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Hersfelöer Tageblatt

hhm««h«h«»hh««h«h»«hh<hh< : »<»»«»« Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, öie Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Zür die Schristleitung verant- wortlich: Kranz Kunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr. 8

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für ven Kreis Hersfel-

: Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.20 ; Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer :: 0.80 Reichs-Mark Druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDZV.

mit den Beilagen: Seimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / AnLerhallung und Wissen Belehrung und Kurzweil / WirtschastUche Tagesfragen.

Nr. 238

Dienstag, den 11. Oktober 1927

77. Jahrgang

Wolken über dem Balkan.

Sogar von Krieg sprach man und die Wolken, die wieder einmal über der Südostecke Europas aufgezogen waren, erschienen so dunkel und so gefahrdrohend, daß schon in der nächsten Minute der zündende Blitz hernieder- zuzucken schien. Natürlich eilten von allen Seiten d i e europäischenFeuerwehrleute" herbei, um den Brand möglichst im Entstehen zu ersticken. Aber man weiß ja aus eigener Erfahrung, wie wenig dies manchmal nutzt.

Aber gerade diese europäischen Großmächte sind es ja gewesen, die den Zündstoff auf dem Balkan immer höher gehäuft haben. Man hat es ja Bulgarien bitter entgelten lassen, daß es im Weltkrieg den Lockungen der Entente nicht erlag, sondern auf die Seite der Mittelmächte getreten ist. DerVertrag" von Neuilly, den man sogar erst sechs Monate nach dem Versailler Vertrag zustande gebracht hatte, erfüllte die Haßwünsche der Nachbarn, die ja alle mit bulgarischer Hilfe den Waffen der Mittelmächte erlegen waren. Eingeschnürt von Rumänien, Jugoslawien und Griechenland fehlt diesem Staat die Luft zum Atem­holen. Sein Heer wurde auf 20 000 Mann herabgemin­dert und damit nicht einmal fähig, die langen Grenzen zu schützen. Genau wie Deutschland hatte man auch diesem Staate schwersteReparationen" auferlegt und mit er­barmungsloser Härte eingetrieben. Die immer höher steigende wirtschaftliche Not gab bald einen ausgezeichneten Boden für kommunistische Umtriebe ab und mit knapper Not, nur durch die rücksichtslose Energie der Regierung entging Bulgarien der freilich noch immer nicht ganz überwundenen Gefahr der Bolschewi - s i e r u n g. Attentat folgte auf Attentat/ bis endlich fest durchgegriffen wurde und wenigstens einigermaßen Ruhe in dem unglücklichen Lande eintrat. Was aber nicht zur Ruhe kam, waren die Auseinandersetzungen mit den nächsten Nachbarn. Die ja seit Jahrzehnten wohlbekannte m azedonische Frage" war durch den Friedens­schluß von Neuilly brennender denn je geworden, weil die für kurze Zeit von der türkischen Herrschaft befreiten Maze­donier türkischen Stammes unter das mindestens ebenso schwere jugoslawische Joch kamen. Dorr unten in der Süd­ostecke Europas lodert ja die wilde Feindschaft zwischen all den verschiedenen Völkergruppen und Stämmen in un- geschwächtem Feuer und eine lange Kette von Mord und Brand, Raub und Plünderung kennzeichnet den Weg, den diese Feuersbrunst durch die Geschichte der letzten fünf Jahrzehnte genommen hat. Immer noch besteht ja das Mazedonische Komitee", das schon so oft die Veranlassung zu schweren Krisen abgegeben und herbeigeführt hat. Jugo­slawien behauptet, daß diese Organisation, die zwar ganz im verborgenen arbeitet, aber geradezu glänzend ,auf­gezogen ist, heimlich die Unterstützung der bulgarischen Regierung genieße, und will daher das Kabinett in Sofia verantwortlich machen; der Bruch schien unvermeidlich und die Gewehre gehen dort unten sehr leicht los. Daß man in solchen Fällen mit Bulgarien sehr kurzen Prozeß macht, beweist ja jener bulgarisch-griechische Zwischenfall, bei dem aus ähnlichem Anlaß wie dem jetzt vorliegenden griechi­sches Militär einfach in Bulgarien einrückte. Damals ge­lang es den Großmächten noch in letzter Minute, den Brand zu löschen.

Bulgarien wird natürlich, der Not gehorchend, mcht dem eigenen Triebe denn die Mazedonier sind ja größtenteils bulgarischen Blutes den jugoslawischen Förderungen nachkommen; aber bezeichnend ist es doch, daß vor der englischen Gesandtschaft in Sofia ein g e w a l t i - gerHuldigungszug stattfinden durfte, der von dem Mazedonischen Komitee angeregt war und an dem zahl­reiche bulgarische Offiziere in Uniform teilnahmen. Man dämpft -ie Flammen, aber man vermag sie nicht ganz zu ersticken. Heimliches Feuer brennt ja auch zwischen Jugo­slawien und Albanien; doch hinter diesem kleinen Reiche steht die Großmacht Italien. Einst kümmerte sich der ge­ruhige Bürger wenig darum,wenn hinten weit in der Türkei die Völker aufeinanderschlugen". Aber es ist anders geworden, seit das Attentat von Serajewo den Weltbrand entzündete. .

Die Attentäter ermittelt.

Verhängung des Belagerungszustandes.

Die drei Urheber des Attentats gegen den General Kowatschewitsch sind in einer Grotte des Maleschgebirges in der Nähe der Straße, die von Radowitsch nach der bul­garischen Grenze führt, durch die Bezirksmiliz entdeckt und angegriffen worden. Nach einem Feuerkamps, der die ganze Nacht andauerte, fanden die Angreifer im Innern der Grotte zwei Leichname. Der dritte Attentäter wurde gefangengenommen und nach Schtip gebracht.

Wie derPolitika" aus Sofia gemeldet wird, erklärte der bulgarische Minister des Auswärtigen, Buroff, im Anschluß an den Schritt des jugoslawischen Gesandten, die bulgarische Regierung beabsichtige, in den Bezirken von Petritsch und Küstendil den Belagerungszustand zu ver­hängen. ___________

Gemeindewahlen in Hamburg und in Königsberg.

Bürgerschaft und Stadtverordnete.

Sowohl in Hamburg wie in Königsberg wurden am Sonntag die Erneuerungswahlen für die städtischen Par­lamente vorgeHommen. In Hamburg war dieBetei-

Die Stärkung des RWgedMens

Stresemann über Volksgememschast.

Jugendtag in Porta.

Der dritte Reichsjugendlag der Deutschen Volkspartei wickelte sich an der Porta Westfalika bei Minden ab. Nach einer Sitzung des Ausschusses fand am Kaiser-Wilhelm- Denkmal an der Porta Westfalika ein Gottesdienst und hieran anschließend in Anwesenheit des Parteiführers, Reichsministers des Auswärtigen Dr. Stresemann, eine Kundgebung statt, die von etwa 1500 Jugendlichen der Deutschen Volkspartei aus allen Gauen Deutschlands be­sucht war.

Ansprache des Neichsaußenministers.

Die Jugend der Deutschen Volkspartei, führte der Minister aus, muß sich zu dem Gedanken der Volks­gemeinschaft bekennen, der das Nationale als selbst­verständlich ansieht und deshalb die Vertiefung des Gegensatzes zwischen den sich national nennenden Parteien und anderen Anschauungen zurückweist gegenüber dem Gedanken der Anerkennung jeder staatsbürgerlichen Arbeit, die sich bemüht, Volk und Staat vorwärtszu- bringen. Nicht in dem Gegensatz zwischen dem alten und dem neuen Deutschland, sondern in der Vereinigung zwischen beiden liegt die Voraussetzung für deutsches Vor­wärtskommen. Aus Zusammenbruch und Nachkriegszeit heben sich zwei erfreuliche Gedanken empor: die Stärkung des Reichsgedankens, das Bestreben, im Reiche aufzu- gehen, und der starke Zusammenhang der Kulturgemein­schaft mit dem Auslandsdentschtum.

Namentlich die Jugend muß sich zu dem ethischen Recht der Gleichberechtigung jedes Vorwärtsstrebenden bekennen und jeden Gedanken an Bildungshochmut und Aufkommen neuer Klassengegensätze zurückweisen. Erfreu-

Konfessionen immer mehr zurück gegenüber dem deutschen Gedanken. Unser Ideal

ist nicht die Erziehung nach Konfessionen, sondern das

ligung sehr lebhaft, man berechnet, daß mindestens 75 Pro­zent der Berechtigten teilgenommen haben gegen 67 Pro­zent bei der letzten Bürgerschaftswahl im Jahre 1924. Das vorläufige Ergebnis bringt ziemliche Verschiebungen in der Mandatsverteilung. Es wurden abgegeben insgesamt 647 402 Stimmen (1924: 527 461 Stimmen). Davon ent­fielen auf die Kommunisten 110115 (78 522), Demokraten 65149 (70 622), Sozialdemokraten 244 087 (173 358), Deutsche Volkspartei 72 239 (74 834), Zentrum 9767 (8503), Deutschnationale 98 547 (90 626), Nationalsozialisten 9737 (13 495), Wirtschaftspartei 27 055, Volksrechtspartei (Aus­wertung) 7706. Erheblichen Zuwachs haben Sozialdemo­kraten und Komunisten, geringeren die Deutschnationale Volkspartei zu verzeichnen, während die anderen wesent­lichen Parteien verloren. Die Sozialdemokraten werden vermutlich acht Mandate mehr gegen früher erhalten, die Deutschnationale Volkspartei wird trotz der gewachsenen Stimmenzahl infolge der jetzt zum ersten Male in An­wendung gelangenden Bewertung durch neue Schlüssel­zahl vier Mandate verlieren, die Kommunisten gewinnen drei, die Demokraten verlieren fünf Mandate. Die regie­rende Koalition aus Deutscher Volkspartei, Demokraten und Sozialdemokraten behält trotz Gesamtverlust von zwei Mandaten die Mehrheit in der Bürgerschaft.

In Königsberg wurden bei den Stadtverord­netenwahlen abgegeben für die Aufwertungspartei 1742 (letzte Wahl 0), Deutsche Volkspartei 26 555 (23 892), Mieterliste 1885 (24 585), Deutsche Demokratische Partei 4386 (5856), Evangelischer Gemeinschaftsbund 6208 (6255), Kommunistische Partei 25 958 (23 768), Zentrum 3810 (3673), Sozialdemokratische Partei 25 899 (13 336), Deutschnationale Partei 11725 (16 919), Deutscher Rent­nerbund 1113 (0), Völkisch-sozialer Freiheitsblock 2442 (15 042), Reichspartei des Deutschen Mittelstandes 3332 (0), Volksrechtspartei 701 (0). Von 196 307 Wahlberech­tigten haben 115 757 Wähler ihre Stimme abgegeben. Die Wahlbeteiligung betrug demnach 58,8 Prozent.

Nach dem Ergebnis ist die Mandatsverteilung tnt neuen Königsberger Stadtparlament voraussichtlich fol­gende: Auswertungspartei 1 (letzte Wahl 0), Deutsche Volkspartei 15 (12), Mieterliste 1 (6), Deutsche Demokra­tische Partei 2 (3), Evangelischer Gemeinschaftsbund 3 (3), Kommunistische Partei 15 (14), Zentrum 2 (1), Sozial­demokratische Partei 15 (9), Deutschnationale Volkspartei 7 (8), Deutscher Rentnerbund 0 (0), Völkisch-sozialer Frei- Heitsblock 1 (7), Rechtspartei des Deutschen Mittelstandes 2 (0), Volksrechtspartei 0 (0).

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Eine Mitteilung ves französischen Oberkommandierenden.

Den Berliner Amtsstellen ist vorn Reichskommissar für die besetzten Gebiete eine Mitteilung des französischen Oberkommandierenden über die Besatzungsverminderung überreicht worden, die zunächst 4000 Mann betragen soll, denen weitere 6000 folgen sollen. Die Reichsregierung vertritt den Standpunkt, daß in dieser Mitteilung noch nicht die in Genf fest zugesicherte offizielle und endgültig: Mitteilung über die Besaüungsverminderung zu er­blicken sei.

In Genf ist seinerzeit durch die Regierungen der Be­

Miteinanderleben und das Miteinanderaufwachsen aller deutschen Menschen, unbeschadet der durch Tradition und Geschichte herbeigeführten Glaubenstrennung. Unsere deutsche Jugenderziehung ist nur möglich auf vater­ländischer Grundlage, darf aber nicht aufgehen in Ab­trennung gegen andere und in Chauvinismus, sondern muß einmünden in die große Völkerentwicklung.

Wir erstreben Frieden und Verständigung unter den Völkern, verlangen aber die praktische Durchführung unserer Gleichberechtigung unter den großen Völkern der Gegenwart.

Wir bekennen uns bewußt zur Arbeit am Staat und im Staat, unbeschadet der Verbesserungsbedürftigkeit seiner Einrichtungen und unbeschadet unserer Stellung zu den Symbolen der Vergangenheit, deren Aufgeben wir beklagen und deren Juehrenhalten wir uns von nie­mandem verbieten lassen werden.

Nach der Rede des Reichsaußenministers wurde von der Versammlung stehend das Deutschlandlied gesungen. Hiernach sprachen je ein Vertreter der Sudetendeutschen, der Deutsch-Österreicher und der Saardeutschen.

Kundgebungen.

An den Reichspräsidenten v. Hindenburg wurde ein Huldigungstelegramm gesandt, das folgenden Wortlaut hatte:Die Jugend der Deutschen Volkspartei sendet an ihrem dritten Reichsjugendtag an der Porta Westfalika dem Präsidenten des Deutschen Reiches ihren ehrerbietig­sten Huldigungsgruß mit dem Gelöbnis, seinem hohen Vorbild unbeirrter Vaterlandsliebe und Pflichttreue mit allen Kräften nachzneifern."

Ferner sandte der Jugendtag ein Begrützungstele- gramm an Geheimrat Professor Dr. Kahl, den greisen Senior der Partei. Dem Führer Dr. L u t h e r in Berlin- Charlottenburg wurde von der volksparteilichen Jugend als Dank für siebenjährige Führung und zür Erinnerung an den Tag ein die Porta Westfalika darstellendes großes

satzungsmächte Deutschland zur Kenntnis gebracht worden, daß die Besatzungstruppen um 10 000 Mann reduziert werden sollen, ferner in einer weiteren Mitteilung, daß die Besatzungsmächte die Durchführung dieser Reduktion b i s Ende Oktober in Aussicht genommen haben. Eine weitere Mitteilung der Besatzungsmächte war uns ver­sprochen worden, ist aber bisher noch nicht eingegangen. Die Mitteilungen, die von französischer Seite an den Rheinlandkommissar gelangt sind, sind in Berlin erst jetzt bekanntgeworden. Wieweit die Mitteilungen an den Rheinlandkommissar die Absichten der Regierungen wieder­geben, ist im Augenblick nicht festzustellen.

Franzosen fliegen nach Südamerika.

Ein neuer Atlantikflug in Etappen.

Die beiden französischen Flieger Costes und Lebrix sind Montag vormittag mit dem FlugzeugNungesser- Coli" von Le Bourget bei Paris aus zum Südamerika­flug aufgestiegen. Die erste Zwischenlandung soll in St. Louis in Senegambien (Westafrika) vorgenommen werden, wo die Flieger nach 24 bis 26 Stunden einzu- treffen hoffen. Das Flugzeug führt 2800 Liter Benzin mit sich, außerdem 600 Kilogramm Gepäck, in dem sich zahlreiche Briefe und Zeitungen befinden, sowie zwei Pakete, für den argentinischen Staatsprä­sidenten bestimmt.

Die Strecke ParisBuenos >Aires beträgt 7500 Kilo­meter, die Ozeanüberquerung ist aber von Afrika nach Südamerika nicht so weit wie von Europa nach Nord­amerika. Der Südamerikaflug der beiden französischen Flieger hat bereits zwei Vorgänger. Vor fünf Jahren schon führte der portugiesische Flieger C o u t i n h o er­folgreich einen Flug von Lissabon über Cap Berte nord­westlich von Dakar an der senegambischen Küste, weiter über.Pernambuko bis nach Rio de Janeiro durch.

Bombenexplosion m Fewyork.

Fünf Tote und zwölf Schwerverletzte.

Im italienischen Viertel von Newyork wurde durch eine Explosion einHaus völlig inTrümmerge- l e g t. Fünf Personen, darunter zwei Kinder, fanden da­bei den Tod. Zwölf Personen konnten, teilweise in schwer verletztem Zustand, geborgen werden. Aus der Heftigkeit der Detonatton schloß man, daß es sich um eine Dynamit­explosion handelt, da die Explosion einer geheimen Whisky­destillattonsanlage, an die man zuerst dachte, wohl kaum die Gewalt hat, ein vierstöckiges Haus zum Einsturz zu bringen. Die Polizei, die sich eifrig um die Aufklärung dieses geheimnisvollen Falles bemüht, kam zu der An­nahme, daß verschiedene Räume des zerstörten Hauses zur Herstellung von Bomben benutzt wurden. Unter den Trümmern wurde eine Bombe gefunden, die genau den Bomben gleicht, die man im August zur Zeit der Sacco- Vanzetti-Kundgebungen in der Untergrundbahn entdeckt hat. Auch glaubt man, in einem Manne in mittleren Jahren, der im Keller des zerstörten Hauses mit zer­schmettertem Schädel tot aufgefunden wurde, einen Anarchisten zu erkennen.