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Hersfel-erTageblaü

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfelö

mit bea Betlaaes: gliustkierles AnterhattungSblatt / Nach Feierabend / HeeN und Scholle / Anterhaltnaa nsd Willen

Belehrang und Knrrwell / WkeLfchaftttLe Tagesfragea.

Nr. 3 Freitag, den 4. Januar 1929 79. Jahrgang

Gefahr im Verzüge.

Das Echo des Gilbert-Berichtes.

Hoffentlich ahmt man in Deutschland nun nicht etwa den Optimismus des Herrn Parker Gilbert nach, macht in ebenso rosenrotem Optimismus hinsichtlich der Weiterent­wicklung der Revision des Dawes-Planes: daß wir dabei irgendwelches Entgegenkommen, irgendwelche Nachgiebig­keit von der anderen Seite her erfahren werden. Ob in Paris oder Brüssel, ob in London oder Washington von überall hört man in lauten, ja schrillen Tönen, daß der Bericht Parker Gilberts einfach die Grundlage abzugeben hat für die Feststellung der Leistungsfähigkeit Deutschlands anläßlich der kommenden Sachverständigen­konferenz, daß Deutschland mit Leichtigkeit auch künftighin mindestens zwei Milliarden jährlich zahlen kann, daß nichts dcmentgegenstehe.bei diesenJahreszahlungenan den jetzigen 2,5 Milliarden festzuhalten. Ja, daß Deutschland der Vorschlag einer ziemlich weit linksstehenden engli­schen Zeitung sogar noch für die Zahlungsverpflichtun­gen seiner früheren Bundesgenossen und Mitunterlegenen im Weltkrieg einspringen solle. Daß eigentlich nach dieser Beurteilung der wirtschaftlichen und finanziellen Leistungs- Htbigkeit Deutschlands durch Parker Gilbert auch die Be­auftragung der Sachverständigenkonferenz mit derselben Arbeit völlig überflüssig geworden fei. Mit Leichtigkeit, so klingt es aus der ganzen französisch-belgischen Presse, könne Deutschland die interalliierten Schulden an Amerika mit etwa 16 Milliarden Mark und außerdem die 13 Mil­liarden für denWiederaufbau der zerstörten Gebiete" übernehmen.

Neben diesem allgemeinen Chor, der übrigens die deutsche Kritik an dem Bericht Parker Gilberts mit einer Handbewegung ablehnt, bleiben die paar Stimmen fast unhörbar, die jenen Bericht nicht so unbedingt als der Weisheit letzten Schluß und als mit einer Art päpstlicher Un­fehlbarkeit umkleidet zn betrachten geneigt sind. Der amerikanische Handelsattache in Berlin z. B. ftattet einen Bericht über die deutsche Wirtschafts- und Finanzlage ab, der in vielen, und zwar gerade den entscheidenden Punkten den Ausführungen Parker Gilberts scharf wider­spricht. Hier und da tauchen denn auch Bedenken auf, ^«bman es wirklich als einen deutschenWohlstand" be­zeichnen kann, was ja doch nur aufgebaut ist auf die Herein na hm eriesigerAusländsanleihen, die doch einmal wieder zurückgezahlt werden müssen. Das Charakteristischste des Echos ist wohl der etwas bissige, aber durchaus richtige Satz einer amerikanischen Zeitung, Parker Gilben würde, wenn er heute in Paris anwesend wäre, bemerken können, daß er eine Art französischer N a t i o n a l h e l d geworden sei.

Überblickt man die ausländischen Preffeäußerungen über den Gilbertschen Bericht, so gewinnt es fast den An- 'chein was man besonders aus englischen Zeitungen herauslesen muß, als habe sich Deutschland zu einem gefährlichen, unüberwindlichen Konkurrenten auf dem Weltmarkt entwickelt. Der Reparationsagent sagt's und die anderen beten es ihm nach, aber niemand, weder er noch jene denken - oder wollen nicht denken an die immer höher werdenden Zollmauern, die sich über- »K der Einfuhr deutscher Waren entgegenstellen. In »einen früheren Berichten ist Parker Gilbert daran nicht norbeigegangens diesmal verliert er kein Sterbenswört­chen darüber. Natürlich ist man in der Londoner City mit diesem Schweigen ganz besonders einverstanden. Und eine geradezu groteske Verkennung der Tatsachen ist es, wenn man in Amerika den überraschten spielt, daß die deutsche Presse sich in der scharfen Kritik des Gilbert- Berichtes einig ist; Deutschland solle sich vielmehr über ihn freuen, denn er enthülle ja aller Welt die glänzende Wirtschaftslage und damit die Kreditwürdigkeit Deutsch­lands!

Das Weihnachtsgeschenk" Parker Gilberts hat nun die deutsche Regierung vor eine überaus ernsteAuf - g a b e gestellt, eine Aufgabe freilich von einer fast unüber- kindlichen Schwierigkeit. Theoretisch hat ja jede Regie­rung, auch die deutsche, das Recht, bie Resultate der Arbeit der Sachverständigenkonferenz mit einem Ja oder Nein zu deantworten. Aber das ist besonders dann graue Theorie. Wenn sich die Gegenseite im Ja einig ist. Wird der Bericht Parker Gilberts wirklich xirr Richtlinie für jene Arbeiten, die Anfang Februar beginnen sollen, dann gilt es in- vvischen, mit aller Macht das Segenmaterial nicht bloß vorzubereiten, fondern mit allen Mitteln für weitest- «ehende Publikation noch vor Beginn der Konferenz zu sorgen. Keine Minute ist hierfür zu verlieren. Zum min­desten ist dafür zu sorgen, daß das ganze deutsche Volk »ufgeklärt wird über ben Ernst der Lage, sich klar darüber wird, daß über sein Schicksal die Würfel fallen werden. And banai endlich eines Sinnes werde.

SachverMdige zur Reyarations- konferenz.

| Deutsche Vertreter.

Dem Vernehmen nach sind für die im Februar bevor­stehende Reparationskonferenz als deutsche Hauptvertreter vorläufig in Aussicht genommen: Reichsbankpräsident Schacht und der Mitinhaber des Hamburger Bankhauses Marburg, Melchior, als ihre Ersatzmänner Staats­sekretär a. D. Bergmann, jetzt Mitinhaber des Frank­furter Bankhauses Speyer, Ellissen u. Co., und der Generaldirektor der Vereinigten Stahlwerke. Vöaeler.

Winterstürme überall

Der Tod im Ltngewitier.

87 Tote in Japan. W

Die Nordwestküste von Japan wurde von einem Orkan und einer dadurch hervorgerufenen Springflut heimgesucht. In den Küstenstädten des Bezirkes Niigata wurden Hunderte von Häusern zerstört und fortge­schwemmt. 56 Personen kamen ums Leben, viele find ver­letzt. Die telegraphischen und telephonischen Verbindun­gen find unterbrochen. Der DampferToyotomi Marn" ist untergegangen. 31 Mann seiner Besatzung sind er­trunken oder wurden erfroren aus dem Meere ausgesischt. Vier Mann konnten lebend geborgen werden.

Zwei Todesopfer der Schneeböe. " d

An der holsteinischen Ostseeküste bei Dahme Hat sich ein schweres Bootsunglück ereignet, dem zwei Fischer zum Opfer fielen. Die Besatzung eines Fischer­bootes war damit beschäftigt, die vom Sturm abgetriebe­nen Netze zu bergen, als das Boot etwa 200 M»ter vom Ufer entfernt in einer heftigen Schneeböe kenterte. Zwei der Insassen konnten sich so lange an dem umgeschlagenen Boot festhalten, bis Rettung kam, während die Fischer Höppner und Max Vogt in den Fluten den Tod fanden.

Wölfe und Unwetter in Spanien.

über Saragossa ist ein schweres Unwetter nieder­gegangen. Telegraphen- und Telephonverbindungen sind unterbrochen, die elektrischen Leitungen zerstört. Infolge zahlreicher Kurzschlüsse erlitten mehrere Personen Brand­wunden. Ein zwölfjähriges Mädchen wurde durch einen elektrischen Schlag getötet.

In diesem Jahre ist die Wolfsplage in den nördlichen Gebirgszügen besonders groß. Rudelweise brechen die Tiere nachts in die Dörfer ein und richten großen Schaden unter dem Kleinviehbestand an.

Frankreich im Schnee.

Aus zahlreichen Gegenden Frankreichs werden starke Schnesfälle gemeldet, die in den Pyrenäen zu, einer 50 Zentimeter dicken Schneedecke geführt haben. Der Ver­kehr auf den großen Landstraßen ist dadurch stark be­hindert. Von zahlreichen Orten werden Schäden an elek- trischen und telegraphischen Leitungsnetzen berichtet. Die

Daneben sollen für Einzelfragen besondere Sachver­ständige ernannt werden. Von der Bildung einer allzu umfangreichen Kommission will man absehen.

Die französischen Sachverständigen sind jetzt amtlich ernannt worden. Die Wahl ist aus den Gouver­neur der Bank von Frankreich, M o r e a u, und den ehe­maligen Ministerialdirektor im Finanzministerium, Parmentier, gefallen, der an der Konferenz über den Dawes-Plan im Jahre 1924 teilgenommen hat.

über das Ausmaß und die Nominierung der ameri­kanischen Beteiligung an der Konferenz wird voraus­sichtlich bei der Zusammenkunft des jetzt in Amerika ein­getroffenen Reparationsagenten Parker Gilbert mit dem neuen Präsidenten H o o v e r und mit C o o l i d g e entschieden werden.

Das Handelsamt der Vereinigten Staaten veröffent­licht den Bericht des Handelsattachss des amerikanischen Generalkonsulats in Berlin über die deutsche Wirt­schaftslage im zweiten Halbjahr 1928. Dieser Bericht ist weit weniger optimistisch gehalten als der Bericht Parker Gilberts.

Der letzte Neiteroffizier von Vionville t.

Generalmajor Franz von Schmidt, der letzte Reiteroffizier aus der Attacke von Vionville (16. August 1870), ist in Berlin- Zehlendorf kurz vor Vollendung des 87. Lebensjahres gestorben.

Landesverrat und Reichsrecht.

EineDenkschriftdesReichsjustizministers.

Dem Strafrechtsausschuß des Reichstages ist durch den Reichsjustizminister Koch- Weser eine bei der Reichs­anwaltschaft bearbeitete Denkschrift über den Landesverrat in der Rechtsprechung des Reichsgerichts zugeganaem Die

singe ig von icyweren Unwettern heimgesucht worden, die schon zahlreiche Schiffsunfälle verursacht haben.

Platzregen und Hagel in Italien.

Während in Norditalien, dem Apennin und den Abruzzen starker Schneefall herrscht, wurde Mittel­italien von einem wahren Platzregen heimgesucht, über Rom ging ein schweres Gewitter mit Hagelschlag nieder. In Pisa fiel der Hagel so dicht, daß er auf den Straßen mehrere Zentimeter hoch liegenblieb. Die Hagel­körner waren teilweise nußgroß. Die starken Niederschläge hatten ein bedeutendes Steigen der Flüsse zur Folge. Der Tiber erreichte einen Wasserstand von dreizehn Metern, so daß unterhalb Roms alles überschwemmt ist.

In den Banden des Frostes.

In Dänemark ist strenge Kälte eingetreten. In Nord­schleswig ist das Thermometer am tiefsten in Herning gefallen, das 10 Grad Kälte zu verzeichnen hat. Diese niedrigen Temperaturen werden durch den Nordostwind bedingt, der kalte Luftmassen aus Mittelschweden mit sich bringt. In Särne in Mittelschweden wurden 21 Grad unter Null gemessen. Nach Meldungen aus Oslo hat auch in Norwegen starke Kälte eingesetzt. Auf der Bergensbahn sind infolge des Frostes an drei Stellen Schienenbrüche erfolgt, u. a. bei Geilo. wo die Temperatur auf 23 Grad unter Null gesunken ist.

Der Vulkan Asosan im Mittelpunkt der Insel Ktuschtu der vielleicht der größte Feuerberg der Welt ist, hat Zeichen einer neuen Tätigkeit gegeben. Es wurde ein starkes Erd­beben auf der ganzen Insel gespürt, dessen Zentrum 4(i Kilometer nördlich von dem Asosan lag.

Von der Eisscholle gerettet.

Sämtliche auf einer Eisscholle in den Peipussee ge­triebenen Fischer sind geretet worden. Sie haben nut . durch die Einwirkung der Kälte gelitten.

' Schnee über Österreich.

Der in ganz Österreich fast ununterbrochen anhaltend, Schneefall rief im südlichen Teil des Landes bereits Ver­zögerungen im Zugverkehr hervor. Im Wiener Stadt­verkehr ergaben sich vorübergehend Schwierigkeiten, be­sonders durch mehrfache Entgleisungen von Straßen­bahnen. Auch erlitt eine größere Anzahl von Passanten Unfälle.

Denkschrift enthält die wichtigsten Reichsgerichtsentschei- dungen zu den einzelnen Materien. Es wird in ihr unter anderem das Verhältnis des Versailler Vertrages zu den Landesverratsdelikten untersucht. Die Denkschrift ver­neint die Annahme, daß der Versailler Vertrag irgend­welche Veränderungen gegenüber dem Landesverrats­paragraphen des deutschen Strafgesetzbuches geschaffen habe, da das Recht der Selbstverteidigung Deutschlands im Notfalle unangetastet geblieben sei. Dieses Recht der Selbstverteidigung sei auch bei den Abmachungen von Loearno 1925 und im Koblenzer Abkommen von 1916 nicht beschränkt worden.

Arbeiien des Reichswirischastsraies.

Eine Übersicht.

Der Vorläufige Retchswirtschaftsrat veröffentlicht eine Übersicht über seine Arbeiten nach dem Stande vom 1. Januar 1929.

Aus ihr ist zu entnehmen, daß sich der W t r t s ch a f t s - politische Ausschuß zurzeit u. a. mit einer Vorlage be­schäftigt, die wichtige Fragen des binnenländischen Ver­kehrs vom Standpunkt des volkswirtschaftlichen Interesses aus behandelt. Der Ausschutz hat für diese Angelegenheit drei Arbeitsausschüsse eingesetzt. Diese werden auch alle Fragen behandeln, die ntchi unmittelbar mit Eisenbahn und Wasser­straßen zusammenhängen, so z. B. Fragen des Automobil­verkehrs und der Straßenverbesserung.

Dem Sozialpolitischen Ausschuß liegt der Ent­wurf eines Berufsausbildungsgesetzes vor. Ein von ihm für diesen Zweck zunächst eingesetzter Arbeitsausschuß hat seine Arbeiten beendet und einen schriftlichen Bericht vor­gelegt, der durchgesprochen werden wird.

Der Finanzpolitische Ausschuß hat sich mit einem Antrag zu beschäftigen, der die Anregung gibt, pri­vate H e i l a n st a l t e n, die eine Gemeinnützigkeitspraxis ausüben, in steuerlicher Hinsicht den öffentlichen Kranken­häusern gleichzustellen.

Aman Allahs Bedrängnisse.

Zugeständnisse an die Aufständischen.

Die vielfachen Siegesmeldungen aus Kabul müssen immerhin noch mit vieler Vorsicht ausgenommen werden, und von einer Unterwerfung der Aufständischen unter den Willen des Königs kann kaum die Rede sein. Die Mutter des Königs Aman Ullah ist aus Kandahar nach Kabul zurückgekehrt. Sie erstattete ihrem Sohne Bericht über ihre Verhandlungen mit den Führern der Aufständischen, die einen Frieden mit ihrem Sohn abgelehnt haben. So­mit ist M erwarten, daß die Kämpfe bald wieder auf« genommen werden.

, In Allahabad hat das plötzliche Verschwinden des Prinzen Mohammed Omar Khan, eines Mitgliedes der afghanischen Königsfamilie und Rivalen Aman Ullahs, großes Aufsehen hervorgerufen. Der Prinz befand sich unter Bewachung auf britischem Gebiet und hatte nicht die Erlaubnis, die Stadt an verlassen.

. Der König soll den Aufständischen folgende Zugeständ-