JnAeigenprels: die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, öle Reklamezeile 50 Pfennig. (GrunöfchM Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- Nachlaß gewährt. ❖ Zur die Schristleitung verant- woMch: Kranz Zunk in Hersfeld. ❖ Zernfprecher Nr. 8
hersfelöse Kreisblatt lZss-Ds-DI
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö [Zunks LllchSmck-cri in ßcrsfeK, Mtzlkrükw vdZv!:
Mit Herr BellakLn: Leimatschollm / Illustriertes Antekhaltungsblatt / Mach FrieradeuS / SerS und Scholle / Auterbaltttua aus Wissen Belehrung u^d Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Nr.^06 (erstes Nitt)
Sonnabend, den 31. Dezember 1927
77. Jahrgang
Die große Abrechnung.
Ehrliche Rechenschaft. — Die erlösende Kugel. — Barbarei in Rußland. — Lästige Ausländer.
Wieder ist ein Jahr überstanden und wieder legen deutsche Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit allenthalben ehrliche Rechenschaft ab über Erfolge und Fehlschläge, die wir auf das Konto des abgelaufenen Jahrgangs in Politik und Wirtschaft, in Kultur und Literatur zu verbuchen haben.
Der Abschluß scheint, im ganzen genommen, etwas g ü n st i g e r auszufallen, als wir es seit dem Zusammen- bruch von 1918 bisher erlebt haben; und ebenso dürfen wir feststellen, daß in anderen Ländern, zum Teil sogar auch auf der Siegerseite, bei dem gleichen Anlaß weniger Ursache zur verhältnismäßigen Zufriedenheit gegeben ist Das Zeugnis jedenfalls dürfen wir uns ausstellen, daß die Fortschritte, die wir verzeichnen können, erreicht worden sind trotz der Bemühungen unserer ehemaligen. Feinde, nicht dank der freundlichen Absichten, die sie angeblich uns gegenüber hegen — vielleicht mit einziger Ausnahme der Vereinigten Staaten von Nordamerika, denen die große Entfernung von dem eigentlichen Schauplatz des Weltkrieges rascher eine unbefangenere Würdigung der Nachkriegsverhältnisse ermöglicht hat, als namentlich unsere unmittelbaren Nachbarstaaten sie über sich gewonnen haben.
Daß wir freilich noch lange nicht über dem Berge sind, weiß bei uns jedes Kind. Schon hat die Zahl der Arbeitslosen im Reich wieder die Million überschritten, und wenn man die Jahresberichte der Handelsund Jndustriekammern daraufhin durchgeht, ob von diesen unzweifelhaft sachkundigen Stellen schon an eine wirkliche Festigung unserer Gesamtlage geglaubt wird, so überwiegen wohl überall die Mahnungen und Warnungen durchaus gegenüber den positiven Momenten, die zu verzeichnen sind. Und daß auch der Generalgewaltige Parker Gilbert, der zurzeit in Amerika von seiner anstrengenden Überwachungstätigkeit in Deutschland wieder einmal etwas ausruht, uns m seinem letzten —Jahresbericht »mit euyobenem Zeigefinger an die unvermindert fortbestehenden Gefahren unserer finanzpolitischen Entwicklung erinnerte, liegt uns allen noch einigermaßen in den Knochen. Dazu dann zu guter Letzt Herr Poin - c a r ö, der es für richtig hielt, uns die 132 Milliarden Kriegsschulden ins Gedächtnis zurückzurufen, die seine Repko einmal — lang, ach gar lang ist es her — als unsere vermeintlichen Schadenersatzverpflichtüngen feierlich festgesetzt hat. Genug, wir haben einige Schwierigkeiten, die man vor uns aufgetürmt hat, immerhin über- wunden, müssen aber nach der Jahreswende mit noch größeren Schwierigkeiten rechnen, die für uns — nicht nur in Frankreich — in Bereitschaft gehalten werden.
Wollen wir aber den Abstand ermessen, der unser Land von anderen, angeblich vorgeschritteneren Völkern trennt, so brauchen wir nur, zum Beispiel, zum Vergleich den Abschiedsbries heranzuziehen, den der ehemalige russische Botschafter in Berlin, Dr. Ioffe, an seinen Freund Trotzki gerichtet hat, ehe er sich die erlösende Revolverkugel in die Schläfe jagte. Danach haben die Sowjetgewaltigen in Moskau es mit ihrem Gewissen für vereinbar gehalten, wiesen in ihrem Sinne hochverdienten Vorkämpfer der Räterepublik mit allen Mitteln in den Tod zu treiben, weil er es ablehnte, sich ihren Befehlen blindlings zu unterwerfen. Alan schickte ihm Amtspro- fessoren ins Haus, denen er sich zur ärztlichen Untersuchung stellen mußte, man verweigerte ihm, nachdem er sein ganzes Vermögen dem Sowjetstaat zur Verfügung gestellt hatte, die nötigen Gelder zu einer Auslandskur, von der allein vielleicht noch Rettung von schwerer Krankheit zu erhoffen war, ja, man sperrte ihm die heimischen Apotheken, die ihm wenigstens noch einige Linderungsmittel gegen die seine Gesundheit zerrüttenden Schmerzen hätten liefern können, so daß ihm wirklich zuletzt gar nichts anderes mehr übrigblieb, als dieser grausamen Folter durch Freitod ein Ende zu machen. Ein Einzelfall, könnte man sagen, nach dem man den Eesamtkulturzustand eines großen Volkes nicht abmessen dürfe. Aber Herr Joffe war offenbar der MeinUna. daß ein Land, in dem solche politischen Sitten zur H°-rschast gelangt sind, hoffnungslos der Barbarei verfallen sei, und wir haben kein Recht, in dieser Beziehung ?em Urteil als verfehlt oder auch nur übertrieben abzulehne» Nein, wenn ein großes rheinisches Blatt bei der Beurteilung unserer Theaterverhältnisse von heute jüngst davon gesprochen hat, daß das deutsche Theaterpublikum sich in den letzten Jahren „v e r p l e - b e j e r t" habe, so msg man darüber streiten, ob es mit diesem Wort nicht über das Ziel hinausgeschossen habe; aber auch wenn man es vollständig unterschreiben wollte, bliebe gegenüber dre'en offiziellen Regierungsmethoden in Rußland denn doch eine so ungeheure Kluft bestehen, daß wir sie ruhig und mit gutem Gewissen als völlig unüberbrückbar bezeichnen dürfen.
Auch die französische Regierung schließt das alte Jahr mit einer großen Abrechnung. In E l s a ß und in Loth- r in g e n hat sie Polizei und Staatsanwaltschaft gegen die Autonomisten in Bewegung gesetzt, läßt sie bei den angesehensten Männern des Landes, auch bei katholischen Priestern, beschlagnahmtes Dokumentenmaterial zu Bergen häufen und zeigt sich entschlossen, diesmal ganze Arbeit zu machen. Nachdem schon vor einigen Monaten deutsche Zeitungen gewaltsam unterdrückt Werben waren, mit der Begründung, daß sie in ekM 1M» ML
AÜMM M neuen Ähre!
An Heer und Marine.
Von Wehrminister, Heereschef und Marinechef.
Auch bei Schluß dieses Jahres haben die leitenden Männer ihre Anerkennung und ihren Dank an Deutschlands kleines, aber pflichtbewußtes Heer und an die Marine bei Beginn des neuen Zeitabschnitts aussprechen wollen. Aus den Erlassen geht hervor, wie sehr die höchsten Kommandostellen die ernste Arbeit zu schätzen wissen, die in der Truppe geleistet wird. Die Angehörigen der Reichswehr und der Flotte dürfen überzeugt sein, daß die Wertschätzung, die ihnen ihre obersten Befehlshaber entgegenbringen, im ganzen Volke einmütig geteilt wird. Wir geben nachstehend den Wortlaut der erlassenen Kundgebungen wieder:
An die Reichswehr!
Die Reichswehr wird weiter ihre Pflicht tun wie bisher und den Glauben an Deutschlands Aufstieg stärken helfen. Dank und herzlichen Neujahrswunsch jedem Angehörigen der Reichswehr.
ae». Dr. Keßler, Reichswehrminister.
An das Reich sheer!
Allen Angehörigen des Reichsheeres spreche ich für die treue Pflichterfüllung im vergangenen Jahre Dank und Anerkennung aus und rufe ihnen zum Jahreswechsel ein herzliches Glückauf zu.
gez. Heye,
General der Infanterie und Chef der Heeresleitung.
An die Reichsniarine!
Dank und Anerkennung für die im verflossenen Jahre geleistete pflichttreue Arbeit. Beste Wünsche für eine kräftige, gesunde Weiterentwicklung auch. im kommenden Jahre zum Wohle unseres Vaterlandes.
gez. Z e n k e r, Admiral und Chef der Marineleitung.
Sprache geschrieben seien, mußte man darauf gefaßt sein, daß schließlich die ganze Vogesenbevölkerung eben wegen ihrer deutschen Abstammung von Paris aus als lästige Ausländer bejubelt werden würde. Jetzt sind wir soweit und das schöne Land wird nun endlich die Segnungen dieser französischen „Kultur" sozusagen aus erster Hand und am eigenen Leibe gründlich kennenlernen.
Herrn Poincare, der sich einen Augenblick geneigt zeigte, diesen Fremden gegenüber mildere Saiten aufzu- ziehen, ist es mit seinen jetzigen Maßnahmen offenbar in der Hauptsache mehr darum zu tun, die Wahlen in diesem Lande auf seine Art vorzubereiten. Ein bißchem Hetze gegen Deutschland, denkt er wohl, hat in Straßburg immer noch zum Ziele geführt. Wer weiß, ob er sich nicht gerade in d tiefem Punkt irren wird — so gut er sonst auch vie französische Volkspsyche zu beurteilen mit Den Jahren gelernt hat. Dr. Ey.
Freie Luftfahrt im deW« Gebiet.
Unter bestimmten Bedingungen.
Die Rheinlandkommission hat die Luftfahrt fret gegeben, wenn die in einer Verordnung vom 17. August 1926 festgesetzten allgemeinen Bedingungen brachtet werden. Für jedes Überfliegen des besetzten Gebietes muß die Genehmigung der Rheinlandr-srnmisfio« eingeholt werden.
Diese Genehmigung wird für die Handelslinien erteilt durch Beglaubigung der von der ReichsregierunF oder von den Landesre- ierungen erteilten Genehmigung. Diese Beglaubigung erfolgt aus den Namen der Unter« nehumngsgesellschaft und mit Gültigkeit für bestimmte Zeit. Für die übrigen Luftfahrten lautet die Genehmigung auf den Namen des LuGahrers und hat je nach den Fällen für eine oder mehrere Reisen Gültigkeit. Die Gesuche um Genehmigung o °r Beglaubigung.müssenNamen, Vornamen, Staatsangehörigkeit des Fahrers, die wesentlichen Merkmale des Luftfahrzeuges, seine Rationalität,
I Aeujchrsemysang kirn MHsprüswemen
Am 1. Januar beginnt der feierliche Empfang des in Berlin beglaubigten Diplomatischen Korps und ver Spitzenbehörden des Reiches und Preußens beim Reichspräsidenten von Hinoenburg um 12 Uhr mittags. Im Reichspräsioenienpalais versammeln sich die Botschafter und Gesandten unter Führung ihres Doyens, des päpstlichen Nuntius P a c e l l i, der dem Reichspräsidenten die Wünsche der fremden Diplomaten zum neuen Jahre für ihn und für das deutsche Volk übermitteln wird. Reichspräsident von ^Hindenburg wird mit einer kurzen Ansprache antworten. Dann erscheint das vollständige R e i ch s k a b i n e t t, als dessen Sprecher Reichskanzler Dr. Marx die Wünsche für Hindenburg und zum Wohle des deutschen Volkes ausdrücken wird. Auf die Reichsregierung folgen die Präsidien des Reichstages und des Reichsrats, der Generaldirektor der Reichsbahngesellschaft und der Reichsbankpräsident. Die Wehrmacht wird durch den Reichswehrminister Dr. Geßler, den Chef der Heeresleitung, General H e y e, und den Chef der Marineleitung, Admiral Z e nker, vertreten sein. Für die preußische Staatsregierung wird Ministerpräsident Brau n dem Reichspräsidenten seinen Glückwunsch zum Ausdruck bringen.
Zwischen dem Reichspräsidenten und dem österreichischen Bundespräsidenten wird zum neuen Jahr der übliche Telegrammwechsel stattfinden. Beide werden die Wünsche ihres Volkes an das Brudervolk für das kommende Jahr zum Ausdruck bringen. Auch die Stadt Berlin wird ihre Glückwünsche dem Reichspräsidenten übermitteln.
Newyorks Bürgermeister an Deutschland.
SM' ölU.Jer jHt in De'MG-mnd . weilte, hat folgenden Neujahrsgruß an das deutsche Volk übermittelt: Es bereitet mir große Freude, der Bevölkerung Berlins sowie dem gesamten deutschen Volke zum neuen Jahre viel Glück und alles Gute zu wünschen. Die Bevölkerung der Stadt Newyork, unter der sich viele Bürger deutscher Herkunft befinden, schließt sich mir, dessen bin ich sicher, in diesem Wunsche an. Möge das neue Jahr die Freundschaftsbande, die unsere beiden großen Nationen verknüpfen, weiter stärken! K
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Neujahrskundgebung des Kyffhäüserbundes.
Der Präsident des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffhäuser", General der Artillerie a. D. von Horn, wendet sich in einer Neujahrskundgebung an die Bundesangehörigen, in der darauf hingewiesen wird, daß der Bund als Träger der Tradition das Große der Bergan-, genheit in eine große deutsche Zukunft hinüberleiten will. Dies will der Bund im Mitschaffen an der Gegenwart tun. In der Pflichterfüllung am Vaterland und der Treue zum Volke will der Bund gegen die seit neun Jahren ven nationalen Aufstieg hemmende Unmoral und innere Zersetzung kämpfen. Die Farben Schwarz-Weiß-Rot sind für den Kyffhäuserbund nicht nur Vergangenheit und Gegenwart, sondern vor allem auch Zukunft.
Einiragungsnummer, Unterscheidungszeichen^ die Fahrtlinie und den wahrscheinlichen Zeitpunkt des Überfliegens, unter Umständen auch geplante Landungen angeben, ferner, ob das Luftfahrzeug mit Einrichtung zur drahtlosen Nachrichtenübermittlung versehen ist. In diesem Falle ist die Starke der Einrichtung, die Wellenlänge und Seudungsart anzugeben. Das überfliegen der Artillerie- schießstände Griesheim, Bellingen im Kreise Bitburg und Ludwigswinkel ist verboten. Wird die Genehmigung oder Beglaubigung verweigert, so ist der Grund anzugeben. Verboten ist die Beförderung, von Waffen, Kriegsmunition, Sprengstoffen, giftigen Gasen und Brieftauben.
Die GeschDsKhnmg Ker Aeichspost.
Vorschläge des deutschen Groß- und Überseehandels.
Der Reichsverband des deutschen Groß- und Übersee» chandffs hat nunmehr auch zur Frage des Reichspost - f i n a n z g e s e tz c s Stellung genommen.
Der deutsche Großhandel hält an seinem grundsätzlichen Staubsunü dahingehend fest, daß große Unter» nehmung» ♦ beß Reiches nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten f'-wastet und möglichst frei von parlamentarischen Einflüssen gehalten werden sollen. Eine Änderung ' des »eichspostsiuanzgesetzes sei nicht erforderlich, dagegen mü^ eine st ä r k e r e Einflußnahme der Wirtschaftskreise auf die Arbeiten des Verwaltungsrats der Deutschen Reichspost sichergestellt werden. Es sei dahe' anzustreben, daß eine Änderung der Aus- Whrungsbestrmmungen des Gesetzes dahin erfolgt, daß die Benennung der Wirtschaftsvertreter durch die Spitzen- t-rganilationen vorgenommen wird. Ferner sollen die Reichstagssraktionen aufgefordert werden, die ihnen zur Verfügung stehenden Plätze im Verwaltungsrat nicht nur mit Personen, die der Reichspost angehören, zu besetzen, Andern möglichst auch Vertreter der Wirtschaft bei der Entsendung mit zu berücksichtigen.