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Hersftl-er Tageblatt tzersfel-er Kreisblatt Amtlicher /inzeiger für den Kreis ßersfel-

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mit den Beilagen: Seimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Derb und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 249 Montag, den 24. Oktober 1927 77. Jahrgang

Schiedsspruch im Bergarbeiterstreik verbmdüch

Anerkennung durch den Arbeitsminister Dr. Brauns.

Roßt« Arbeitsaufnahme

im VraunWenrevier.

Nach längerer Beratung wurde Sonnabend 16.20 Uhr von der Funktionärversammlung der Braunkohlenarbeiter in Halle der Schiedsspruch des Reichsarbeitsministers mit mehr als Zweidrittelmehrheit angenommen. Die Ver­sammlung erwartete die Verbindlichkeitserklärung durch den Reichsarbeitsminister und blieb noch eine Stunde zu­sammen. Erfolge die Verbindlichkeitserklärung bis dahin nicht, so sollte der Streik weitergehen. Die Versammlung wurde von dem Abg. Husemann (Mitglied des Reichs­tages) geleitet. Nachdem die Verbindlichkeitserklärung be­kanntgeworden war, beschloß die Versammlung ein­stimmig die Aufnahme der Arbeit am Montag.

Der Arbeitgeberverband für den Braunkohlenbergbau hatte den vom Schlichter, Professor Dr. Brahn, gefällten Schiedsspruch abgelehnt. Die Arbeitgeber stehen noch immer aus dem Standpunkt, daß eine Erhöhung der Bergarbeiterlöhne, wie sie im Schiedsspruch vorgesehen ist, für sie nur dann tragbar ist, wenn auch eine Er­höhung der Kohlenpreise erfolgt. Diese Erhöhung wird aber von dem Reichswirtschaftsminister nach wie vor ab- aelebnt.

Der Reparationsagent meldet sich.

Mitten in die an und für sich schon recht verwickelte Lage ist nun auch noch das SchreibendesRepara- tionsagenten hineingeplatzt, das die Sensa- . l^^ftm RMslüg bedeutete EiMSl UU-- einem .eia- äußeren Grunde: die Kunde davon kam nicht aus dem Reichsfinanzministerium, an das jenes Schreiben gerichtet war, sondern sie kam aus Newyork, woraus die zum min­desten ungewöhnliche Erscheinung zweifellos hervorgeht, daß der Reparationsagent der dortigen Presse eine ent­sprechende Mitteilung gemacht hat, während das Reichs- finanzministerium eine korrektere Haltung zeigte; eine viel­leicht allzu korrekte insofern, als behauptet wird, daß nicht einmal die anderen Kabinettsmitglieder über den Inhalt des Schreibens unterrichtet waren, geschweige denn die größere Öffentlichkeit. Das öffnete den wildesten Gerüchten Tür und Tor und mußte der Regierung Schwierigkeiten bereiten, dem Reichsfinanzminister nicht unberechttgte Vorwürfe eintragen.

Andererseits liegt die Sensatton in der Tatsache, daß praktisch ein Eingreifen des Reparationsagenten in die deutsche Finanzgebarung auch dann erfolgt, wenn wirklich nur Fragen über die zukünftigen finanziellen Rückwirkun­gen des Schulgesetzentwurfes, der Beamtenbesoldungs­reform, des Liquidationsschädengesetzes usw. gestellt worden sind. Denn angesichts der ganzen Stellung, die der Dawes-Plan dem Reparationsagenten eingeräumt hat, sind solcheFragen" durchaus als Mahnungen, wenn nicht als Befehle zu betrachten auch ohne Rücksicht auf ihre formelle Berechtigung. Ein Eingreifen darf aber wenigstens formell und dem Wortlaut des Dawes- Verttages entsprechend erst dann erfolgen, wenn die deutschen Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt werden oder in Gefahr geraten, nicht völlig erfüllt werden zu können. Dafür liegt aber vorläufig um so weniger die geringste Veranlassung vor, als erst vor kurzem, nach Ab­lauf des dritten Reparationsjahres, Parker Gilbert aus­drücklich festgestellt hat, daß die Dawes-Verpflichtungen deutscherseits prompt geleistet würden.. Die Zahlungen der Reichsbahn, die Zahlungen auf Grund des Jndustrie- obligationengesetzes, aus der Verkehrssteuersie alle sind durch Einnahmen garantiert, die überhaupt mit den Reichssteuereinkünften, also mit dem Reichshaushalt erst dann etwas zu tun haben, wenn sie nicht mehr prompt für Deckung dieser Sonderverpflichtungen sorgen. Erst dann nämlich tritt die Zusatzgarantie der allgemeinen Reichs­einkünfte in Kraft. Dies gilt aber ebenso für die sogenanntenZahlungen aus dem Reichshaushalt". Hierfür sind nämlich dem Reparationsagenten die Einkünfte aus der Tabak-, der Bier-, der Brannt­wein- und der Zuckersteuer derart verpfändet, daß die Steuereinnahme» zunächst einmal restlos in die Kassen der Reparationskommission strömen, dort die Verpflich­tungen abgedeckt werden und erst der überschießende Rest wieder der deutschen Finanzverwaltung zurückgegeben wird. Im dritten Reparationsjahr sind aber an Ein­künften aus diesen Steuern derart hohe Summen ein­gegangen, daß die Forderungen des Reparationsagenten aus den entsprechenden Bestimmungen des Dawes-Ver- trages um weit mehr als 100 Prozent, nämlich um über 2 Milliarden, überdeckt wurden. Zum tatsächlichen Eingreifen fehlt also jeder Anlaß; zu einem Schreiben mit der tatsächlich erfolgten oder angedeuteten Erklärung Parker Gilberts, die Reparationsverpflichtun­gen liefen künftig Gefahr, nicht erfüllt werden zu können, wenn die obenerwähnten Gesetze in Kraft traten, fehlt jede Berechtigung. ,

Aber der Reparationsagent hat in seinen bisher er-

In Halle hatten sich die Organisationsleitungen der Gewerkschaften zu einer internen Beratung zusammen­gefunden, um zu dem Schiedsspruch Stellung zu nehmen. Es wurde festgestellt, daß die Lohnerhöhung, die infolge des Schiedsspruchs eintritt, zwar hinter der Forderung der Gewerkschaften erheblich zurückbleibt, aber immerhin insgesamt 11% Prozent auf die bestehenden Löhne beträgt. Aus diesem Grunde wurde beschlossen, der Delegierten­konferenz die Annahme des Schiedsspruchs zu empfehlen.

*

Der Inhalt des Schiedsspruchs.

Lohnerhöhungen für die Arbeitnehmer.

Zur Beilegung des Arbeitskampfes im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau hat, wie amtlich mitgeteilt wird, die Schlichterkammer nach zweitägigen Verhandlungen einen Schiedsspruch gefällt, durch den der tarifliche Durchschnitts­lohn der Gesamtbelegschaft im Kernrevier I vom Tage der Wiederaufnahme der Arbeit ab von 5,20 Mark auf 5,80 Mark erhöht wird. Die Lohnerhöhungen in den übrigen Kernrevieren erfolgen im gleichen Verhältnis. Die Lohn­regelung kann erstmalig zum 31. August 1928 gekündigt werden. Die Parteien hatten sich bis zum Sonnabend­nachmittag 4 Ubr über die Annahme des Schiedsspruches zu erklären.

schienenen drei Berichten - überhaupt gerade nach außen hin eine überaus weitgehende Kritik an der deutschen Verfassung und Verwaltung, dem deutschen Kredit- lind Wirtschaftswesen geübt; eine Kritik, die gewiß in manchen Dingen objektiv richtig und anerkennenswert war, be­sonders da die Berichte bewiesen, daß er sich mit all diesen nachträglich erfolgte, unterscheidet sie wesentlich von dem, was jetzt geschah, gleichgültig, ob es nur eineFrage", eine Mahnung oder dergleichen gewesen ist: es ist ein Eingreifen in das staatlich-politische Leben Deutschlands. In Deutsch-Österreich ist es rechtens gewesen; aber der Dawes-Plan stellt ausdrücklich fest, daß die deutschen Hoheitsrechte unangetastet bleiben. Zu ihrer Verteidigung aber wird sich eine geschlossene Front jenseits allen Parteigeistes finden.

parker Güberis Eingreifen.

Besprechungen mit Dr. Köhler.

Die Denkschrift des Reparationsagenten Parker Gilbert hat doch Wohl größere Bedeutung gehabt, als sie die ersten abschwächenden offiziellen Darstellungen wahr haben wollten.

Sonnabend fand die angekündigte Besprechung des Reichsfinanzministers Dr. Köhler mit dem Reparations- agenten Parker Gilbert im Reichsfinanzministerium statt. Die Verhandlungen dauerten bis nach 8 Uhr abends, führten indessen noch nicht zu einem befriedigenden Er­gebnis. Sie werden deshalb anfangs der Woche fort­gesetzt werden.

Amtlich wird dazu gesagt: Zu den verschiedenen Pressemeldungen über einen angeblichen Schritt des Ge­neralagenten für Reparationszahlungen aus Anlaß der zurzeit dem Reichstag unterbreiteten Gesetzesvorlagen er­fährt man, daß im Zuge der zwischen dem Reichsminister der Finanzen und dem Generalagenten für Reparations- zahlungen seit längerem gepflogenen Erörterungen über die Finanz-, Kredit- und Wirtschaftslage in Deutschland in ihren Auswirkungen auf den Dawes-Plan der Generalagent dem Reichsfinanzminister eine Darlegung seiner Auffassung über das öffentliche Finanzwesen und über die Kreditpolitik in Deutschland übersandt hat. Diese Darlegung liegt den weiteren Be­sprechungen zwischen dem Reichsfinanzminister und dem Generalagenten zugrunde.

Wunder deutscher Technik.

Eine Werkstoffschau in Berlin.

In dem prächtig geschmückten Festsaal der Reuen Autohalle am Kaiserdamm zu Berlin wurde die Werk­stoffschau feierlich eröffnet. Die Schau bringt die zweck­mäßige Auswahl und Verwendung der Grundstoffe aller Fabrikate. Hier wird also gezeigt, wie heutzutage Stahl­waren, Nichteisenmetalle und elekttische Isolierstoffe aus- sehen und wie sie wirken. Es kommt zum Ausdruck, daß Chemiker und Ingenieure an dem Aufbau der deutschen Industrie ebenso wie an der Werkstoffschau in gleichem Maße beteiligt sind. Diese Ausstellung zeigt ferner, welche Bedeutung neben der Arbeit des Menschen das Wirken des toten durch den Menschen aber nicht mehr toten Stoffes heute gewonnen hat. 200 belehrende Vorträge werden diese imposante Schau wertvoll ergänzen. Be­achtenswert war die einleitende Rede des

Wirtschaftsministers Dr. Curtius über den Sinn und die Rolle einer solchen Ausstellung für Wissenschaft und Praxis. Er führte aus: Im Gegensatz

über die Wiederaufnahme der Arbeit und die Wiedereinstellung der Arbeiter haben die Parteien vor der Schlichterkammer eine Vereinbarung abgeschlossen. In der B e g r ü n d u n g des Schiedsspruches hat der Schlich­ter ausgeführt, daß die Tariflöhne im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau feit dem 1. November 1926 unver­ändert geblieben seien, während sie in anderen Bergbau­revieren in der Zwischenzeit eine Steigerung erfahren hätten; daß ferner die Tariflöhne anderer Berufsgruppen im mitteldeutschen Bezirk zum Teil nicht unerheblich über den bisherigen Tariflöhnen der Bergarbeiter lägen.

Für eine Neuregelung der Braunkohlenpreise.

Das mitteldeutsche Braunkohlensyndikat und das Ost- elbische Braunkohlensyndikat haben die sofortige Einbe­rufung einer sofortigen Sitzung des Reichs- kohlenverpandes und des Großen Ausschusses des Reichskohlenrates mit der TagesordnungNeuregelung der Preise für den mitteldeutschen Braunkohlenbergbau" beantragt.

Der Zentralverband der Kohlenhändler Deutschlands erklärt in einer Pressebesprechung, daß die Spanne zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis, die im Großhandel besten­falls 1,20 Mark pro Tonne betrage, im Kleinhandel 74 Pf. pro Zentner bei Lieferung frei Keller ausmache, also weit davon entfernt sei, große Gewinne zu ermöglichen.

zu den Messen soll die Werkstofftagung aufklärend und belehrend, nicht absatzwerbend, wirken. Das Messeprinzip mußte einer Ordnung Platz machen, die durch den technisch- Wissenschaftlichen Charakter der Veranstaltung bedingt ist. Geschäftliche Einzelinteressen kommen nicht zur Geltung; der Konkurrenzkampf der Firmen, der Ausstellungen das

Ziele des Fortschritts der Gesamtwirtschaft zuliebe.

Betrachtet man die vorliegende Unternehmung in Richtung aus ihre praktischen Auswirkungen, so verspreche ich mir von ihr in erster Linie eine

Hebun., der Qualität

aller Erzeugnisse dieser Fachgebiete. Hohe Qualität des Werkstoffs ist für den Fortschritt einer Industrie von aus­schlaggebender Bedeutung. Steigerung der Qualität der Werkstosfe schließt Steigerung der industriellen Gesamt­leistung in sich, zumal die modernen Arbeitsverfahren höchste Anforderung an die Güte der Werkstoffe stellen. Planmäßige Veredelungst-'chnik auf dem Gebiete der Stoffwirtschaft wird von nun an eine der Hauptaufgaben unseres wirtschaftlichen Wiederaufstiegs sein. Die Werk­stoffschau wird aber auch die im Interesse aller im Arbeitsprozeß Beschäftigten mit Recht erhobenen Forde­rungen nach größtmöglicher Sicherheit erfüllen helfen. Die Sicherheitsfrage hat der neueren Werkstoffprüftechnik große neue Aufgaben auferlegt. Hier wird gezeigt, wie diese Aufgaben von Wissenschaft und Technik an den Werk­stoffen gelöst werden.

Die Teilnehmer an der Werkstofftagung wurden abends durch die Stadt im Rathause bei einem festlichen Empfang begrüßt.

preußeniag der Semokratischen Pattei.

Für Gemeinschaftsschule.

Im Sitzungssaal des Preußischen Landtags zu Berlin wickelte sich der Preußentag der Deutschen Demokratischen Partei ab. An den Verhandlungen nahmen rund 760 offizielle Delegierte teil. Der Vorsitzende, Justizrat F a l k- Köln hob in seiner Begrüßungsansprache die Aufgaben Preußens hervor, auf dem Wege zu einem einigen Deutsch­land voranzugehen. Darauf begrüßte Reichsminister a. D. Koch die Erschienenen und bekannte sich zum deutschen Einheitsstaat. Darauf legte Justizrat Falk- Köln in einem Referat die demokratische Politik in Preußen fett dem letzten Jahre dar. , ,

Nach der Aussprache wurde erne Entschlreßung angenommen, in der die Partei bekundet, daß sie un­bedingt eintritt für die volksverbindende, in der Verfas­sung als Regelschule gesicherte G e m e insch a fts - schul e. Zur Verwirklichung dieses Ideals kann und soll sich die deutsche gemeinsame Schule an die Schulform an­schließen, die in fast allen höheren Schulen und in den Volksschulen der deutschen Simultanländer besteht.

ReMdflug pans-Vtttm ohne Zwifchen- landnng.

In elf Stunden.

Der französische Flieger Final flog Sonnabend in Begleitung seiner Frau um 6.34 Uhr an Bord eines -?8-Leichtflugzeuges in Paris ab, um ohne Zwischen­landung nach Berlin zu fliegen und gleichzeitig den Re­kord im Weitstreckenflug für Leichtflugzeuge dieser Kate­gorie zu brechen. Er führte 170 Liter Benzin mit, die etwa für einen zehnstündigen Flug ausreichen. Gegen %18 Uhr abends landete Final im Berliner Flughafen und stellte damit einen neuen Weltrekord für Kleinflug­zeuge auf.