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Hersfel-erTageblaü

Hersfelöer Kreisblatt

Mmtiicher MnZeiger für den Kreis Hersfelö

mit Sea BellKM: AllKstriertes ARterhaltüngsblatt / Nach Aelerabend / HerZ nu& SÄolle / ArrtemsttWg v»S Wtsfs8 B^lehrME KKö Ksrkztvr!! / BÄÄte EkRHiWasev.

Myelgenp«1»r dir tinspalttge Petitzell» 15 Pfennig, die Reklamezekle 50 Pfennig. (Srunöschrift Korpus). Bei Wlederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. * §ür Sie Schriftleitung yerant- «ocklich: Kranz §unk in tzrrofel». Kernsprecher M. S

Monatlicher Sezugspreis: durch St« Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgrlo, für SersfelS 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 Reichs-Mark. Druck and Verlag von Luswig Kunks Buchümckerei in Hersfelö, Mitglieö des VVZV.

Nr. 2 Donnerstag, den 3. Januar 1959

Das »reiche" Deutschland

Parker GMerSs Bericht.

Paris betont die deutsche Zahlungsfähigkeit.

Der veröffentlichte Bericht des Reparationsagsttie« Parker Gilbert über die deutsche Finanz- und Wirtschafts­lage im letzten Reparationsjahr hat in Deutschland an manchen Stellen starken Widerspruch, aber selbst bei ruhigen Beurteilern zum mindesten einige ÄberraschuRg hervorgerufen, da bei uns eigentlich niemand so recht er­sehen kann, auf welche Umstände Parker Gilbert seine Ansicht von der behaupteten lebhaften Aufwärtsbe- wegung des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens im Deutschen Reich aufbaut.

Die deutsche Finanzpolitik hält Parker Gilbert für nicht ganz einwandfrei. Vor allem wollen ihm die Finanzausgleichs Möglichkeiten nicht als ge­nügend ausgeschöpft erscheinen. Die latente Gefahr des drückenden Kapitalmangels scheint ihm nicht allzu bedrohend zu sein. Handel und Produktion sieht er als in günstiger Entwicklung begriffen an, die schwierigen Kreditmängel, namentlich bei der Landwirtschaft, scheint er nicht genügend zu würdigen. Seine zu nicht recht faßbaren Hoffnungen verleitenden Darlegungen werden sicher nicht ohne Einfluß auf die kommenden Reparationsverhandlungen bleiben.

In ^rm^wd) herrscht Entzücken.

Alle Stimmen weisen auf Parker Gilberts Bericht hin und stellen mit Befriedigung fest, beim bevorstehenden Zu­sammentritt der Schuldenregelungskonferenz könne der Bericht seinen Eindruck nicht verfehlen. Es sei erwiesen, daß Deutschland auch in Zukunft wie bisher die im Dawes-Plan vorgesehenen Jabreszahlnugen leicht leisten könne. Wenn man Parker Gilbert etwas vorzu- werfen bat, ist es höchstens die Tatsache, daß er wiederholt die Revision des Dawes-Planes serd-^e rv ^iy».«"i«en rytuanzlage der DeutMn' gar nicht notwendig sei. Ähnliche Auffassungen machen sich in E n g land bemerkbar.

*

Rosenroter Optimismus.

Es ist ein eigenartiges, aber vielleicht beabsichtigtes Zusammentreffen, daß der deutsche Reichskanzler auf dem Reujahrsempfang bei dem Reichspräsidenten die Äuße­rung tat, manche ausländischen Beobachter sähen Deutsch­land in einem Zustand der Blüte, der nicht den Tatsachen entspräche, und daß andererseits der soeben herausge­kommene Bericht des Reparationsagenten von einem Optimismus hinsichtlich der deutschen Wirtschafts­und Finanzlage erfüllt ist, der kaum noch übertrofsen werden kann. Wenn es uns auch nur halb so gut gehen würde, wie ParkerGilbertes schildert, dann könnten wir wirklich recht zufrieden sein!

Als Beweismittel für seinen Optimismus kann er jedenfalls nicht anführen, daß Deutschland seine Zahlun­gen pünktlich geleistet habe; denn das geschieht einfach au? Kosten anderer Ausgaben, die vielfach uns auf den Nägeln brennen. Parker Gilbert aber erklärt in einer Art von Couöismus: Es geht Deutschland immer besser und besser wobei das Fatale nur ist, daß dieser Bericht des Repara- tionsangenten über die Entwicklung im vierten Dawes- Jahr Weltbedeutung bekommt, namentlich in unseren Gläubigerstaaten nur gar zu gern geglaubt wird. Daß dieser rosenrote Optimismus hinsichtlich der deutschen Finanzen und unserer Wirtschaftsentwicklung in einem Augenblick besonders gefährlich ist, da man sich zwecks Feststellung der deutschen Leistungsfähigkeit zu einer end­gültigen Revision des Dawes-Plans rüstet, ist viel­leicht das bedenklichste an diesem Bericht.

. ^.Man kann es aber schon nicht mehr als rosenroten OprMismus, sondern als eine Verbreitung von Irr­tümern bezeichnen, wenn man in dem Bericht lesen muß, daß die Deutsche Reichsbahngesellschaft sich in einer starken finanziellen Lage" befinde. Die deutsche Wirt­schaft, deren Hauptabnehmer die Reichsbahn früher ge­wesen ist, weiß ein anderes Lied zu singen, in dem sich be­ständig die Klagen über die Einschränkung des Lokomo­tiven- und Wagenneubanes sowie des gesamten Bau­materials wiederholen. Im übrigen hat Parker Gilbert für die Erfüllung des Dawes-Planes durch Deutschland sozusagen das Er des Kolumbus entdeckt: all' die finan­ziellen Schwierigkeiten, in denen der deutsche Reichshaus­halt stecke, ließen sich sehr einfach dadurch beseitigen, daß ein ordentlicher Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden zustande komme, bei dem das Reich seine Bedürfnisse decken und die Kontrolle über die Reichssteuereinkünfte wieder erhalten müsse. Es ist eine Binsenweisheit, zu empfehlen, daß sich die Ausgaben im Rahmen der verfügbaren Einnahmen bewegen sollen; außerdem hält Parker Gilbert die Steuerfähigkeit in Deutschland für längst nicht erschöpft, ebenso wie er eine erhebliche Einschränkung der Ausgaben für durchaus mög­lich erachtet. Das ergibt ja allerhand Ausblicke auf die Zukunft!

Optimismus auf allen Linien. Die Reichsmark fei eine der festesten Währungen der Welt", eine Steigerung des Zinsfußes auf Kredite sei in Deutschland nicht er­folgt, wobei man freilich einwenden muß, daß der

deutsche Zinsfuß ungefähr doppelt so hoch ist wie der in Amerika verlangte, eine Steigerung also zur glatten Un­möglichkeit geworden ist. Am seltsamsten aber berührt der Optimismus hinsichtlich der Entwicklung des deutschen Außenhandels. Daß im September 1928 einmal Einfuhr und Ausfuhr im Gleichgewicht gewesen sind, veranlaßt den Reparationsagenten zur Prophezeiung, daß dieser Zustand auch künftighin der gleiche bleiben würde. Natürlich haben die folgenden Monate bewiesen, daß diese Prophezeiung falsch ist, und außerdem wird Parker Gilbert in den nächsten Tagen bei Aufstellung der Jahresbilanz erfahren müssen, daß Deutschlands Einfuhr auch 1928 wieder die Ausfuhr im Betrage von Milliarden überschreitet. Gewiß leugnet der Reparationsagent nicht, daß sich in letzter Zeit die wirtschaftliche Lage Deutschlands sehr ernsthaft gestaltet habe, aber er hält das für eine Festigung, nicht aber für eine Bedrohung. Ebenso preist er die Besserung der Lebenshaltung eines großen Teiles der deutschen Bevölkerung, ohne daran zu rühren, daß das Emporkommen der deutschen Wirtschaft überhaupt nur ermöglicht worden ist durch eine direkte Verschuldung an das Ausland, die heute schon 12 Mil­liarden überschreitet. Ebensowenig stützt seinen Optimis­mus der Hinweis darauf, daß im deutschen Volke schon wieder 6,5 Milliarden Sparkasseneinlagen aufgebracht worden sind. Das bedeutet nämlich nur, daß unter Be­rücksichtigung der Geldentwertung die Spareinlagen ein Fünftel des Vorkriegsstandes erreicht haben.

Diese rosenrote Darstellung gibt nun aber den Hinter­grund ab für die weitere Forderung, daß dem Dawes- Plan gemäß nach Ablauf des ersten Normaljahres, also ab 1. September 1929, der Wohlstandsindex in Kraft treten solle, der zu einer Heraufsetzung der deutschen Zahlungsverpflichtungen führen müßte, wenn sich die Reparationskommission diese optimistische Entscheidung über die deutsche Leistungsfähigkeit gleichfalls zu eigen macht. JKehx ^O ;^ .«>«^«3 .wer tvmr w stchenr ZtH sammenhang der Vorschlag, Deutschland solle zur Gold­währung zurückkehren. Nicht einmal Frankreich, das doch aus dem Dawes-Plan jährlich 1,5 Milliarden be­zieht, das keine Arbeitslosigkeit kennt, dessen Wirtschafts­leben blüht, denkt daran, den Schritt zur Goldwährung zurück zu tun.

Eins vermißt man in diesem Bericht, den ein rosen­roter, vielleicht nachträglich bei den Besuchen Parker Gilberts in Paris und in London noch stärker aufgetrage­ner Optimismus diktiert hat: der Grundgedanke des Dawes-Plans war es, daß Deutschland die Zahlungen an die Gläubigerstaaten aus den Überschüssen seiner Wirtschaft leisten sollte; von solchem ist aber überhaupt keine Rede, sondern Deutschland ist seit Geltung des Dawes-Plans in einer Hohe an das Ausland verschuldet, die erschreckend ist. Immer größere Teile des deutschen VolksvermögenS gehen in den Besitz des Auslandes über, während umgekehrt die Summe deutscher Anlagen im Ausland noch immer viel zu gering ist, um auch nur im entferntesten einen Ausgleich zu schaffen. Um so unver­ständlicher bleibt der Optimismus des Berichts Parker Gilberts, der nur von der einen Seite her zu verstehen ist, nämlich mit ihm eine Grundlage zu schaffen für die Arbeit der kommenden Sachverstänigenkonfe- r c n z. Da diese nun aber endgültige Resultate zeitigen soll, muß seitens der deutschen Regierung alles in Be- Wegunst gesetzt werden, um den für Deutschland verhäng­nisvollen Folgerungen aus diesem Berichte energisch ent- gegenzuwirken.

Die Weltreise desMas Zeppelin".

Neue Reise- und Baupläne.

Dr. Eckener hat sich zu einem amerikanischen Presse­vertreter über seine Pläne für das Jahr 1929 geäußert. Danach ist nach Abschluß weiterer Versuchsfahrten voraus­sichtlich im März wieder mit einer großen Reise des Luft­schiffes zu rechnen, die eventuell über das Mittelmeer nach Ägypten und Palästina führen soll. Die englische Regierung hat bereits den Ankermast in Port Said für eine Zwischenlandung desGraf Zeppelin" zur Ver­fügung gestellt.

Die große Weltreise, ' die Dr. Eckener bekanntlich seit langer Zeit geplant hat, wird dann voraussichtlich im Hochsommer angetreten werden. Sie soll quer über Sibirien, dessen Hoch­gebirge am Südende des Baikalsees passiert werden, zu­nächst nach Tokio führen, wo, voraussichtlich durch Lieferungen von Amerika her, ein Brenngas- und Brenn- stofslager eingerichtet wird. Von Tokio geht die Fahrt dann voraussichtlich über San Diego (Kalifornien) und Lakehurst nach Friedrichshafen zurück. Alle Vor­bereitungen für diese größte Fahrt, die ein Luftschiff bis­her unternommen hat, werden schon jetzt getroffen. Dr. Eckener will auf die Weltreise eine Reihe von Passagieren und vor allen Dingen große Mengen Post mitnehmen. Daneben schweben die Verhandlungen mit der Werftleitung über die Gestaltung des bis zum Jahre 1930 zu bauenden neuen Zeppelinlustschiffes,

das denGraf Zeppelin" nicht nur an Größe, sondern vielleicht auch hinsichtlich der Zahl der Mzubauenden Motoren erheblich übertreffen soll. Es ist u a. der Plan anfgetancht, den neuen Zeppelin mit zehn Motoren an Stelle der bisherigen fünf auszurüstsn, . ....... _^

79. Jahrgang

Der MrMhrseMpfmrg beim AeichsprSsideNie».

Die Ehrenkompägnie der Reichswehr erweist bes vs» fahrenden Diplomaten die Ehrenbezeugungen,

Die streßten »erlangen Selbständigkeit.

Der serbisch-kroatische Konflikt.

Nach dem Rücktritt des jugoslawischen Kabinetts wegen der gespannten Lage zwischen den beiden serbische« und kroatischen Landeshälsten hat der König die Führer der kroatischen Opposition, die bekanntlich nicht mehr im Belgrader Landtag erscheinen, sondern in A g r a m als Rumpfparlament für sich tagen, nach Belgrad geladen, um einen neuen Vermittlungsversuch zu unternehme«.

Völlige Unabhängigkeit

von Serbien Verlangen aber die Agramer Kroatenführer als Vorbedingung für jede aussichtsreiche VerhaM

JS^Ä^^ttjtw-^^ soeben, die Kroaten

würden in Zukunft an keinem Belgrader Parlament teil- nehmen, auch dann nicht, wenn dieses Parlament aus freier Wahl hervorgegangen sei. Denn erstens gebe eS keine freie Wahl und zweitens wollten die Kroaten i« Zukunft nicht als irgendeine Partei, sondern lediglich alS Volk betrachtet werden. Für die Kroaten existiere auf der einen Seite nur Kroatien, aus der anderen Seite Serbien, ferner der König und die gemeinsame Staatsgrenze. Die Kroaten wollten getrennt von Serbien ihr Land verwalte« und nur eine Personalunion durch den gemeinsame« König solle das einzige Band sein, das sie mit Serbien verbinde.

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Der KabinettsrüLtritt angenommen.

Der König nahm Mittwoch die angebotene Demissio« des Kabinetts Koroschetz an und beauftragte das zurück­getretene Kabinett mit der vorläufigen Wetterführung der Geschäfte. Donnerstag wird der König mit der Be­fragung der Parteiführer beginnen. Es wird angenom­men, der Parlamentspräsident werde dem König Vor­schlägen, die Bildung der neuen Regierung wieder K»rs- schetz zu übertragen.

Chinas Wiederanföan.

Eine Neujahrsbotschaft des chinesischen Präsidenten.

In einer Neujahrsbotschaft des Präsidenten sowohl wie in einer privaten Auslassung des Ministers des Äußern wird hervorgehoben, daß das verflossene Jahr mit der Hissung der nationalen Flagge in der Mandschurei die Einigung des chinesischen Gesamt­reiches und den Abschluß der ersten Periode der Revolution gebracht hat, während außerdem auf dem Gebiete der auswärtigen Politik die Möglichkeit einer baldigen praktischen Durchführung der Zollautonomie ge­schaffen worden ist, seidem mit der einzigen Ausnahme Japans mit dem jedoch ebenfalls, wie verlautet, in aller Stille verhandelt wird, alle Mächte den Grund­satz der Zollautonomie anerkannt haben. Wie die Botschaft weiter ausführt, erwartet die chinesische Rationalregierung, daß die fremden Mächte in abseh­barer Zeit auch auf die anderen einseitigen Sonderrechte hinsichtlich der Extraterritorialität, der Küsten- und Jn- landsschiffahrt, der Pachtgebiete und der Truppengarni-- sonierung Verzicht leisten, da man das gesamte Boxer- Protokoll als durch die veränderten Verhältnisse über­holt bezeichnen müsse.

Das zweite Stadium der Revolution, in das man nun eingetreten sei, habe die Ausgabe des Wiederaufbaus im Innern zu lösen. Die Grundlage für diesen Wiederaufbau sei gelegt, seit die in Nanking dieser Tage zusammengetretene Konferenz für die innere Abrüstung geglückt sei, zu der sich die meisten großen Militärführer eingefunden haben. Durch diese Konferenz werde zum ersten Male die Aufstellung eines Budgets für das Gesamtreich in den Bereich der Möglichkeit ge­rückt und obendrein künftigen Bürgerkriegen vorgebeugt.

Brand in einer amerikanischen Schule. Drei Todesopfer.

Monmouth (Oregon). Das- Gebäude oer Normalschul« wurde durch einen Brand teilweise zerstört. Während der größte Teil der Schüler sich durch einen Sprung aus den rück­wärtigen Fenstern des Gebäudes noch retten konnte, kamen drei Schülerinnen in den Flammen um.