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ytasdgtnpttfet Mt tfntoalflge prtttZelle 15 Pfennig,. 6k ReNamyellr 50 Pfennig. (SmaSschrist Korpus). Vel WieSerholungen wird ein entsprechender Preis- «achlah gewährt. ♦ Züc die Schristlettung verant-- woMch: Kranz Kunk in tzersseid. <• Kernsprecher Nr. 8

hersfelöZr Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfeiö

mit Se« Beilage«: Illustriertes AuterhLttuugsdlatt / Nach Keiersdesv / Herb ««8 GÄslle / AKterhgltuug a«S Wisse« BeledruuL voS Kurrweil / Wietschastlicke TsaeSsrageu.

Nr. 34 Wies Blatt)

Sonnabend, den 9, Februar 1929

79. Jahrgang

Unbeglichene Rechnungen.

Das Wettrüsten zur See. — Der ungebärdige Riese.

Koalitionssorgen.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt, es ist aber auch nicht alles friedlich gesinnt, was sich zu Genf bekennt und Kellogg-Pakte unterzeichnet. Der Deutsche Reichstag Hai dieser neuen Achterklärung gegen den Krieg rückhaltlos zugestimmt, und auch die Zustimmung der polnischen Regierung ist ihr zuteil geworden, die überdies sogar mit Rußland und Rumänien noch einen Sonder- Vertrag ähnlichen Inhalts abzuschließen bereit sein soll, auf daß an der Aufrichtigkeit ihrer Friedensliebe fortan kein Zweifel mehr gehegt werde. Trotzdem, in Paris runzelt man die Stirn, weil Deutschland sich die Freiheit nimmt, einen neuen Kriegsschifftyp in Bau zu geben, dem gegenüber älteren Fahrzeugen weitgehende Vorzüge nach­gerühmt werden. Und Polen behauptet, sich in feiner militärischen Sicherheit bedroht zu fühlen, weil wir nicht umhin können, uns wenigstens auf die schlimmsten Mög­lichkeiten an unserer Ostgrenze notdürftig vorzubereiten. So kann es nicht wundernehmen, daß sich praktisch an der gesamteuropäischen Lage wenig oder gar nichts ändert, auch wenn die Unterschriften unter friedensichernde Ver­träge sich noch so sehr hänfen.

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Nicht anders übrigens auch jenseits unseres Welt­teils. Eben hat der A m e r i k a n i s ch e S e n a t das F l o L t e n b a u p r o g r a m m der Regierung des Präsi­denten Coolidge angenommen mit einer Begeisterung, als hätte Amerika schon morgen auf schicksalsschwere Kämpfe um feine Machtstellung in der Welt zu rechnen. Mehr noch, es wurde sogar gegen den ausdrücklichen Willen des Präsidenten beschlossen, daß die fünfzehn neuen Kreuzer schon innerhalb der nächsten drei Jahre auf Stapel zu legen seien, je fünf in jedem Jahr, also wohl der beste Beweis dafür, daß man in Washington von der für 1931 geplanten nächsten Flottenkonferenz sich fit ^ wie gar ^umü? verspricht" söndefn- es vorzreyr, beizeuen volleydete Tatsachen zu schaffen. Wenn im Gegensatz dazu die englische Regierung jetzt wieder mit dem Gedanken von Ersparnissen im Flottenbau kokettiert, so werden dahinter mehr Rücksich­ten auf Wahlpropaganda vermutet als der ehrliche Wunsch räch Rüstungsverminderung. sosehr auch der ungünstige Stand der Staatsfinanzen solche Kostenersparnisse recht­fertigen könnte. In Amerika brauchen Geldfragen natür­lich keine Rolle zu spielen. Das Land schwimmt im Reich­tum wie nie zuvor, während England von den so zuver­sichtlich erwarteten Segnungen des Krieges noch immer richts zu spüren bekommen hat. Die entschlossene Kampf­stimmung gegen den vorläufig noch unangefochtenen Be­herrscher der Meere, die in den Verhandlungen des Senats offen zutage getreten ist. wird in London gewiß sehr tiefe Spuren zurücklassen. Aber vorläufig bleibt es jedenfalls Dabei, daß das Wettrüsten zur See seinen Fort­gang nehmen wird — nur daß der Konkurrent, mit dem oas stolze Albion jetzt zu rechnen hat, das Land der un­begrenzten Möglichkeiten ist und nicht mehr die verhältnis­mäßig bescheidene Flattenmacht des Deutschen Reiches von ehedem. Der ungebärdige Riese, der jenseits des Großen Teiches seine Gliede- reckt, wird aber, wenn es darauf ankommt, nicht ;o leicht Znznkreisen und einzu- schnüren sein, lote es uns gegenüber leider möglich ge­wesen ist.

Man sollte es nicht glauben, aber es. scheint doch wirklich so zu sein, daß unsere Rechnung mit England auch heute noch nicht völlig beglichen ist. Wenigstens konnte man in diesen Tagen einen volksparteilichen Redner im Preußischen Landtag merkwürdige Andeutun­gen über die Haltung der H e l g o l ä n d e r machen hören, die angeblich nicht mehr und nicht weniger im Schilde führen, als sich England zum Rückerwerb ihrer Insel anzubieten. Es wird von einer Denkschrift ge­tuschelt, die „an das englische Volk" abgegangen fei wie auch an den Völkerbund, mit dem Verlangen nach Wieder- Verleihung der alten Rechte und Privilegien an die Be­wohner der roten Insel, widrigenfalls Lostrennung von Preußen und die Wiedervereinigung mit England als einzig mögliche Rettung aus der Not übrigbleibe.

Begreiflich, daß diese einigermaßen nach Hochverrat schmeckenden Treibereien sich nicht recht an das Licht der Öffentlichkeit heraustrauen, begreiflich auch, daß man in England von ihnen kein Aufhebens weiter macht, sondern abwarlet, wie die preußische Regierung mit dieser Be­wegung fertig zu werden gedenkt. Sie beruht natürlich - auf wirtschaftlichen Notständen, von denen die Helgoländer beteuern, daß sie echt seien, während an der Wasserkante vielfach behauptet wird, sie seien nur vorgeschützt, um ge­wissen eigennützigen Sonderinteressen als Deckmantel zu dienen. Im allgemeinen hat man jetzt in Preußen ebenso wie im Reich andere Sorgen, um Koalitionen, um Klagen vor dem Staatsgerichtshof, um die Neuregelung unserer Zahlungsverpflichtungen an die Siegerstaaten. Aber vielleicht glauben manche Leute, gerade in solcher Zeit um ; so u n b e s ch w er t e r im Trüben fischen zu können. ‘ Ihnen sollte das Handwerk doch lieber heute als morgen gelegt werden! Dr. Sy.

l Die Mparaiisnskonssrenz hegmni.

Am 11. Februar.

Die deutschen Sachverständigen für die in Paris statt- findende Reparationskonferenz, Reichsbankpräsident Dr, Schacht und Geheimrat K a ü l. sind von Berlin nach

Die Versöhnung in Rom

3äh und der Papst emig.

Ein n e u e r K i r ch e n st a a t.

Die endliche Lösung der römischen Frage — die Ent- srenidung zwischen dem Vatikan und der italienischen Re­gierung ist jetzt nicht mehr zu bezweifeln Den beim Vatikan beglaubigten Gesandten wurde vom Kardinal- staatssekretär die Mitteilung gemacht, daß mit der tUalic« nischen Regierung ein zweiteiliges Abkommen abgeschlossen worden sei. Der eine Teil behandle die Aussöhnung zwischen Kirche und Staat, während der andere Teil aus Drei Abschnitten bestehe und ein Konkordat zur Rege­lung der zukünftigen Beziehungen zwischen dem Vatikan und Italien enthalte. Der Vertrag sei im wesentlichen fertiggestellt, er soll Sonntag durch Mussolini und den Kardüralstakttssekretär Gafparri unterzeichnet werden.

Das Ereignis der Versöhnung zwischen dem Papst und dem italienischen Königshaus und damit das Ende des fast sechzigjährigen Zwistes wird überall als ein Akt weltgeschichtlicher Bedeutung betrachtet und dementsprechend in allen Ländern gewürdigt. Der Papst als Oberhaupt der katholischen Sird)e gibt die bisher aus- rechterhaltene Auffassung, ein Gefangener im Parikan zu sein, auf und der Heilige ZiuM tritt durch die italienischen Zugeständnisse wieder in die Reihe der souveränen Staaten ein. Man erwartet in Genf, daß das Abkommen zwischen der italienischen Regierung und dem Vatikan als ein internationaler Vertrag in der üblichen Weise von der italienischen Regierung im Sekretariat des Völkerbundes zur Veröffentlichung und Registrierung übergeben wird. Der Staat Italien soll dem Papst voraussichtlich zwei Milliarden Lire als Entschädigung zahlen.

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Am nächsten Dienstag wird der Papst den Jahrestag seiner Krönungsfeier begehen, der in diesem Jahre aus­nahmsweise wieder zum ersten Male in St. Peter durch ein päpstliches Pontifikalamt gefeiert werden wird. Man glaubt in Rom, daß während des Gottesdienstes der Papst die Aussöhnung mit Italien urbi et orbi (der Stadt und dem Weltkreis) durch eine Anrede verkünden und zum Schluß der Feier wie in früheren Zeiten vor 1870 urbi et orbi den päpstlichen Segen von der äußeren Loggia der Fassade von St. Peter erteilen wird.

Paris gereist und nehmen dort im Hotel Astoria Wohnung, wo die Delegierten aller beteiligten Staaten Quartier er­halten. Unterwegs schlössen sich den beiden deutschen Ver­tretern ihre Stellvertreter, Generaldirektor Vogler und Bankier Melchior, an. Die Konferenz wird am Montag im „Goldenen Saal" der Bank von Frankreich ihre Er­öffnungssitzung halten und dann die weiteren Besprechun­gen in das Hotel Royal verlegen.

Ebenso wie das erste Dawes-Komitee, welches vor nunmehr drei Jahren in Paris versammelt war, hat auch diese zweite Konferenz von Sachverständigen ausschließlich wirtschaftliche Aufgaben. Sie soll die Zahlungsfähigkeit des Schuldners Deutschland und die Mittel prüfen, durch welche die regelmäßigen und für den Schuldner ertrag«

Das Astoriahotel in Paris.

ließen Leistungen ermöglicht werden können. Nicht poli­tische, sondern wirtschaftliche Erwägungen sollen in den Vordergrund gerückt werden, wenn auch die politischen Fragen verständlicherweise kaum ganz ausgeschaltet bleiben werden

Emims über Gsuifchlsuds Wirischastslags.

Auf einem Empfangsabend des Verbandes der auswnr- ilgen Presse, an dem die Spitzen der Reichs- und Staats- regierungen, das Diplomatische Korps in Berlin und titele sonstige honorable Persönlichkeiten teilnahmen, hielt Reichs- Wirtschaftsminister Dr. Curtius ein Referat über die wirt­schaftliche Situation in Deutschland. Er gedachte der deutschen Sachverständigen, die zur Reparationskonferenz nach Parts reisten. Die Sachverständigen seien nicht Parteivertreter, sie seien vielmehr völlig unabhängig. Die Reichsregterung könne vor der Konferenz nicht materiell Stellung nehmen. Erst wenn vas Gutachten der Sachverständigen vorliege, beginne die iM-arationspolttik. Der Minister kam dann auf die

inneren Spannungen

in Deutschland zu torecben. Der bäuerisch-Preußische Zwischen-

Unter Umständen wird die Bekanntgabe näherer Einzelheiten ay" dem großen diplomatischen Empfang er­folgen, den der päpstliche Thronassistent Fürst Colonna am 12. d. M. geben wird, zu dem außer den Verwandten des Papstes alle Mitglieder des Kardinalkollegiums, die Prälaten, die Mitglieder des päpstlichen Hofstaates, die beim Heiligen Stuhl beglaubigten Vertreter des Diplo­matischen Korps, die Maltheserordensritter. das Patri-

Die Peterskirche-in Rom.

archat und die römische Aristokratie eingeladen werden. Diese Veranstaltung hat um so größere Bedeutung, als seit 1870 kein ähnlicher Empfang stattgefunden hat.

Ein Rückblick.

SOt; 3,iu> 7)Uh^ xo«v '-'Bi u<i Lpuym 1 civMnvrger-Dvuv e»an gewesen unb gälte über ein Gebiet geherrscht, das etwa halb so groß wie Bayern war. Mit dieser Herrschaft über den Kirchenstaat machte der erste König des geeinigten Italiens, Viktor Emannel, ein Ende und beschränkte den Papst auf Vatikan und Peterskirche. Er machte dem Papst Versprechun­gen, aber die genügten der Kurie nicht, und so herrschte immer eine Spannung zwischen Vatikan und Quirtual. Der Papst verließ seit dieser Zeit den Vatikan nie. Ein Symbol war es, daß jeder neugewählte Papst den Segen immer von Der innere n Loggia der Peterskirche aus spendete. Mit diesem Brauch soll am Dienstag gebrochen und die äußere Loggia wieder benutzt werden.

soll ist glücklich beigelegt. Bleibt es aber nicht grotesk, daß die deutschen Länder untereinander in völkerrechtlichen Formen verkehren oder auch nicht verkehren? Und ist es nicht bedauer­lich. daß Reich und Länder Prozesse gegeneinander führen müssen? Aus diesem Zustande'müssen wir so rasch wie möglich heraus. Wir können es, bei allseitig gutem Willen. Im An­schluß an. die Reparationsfrage erklärte der Minister weiter, die Nachprüfung, ob die deutsche Wirtschaft bei Beginn des fünften Leistungsjahres wieder ihren Normalstand erreicht habe, fei sehr schwierig. Für viele Wirtschaftszweige sei leicht zu erkennen, daß die Gesundung sich nicht in dem erwarteten Tempo vollzogen habe. Das gelte insbesondere von der

deutschen Landwirtschaft.

Weniger leicht werde sich diese Nachprüfung auf anderen Ge­bieten vollziehen. Eine auf bloß statistische Größen aufgebaute Erkenntnis bringe die Gefahr der Einseitigkeit mit sich. Man Dürfe niemals nur das Oberflächenbild der Wirtschaft sehen. Neben die zahlenmäßige Erfassung müsse die unmittelbare An­schauung treten. Man dürfe beispielsweise bei der Betrachtung . fe8 Volkseinkommens nicht der Täuschung verfallen, die durch ! oas Eindringen ausländischen Kredits in Deutschland nahe- i gelegt werde Die Statistik lasse in Gestalt von Löhnen, j Mieten, Steuern usw. ein Vielfaches der als Kredite in die j deutsche Wirtschaft hineingeflossenen Summe erkennen, ohne ' daß ein Schluß daraus gezogen werden dürfe, ob damit eine Erhöhung des Volksvermögens hervorgerufen worden sei. Wer in die deutschen Provinzen und aus das platte Land komme, bem, springe bei Abstand von der Entwicklung weniger be­günstigter Zentren in Deutschland in die Augen. Nur im Ver­gleich mit der wirtschaftlichen Entwicklung der anderen in Be­tracht kommenden Länder könne man schließlich zu einem brauchbaren Urteil über die Lage der deutschen Volkswirtschaft gelangen.

Erweiterung der Erwerbslosenfürsorge.

Die Beschlüsse des Reichshaushaltsausschusses.

Der Haushaltskusschutz des Reichstages beriet Freitag die im Sozialpolitischen Ausschutz angenommenen Anträge zur Erweiterung der Erwerbslosenfürsorge. Der Antrag, die Krisenfürsorge auf alle Berufe auszudehnen, wurde von Regierungsseite abgelehnt. Die Regierungsvor­schläge würden etwa 2,9 Millionen erfordern, die Ausschutz- Vorschläge, abgesehen von den Saisonarbeitern, 6,9 Mil­lionen Mark. Der Haushaltsausschutz genehmigte die An­träge des Sozialpolitischen Ausschusses mit großer Mehr­heit unter Stimmenthaltung der Deutschnationalen.

Nach dem Beschluß soll die Krisenfürsorge auf alle Berufe ausgedehnt werden. Die Unterstützungsdauer in bei Krisenunterstützung für Angestellte und Arbeiter soll bis zum 4. Mai dieses Jahres ausgedehnt werden, dabei sollen ausgesteuerte Arbeiter und Angestellte in die Krisen- fürsorge wieder einbezogen werden. Die Reichsregierung wird ersucht, auf die Reichsanstalt dahin einzuwirkeu. daß die Anwendung des Gesetzes nicht aus solche Arbeitslose erfolgt, die nur vorübergehend mit Arbeiten beschäftigt sind.