Hersfel-erTageblatt
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tzersfelöer Kreisblatt
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Nr. 232
Dienstag, den 4. Oktober 1927
77. Jahrgang
Ausklang der Hindenburgfeier
Der Reichspräsident beim Reichskriegerbund.
DasKyffhäuserfest.
Einen glanzvollen Abschluß der Geburtstagsfeier des Reichspräsidenten bildete der Reichskriegertag, zu dem der Reichskriegerbund „Kyffhäuser" seine Angehörigen aus dem ganzen Reiche in Berlin versammelt hatte. In langen Zügen marschierten die Kriegervereine Montag früh zum Stadion. 60 000 Mitglieder des Kyffhäuser- bundes hatten ihre Teilnahme angemeldet, doch wurde diese Zahl noch überschritten, denn Montag morgen trafen noch zahlreiche Sonderzüge aus dem Reich in Berlin ein, während das Gros der Teilnehmer sich schon am Sonntag eingefunden hatte. Ungezählte füllten die Zuschauerplätze. Ein Wald von Flaggen wehte im Winde. In der Ehrenloge hatten die alte Generalität und die obersten Kommandobehörden der Reichswehr und der Reichsmarine Platz genommen. Man sah Generalfeldmarschall von Mackensen, Generaloberst v. Kluck, General H e y e, Admiral Z enker, General V. Tschischwitz vom Reichswehrgruppenkommando I, den Kommandanten von Berlin, Severin, General Haß vom Wehrkreis III und Vertreter der übrigen Wehrkreise und Truppenkommandos.
Huldigung vor Hindenburg.
Kurz nach 11 Uhr ertönten Hochrufe in der Ferne, die Musik intonierte und unter jubelnden Zurufen fuhren Reichspräsident v. Hindenburg in Marschallsuniform, neben ihm der Präsident des „Kyffhäuserbundes", General v. H o r n. in das Stadion ein. Die Fahrt aina langsam
Die Fahrt zum Otadion
ein Gefühl des Dankes gegenüber dem Manne, der nach einem an Geschehnissen und Täte» überreichen Leben, dessen Einzelheiten dauernd in der Geschichte fortleben werden, nicht gezögert hat, an seinem Lebensabend dem Ruf des deutschen Volkes zu folgen. Immer mehr ist uns Reichs-
Präsident von Hindenburg zum Symbol geworden, zum Symbol des deutschen Wiederaufstiegs, der nur in treuer Pflichterfüllung und harter täglicher Arbeit langsam Schritt für Schritt erkämpft werden kann. In dieser Arbeit geht er uns als Führer voran. Wir können nichts Besseres tun, als in seinem versöhnlichen, sich selbst vergessenden Geiste unsere Arbeit für unser Volk zu
richten.
Gratulanten aus Böhmen.
ver
Reichsprasideni von Hindenburg an das deutsche Volk.
Reichspräsident von Hindenburg läßt folgenden Erlaß bekanntgeben:
Aus dem ganzen Vaterlande, von Angehörigen aller Schichten des deutschen Volkes und von zahlreichen Deutsche« jenseits unserer Grenzen, die sich mit der alten Heimat in diesen Tagen besonders verbunden fühlten, sind mir zu meinem 80. Geburtstage viele tausend Glückwünsche und Zeichen treuer Gesinnung beschert worden.
Meinem Geburtstagswunsche, durch die Schaffung neuer Mittel die große deutsche Schuld abtragen zu helfen, die wir allen Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen gegenüber tragen, ist durch die aus allen Kreisen unseres Volkes und von den Deutschen im Auslande bereitwilligst gegebenen Beträge zur Hindenburg-Spende im Herbst erfreulicherweise Rechnung getragen worden.
Egerländerinnen in ihrer malerischen Tracht begrüßen den Reichspräsidenten bei seiner Fahrt durch die Wilhelmstraße.
Der Reichspräsident dankt sodann in dem Erlaß alle« denen, die am Geburtstag seiner gedacht haben, insbesondere der deutschen Jugend für die eindrucksvolle Huldigung im Stadion zu Berlin. In diesen verschiedenen Kundgebungen sehe er nicht nur die Ehrung feiner Person, sondern das gemeinsame Bekenntnis zum Vaterlande, zur Mitarbeit des deutschen Volkes, das trotz aller Not und Sorge des Tages hier freudigen Ausdruck fand. Weiter heißt es: „Möge ein jeder, der gestern meiner in Worten und Grüßen gedacht hat, an seiner Stelle an diesem Werk der Einigung mitarbeiten und an der Erreichung dieses großen Zieles, in dem unsere Zu-
kunst liegt, mi
an diesem Werk der Einigung mitarbeiten und chung dieses großen Zieles, in dem unsere Zu- nithelfen." _____________
Sas beste SebortslagsgeHenk
Reichspräsident von Hindenburg begrüßt auf seiner Fahrt nach dem Stadion vor dem Brandenburger Tor den General von Horn. Neben ihm im Wagen Reichskanzler Dr. Marx.
die'Front der Kriegervereine rundherum. Gefolgt von Reichswehrminister Dr. Getzler, begab Hindenburg sich dann in die Ehrenloge, wo er die Generalität begrüßte. Dann nahm die Huldigungsfeier ihren Anfang.
Eine Fahnenkompagnie der Reichswehr mit 36 Fahnen und Standarten des alten Heeres marschierte ins Stadion ein. Sämtliche ehemaligen Armeekorps waren durch Fahnen und Standarten vertreten. Im Parademarsch marschierte die Kompagnie an der Ehrenloge vorbei und schwenkte in Front vor Hindenburg ein, präsentierte das Gewehr, und unter den Klängen des Präsentier- marsches senkten sich die alten Fahnen des ehemaligen Heeres vor Hindenburg als Huldigung. Dann erklang, von den Zehntausenden begeistert mitgesungen, das Deutschlandlied.
Unter dem brausenden Jubel der Massen verabschiedete sich Hindenburg von der Generalität, fuhr noch einmal unter dem Beifall der Massen um die Bahn und verließ dann das Stadion. Die weitere Feier bestand aus einer Erinnerungsfeier für die im Weltkriege Gefallenen. Den Schlußakt bildete die Nagelung der Fahnen mit dem anläßlich des Geburtstages des Reichspräsidenten mit seinem Bilde geprägten Hindenburg-Fahnennagel.
*
Das Festmahl beim Reichskanzler.
Bei der Zugendkundgebung
am Sonntag im Berliner Stadion vor Hindenburg dankte der Reichspräsident den Schülern mit folgenden Worten:
„Habt vielen Dank, liebe Kinder, für die schönen Lieder, die ihr mir hier vorgesungen habt und die mich herzlich erfreuten. Ihr habt gesungen von der Freude an der Heimat und der Liebe zum Vaterlands. Laßt diese Worte nicht nur auf euren Lippen sein, behaltet sie auch im Herzen. Haltet fest am Vaterlande und weiht ihm eure beste Kraft. Das wollen wir heute geloben, indem wir zusammen ausrufen: „Deutschland, unser geliebtes Vaterland, hurra, hurra, hurra!"
Begeistert stimmte alles ein. Auf besonderen Wunsch des Reichspräsidenten waren die Kinder, die an der Feier teilgenommen hatten, aus einem besonderen Fonds des Reichspräsidenten, gegen Unfall versichert. Der Abtransport ging ohne jede Störung vor sich. i
Zu Ruhestörungen kam es Sonntag nur an einzelnen Stellen in Berlin Im ganzen wurden 268 Personen wegen Ruhestörung, Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen usw. zwangsgestellt. Die meisten gehörten bet Kommunistischen Partei und deren Hilfsorganisationen an. Fünf Personen gehörten vem Stahlhelm an. Acht Personen werden wegen Verdachts des Landfriedensbruchs dem Richter vorgeführt werden.
Glückwünschs fremder Mgierungen.
Unter der Menge der eingegangenen Depeschen befindet sich auch eine Reihe von Glückwünschen fremder Staatsoberhäupter. So haben gratuliert: Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der Präsident der Republik Österreich, der Reichsverweser von Ungarn, der König von Schweden, der König von Norwegen, der König von Dänemark, der König von Bulgarien, der König von Spanien, der König von S i a m, der Bundespräsident der Schweiz, der Präsident von Lettland, der Prä- sindent von Finnland, der Präsident von D a n z i g, der Präsident von Liberia, der Minister des Äußeren von China und der P a p st.
Zu dem am Sonntag abend vom Reichskanzler Dr. Marx gegebenen Festessen waren sämtliche in Berlin anwesenden Reichsminister, die Regierungschefs und Gesandten der Länder, das preußische Staatsministerium, die Staatssekretäre des Reichs und Preußens sowie die bei den Empfängen beim Reichspräsidenten beteiligten Vertreter der Behörden erschienen. Im Verlaufe des Abends hielt der Reichskanzler eine Ansprache, in der er u. a. ausführte:
Uns alle beseelt nur ein Gefühl der Verehrung und
Von den inländischen Ehrungen seien noch hervorgehoben: Der preußische Innenminister hat der Polizeiunterkunft zu Hannover am WaterlooplaH den Namen „Reichspräsident von Hindenburg" verliehen. In dem Kasernengebäude der Polizeiunterkunft hat Hindenburg als Leutnant 1867 bis 1873 in Garnison gelegen. Die Stadt R a t h e n o w hat beschlossen, die Ringstraße nach den beiden Reichspräsidenten zu benennen. Der Teil bis zur Friedrich-Wangel-Straße erhält den Namen Hindeu- burg-Ring, der andere Teil Friedrich-Ebert-Ring. Ein besonders warm gehaltenes Telegramm ging auch vom Verein Deutscher Zeitungsverleger ein.
Eine französische Zeitung kennzeichnete die Berliner Hindenburg-Feier als „eine Kundgebung vor allem des nationalen Ehrgeize §". Nicht mit Unrecht, wenn als das Ziel dieses Ehrgeizes, als Wiederaufstieg die Befreiung des deutschen Gebietes hingestellt wird! Hatte doch der Reichspräsident gerade,daL..L>Ldeukcu an. unsere Volksgenosse:! in den besetzten Gebieten zum Aus- gangspunkt seiner Rede gemacht, mit der er auf den Glückwunsch des Reichskanzlers antwortete. Sie ist mehr als nur eine Dankesrede, sie ist eine Botschaft, eine MahnungandasdeutscheVolk. Und wenn jetzt die Festesklänge verrauscht sind, so sollten nicht die Gedanken zerrinnen, denen Hindenburg in seiner Rede Ausdruck gab; sie stellen ja einen noch höheren „nationalen Ehrgeiz" dar als die nur rein äußere Befreiung Deutschlands, die Befreiung nämlich des deutschen Volkes vom üblen Geist des Unfriedens und inneren Haders.
Ein Mann wie Hindenburg darf von sich sagen, daß er stets nur seine Pflicht tat, daß die Arbeit seines ganzen Lebens immer dem Vaterlande galt und gelten wird —, das weiß die Welt. Auch er ist in seinem Handeln und Wollen trotzdem auf manchen Widerspruch gestoßen; und er weiß, daß die Gegensätze bestehen und bleiben werden, die sich auf die Verschiedenheit der Ansichten über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Deutschlands gründen. Abex über allem steht doch, vielmehr sollte stehen, die Sorge um das Schicksal des allen Gemeinsamen, des Vaterlandes also. Die abgeklärte Lebensweisheit des greifen Reichspräsidenten vermag mit Recht nicht ein- zusehen, warum denn die Austragung der Gegensätze nun in diesem Rahmen und nur in diesem Rahmen möglich sein sollte, um einen gerechten Ausgleich herzustellen. Hindenburg weist auf die zwar sehr naheliegende, aber leider so wenig Wirklichkeit werdende gegenseitige Achtung vor der Meinung des andern hin. Daß man den politischen Gegner für einen Schurken oder Dummkopf hält, ist ja in Deutschland unumstößlicher „Grundsatz" und erklärt zum großen Teil das Persönliche, häufig recht wenig Sachliche der Auseinandersetzungen zwischen den Parteien. Ein I n - s i ch - g e h e n, ein wenig Selbstzucht wäre wirklich das beste Geburtstagsgeschenk, der beste Nachklang der Hindenburg-Feier, namentlich wenn sie zur Achtung vor dem Suchen nach neuen Wegen und vor der großen Vergangenheit unseres Volkes führen würde. Ob seine Mahnung Erfolg haben wird und sein Wunsch, daß der Geist der Einmütigkeit wachsen möge?
Hindenburg selbst, so betonte der Reichskanzler in seiner Glückwunschrede, ist ja das beste Beispiel dafür, wie die Selbstüberwindung und die Zurückstellung noch so leidenschaftlicher Gegensätze hinter die große gemeinsame Aufgabe des Wiederaufbaus erfolgte. Und daß Hindenburg durch seine selbstlose Hingabe an die Pflicht, an den Dienst für das Vaterland nun zum Träger, zum Fanal dieses Einigungsgedankens wurde und bleiben wird. Marx wies auch auf das ständige Bemühen des Reichspräsidenten hin, alle Kräfte zusammenzufassen im Innern ebenso wie zu einer von der Zustimmung des gesamten Volkes getragenen Außenpolitik, Dienst am Staat und für den Staat ist Pflicht und niemand, der dazu bereit ist, soll zurückgewiesen werden, wenn ihn nicht eigensüchtige Zwecke treiben.
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Gewiß sind wir in Deutschland noch diesem Ziel entfernt, aber nach dieser Rü
weit, weit von
dresem Ziel entfernt, aber nach dieser Richtung wirkt die Persönlichkeit Hindenburgs einfach dadurch, daß er da ist. Sie schärft allmählich das Bewußtsein für den gewaltigen Unterschied zwischen dem häufig so widerlichen, weil so persönlichen Tageskampf und dem nur auf Sachlichkeit und das Einigende eingestellte Wirken dieses Mannes. Und wenn dieses Bewußtsein ebenso wächst wie der Mut, daraus die notwendigen Folgerungen zu ziehen, so wäre das der beste Nachklang zu Hindenburgs Geburtstagsfeier.