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Hersfelöer Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

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wörtlich: Kranz Kunk inHersseld.» Fernsprecher Nr.8 /lmtlicherMnzeiger für öen Kreis Hersfel-

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mit öen Bellagen: AelrnaLsÄollen / Allnstklertes Anlerhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anlerhallung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 227

Mittwoch, den 28. September 1927

77. Jahrgang

Kredit nicht bloß für die Großen!

In letzter Stunde sollen in Amerika der Auflegung einer großen Anleihe Preußens doch noch Schwierigkeiten entstanden sein, weil angeblich das Staatsdepartement in Washington erklärt hat, die Anleihe diene nicht werbenden Zwecken. Mag dem sein wie ihm wolle die Auflegung der Anleihe lenkt aber von neuem das Augenmerk auf die Tatsache, daß aus dem breiten gewaltigen Strom der langfristigen Auslandskredite, der sich nach Deutschland ergossen hat, eigentlich fast nur die Großunternehmungen und die öffentlichen Betriebe jeder Art haben schöpfen können, während die mittleren und kleinen Betriebe, vor allem die des gewerblichen Mittelstandes und die Land­wirtschaft, so gut wie leer aus gingen. Es hat nicht an Versuchen gefehlt, etwa durch Schaffung örtlich oder bezirklich umgrenzterJndustrieschaften" die Voraus­setzung eines Gemeinschaftskredits erstehen zu lassen; aber selbst dort, wo man nun wirklich derartige Kredite er­hielt, bedeuteten sie nur den Tropfen auf den heißen Stein. Man war im Kreise der mittleren und kleinen Betriebe nach wie vor angewiesen auf den viel teureren und gefährlichen kurzfristigen oder Kontokorrent­kredit, der sich ja seinerseits wieder in der Hauptsache nur auf kurzfristige Auslandskredite stützte. Ebenso war ihnen der Weg, durch Aktienemission neues Geld heran- zuschaffen, völlig versperrt.

Fast das gleiche gilt für die Versuche, mittels hypo­thekarischer Beleihung Betriebskapital zu erhalten; auch die Hypothekenbanken und sonstige Einrichtungen, die wohl in der Lage wären, auf diese Art Geld herzugeben,

machen ihre Geschäfte lieber mit den großen oder den öffentlichen Betrieben, wobei die Ausreden billig wie die Brombeeren sind: das Risiko sei nicht so groß, weil bei einem Konjunkturumschwung für ein zusammenbrechen-

Urfterftehm^t ^ WM^^ gefunden werden könne, die Hypothekenbanken selbst dann aber nicht in der Lage seien, das Unternehmen fortzu- führen, dessen Anlagen bei Stilliegen des Betriebes kaum Schrottwert haben. All dies käme aber bei einem Groß­unternehmen nicht in Frage.

Nun ist die augenblicklich günstige Wirtschaftslage nur die Folge des riesigen Kreditzuflusses vom Ausland her und die Stimmen mehren sich, die an eine längere Fortdauer dieser guten Entwicklung nicht glauben. Sie erhalten übrigens auch eine gewisse, Be­rechtigung, wenn man auf die viel zu knappe Betriebs- mitteldecke der kleinen und mittleren Jndustrieunter- etwas anderes bei

nehmungen blickt. Dazu kommt noch diesen: sie sind infolge Mangels an eini

diesen: sie sind infolge Mangels an einem Betriebskapital nicht in der Lage, ihr Betriebe umzustellen, zu moderni­sieren und betriebstechnisch so der schnellen Entwicklung an- zupassen, wie die Großbetriebe es mit Hilfe des Auslands­kapitals haben erfreulicherweise durchführen können. Dadurch aber hat sich der an und für sich schon gewaltige V o r s p r u n g, den der Großbetrieb vor dem kleinen und mittleren hat, noch ganz außerordentlich vergrößert, be­droht also noch schärfer dessen Existenz. Es braucht nicht erst noch betont zu werden, daß die Erhaltung der Mittel- und K l e i n b e t r i e b e volkswirtschaftlich ge­sehen von unbedingter Notwendigkeit ist, nicht zu­letzt im Interesse der Warenverbraucher und des gesamten Aufbaus unserer Wirtschaft.

Dabei ist es durchaus möglich, H i l f e z u s ch a f f e n. Das beweist schon der Entschluß der Deutschen Bank, einen im Ausland aufgenommenen langfristigen 100-Millionen- Krediten der mittleren und kleinen Industrie zur Ver­fügung zu stellen. Die wirtschaftlichen Organisationen auch in den Kreisen der Mittel- und Kleinbetriebe, des gewerblichen Mittelstandes und des Kleinhandels, wo eine Selbsthilfe wegen Mangels an Mitteln jetzt nicht möglich ist, erscheinen doch ohne weiteres als schon so gründlich ausgebaut, daß durch sie eine zweckmäßige Verteilung der Kreditgelder möglich ist. Aber auch der Einzelbetrieb könnte durch örtliche Geldinstitute Kredit erlangen, wenn nur diesen Geldinstituten die notwendigen Mittel aus den großen Sammelbecken zugeführt würden. Etwa ans den an- lagebedürftigen, in die Hunderte von Millionen gehenden Geldern der großen Sozialversicherungen und der Reichs­betriebe. Bei der engen Verbindung, die schon rein örtlich zwischen den Geldinstituten jeder Art in großen und mitt­leren Provinzstädten und den dortigen kleinen und mitt­leren kreditsuchenden Betrieben besteht oder leicht her- aestellt werden kann, ist es besonders lercht möglich, dre Kreditwürdigkeit des Geldsuchenden genau zu prüfen und zu überwachen, das Risiko also sehr erheblich zu vermin­dern. Das trifft fchon alles zu für die Hergabe kurzfrrstlger Gelder warum soll es nicht auch für langfristigen Kredit möglich sein, für den bei einigermaßen gutem Willen das Geld herangeschafft werden kann! Eine Stärkung nicht bloß der Großen ist auch deswegen wichtig, weil sonst ein wirklich eintretender Konjunkturumschwung langst nicht so schnell um sich greift, nicht so schwere Folgen haben wird, als wenn ein Zusammenbruch von Mittel- und Kleinbetrieben die Krise rasch anwachsen laßt.

Die Wege sind gewiesen; sie zu beMelten, ist möglich, was schon aus mehreren tastenden Versuchen ersichtlich ist. Aber sie müssen schnell beschriften werden, ehe es - zu spät ist.

Schlustsitzung in Genf

Genfer Ergebniffe.

Die achte Völkerbundversammlung geschlossen.

Die Völkerbundversammlung hat in ihrer Schluß­sitzung am Dienstag die Einberufung einer ersten I u - ristönkonferenz zur Kodifizierung des internatio­nalen Rechts beschlossen, welche die drei Rechtsmaterien Staatenlosigkeit, Bereich der Hoheitsgewässer und Haft­pflicht des Staates für von Ausländern auf seinem Ge­biete erlittene Schäden behandeln und 1929 im Haag ab­gehalten werden soll. Weiter genehmigte die Versamm­lung die Vorschläge des Budgetausschusses in bezug aus die Kredite, die für die Juristenkonserenz zur Verfügung gestellt werden sollen.

Hierauf hielt Präsident Guani die Schlußrede, in der er die Arbeiten der achten Völkerbundversammlung würdigte und insbesondere in bezug auf die Arbeiten des Abrüstungsausschusses der Meinung Ausdruck gab, daß die erzielte Verständigung weit größere Tragweite habe als die Beschlüsse d s Abrüstungsausschusses in früheren Jahren. Nunmehr önne man die Prüfung des Gesamt- komplexes der Grundsätze Schiedsgericht, Sicherheit und Abrüstung, die Grundlagen eines organisierten Friedens sein müßten, ausnehmen.

In einem Überblick über d:e Arbeiten, die der Völker­bund im Laufe des kommenden Jahres auf Grund der Beschlüsse der achten Völkerbundversammlung vorzu- nehmen hat, und die Ergebnisse der Weltwirtschaftskonfe­renz schloß der Präsident nach einem kurzen Bekenntnis zu dem weiteren Erfolg der Arbeiten des Völkerbundes

die achte Völkerbundversammlung.

Am Dienstag nachmittag beschäftigte sich noch der Völkerbundrat mit Danziger Fragen sowie mit der

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Werft im Auftrage Griechenlands gebaut worden ist, den Griechenland aber nicht mehr abnehmen will.

Die Böschung öss Frhrn. v. Methan.

Trauerfeier in Groß-Luckow.

Am Dienstag fand im Schloß zu Groß-Luckow die Trauerfeier für den tödlich verunglückten Botschafter Frei­herr« v. M a l tz a n statt. Auf dringenden Wunsch des 82 Jahre alten Vaters des Verstorbenen hatte sich nur ein kleines Trauergefolge eingefunden. Als Vertreter der Reichsregierung und des Reichskanzlers war Reichsjustiz­minister Hergt in Begleitung des Ministerialdirektors in der Reichskanzlei Dr. v. Hagenow als Vertreter des Reichspräsidenten und gleichzeitig des Reichsministers des Auswärtigen, Ministerialdirektor Dr. Köpcke mit den Abteilungsdirigenten Freiherr» v. Richthofen, Horst­mann, Reuter und dem Chef des Protokolls Graf Basse- Witz erschienen. Das Reichsverkehrsministerium war ver- ! treten durch den Leiter der Luftfahrtabteilung Ministerial- rat Brandenburg, die Reichspresseabteilung war vertreten durch ihren Leiter Geheimrat v. Baligand. Vom Diplo­matischen Korps hatte sich verabredungsgemäß nur der amerikanische Botschafter Dr. Schurman eingefunden. Vor Beginn der Trauerfeier ließ Reichspräsident v. H i n - denburg durch seinen Vertreter einen prächtigen Kranz aus weißen Rosen und Weißen Lilien am Sarge des Verstorbenen niederlegen.

Weitere kostbare Kranzspenden wurden am Sarge niedergelegt im Auftrage des amerikanischen Präsidenten Coolidge, des amerikanischen Staatssekretärs Kellogg, der mecklenburg-schwerinschen Staatsregierung, des früheren mecklenburg-schwerinschen Großherzogpaares und des Prinzgemahls der Niederlande. Die Empore der Halle war von den Gutsinsassen dicht besetzt, während sich im Saale die nächsten Angehörigen sowie die Vertreter der Ministerien, des Diplomatischen Korps und die nächsten Freunde und Nachbarn des Verstorbenen ver­sammelt hatten. Die Trauerandacht hielt Pastor Hoyer- Kirchgrubenhagen. Die Beisetzung erfolgte auf dem Fa- milienfriedhofe im Park von Groß-Luckow.

Höpker-Aschsff Wer

SSeuerveremhßiÜichnng.

Reich und Länder.

In einer Sitzung des Hauptausschusses des Preußi­schen Landtages äußerte sich Finanzminister Dr. H ö p k e r- A s ch o f f über die Pläne zur Steuervereinheitlichung. In erster Linie komme in Betracht die Verteilung der Zu­ständigkeiten für Reich und Länder. Nach den Rahmen­gesetzentwürfen bliebe für die Länder lediglich die Ent-- scheidung darüber, wie die Steuern für das Land und wie sie für die Gemeinden in Anspruch genommen werden können, ferner die Möglichkeit, weiter über Steuerbefrei­ungen und endlich über die Höhe der Umlagesätze zu be­schließen. Unter diesen Umständen könnten das Ge­werbesteuerrahmen- und das Grundsteuer- rahmengesetz nicht mehr als eigentliche Rahmen­gesetze bezeichnet werden und müßten daher als Der« fassungsändernd angesehen werden. Das Ge- bäudeentschuldunLssteuergesetz werde auch

Briand vorzeitig abgereist.

Unterredung Dr. Stresemann Briand.

Briand hat am Dienstag plötzlich Genf verlassen, um sich nach Paris zu begeben, obwohl seine Abreise erst für Mittwoch vorgesehen war. Vor seiner Abreise hatte er noch eine kurze Unterredung mit Dr. Stresemann, die im Wandelgang des Völkerbundsitzungssaales zwischen Tür und Angel stattfand. über den Inhalt dieser Unter­redung wissen Pariser Blätter einige Einzelheiten zu berichten, obwohl amtlicherseits strengstes Stillschweigen über das Gespräch bewahrt wird. Nach demPetit Journal" haben die beiden Minister kurz die Polemik über Tannenberg und die Beziehungen der verschiedenen Machte zur Sowjetregierung gestreift. Man versichere, daß Briand erklärt habe, die französische Regierung habe nicht den Wunsch, die Beziehungen zu Moskau abzu- vrechen. Was die Rede Hindenburgs anlange, so dürfte Briand erklärt haben, er würde das Schweigen der Polemik vorziehen. DerMatin" weiß über die Unterredung ergänzend zu berichten, daß Briand auf das Matin"-Jnterview Stresemanns angespielt und der deutsche Außenminister anscheinend eine befriedigende Antwort geeben habe. Als die Sprache auf die Folgen des diplomatischen Bruches zwischen England und Ruß­land gekommen sei, habe Dr. Stresemann von jeder Politik des Abbruchs abgeraten.

Was ferner die Unterhaltung zwischen dem Rerchs- außenminister und dem belgischen Senator de Broucköre anlangt, so glaubt derPetit Parisien", daß, nachdem Dr. Stresemann infolge der Rede Jaspars den Gedanken einer Liquidierung der Franktireurfrage durch ein ge­meinsames Kommunique aufgegeben habe, demnächst entweder in Berlin zwischen ta.

und der Wilhelmstraße oder in Brüssel zwischen dem deutschen Gesandten und Vandervelde weitere Unter­handlungen in dieser Angelegenheit stattfinden würden.

von der Reichsregierung nicht als Rahmengesetz bezeichnet, da es die Höhe der Steuer bindend festlege. Hier könne schon deshalb der verfassungsändernde Charakter nicht in Zweifel gezogen werden. Der Finanzminister betonte weiter, daß er gegen die grundsätzliche Linie der Verein­heitlichung des Steuerrechtes in den Rahmengesetzen und in dem Gebäudeentschuldungssteuergesetz keine Bedenken habe, nachdem der ursprüngliche Entwurf stark verbessert worden sei. Unerträglich sei jedoch die Bestimmung, daß erst nach Inkrafttreten des Gesetzes geprüft werden soll, ob und inwieweit die Gebäudeentschuldungssteuer auf. rechtzuerhalten sei. Dem allmählichen Abbau der W e r t» erhaltungssteuer stimme er zu, eine sofortige Be­seitigung wäre aber finanziell unerträglich. Die im Steueranpassungsgesetz enthaltene Organisation der Ver- waltung stelle eine Verfassungsänderung dar. Die gegen- wärtige Zersplitterung der Steuerverwaltung sei uner­träglich. _____________

Zrankreich braucht eine starke Armee/

Eine neue Poincarö-Rede.

Ministerpräsident Poincard hielt nach seiner Wiederwahl zum Präsidenten des Generalrates des Departements Meuse eine Rede, in der er im wesentlichen seine Behauptungen über eine grausame Kriegführung seitens der deutschen Armee auf- reckiterhielt. Er erklärte einleitend, man mache der Bevölkerung von Lothringen mit Unrecht den Vorwurf, daß sie chauvinisti­scher und für den Frieden weniger empfänglich sei als die Bevölkerung anderer Gebiete Frankreichs. Gerade weil die Bevölkerung Lothringens dem Angrifs Deutschlands unmittel­bar ausgesetzt sei, habe sie mehr Interesse am Frieden. In­folge der Nähe der Grenze würde sie ständig an die Gefahren eines Angriffs erinnert. Frankreich wolle den Frieden, aber auch seine Sicherheit. Frankreich müsse in der Lage sein, sich gegen einen Angriff zu verteidigen, und fordere deshalb eine starke Armee.

Als der Krieg Frankreich aufgezwungen wurde, hätten die Franzosen von ganzem Herzen den Sieg erwünscht, nicht nur, um den Feind zurückzuschlagen, sondern auch, um die Voll­ständigkeit des französischen Gebietes wieder herzustellen und für Frankreich die volle Sicherheit zu erreichen. Die Dar­stellung von einem Einmarsch, der in keiner Weise gegen die Zivilbevölkerung gerichtet sei, müsse als eine Legende ab­gelehnt werden. Es seien viel zuviel Greise und Frauen in den ersten Wochen des Kriegs in den besetzten Gemeinsten getötet worden; zu vielen seien die Häuser eingeäschert wor­den. Die Franzosen wollten diese Ereignisse wohl vergessen, sie könnten aber nicht zulassen, daß darüber eine lügnerische Darstellung verbreitet werde. ....... .,.,,.,....,..

Die jetzige Lage in China.

Ein neues Programm.

Die in Nanking befindliche Regierung gibt jetzt ein neues Programm bekannt, das den Kampf gegen Den Norden des Staates, die Abschaffung ungleicher Verträge, die Unterdrückung des Kommunismus, die Aufrechterhal­tung revolutionärer Disziplin, die Durchführung der Pläne bezüglich des Aufbaues des Reiches und schließlich