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HersfelSer Kreisblatt

Amtlicher MnZeiger für den Kreis Hersfel- mit den Beilagen: Heimalschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterbaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 254 (Erstes Matt)

Sonnabend, den 29. Oktober 1927

77. Jahrgang

Der Machtkampf in Rumänien

Rumänien in Belagerungszustand.

Vertrauenserklärung für die Regierung.

Da der direkte Verkehr mit Rumänien gesperrt ist, herrscht eigentlich Unklarheit darüber, wie die Verhält­nisse nun liegen.

Trotz mehrfacher amtlicher Beruhigungsversuche über die ausländischen Gesandtschaften kann es keinem Zweifel unterliegen, daß schwere, vorläufig anscheinend noch nicht in offene Unruhen ausgelaufene Machtkämpfe das Land durchtoben. Aus dem zunächstliegenden Belgrad hört man, daß über ganz Rumänien der Belagerungszustand verhängt worden ist. In Belgrad zweifelt man nicht daran, daß die Bewegung zugunsten des Prinzen Carol sich ausbreite. Ministerpräsident Bratianu hat zahlreiche Truppen aus der Provinz rund um die Hauptstadt ver­sammelt. Man befürchtet, daß Bratianu den Präsidenten der nationalen Bauernpartei, Maniu, der in so scharfer Weise im Parlament gegen den Ministerpräsidenten aus­getreten ist, verhaften lassen wolle.

In der Kammer nahm in einer ausführlichen Rede Ministerpräsident Bratianu zu der Verhaftung des frühe­ren Staatssekretärs Manoilescu und zu der Lage in Rumänien Stellung. Bratianu führte u. a. aus: Die nationale Einheit, die territoriale Unantastbarkeit und die Krone sind ein Erbgut, das den Generationen zugute kommt, aber über das sie nicht verfügen können. Wer versucht, dieses Erbgut zu vernichten, ist ein Feind des Staates. Wer durch irgendwelche Mittel versucht, dem gesetzmäßigen Herrscher die Krone vom Haupt zu nehmen, ist daher ebenfalls ein Feind des Staates. Diejenigen, die versuchen, durch eine Volksabstimmung oder Partei­bildung oder auf andere Weise eine gesetzmäßige und endgültig festgelegte Regierung umzustoßen, begehen eine J^^t^ die an den gesetzlichen Autoritäten zerschellen

Carol hat keine Ansprüche.

Der Verzicht des früheren Prinzen Carol, fuhr Bra­tianu fort, war ordnungsmäßig und die Thronbesteigung König Michaels unter einer Regentschaft gesetzmäßig pro­klamiert. Es gibt also keine gesetzmäßige Möglichkeit, auf diesen Verzicht zurückzukommen. Man kann auch feststellen, daß die Kundgebungen Carols in der öffentlichen Mei­nung Rumäniens keinen Widerhall gefunden haben. Man

DieMafalda" Katastrophe

Schreckenchenen beim

Mafalda"-Llniergang.

Haifischschwärme an der Unglücks stelle.

In Rio de Janeiro sind jetzt zahlreiche gerettete Passagiere derPrincipessa Mafalda" gelandet worden. Die Geretteten sollen sämüich wohlauf sein.

Von Augenzeugen werden jetzt noch erschüt­ternde Einzelheiten über den Hergang der Kata­strophe bekannt. In einer dieser Darstellungen heißt es:

Es war am Abend des 25. Oktobers. Wir hatten gute Fahrt. Die Decks waren von den Passagieren ge­füllt, die den tropischen Sonnenuntergang und die kühlen Brisen genießen wollten. Als die Dinerzeit herannahte, vernahm man plötzlich aus dem Schiffsinnern ein Krachen und das Rauschen einströmenden Masters. Gleich darauf folgte eine furchtbare Explosion, welche die Salons und die Kabinen der 1. Klasse zertrümmerte. Schmerzens- schreie erschollen. Das Stöhnen der Verletzten und der Sterbenden war furchtbar. Frauen beteten weinend vor einem Madonnenbild, andere rissen ihre kleinen Kinder an sich. Es brach eine Panik aus und einige Passagiere sprangen über Bord. Schließlich gelang es dem Kapitän Gugli, die Passagiere zu beruhigen. DieMafalda" schwamm dann noch 2% Stunden und ging um 8.40 Uhr unter. Das elektrische Licht versagte sofort nach der Ex- plosiom Die Dunkelheit erhöhte den Schrek - ken der Passagiere. Als die Rettungsdampfer an- gekommen waren, richteten sie die Scheinwerfer auf das Wasser, so daß die Besatzung der Rettungsboote die um Hilfe rufenden Ertrinkenden sehen und bergen konnte. Ein Rettungsschiff machte unmittelbar neben derMafalda" fest, um die Übernahme der Paffagiere zu beschleunigen. Die Neigung der sinkendenMafalda" war aber bald so, daß die Haltetaue schnell durchschnitten werden mußten, um zu verhindern, daß das Rettungsschiff mit in die Tiefe gezogen würde. Der Kapitän wurde zuletzt auf der Kommandobrücke gesehen. Als dieMafalda" umschlug, rief er Es lebe Italien! Ein Augenzeuge will beobachtet haben, wie ein Schiffbrüchiger von einem gewaltigen Hai in die Fluten hinabgerissen wurde. Ganze Haifisch­schwärme sollen an der Unglücksstelle erschienen und viele Schiffbrüchige angefallen worden sein. Das Wasser soll stellenweise rot von Blut gewesen sein, über

bringt dem Zwischenfall lediglich ein aus Neugierde be­ruhendes Interesse entgegen.

Der Abgeordnete M wu protestierte gegen die Ver­haftung Manoilescus und verlangte Regelung des Falles vor einem Zivilgericht anstatt einem Militärgerichtshof. Er fordere den Ministerpräsidenten auf, zurückzutret.m, damit die dynastische Frage auf gesetzlichem Wege gelöst werden könne.

Im Senat wurde von General Avarescu, dem früheren Ministerpräsidenten, eine Erklärung verlesen, wonach die Volkspartei gegen die ungesetzliche Verhaftung des Staatssekretärs Manoilescu Protest erhebt, da die Regierung keinen Haftbefehl hatte und Manoilescu auch nicht auf frischer Tat betroffen wurde. (Manoilescu war bekanntlich der Agent des Prinzen Carol.)

In der Kammer wurde nach der Erklärung des Mi­nisterpräsidenten Bratianu eine Vertrauenserklärung für die Regieung angenommen.

Die Berliner rumänische Gesandtschaft teilt u. a. mit: Nach den bei der Pressestelle der Berliner rumänischen Ge­sandtschaft eingetroffenen Meldungen sind die Alarmnach­richten über Verhaftungen und Unruhen im Lande durch­aus unbegründet. Die öffentliche Meinung hat sich be­ruhigt.

200 Bauern verhaftet.

Ministerpräsident Bratianu, der während der letzten drei Tage uneingeschränkter Diktator war, hat die Aktion der Carlisten, die zum Ziele hatte, in Bessarabien, in der Dobrudscha und in Siebenbürgen einen Aufstand zu organisieren, vorläufig unterdrückt.

In Kifchinew und Umgebung kam es zu Zusammen­stößen zwischen Militär und den Bauern, die davon be-

nai

ichrichtigt waren, daß Prinz Carol nach Rumänien rückgekehrt und zum König proklamiert worden sei.

zu

Das Militär von Kischinew wurde rechtzeitig von diesen Manifestationen verständigt und konnte den Aufstand noch unterdrücken. Es wurden 200 Bauern in Hast ge­nommen.

Wie ein Budapester Mittagsblatt aus Maria-There- siopel meldet, haben drei Flugzeuge mit rumänischen Abzeichen die Stadt überflogen und etwa fünf Kilometer von der Stadt entfernt eine Landung vorgenommen. Nach kurzer Zeit setzten die Flugzeuge ihren Flug in westlicher Richtung fort. In der Stadt glaubt man, daß es sich um rumänische oppositionelle Politiker handelt, die aus Ru­mänien geflüchtet sind

die Zahl der Toten gehen die Meldungen noch immer auseinander. Nach einem Bericht der Berliner Generalagentur der italie­nischen Gesellschaft, der das untergegangene Schiff ge­hörte, sollen sämtliche Passagiere gerettet worden sein, während 20 Mann der Besatzung in den Wellen den Tod gefunden haben. Nach anderen Meldungen soll sich die Zahl der Ertrunkenen auf etwa 356 belaufen, da die drei Dampfer, die an der Unglücksstelle als erste erschienen, nicht alle Passagiere hätten aufnehmen können. Die Un­gewißheit, die über dem Schicksal derMafalda"-Neisen- den noch schwebt, wird hoffentlich bald behoben werden können. Festzustehen scheint, daß der Kapitän der Mafalda" bei der Katastrophe ums Leben gekommen ist. Besonders tragisch ist auch der Tod des Telegraphisten derMafalda". In seinem letzten drahtlosen Telegramm gab dieser an die Außenwelt bekannt, daß er in der Radiokabine eingeschlossen sei und nicht wisse, was um ihn vorgehe. Er habe den Befehl erhalten, dauernd um Hilfe zu rufen.

Ein italienischer Dampfer gestrandet.

Der italienische DampferJsaldo" ist bei den Scilly- Jnseln aus einen Felsen gelaufen. Siebzehn Mann der Besatzung wurden durch ein Rettungsboot geborgen. Man versucht, den elf Mann zu Hilfe zu kommen, die noch an Bord geblieben sind.

öie Verwaltungsstelle für Ostpreußen

Vorbereitungen.

Das Reichskabinett befaßte sich in diesen Tagen auch mit den Wünschen Ostpreußens, die sich auf eine einheitliche Behandlung des Geschäftsverkehrs der dortigen Wirt­schaftskreise mit der Reichsregierung beziehen. An den Besprechungen nahm der preußische Minister des Innern teil. Es herrschte Übereinstimmung darüber, daß, den Wünschen entsprechend, im engsten Einvernehmen mit der preußischen Staatsregierung die bestehende Verwaltungs­stelle im Reichsministerium des Innern aus gebaut wird, die mit den zuständigen übrigen Reichsministerien, den in Frage kommenden preußischen Ressorts und Vertretern Ostpreußens zusammenarbeiten soll. Die Bestimmung von Einzelheiten, die in einfachster Form gestaltet werden sollen, blieb weiteren Besprechungen Vorbehalten.

Chamberlain gegen ein Ost-Locarno.

Die Abrüstungsfrage.

Der britische Minister des Äußern, Sir Austen Chamberlain, verteidigte in einer Rede zu London den von der britischen Regierung auf der letzten Genfer Kon­ferenz eingenommenen Standpunkt und kritisierte die kürzlich gehaltenen Reden Lloyd Georges.

Chamberlain berief sich auf die praktische Locarno- Politik und hielt Lloyd George vor, daß er sich seinen Ruf nicht etwa durch die Organisation des Friedens ge­schaffen habe, da man seinen Namen vom Versailler Ver­trag nicht trennen könne. Er, Chamberlain, werde nach Möglichkeit helfen, jeden Versuch des Wohlwollens zu fördern, um das Gefühl der Sicherheit in Europa und in der Welt zu verstärken. Der Minister fuhr fort: Aber es gibt Grenzen für das, was eine einzelne Macht tun kann. Wir werden gebeten, die Garantie auf alle Grenzen auszudehnen, die wir für die Westgrenzen in Europa gegeben haben, für Grenzen also, die uns näher sind und an denen wir wollen ganz offen sein wir ein Interesse haben, auch wenn es nur ein indirektes und untergeordnetes Interesse ist.

Gemeint sind hier die Grenzen im Osten, also die deutsch-polnischen, und Chamberlain spricht sich also deutlich gegen den in letzter Zeit so oft genannten Plan einesOst-Locarno", d. h. die dauernde Festlegung des jetzigen Zustandes aus.

Über die Abrüstungsfrage sagte Chamberlain: Wir können und wir müssen nach Maß unserer Fähigkeit dazu beitragen, jeden Angriff zu verhindern oder zum Scheitern zu bringen. Aber dieses Land oder irgendein Land ersuchen, seine gesamten Hilfsquellen, das Leben aller seiner Söhne, jedes Interesse, das es an sozialer Stabilität und Wohlfahrt hat, seinen Bestand selbst zur Verfügung irgendeiner auswärtigen Körperschaft, die bei jedem Streitfall eingreifen soll, zu stellen das ist ein Vorschlag, den, wenn ihn irgendein Land übernimmt, kein Land erfüllen würde.

Deuischnaiionate und Zenirum.

Bericht des Abgeordneten v. Guörard.

Kürzlich fanden Besprechungen zwischen den Führern der beiden in der Reichsregierung sitzenden Parteien statt, die im wesentlichen an die Auseinandersetzungen an- knüpften, die in der letzten Zeit entstanden sind über die seinerzeit bei Abschluß der Koalition veröffentlichten Richtlinien.

Der Zentrumsführer Reichstagsabgeordneter v. Guö- rard berichtet jetzt über die gemeinsamen Beratungen das folgende:

Die mehrstündige Aussprache ergab, daß die deutsch­nationalen Führer bezüglich der Achtung vor den Sym­bolen der Republik die Berücksichtigung der Wünsche des Zentrums zusagten, was vom Grafen Westarp durch ein späteres Schreiben noch bestätigt wurde. Bezüglich des Begriffesmonarchistische Propaganda" wurde eine Übereinstimmung nicht erzielt. Abg. v. Guörard stellte aber in seinem Schlußwort nochmals die unzwei­deutige Auffassung des Zentrums in dieser Frage fest. Die Fraktion nahm von diesen Mitteilungen ohne Erör­terung Kenntnis.

Sindenburg auf der Werkstoffschau.

Empfang und Besichtigung.

Der Reichspräsident traf in Begleitung des Staats­sekretärs Dr. Meißner vor der neuen Ausstellungshalle in Berlin ein, wo die Werkstoffschau untergebracht ist. Hindenburg wurde begrüßt von Reichswirtschafts- minister Dr. C u r t i u s und Bürgermeister S ch o l z, die den Präsidenten in die Ausstellung begleiteten. In der Silberhalle der Werkstoffschau wickelte sich ein kurzer Empfang ab. Es wurden zunächst die vier Geschäfts­führer der Werkstofftagung vorgestellt; dann folgten die Vorsitzenden bzw. Vorstandsmitglieder der an der Werk­stoffschau beteiligten Organisationen: vom Verein Deutscher Ingenieure Dr. Wendt und Direktor Knoop, vom Verein Deutscher Eisenhüttenleute Generaldirektor Dr. Springorum, Professor Dr.-Jng. Görens sowie Dr. Esser, von der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde Geh. Kommerzienrat Dr. Wieland und Generaldirektor Dr.- Jng. von der Pforten, vom Zentralverband der deutschen elektrotechnischen Industrie Generaldirektor Dr.-Jng. Köttgen, Kommerzienrat Dr.-Jng. P. Mamroth sowie Generaldirektor Dr. Franke. Nach eingehender Besichti­gung verließ der Reichspräsident die Werkstoffschau, nach­dem er seine uneingeschränkte Befriedigung ausgesprochen hatte.

Empfang derRano" beim Reichspräsidenten.

Der Reichspräsident empfing Freitag den Verwal­tungsrat und den VorstandcherRano" (Reichsorganisation für persönliche Berufsvermittlung e. V.), deren Protek­torat er kürzlich übernommen hat. Erschienen waren Reichskanzer a. D. Dr. C u n o, Generaldirektor Dr. Büren, Rittergutsbesitzer v. Arnim-Mellenau, Direktor Romberg und Major a. D. Mielke. Sie erstatteten dem Reichspräsidenten Bericht über die Tätigkeit, die bisherigen Erfolge derRano" auf dem von ihr gewählten Aufgaben­gebiet der Berufsvermittlung für ausgeschiedene Ange­hörige der alten und der neuen Wehrmacht sowie der Schutzpolizei. "