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HersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

t 1.00 Kelchs-Mark. Druck und V»rlag von Ludwig

Mmtlicher MMger für den Kreis yersfelo

mit bea Bellagerr: Illustriertes Anterhaliongsblait / Nach Uekrrabeaö / AsrS and Scholle / AnierhaltouL naß Wittes

Belebssna miß Kurrwell / Wirttchaftlickk Taoesfraoe«.

Anzeigenpreis: dir etnipaltige petitzell» 15 Pfennig, die KeNamyrile 50 Pfennig. (Srundfchrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Für die Schristleitung verant­wortlich : Kranz Kirn! in hersfelü. Kernfprecher Nr. 8

Monatlicher B^ogrotttet durch Mt Post bezogen 1.50 Retchs-Mark, ausschließlich BestellaeL, für Hersfeld 1.20 Keichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 Keichs-lllark. druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchdrucker»! In Hersfeld, Mitglied des vdZV.

Nr. 25 Mittwoch, hM 30. Januar 1929 79. Jahrgang

Umwertung aller Werte.

Der Tag, an dem die Sachverständigenkommission zur Neuregelung des Dawes-Planes zusammentreten wird, rückt immer näher, und leider ist seit dem Erscheinen des Gilbertschen Jahresberichts amtlicherseits vielzuwenig geschehen, um den dort aufgestellten Behauptungen über die angeblich so erfreuliche Wirtschafts- und Finanzlage Deutschlands entgegenzutreten und entgegenzuwirken. Man begnügte sich im allgemeinen mit der Verbreitung der gegenteiligen Feststellungen des amerikanischen Handels­attaches in Berlin, vermied es aber sonst, auf die wirklichen Tatsachen vor breitester Öffentlichkeit hinzuweisen.

So wird auch das, was der preußische Handelsminister Schreiber über die allgemeine deutsche Wirtschaftslage ausführte, kaum ein größeres Echo im Jnlande, geschweige denn im Auslande haben, für das es vor allem bestimmt sein sollte. Aber schließlich können auch die ausländischen Sachverständigen nicht so einfach an der Tatsache vorbei, daß es in Deutschland 2 Millionen Arbeitslose gibt, mithin Wohl 6 bis 7 Millionen, also ein Zehntel der Gesamtbevölkerung, auf die öffentliche Unter­st ützungangewiesen sind. Vor dem Kriege war die Zahl der Erwerbslosen, wenn es ganz schlimm kam, aus etwa 350 000 bis 400 000 gestiegen!

Daß wir mitten in einer schweren Wirtschaftskrise sind, wird nicht bloß hierdurch und durch den sich darin offen­barenden Produktionsrückgang bei den wichtigsten Industriezweigen illustriert, sondern z. B. auch durch das Hochschnellen der Zahl der Konkurse, An­träge auf Geschäftsaufsicht, Zwangsvollstreckungen. Immer härter so gibt selbst der Minister zu drückt die Last der erhöhten Erzeugungskosten, der Steuern und vor allem der hohen Zinssätze auf die deutsche Wirtschaft und daran ändert auch nichts, daß die Sparkasseneinlagen wieder gestiegen sind; denn sie haben, auch nominell, heute immer nur erst ein Drittel des Vorkriegsstandes erreicht, genügen längst nicht, um den inländischen Kapitalbedarf zu decken. Im übrigen mag hier auch eingeschaltet werden, daß heutzutage unter den Inhabern von Sparkassenkonten vielfach Leute sind, die früher, vor dem Kriege, Bank- J4iu^ jetzt aber ote erübrigten, viel geringeren Ersparnisse zur Sparkasse bringen.

Starke Zweifel setzt der Minister auch in die Richtig­keit der Behauptung, Deutschland habe im vorigen Jahre einen Kapitalüberschuß von 7,5 Milliarden Mark gehabt, gegen 8 Milliarden der Vorkriegszeit; selbst wenn es wahr wäre, so würde dies, gemessen an der Kaufkraft des Geldes, immer noch ein Drittel weniger sein als 1913. Aber es ist nicht richtig; das beweist am besten die Tat­sache, daß wir an das Ausland mit mindestens 10 Mil­liarden verschuldet sind, also jährlich etwa eine Milliarde Zinsen an das Ausland zahlen müssen. Und nicht minder wird jene Unrichtigkeit durch die zweite Tatsache bewiesen, daß es fast unmöglich ist, auf dem inländischen Kapitalmarkt Anleihen oder Emissionen unterzubringen, wird auch drittens und nicht minder klar erwiesen durch die erschreckende Höhe des Zinssatzes, die sich ja nach dem Angebot und der Nachfrage auf dem Kapitalmarkt richtet.

Umwertung aller Werte um mit Nietzsche zu sprechen! Die festverzinslichen Werte zahlen heute acht bis zehn Prozent Zinsen, müssen sie zahlen, aber die Dividendenpapiere selbst der größten und leistungsfähig- sten deutschen Werke nur 4 Prozent nach ihrem Kurswert gerechnet. Wenn dies am grünen Holz der Großbetriebe ge­schieht, so kann man sich denken, wie es am dürren Holz ver Mittel- und Kleinbetriebe aussieht, wie gering deren Erträgnis sein muß! Ein ganz kleiner Lichtblick ist es ja, daß wenigstens die Ausfuhr von der Einfuhr 1928nur" um etwa 1,8 Milliarden übertroffen wurde; aber wenn man die Milliarde Zinsen an das Aus- land hinzurechnet, dann ergibt sich ohne die Tribut­leistungen auf Grund des Dawes-Planes immer noch ein Defizit von 2,8 Milliarden in der deutschen Zahlungs­bilanz, das eben fast restlos durch neue Verschuldung an das Aulandgedeckt" werden mußte.

Und wie ist's mit der Lebenshaltung der Masten des deutschen Volkes? Zwar sind die Löhne der dauernd beschäftigten gelernten Arbeiter 1928 um 7,1, der ungelern­ten um 9,1 Prozent gestiegen, aber auch die K o st e n der Lebenshaltung haben sich erhöht. Ganz traurig steht es bei der Landwirtschaft und großen Teilen des Mittelstandes, der in Handel und Gewerbe vom Rückgang der Konjunktur besonders schwer betroffen wird. Auch er weiß vor Kreditmangel nicht aus noch ein und seinen Selbsthilfeversuchen sind durch dieselben Schwierigkeiten enge Grenzen aesetzt, jenen Schwierigkeiten, die letzten Endes doch alle zurückgehen auf die Bestimmungen des Dawes-Plans.

So sieht's in Deutschland wirklich aus, wenn dem Be­schauer nicht die fälschende Brille eines rosenroten Opti­mismus auf der Nase sitzt. Oder wenn man die Dinge nicht so beurteilt, wie man sie sehen will.

Das deutsch-russische Abkommen.

Schlichtungsverfahren bei Streitigkeiten

Das am 25. Januar in Moskau unterzeichnete Ab­kommen über ein Schlichtungsverfahren zwischen dem Deutschen Reich und der Union der Soziali­stischen Sowjetrepubliken wird jetzt im Wort­laut bekanntgegeben. Das Abkommen sieht vor, daß Streitigkeiten jeder Art. insbesondere Meinungsver­

Rint eil um RiMMett?

Die Koalttionsbildung.

Verhandlungen begonnen.

Da auch der Reichstag seine regelmäßigen Sitzungen wiederaufgenommen hat, begannen gleichzeitig die Weiterverhandlungen des Reichskanzlers Müller mit den maßgebenden Führern der Parteien über die viel­umstrittenen Haushalts- und Steuerfragen. Diese An­gelegenheiten sind zwar die wichtigsten, die zurzeit das innenpolitische Leben beeinflussen, bilden aber nur den Hintergrund für den Ruf nach der Bildung einer ge­festigten Negierungskoalition. Ihr Zustande­kommen wird aber auch ein Prüfstein sein für das Weiter­bestehen der jetzigen Reichsregierung in gleicher Form oder ihre Umbildung, die unter Umständen nicht zu um­gehen sein dürfte.

Mehrfach wurde in den letzten Tagen auf die im Zentrum zutage getretene Absicht hingedeutet, diese Partei wünsche die Koalitionsbesprechungen zu ver­knüpfen mit der Forderung einer stärkeren Vertretung im Reichskabinett, so daß dieses eine andere Zusammen­setzung erfahren müßte. Bis jetzt hat sich an den Kon­ferenzen nur der Führer. der Zentrumspartei, Prälat v. Ka a s beteiligt, nun ist aber auch der Vorsitzende der Reichstagsfraktion des Zentrums, Abg. Dr. Sieger- w a l d , in den Kreis der Persönlichkeiten eingetreten, die das brennende Problem zu lösen suchen. Er besprach sich bereits mit dem Reichskanzler, nach ihm wurde Abg. Dr. § ch o l z von der Deutschen Volkspartei empfangen, beide als Sprecher der wesentlich ausschlaggebenden Parteien.

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Suche nach der Grönerscheu Oenkschriff.

Die nach London gelangte und dort veröffentlichte geheime Denkschrift des Reichswehrministers G r ö n e r hat veraniillici/ enr von Der OberreichsauwaltscHaft geführ­tes Landesverratsverfahren veranlaßt.

Infolgedessen fand in Berlin eine Haussuchung bei einer kommunistischen Zeitungskorrespondenz statt. Dabei soll von den Beamten der Staatsanwaltschaft ein Teil des Vorgefundenen Materials beschlagnahmt worden sein.

schiedenheiten, die bei der Auslegung der zwischen den beiden vertragschließenden Teilen bestehenden zweiseitigen Verträge und der zu ihrer Erläuterung und Ausführung ergangenen oder ergehenden Vereinbarungen entstehen, falls ihre Regelung auf diplomatischem Wege auf Schwierigkeiten stößt, gemäß den Bestimmungen des Ab­kommens einem Schlichtungsverfahren unter­worfen werden sollen".

Zu diesem Zwecke soll mindestens jährlich einmal eine Schlichtungskommission gebildet werden, die jeweils etwa um die Mitte des Jahres zu einer ordentlichen Tagung zusammentreten soll. Der Schlichtungskommission sollen die Listen der Fragen mitgeteilt werden, die beide Teile erörtert zu sehen wünschen. Die Schlichtungskommission hat die Aufgabe, beiden Regierungen eine gerechte und für beide Teile befriedigende Lösung der ihr vorgelegten Fragen vorzuschlagen. Erforderlichenfalls sind außer­ordentliche Tagungen der Schlichtungskommission vor­gesehen. Das Abkommen ist auf drei Jahre geschlossen.

Der neue ReichsgerichispräsL-eni.

Ministerialdirektor Dr. Bumke?

Der Nachfolger für den Neichsgerichtspräsidenten Dr. Simons, der mit dem 31. März aus dem Reichs­dienst scheidet, soll im Februar ernannt werden. In Aus­sicht genommen soll der Ministerialdirektor im Reichs­justizministerium Dr. Bumke sein. Die Ernennung liegt verfassungsmäßig in den Händen des Reichspräsi­denten, dem das Reichskabinett seinen Vorschlag macht.

Dr. Bumke hat einen großen Anteil an der schweben­den Reform des Strafrechts genommen. Er nimmt bei den Verhandlungen besonders den Standpunkt bei Reichsregierung wahr, tritt dabei besonders für eine modernen Ansprüchen gerecht werdende Umgestaltung des Strafrechtes ein. Politisch soll er wenig hervorgetreten sein. Er steht im 55. Lebensjahre und wurde 1909 ins RcichsjustizMinisterium berufen.

Roch ein Throsanwärter in Afghanistan.

Neuer Emir proklamiert.

Aus Pefchawar wird Londoner Blättern telegraphiert, Ali Amad Jad, ein früherer Helfer Aman Ullahs, sei als Emir von Afghanistan proklamiert worden und marschiere von Jagdalak, das 65 Kilometer westlich von Dschellalabad liegt, gegen Kabul. Ali Amad Jad sei ein früherer Leutnant Aman Ullahs gewesen, den er noch vor einem Monat ermächtigt habe, mit den Schinwaris zu unter­handeln.

Aus Lahore erfährt man, die englisch-indische Re­gierung wolle mit der Fortführung aller Europäer aus Kabul beginnen. Zwei Viktoria-Maschinen würden täg­lich dreißig Personen befördern einschließlich des bri­tischen Gesandten und des Stabes der Gesandtschaft. Es

Es entzieht sich allerdings noch der Kenntnis, ob dieses Material mit der Weggabe der Denkschrift ins Ausland etwas zu tun hat.

Eine weitere Durchsuchung wurde in H a g e n i. W. in den Räumen der pazifistischen ZeitschriftDas andere Deutschland" vorgenommen. In einem Artikel der Zeit­schrift hatte es geheißen, daß die Denkschrift durchaus nicht so geheimgehalten worden sei, wie es die amtlichen Stellen beabsichtigt hätten, denn auch der Redaktion der Zeitschrift Das andere Deutschland" habe ein Exemplar vor- gelegen. Dieses Exemplar der Denkschrift wurde bei der Durchsuchung nicht gefunden. Die Redakteure Küster und Krasutzky gaben bei ihrer Zeugenvernehmung unter Eid an, daß ihnen eine Abschrift der Denkschrift von Unbekannt in die Redaktion geschickt worden sei. Sie sagten weiter aus, daß sie nicht wüßten, wie die Denkschrift nach Eng­land gekommen sei. Wären sie nicht reinen Gewissens, so hätten sie bestimmt nicht in der Zeitschrift mitgeteilt, sie seien im Besitze einer Abschrift.

Dr. Schacht in Paris.

Die nahende Reparc.tionskonferenz.

Der in Paris eingetroffene Präsident der Deutschen Reichsbank, Dr. Schacht, wurde vom Gouverneur der Bank von Frankreich, Moreau, am Bahnhof empfangen nnd hatte mit ihm alsbald ausführliche Besprechungen. Abends wurde von dem Gouverneur zu Ehren Dr. Schachts ein Essen gegeben, an dem hervorragende Per­sönlichkeiten der Finanz- und Bankwelt von Paris, u. a. auch der zweite französische Delegierte für die Repara­tionsverhandlungen, Parmentier, teilnahmen. Im Ver« laufe der Unterredungen, die Dr. Schacht hatte, ist auch von den bevorstehenden Reparationsverhand- l u n g e n gesprochen worden. Es steht nunmehr fest, daß die amerikanischen Delegierten am Abend des 8. Februar in Paris cimreffen Wben,. .J^JuL^ wird der Gouverneurs Bank von Frankreich die Mit­glieder des Reparationsausschuffes in der Bank von Frankreich zu einem Tee vereinigen, bei dem die erste Fühlungnahme erfolgen soll. Am Montag, den 11. Fe­bruar, wird der Sachverständigenausschuß zusammen­treten.

seien noch einige deutsche Frauen in Kabul und auch die Frau des Washingtoner Gesandten. Sie würden wohl zuerst abfliegen. Man höre von dem Beschluß mit einem Gefühl der Erleichterung, denn die britische Gesandtschaft schwebe in größerer Gefahr als je zuvor.

Sie Betastung der kleinen Gemeinden.

Kommunaler Finanzausgleich.

Bei der Tagung des Gesamtvorstandes und deS Hauptausschusses des Reichsstädtebundes in Berlin, an der auch Vertreter der Staatsregierung und des Parla­ments teilnahmen, behandelte der geschäftsführende Prä- fibent Dr. Häkel das Problem des Finanz- und Lasten- ausgleichs. Ebenso wie im deutschen Mittelstände sei auch die Not in den mittleren und kleinen Gemeinden gegen- wärtig am größten. Nach der vom Reichsstädtebund auf­gestellten Statistik beträgt die Durchschnittsbelastung der mittleren und kleinen Städte mit Polizeilasten 5,25 Mark und mit persönlichen Volksschullasten 10,75 bis 12,00 Mark je Einwohner. Dazu kommen für Städte mit mittleren und höheren Schulen noch weitere 12,00 Mark pro Ein­wohner, woraus sich für viele mittlere und kleine Städte eine Gesamtbelastung für Polizei und Schulen von 28,00 bis 29,00 Mark je Einwohner ergibt. Diesen Ausgaben ständen aus der Einkommen- und Körperschaftssteuer nur Einnahmen von 1,50 bis 15,00 Mark je Einwohner gegen- über, wodurch in zahlreichen mittleren und kleinen Städten eine Defizitwirtschaft trotz aller Sparsamkeit un- vermeidlich geworden sei. '

Generaloberst von Plesten, der langjährige Generaladjutant des ehemaligen Kaisers, der jetzt im Alter von 88 Jahren gestorben ist.