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Amtlicher Anzeiger für örn Kreis Hersfelö

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mit öeu BMKgeu: Illustriertes AnterhalÄngshiatt / Nach Feleradenv / HerS tmB Scholle / AnterhsttWg uM WifsLK Beledrous emS Kunweil / Wirtschaftliche Tsgesfraaea.

Nr. 14

Donnerstag, den 17. Januar 1929

79. Jahrgang

Klare VerMtniffe.

So ziemlich die ganze Welt, soweit sie nämlich an der kommenden Reparationskonferenz interessiert ist, war außerordentlich verblüfft, als aus Newyork die Kunde kam, der bekannte Bankier Pierpont Morgan sei zum zweiten amerikanischen Delegierten für jene Konferenz er­nannt worden. Und fast gleichzeitig kam die weitere Nach­richt, daß sich Parker Gilbert mit festen Rücktritts­absichten von seinem Posten als Reparatiensagent trage und spätestens nach Schluß der Konferenz sein Amt niederlegen würde, um dann, wie es schon vor Jahren vereinbart sei, in das Bankhaus Morgan einzutreten!

Sofort ging ein großes Rätselraten darüber los, was bei der Ernennung Morgans nun eigentlich Hintergrund und Absicht sei. In Paris äußerte man eine lebhafte Freude; man vermutet dort nämlich, die Mitarbeit Morgans dahin auffassen zu können, daß damit dem letzten Ziel der Revision des Dawes-Plans, nämlich der Flüssig­machung der Reparationsschuld in einem mehr oder minder großen Teil zugestrebt werden soll. Das ist vor allem des­wegen in Frankreich eine nicht unerhebliche Sorge, weil man dort am 1. August nicht weniger als 400 Mil­lionen Dollar an Amerika bezahlen muß. Und für diesen Zweck bereits die neugeordneten Repara­tionsverpflichtungen Deutschlands in irgendeiner Form in Anspruch nehmen will. Die Berliner Regierung hingegen hat sich in der Beurteilung der überraschenden Nachricht ebenso stark zurückgehalten, wie sie es gegenüber der ganzen Entwicklung seit Mitte Dezember vergangenen Jahres getan hat. Und es wäre zweckmäßig, wenn man auch in der deutschen Öffentlichkeit diese Zurückhaltung gegenüber der Ernennung Morgans teilen würde.

Dieser Weltbankier ist weder ein Deutschenfreund noch ein Deutschenfeind, sondern er ist nichts anderes als ein Geschäftsmann und will nichts als dieses sein. Zwar hat er während des Krieges als Präsident des größten Stahltrustes in Amerika ein geradezu enormes Geld verdient, will aber nun aus wirtschaftlichen Gründen den latenten Kriegszustand in Europa "verwunden wissen. Deswegen W er schon 1924 zur Dawes-Konferenz nach London gereist und hat die reichlich hartnäckigen Fran­zosen kräftig unter Druck genommen, um allerdings dann den Folgsamen die Stabilisierung des Franken durch eine Hundert-Millionen-Dollaranleihe möglich zu machen. Ver­dient hat er natürlich auch daran. Verdient auch an der deutschen Dawes-Anleihe 1924, von der das Haus Morgan allein 200 Millionen Dollar zwecks Emission übernahm. Aus wirtschaftlichen Gründen — denn unter den un­sicheren gegenwärtigen Verhältnissen in der Reparations- frage leidet das Geschäft! — will also Morgan endlich eine klare, für die Zukunft festgelegte Situation schaffen. Nicht alfo etwa aus Freundschaft für Deutschland, und er wird sich gewiß dem Versuche unserer Gläubigerstaaten nicht entgegenstellen, aus Deutschland herauszuholen, was nur möglich ist, wird die Grenze des Möglichen sehr weit spannen lassen, — aber doch immerhin an eine Grenze denken, uferlose Forderungen nicht billigen können, weil sie wirtschaftlich zu einem Zusammenbruch, also wieder zu einer Wirrnis führen müssen. Er wird Wert daraus legen, eine möglichst objektive Feststellung der Leistungsfähigkeit Deutschlands herbeizuführen, es nicht so überbürden zu lassen, weil dies nur wieder zur Zerrüttung der wirt­schaftlichen Verhältnisse in Deutschland führt. Immer, wie gesagt, durchaus nicht aus Deutschenfreundschaft, sondern aus der kühlen Erwägung heraus, daß wir zurzeit bessere Kunden Amerikas sind, als selbst Eng­land oder Frankreich.

Zweifellos aber hat man in Paris damit recht, daß man in der Ernennung Morgans die Vorbereitung für eine Kommerzialisierung der deutschen Reparations­schulden sieht; sie würde zu einem sehr großen Teil natür­lich in den Vereinigten Staaten erfolgen müssen, und das heißt also in der Hauptsache durch das Bankhaus Morgan, das daran ebenso natürlich auch zu verdienen hofft. Weder Frankreich noch England wird dagegen erheblichen Widerspruch aufbringen können, weil beide Länder bei Morgan tief in der Kreide stecken. Die Politik ist schließ­lich den „smarten" Amerikanern auch nur ein Geschäft mit besonderen Mitteln. Man will die große finanzielle Be­reinigung der internationalen Schuldverhältnisse gegen­über Amerika nun endlich durchführen, überhaupt allseitig klare Verhältnisse schaffen, wozu das alte Europa allein nach amerikanischer Ansicht nicht imstande zu sein scheint. Auch der Dawes-Plan ließ es in seiner bisherigen Form dabei bewenden, dem Deutschen Reich als Schuldner die Ententestaaten als Gläubiger gegenüberstehen zu lassen, abgesehen von den 200 Millionen Dollar der Dawes-An­leihe von 1924 allerdings, die allein von allen deutschen Reparationsschuldverschreibungen unter das Privat- publikum gebracht worden ist. Das war der Anfang und auf diesem Wege der „Privatisierung" der deutschen Reparationsschuldverpflichtungen will das Haus Morgan die Dinge so weit wie nur irgend möglich vorrwärts- treiben.

So erhebt sich hinter diesen bedeutungsvollen Gescheh- nissen des Tages im Hintergrund das Endziel: Liqui­dierung des Krieges in dem Sinne, daß nicht bloß die Bestimmungen des Versailler Vertrages bis zum letzten I-Punkt unverrückbar bis in alle Ewigkeit bestehen bleiben sollen, sondern' daß auch die Schuldverpflichtungen des neuen Dawes-Vertrages allmählich aus dem Gebiet zwischen st a a t l i ch e r Beziehungen verschwinden und der Privat kapitalismus an die Stelle der Gläubigerstaaten tritt. Damit werden auch diese umgebildeten Verhältnisse

MWroto mih London nnszeliesert

Gröners verratene Denkschrift.

In England veröffentlicht.

Eine ziemliche Überraschung entstand in Berliner Re- gierungskreisen dadurch, daß soeben das Londoner Blatt „Review of Reviews" eine für das Reichskabinett bestimmte und vertraulich gehaltene Abhandlung des Rcichswehrministers Grüner über den seinerzeit so stark umstrittenen Bau des Panzerkreuzers A veröffent­licht. Von unterrichteter Seite in Berlin wird dazu be­merkt, daß es sich nicht um eine Denkschrift der Reichs­regierung, wie auch gesagt wurde, sondern um die eines Ressortministers handelt. Minister Grüner hat die Aus­arbeitung im November des vorigen Jahres verfaßt und sie dem Reichskabinett vorgelegt. Sie ist dann auf Wunsch verschiedenen Länderregierungen und einigen Reichstagsabgeordnete,» zugegangen, welche bei der De­batte über den Panzerkreuzer interessiert waren. Es waren numerierte Exemplare, von denen festgestellt werde»» kann, ob sie noch vorhanden sind.

Ob nun festgestellt werden kann, von welcher Seite die Indiskretion begangen worden ist, muß abgewartet werden. Die Schrift selbst bietet kaum etwas wesentlich Neues bis auf einige Anschauungen Gröners, die er hier deutlicher zum Ausdruck bringt als in seinen bei der Debatte um den Kreuzer im Reichstag gehaltenen Reden.

Aus dem Inhalt

ist hervorzuheben, daß Grüner sich besonders mit den Auf­gaben der deutschen Wehrmacht in einem etwaigen Kriegsfall beschäftigt und meint, neue Panzerkreuzer seien unter Umständen billiger als die Erhaltung der ver­alteten Linienschiffe. Das Vorhandensein einer einwand- | zu unabänderlich feststehenden. Selbstverständlich muß dies, wenn die deutsche Volkswirtschaft hierbei letzter» Endes der einzige Schuldner einer ganzen Welt wird, dazu führen, daß sich die Gläubiger auch des Ver­mögens ihres Schuldners in steigendem Maße bemäch- tigen werden, bis diesem nur das eine bleibt, womit er sein Leben fristen kann: die Arbeitskraft. Damit wäre denn auch das erreicht, was der Versailler Vertrag mit seinen finanziellen Bestimmungen bezweckte. Sind aber erst die Dinge in diesem Sinne geordnet, sind alle Verpflichtungen gegenseitiger Art zu rein privatrechtlichen I geworden, dann wird Amerika auch die Stunde für ge­kommen halten, energischer als bisher seinen Willen zur Abrüstung durchzusetzen. Wenn spätere Geschlechter die letzten Auswirkungen des Weltkrieges erwägen werden, so werden sie feststellen müssen, daß der eigentliche Sieger in dern europäischen Völkerringen nicht England geworden ist, wie es es erhofft hatte, sondern einzig und allein die Vereinigten Staaten.

Saserischer Landtag über Agrarnot.

5 An Reichstag und Reichsregierung.

Bei der Beratung des Landwirtschaftsetats entwickelte sich im Bayerischen Landtag eine große Auseinandersetzung über die Lage der Landwirtschaft. Eine Erklärung der Koalitionsparteien wies auf die katastrophale Lage der Land­wirtschaft hin und stellte fest, daß sich trotz aller berechtigten Forderungen nach Abhilfe nicht nur nichts gebessert habe, sondern daß die Verelendung des Bauernstandes beständig steige und infolgedessen die verzweifelte Stimmung unter dem Landvolk bedrohliche Formen annehme.

Die jetzige Reichsregierung

finbe weder die Kraft noch den Entschluß, durch eine grund­sätzliche Abkehr von der verfehlten Wirtschaftspolitik die Rentabilität der Landwirtschaft und damit eine größere Auf­nahmefähigkeit des Binnenmarktes für industrielle Erzeugnisse zu sichern. Mit kleinen Mitteln und Notstandsmaßnahmen lasse sich die drohende Katastrophe nicht mehr abwenden. Sie forderten deshalb mit allem Nachdruck einen ausreichenden Schutz der einheimischen Erzeugung in der Gesetzgebung und beim Abschluß aller Handelsverträge. Die rascheste Erfüllung dieser Grundforderung sei die nächste Lebensbedingung der deutschen Landwirtschaft und der gesamten nationalen Volkswirtschaft. Wenn Reichstag und Reichsregierung auch weiterhin es unter­lassen, die berechtigten Forderungen der Landwirtschaft zu erfüllen, dann lehnten die Parteien die Verantwortung ab für alles das, was sich daraus zwangsläufig ergebe.

Die Deutsche Volkspartei schloß sich sachlich dieser Kundgebung an, während die Nationalsozialisten er­klärten, nur die nationale Diktatur könne das deutsche Voll befreien. Die Sozialdemokraten bezeichneten die Erklärung der Koalition als eine offene Kampfansage an die Reichs- regierung und machten geltend, daß die Handelsverträge nicht von der jetzigen Reichsregierung, sondern unter dem deutsch- nationalen Landwirtschäftsminister Schiele abgeschlossen worden seien.

GiLigsnde Arbeiisiofigkeii.

Am Jahresende über 1 700 000 Feiernde.

In der Woche vom 7. bis 12. Januar ist die Ziffer der Arbeitslosen im Reich wieder stark gestiegen. Nach der» letzten Feststellungen nahm die Zahl der Hauptunter­stützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung in der Zeit vom 15. bis zum 31. Dezember um 402 858 Personen 3». Am Jahresende waren 1702 342 Lauvtunterstütrunas-

freien Verteidigungsmacht allein biete schon eine gewisse Sicherung gegen Angriffe auf deutsches Land. Würden die Polen nicht geradezu nach Ostpreußen hineingelockt werden, falls sie nicht länger befürchten müßten, ihren Weg durch eine Verteidigungsmacht versperrt zu finden? Die deutschen Streitkräfte könnten Verwendung finden gegen Landraub und für den Schutz der deutschen Neutra­lität während eines Konfliktes zwischen ausländischen Mächten. Da der Versailler Vertrag die Stärke der deutschen Armee begrenzt habe, könnte sie nur durch die Verbesserung der Flotte vermehrt werden. Panzerschiffe wären geeignet, die baltische Küste vollkommen zu be­herrschen, ja selbst die Überlegenheit der großen russi­schen Kampfschiffe nicht so stark in die Erscheinung treten zu lassen.

Erugereiteke Aniersuchung.

Die Denkschrift soll nur in einigen Exemplaren her- gestellt und wenigen Personen, darunter den Kabinetts- mitgliedern unb den Führern von Reichstagsfraktionen, zugestellt worden sein.

Wie man annimmt, kann das Londoner Blatt nur durch Diebstahl über Verrat in den Besitz des Schriftstücks gelangt sein. Die Rcichsregicrunq hat eine Untersuchung angeordnet, um zu ermitteln, an welcher Stelle die Ver­untreuung begangen worden ist. Die ausgegebenen Exemplare sind zurückgefordert worden. Es kann fein, daß kein Exemplar gestohlen, wohl aber eines abgeschrieben und verkauft worden ist.

Reichswehrminister Grüner hat die Denkschrift wenige Tage vorher verfaßt, ehe der sozialdemokratische Antrag auf Einstellung des Baues des Panzerkreuzers A im Reichstage verhandelt worden ist. . General Grüner er­klärte damals, nicht im Amte bleiben zu können, wenn der Panzerkreuzer nicht weitergebaut werden solle.

empfänger vorhanden. Ob sich allerdings, ebenso wie in den beiden Vorjahren, die Kurve der Arbeitslosigkeit schon zwischen dem 15. und dem 31. Januar wenden wird, wird vor allem von den Witterungsverhältnissen abhängen. Wenn auch der saisonübliche Rückschlag nach dem Weih­nachtsgeschäft nicht ohne Einfluß auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes war, das sprunghafte Ansteigen der Arbeitslosigkeit ist nach allen Berichten ganz überwiegend auf den strengen und anhaltenden Frost zurückzuführen.

*

An vielen Orten fanden Erwerbslosendemonstrationen statt, auch aus Anlaß von Stadtverordnetenversammlungen usw., so in Leipzig, Limbach, Auerbach t. V. und Hindenburg. Von einigen Berichterstattern werden diese Unruhen, bei denen mehrfach auch die Polizei in Tätigkeit treten »nutzte, kom- munistischer Agitation zugeschrieben.

Anisr Weißer Decke.

Schnee von Skandinavien bis Italien.

Anhaltende Schneefälle haben ihre weiße Winterdecks ausgebreitet. Selbst aus dein sonnigen Italien kom­men Meldungen von heftigem Barometersturz bis unter 11 Grad und starken Schneefällen. Auf der Ostsee herr­schen anhaltende Schneestürme, die zahlreiche 'Schiffe in Gefahr gebracht haben. An den Küsten mußten die Sturmsignale gehißt werden. Das schneegewohnte Skandinavien berichtet über eine ganz außergewöhn­lich hohe Schneedecke und in Kopenhagen wurde zur Freihaltung der Straßenbahngleise mehr Salz verbraucht, als der jährliche Bedarf der Stadt ausmacht. Ganz Deutschland ist in weißem Schneemantel eingehüllt, der den Wintersportlern und den Kindern eine Freude, anderen aber, besonders den Verkehrsunternetzmungen, ern Ärgernis ist. Eingeschneite Eisenbahnzüge, stecken- gebliebene Kraftfahrzeuge auf allen Schienensträngen und Wegen. Wohl dem, der auf blanken Schlittenkufen an neuzeitlichen Fahrzeugen und versagenden „Pferdekräften" mit klingelnden Rossen triumphierend vorbeisausen kann. Sehnsüchtige Blicke folgen ihm nach aus vereisten Wagen- fenstern.

Die Telegraphen- und Überlandleitungen sichren unter der Last des Schnees und haben verschiedentlich ihren D-enst versagt. Aber der Ländmann freut sich über den Schneefegen, deckt er doch seine Wintersaaten mit warmem Schutz zu.

Ariilleriekampse um Kabul.

Aman Ullahs große Niederlage.

Trotz der Abdankung Aman Ullahs sind die Kämpfe um die Hauptstadt des Landes, Kabul, noch nicht ein­gestellt. Der Rebellenführer Bacha I. Saquao ist mit starken Kräften im Anmarsch auf Kabul begriffen. Seine Kanonen richten in der Stadt großen Schaden an. Wie es heißt, soll der Rebellenführer auch den neuen König nicht anerkennen »vollen. Er hat auf ben Kopf Aman Ullahs eine hohe Prämie ausgesetzt, so daß da­mit zu rechnen ist, daß sich weite Kreise des Landes an der Jagd auf die Person des Exkönigs beteiligen werden.

Wie bekannt wird, ist die Abdankung Aman Ullahs" vor allem auf die vollständige Niederlage seiner Truppen zurückzuführen, die sie ungefähr fünf Kilometer westlich von Kabul erlitten haben. In diesem Kampf soll Aman Ullah den größten Teil seine Artillerie verloren habem