Dinge jetzt nament­lich in S ü d t i r o l, wo die deutschstämmigen Geistlichen scharfe, vielleicht die einzigen offenen Gegner der Jtaüe- nisierungspolitik sind, unter dem Zeichen der Versöhnung zwischen Papsttum und Mussolini entwickeln werden, hängt nicht zuletzt von dem künftigen Konkordat ab, das zwischen beiden abgeschlossen werden soll; ist doch z. B. im Konkordat mit Polen vom Vatikan zugestanden worden, daß der Staat die Versetzung von Geistlichen „aus Gründen des Staatswohls" verlangen kann. Daß man auch dem Staate Mussolinis dieses grundsätzliche Zu­geständnis machen muß, ist vielleicht als selbstverständlrch zu erwarten. ,. _

InParis hat man die Lösung der römischen Frage mit gemischten Gefühlen betrachtet. Frankreich, diese „älteste Tochter der katholischen Kirche", hat sich ja fett Napoleon III., der in den sechziger Jahren dem Papsttum allerdings nur für kurze Zeit nochmals den Kirchenstaat gerettet hatte — der Abzug der französischen Besatzungs­truppen aus Rom, durch die deutschen Siege notwendig gemacht, ermöglichte 1870 dem sardinischen König Viktor Emanuel I. die Erstürmung der' „Ewigen Stadt" —, immer als Protektor des katholischen Missionswesens im Orient, vor allem in Vorderasien, gefühlt und reiche poe­tische Erfolge daraus gezogen; daß es z. B. heute im Besitz von Syrien ist, hat es nur als eme Frucht dieser Politik zu betrachten. Aber gerade Mussolini, der mit Frankreich keineswegs auf gutem Fuß steht, hat diesem Anspruch aufs schärfste widersprochen, und die offizielle Aussöhnung mit dem Haupt der katholischen Kirche, die Tatsache, daß er mit ihm ein Konkordat abschließen wird, während das Verhältnis des Vatikans zu Frankreich ein durchaus nicht immer ungetrübtes ist, wird dem un­gekrönten König von Italien die Abwehr französischer, übrigens längst überholter Ansprüche um vieles er­leichtern. Durch weiteres Entgegenkommen — man spricht bereits von einem Eintritt der nun auch äußerlich souverän gewordenen Kurie in den Völkerbund als gleichberechtigtes Mitglied — wird Mussolini seine neugewonnene günstige Stellung zur katholischen Kirche noch werter ausbauen

uno Malten im Lateran unterzeichnet wurde, empfing der Papst das römische Priesterkollegium und hielt eine Ansprache über das vor sich gehende historische Ereignis. Er lehnte die vom Auslande kommende Kritik ab. Einige behaupteten, die Kirche hätte zuwenig, und andere, sie habe zuviel herausgeholt. Einige finden das Territorium klein, denen müsse aber gesagt werden, daß gerade der Papst ein Gebiet so winzig wie möglich gewollt habe. Er verhandelte als Vater mit seinen Kindern und wollte die Lösung erleichtern. Auch galt es nachzuweisen, daß ihn kein irdischer Ehrgeiz treibt. Die Kirche begnüge sich mit einem Minimum, das die vorauszusetzende Souveränität real erscheinen lasse. Dieses Territorium ist klein, doch größer als die Welt.

Einzechsiien des Vertrages.

Der gesamte Vertrag zwischen Italien und dem Papst um­faßt 27 Artikel. Hervorzuheben daraus ist, daß die katholische Religion ausschließlich Staalsreligion ist. Der neue Vatika­nische Staat wird ausschließlich vorn Heiligen Stuhl ohne Ein­mischung der italienischen Regierung verwaltet, über die in Der Vatikanischen Stadt wolmenden Personen übt der Heilige

Der Lateranpalast, in dem die Abmachungen zwischen dem Vatikan und Italien unterzeichnet wurden.

können. „ ...

Mussolinis Name wird rings um den Erdball in Dankbarkeit genannt werden, überall, wo der Katholizis­mus Fuß gefaßt hat, und daher ist die von ihm erreichte ' " 'schen Frage ein gewaltiger Prestige-Erfolg

den anderen außen- und innenpolitischen

Lösung der römis neben jenen beiU.. ...------- ------- . t

Früchten, die seine Politik bald ernten wird.

. Deutschlands Leistungsfähigkeit.

Die Schuldenberatung in Paris.

) Die Sachverständigen der beteiligten Staaten per . sammelten sich Dienstag im Hotel Georg V. zur zweiter 1 Vollsitzung. Bereits gestern war man in die sachlicher Beratungen eingetreten und die Hauptvertreter aller Länder brachten in großen Zügen ihre Forderungen vor Für Deutschland erklärte Dr. Schacht, daß die deutscher Zahlungen innerhalb der deutschen Leistungsfähigkeit bleiben müssen und bat: die deutsche Leistungsfähigkeit

deshalb Gegenstand ernsthafter Prüfung sein müsse. Mail ist sich darüber einig, daß bei der Tagung die Vertraulich keit soweit als möglich gewahrt werden soll und daß kein stenographisches Protokoll ausgenommen wi.rd, sondern nur die tatsächlichen Beschlüsse ausgezeichnet werden.

Der französische Sprecher Moreau wies daraus hin der jetzige Dawes-Plan liefere genügend Erträgnisse, um Frankreichs Kriegsschulden und die Wiederaufbaukösten zu decken. Lediglich Deutschland habe ein Interesse baran, die Höhe feiner Schulden endgültig bestimmt zu sehen. Deutschlands Aufgabe sei es, Vorschläge für eine End- lösung zu machen. Frankreich sei bereit, diese Vorschläge entgegenzunehmen. Ein solches Zugeständnis setze aber eine deutsche Gegenleistung voraus. Für die Amerikaner äußerte sich Morgan zurückhaltend. Vom amerikanischen Gesichtspunkt aus müsse die Reparationsfrage als ein großes internationales Bankengeschäft unter Berücksichti­gung aller legitimen Forderungen betrachtet werden.

Zwei Haupiieiie.

Die Beratungen der Konferenz werden sich wahr­scheinlich in zwei Hauptteile gliedern: in die Fragen, die mit der Leistungsfähigkeit Deutschlands zusammenhängen, und die Frage der Flüssigmachung der Reparationsschuld Von allen Seiten drängt man darauf, bei den Verhand­lungen keine unnütze Zeit zu verliere,st Pierpont Morgan hat angekündigt, daß er unbedingt Ende März wieder heimkehren müsse. Auch die Engländer wünschen mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen möglichst rasch zu einem definitiven Ergebnis zu kommen.

Es ist nicht beabsichtigt, für den amerikanischen Vor­sitzenden Owen Doung einen Stellvertreter zu wählen. Wenn Owen Doung behindert sein sollte, wird ein neuer Vorsitzender gewählt werden. Auch ein Generalsekretär ist nicht bestellt worden. Lediglich der Privatsekretär von Owen Aoung, Mister Brake, wird als Sekretär der Ge> samtkonferenz fungieren. Daneben leitet für jede Dele­gation ein Sekretär die Bureauarbeilen.

Wenigsr Eibe.

Vorschläge des Reichsjustizministers.

Dem Reichskabinett hat Reichsjustizminister Koch- Weser das Einführungsgesetz zum neuen Deutschen Straf­gesetzbuch vorgelegt. Es wird darin der Versuch gemacht, ein Abhilfemittel gegen das überhandnehmen der Eides­leistungen vor Gericht zu finden. In der amtlichen An­kündigung heißt es darüber:

Seit längerer Zeit sind in der Öffentlichkeit Klagen über das Übermaß der Eide, die in Zivil- und Straf- prozesien geleistet werden, laut geworden. Schon der Strafrechtsausschutz des vorigen Reichstages hat deshalb m emer Entschließung eine möglichst weite Einschränkung der Eidesleistungen verlangt. Der Entwurf eines Ein- führungsgesetzes zum Allgemeinen Deutschen Strafgesetz­buch soll diesen Klagen durch eine grundsätzliche Neuord­nung des Eideswesens abhelfen. Nach dem Entwurf ist der Zeugeneid nur noch in wenigen eng begrenzten Fällen vorgesehen, in allen übrigen Fällen wird er durch eine uneidliche Bekräftigung, deren Anwendungsgebiet auch noch gegenüber dem des Eides im geltenden Recht erheb­lich eingeschränkt ist, ersetzt.

^ Die seit langer Zeit umstrittene, insbesondere in der Rechtswissenschaft lebhaft erörterte Frage nach der Straf- barkeit des fahrlässigen Falsch ei des wird den Strafrechtsausschutz des Reichstages in der nächsten Zeit beschäftigen. Unter Berufung auf die Regelung, die die Frage im österreichischen Recht gefunden hat, gehen die Bestrebungen dahin, die Strafbarkeit des fahrlässigen Falscheides stark einzuschränken. ;

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JurchOare Karbtdexploflon.

B arme n. Auf dem Grundstück der Firma Siller “- Format ereignete sich eine Karbidexplosion, bei der drei Arbeiter getötet und fünf zum Teil sehr schwer verletzt wurden. Sämtliche Fensterscheiben der Umgegend sind gesprungen.