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yersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Mzeiger für örn Kreis hersfelS

mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterbaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 224 Mes Blatt) Sonnabend, den 24. September 1927 77. Jahrgang

Heiler ist das Leben...

Schlachtfeldbummler. Boxen ist Trumpf. Mach' ein fröhliches Gesicht. Das unerschöpfliche Amerika.

Die Weisheit des deutschen Dichters, daß das Leben ernst, die Kunst heiter sei, wird von den Amerikanern je länger, desto mehr bewußt und entschieden abgelehnt. Ihre KriegsfUme zeigen uns, wie die Freiwilligen unter dem Sternenbanner mit Lachen und Scherzen nach Frank­reich zogen und ihren unverwüstlichen Humor auch beim grauenvollen Donner der Geschütze nicht verloren. Und die Zehntausende von Legionären, die jetzt zum Teil mit Weib und Kind in Begleitung von auf das lustigste aus­staffierten Militärkapellen auf den ehemaligen Kriegs­schauplätzen herumwimmeln, scheinen sich auch in der Stimmung einer besseren Vogelwiese an den Denkmälern dieses erbittertsten Ringens der Weltgeschichte zu er- lustieren.

Nun ja, wenn es einem Volk so gut geht wie den Herrschaften drüben in Newyork und Washington, in Chikago und San Franzisko, so hat man vielleicht wirklich keinen Grund, das Leben gar zu sehr von der ernsten Seite zu nehmen, von der es der arme deutsche M i ch e l so gründlich kennengelernt hat und immer wieder von neuem kennenlernt. Dann kann man auch seine ganze Aufmerksamkeit für vierundzwanzig Stunden allein und ausschließlich auf den Zweikampf von geradezu weltge­schichtlicher Bedeutung konzentrieren, derjetzt wiedereinmal zwischen den Herren T u n n e y und D e m p s e y aus­gefochten wird um die Bormeisterschaft der Erde, eine Würde, von deren himmelrägender Bedeutung sich offen­bar der deutsche Michel keine ausreichende Vorstellung zu machen vermag. Denn wenn man hört, daß Wetten im Gesamtbetrage von zehn Millionen Dollar über den Aus­gang dieses großen Entscheidungskampfes abgeschlossen worden sind, daß zwei oder drei Millionen Dollar für Eintrittskarten eingenommen und daß alle Vorbereitungen getroffen wurden, um rund 50 Millionen Menschen mit Hilfe der sieben Rundfunkstationen in Chikago jede Phase des Wettkampfes sozusagen unmittelbar aus erster Hand mitgenießen zu lassen, dann darf man wohl den Amerika- nMi allerdings das Zugeständnis mache... daß sie von den gewöhnlichen Sorgen dieses Daseins ungleich weniger bedrückt werden als sonst die Völker in Europa, in Asten oder Afrika. Fast möchte man fürchten, daß soviel Glück oder doch soviel berechtigte Unbekümmertheit um die All­tagskämpfe auf dem nichtamerikanischen Erdenrund den Neid der Götter erregen könnte. Die Amerikaner freilich würden auch in diesem Falle sich die Hemdärmel aufkrempeln und mit des Geschickes Mächten zu boxen an­fangen. Nur daß sie dann wohl doch auf Eintrittspreise und Wettabschlüsse für das Publikum verzichten würden.

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Mach' ein fröhliches Gesicht so ungefähr lautet die dringlichste Lehre, die amerikanische Volksweis­heit den Bürgern der Neuen Welk mit auf ihren Weg zu geben pflegt. Man soll sich nicht verdrießlich machen lassen durch die ewigen Hemmungen des gesellschaftlichen oder geschäftlichen Lebens, man soll wenigstens durch sein Mienenspiel nicht verraten, daß man im Begriff sei, aus diesem oder jenem Grunde sein seelisches Gleichgewicht zu verlieren, sondern immer fo tun, als hätte man einen freien Kopf und Sinn und Neigung für Spaß und Zeit­vertreib. Und der Durchschnittsamerikaner ist ein sehr folgsamer Schüler; überall, wohin er kommt, zeigt er gute Laune und ist wohlaufgelegt zu jeder nützlichen oder unterhaltsamen Tat. Er ist auch gar nicht der Mann dazu, etwa auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Ist heute ein Wolkenkratzer mit 50 Stockwerken fertiggestellt, so meldet sich morgen schon ein abenteuerlustiger Unter­nehmer mit dem Plan, ein Massenbureauhaus mit 60 oder 80 übereinandergetürmten Etagen aufzurichten. Ja, im Frühling dieses Jahres war sogar drüben davon die Rede, ein spleeniger Ingenieur mit einem schönen deutschen Namen habe auf der anderen Seite des Hudsonflusses ein Baugelände erworben, um dort ein Haus mit 130 Stockwerken aufzuführen, von dessen Dachgarten aus er dann einen unvergleichlichen Rundblick über die ge­waltige Hauptstadt genießen wolle.

Ob dieser Plan wirklich zur Ausführung kommen wird, kann vorläufig dahingestellt bleiben. Tatsache da­gegen ist, daß die Newyorker in diesen Tagen den Grundstein zu einer Untertunnelung des Hud­sonflusses gelegt haben, was allerdings wieder ein­mal eine ganz besondere Glanzleistung dieser Uankee- Herren zu werden verspricht. Kostenpunkt natürlich un­gezählte Dollarmillionen, Bauausführung drei oder fünf Jahre, voraussichtliche Verkehrsleistung der beiden Tunnels je einer für jede Richtung mit Unterteilung für schnell und für langsamer laufendes Gefährt 60 000 Autos im Tagesdurchschnitt usw. Müssen nicht schon solche Aussichten allein den mit seinem ganzen Sinnen und Trachten auf die Zukunft eingestellten Ameri­kaner hetter und zuversichtlich stimmen? Braucht er zu verzagen, wenn hier und da auch in seiner Wirtschaft jetzt sich Erscheinungen zu zeigen beginnen, die auf ein Nach­lassen des seit Jahren unentwegt ansteigenden Geschäfts­ganges schließen lassen? Er dentt gar nicht daran, freut sich, wenn er wieder einmal eine schöne ausländische A n - leihe unterbringen kann, wie jetzt wieder das 30-Mi- lionen-Geschäft mit der preußischen Regierung, und ver­traut auf die Unerschöpflichkeit seiner Naturschätze wie seines Arbettsertrages. Vertraut aber offensichtlich auch aM die MM<Wtt feiner Anleiheschuldner wenn sie

Batschaster am Mm tätlich abgestürzt

Tragischer Tod des Voffchasters v. Matza«.

Absturz mit fünf Flugzeuginsassen.

Das FlugzeugD. 585" verunglückte aus der Strecke BerlinMünchen in der Nähe von Schleiz. Der Flug­zeugführer und die fünf Passagiere sind tot. Die Namen der Toten sind: der deutsche Botschafter Freiherr v. M a l tz a n bei den Vereinigten Staaten, Roll von der Reichsbahndirektion Berlin, Prokurist und Verkehrsleiter der Deutschen Lufthansa v. Arnim, Flugzeugschüler Osmer, Bordmonteur Feiler. Der Flugzeugführer Char- lett ist Friedensflieger, hat viele Hunderttausende von Kilometern aus Streckenslügen zurückgelegt und ist in letzter Zeit besonders viel auf der Strecke BerlinMün­

chen geflogen. Das Flugzeug, eine Maschine des Typs Merkur, wurde Mitte Mai dieses Jahres nach Prüfung durch die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt von den Dornier-Werken an die Deutsche Lufthansa geliefert und hat seitdem ohne jeden Zwischenfall Dienst getan.

Direktor Merkel von der Deutschen Lufthansa er- i Härte, daß das Flugzeugunglück bei Schleiz, das schwer ste in der Geschichte des deutschen Luftverkehrs, in seinen Ursachen vollkommen rätselhaft ist. Die Maschine ist technisch ausgezeichnet. Es wird be­richtet, daß die Maschine ohne Flügel heruntergestürzt sei. Das würde das Unglück nur noch rätselhafter machen, denn die Tragflächen der Dornier-Maschine sind mit vier Streben befestigt und außerdem besonders stark verbolzt. Schleiz liegt bereits jenseits des Fichtelgebirges in mehr oder weniger ebenem Gelände und nach fach­männischer Ansicht wäre also eine Notlandung, falls sie dem Piloten erforderlich erschienen wäre, durchaus mög­lich gewesen. Sofort nach dem Bekanntwerden des Un­glücks in Berlin sind drei Flugzeuge nach Schleiz abge­

nicht gerade an ver Weichsel sitzen, wo bekanntlich die be­rüchtigte polnische Wirtschaft zu Hause ist. So­lange er seine Taschen vor Gläubigern dieses Schlages verschlossen hält, kann der amerikanische Geldgeber das Leben wirklich von seiner heiteren Seite ansehen. Wenn nur auch der deutsch-preußische Geldempfänger zu der gleichen Weltanschauung berechtigt wäre.' Dr. Sy.

Der SO. Geburtstag Hindenburgs.

Empfänge und Veranstaltungen.

Für den 80. Geburtstag des Reichspräsidenten sind folgende Empfänge und Veranstaltungen vorgesehen:

Am 1. Oktober, vormittags, wird der Reichspräsident eine Vertretung der Hindenburg-Spende empfangen und aus ihren Händen die Urkunde über die Übertragung der Verfügung über die Mittel der Hindenburg-Spende ent­gegennehmen. Daran wird sich ein Empfang von Ab­ordnungen von Kriegsteilnehmerverbänden anschließen.

Am Abend des 1. Oktober wird der Reichspräsident voraussichtlich auf einige Zeit an einem Empfangsabend der Offizierverbände im früheren Landwehrkasino am Zoo teilnehmen. Um 9.15 Uhr veranstaltet die Reichswehr zu Ehren des Reichspräsidenten einen Zapfenstreich im Vorhof des Präsidentenhauses in der Wilhelmstraße.

Der 2. Oktober, der Geburtstag selbst, beginnt mit einem Morgen st ändchen einer Reichswehrkapelle im Garten des Reichspräsidenten. Danach wird der Reichs­präsident die Kirche besuchen. Nach dem Kirchgang finden Empfänge statt. Es werden dem Reichspräsidenten ihre Glückwünsche darbringen die Reichsregierung mit den Chefs der obersten Reichsbehörden, die Chefs der Landes­regierungen mit den Bevollmächtigten zum Neichsrat, der Apostolische Nuntius als Doyen des Diplomatischen Korps, der Reichstagsvorstand, die Vertretung der Reichswehr und der ReichsymriyL, das Präsidium des Preußischen

flogen; die Insassen haben die Aufgabe, die Einzelheiten festzustellen und die Ursache des Unglücks zu untersuchen.

Nach einem Augenzeugenbericht hatte das Flugzeug die Stadt überslogen, als der Führer versuchte, etwa ein Kilometer südlich auf der Straße nach Hof zu landen. Ehe dies gelang, fing das Flugzeug an zu trudeln und stürzte aus 100 Meter Höhe ab und grub sich, mit dem oberen Teil nach unten, tief in den Erdboden ein, während der abgebrochene linke Flügel unbeschädigt etwa 22 Meter ab­seits von der Unglücksstelle liegenblieb. Da bei dem Sturz auch eine Feuersäule gesehen und ein heftiger Knall gehört wurde, so ist es möglich, daß das Unglück durch eine Motorexplosion hervorgerufen wurde. Der Führer und die Passagiere wurden unter den Trümmern begraben und gräßlich verstümmelt. Die Kabine wurde vollkommen zertrümmert.

Besonders tragisch wirkt die Nachricht, daß Frei­frau V. M a l tz a n, die sich zur Kur in Partenkirchen befand und dort ihr achtjähriges Töchterchen bei sich hatte, ihrem Gatten nach München entgegengefahren war, um ihn dort bei der Ankunft im Flugzeug in Empfang zu nehmen.

Hindenburgs Beileidstelegramm.

Reichspräsident von Hindenburg hat an Freifrau V. Maltzan folgendes Telegramm gerichtet:An dem schweren Unglück, das Sie so plötzlich betroffen hat, nehme ich herzlichen Anteil und bitte Sie, den Ausdruck meines tiefempfundenen Beileids entgegenzunehmen. Das Deutsche Reich verliert in Ihrem in so tragischer Weise ums Leben gekommenen Gatten einen derfähigsten Diplomaten und hervorragendsten Vertreter, dem ich stets ein ehrendes Gedenken bewahren werde."

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Der Diplomat Maltzan.

Der jetzt auf so tragische Weise ums Leben gekommene Botschafter Freiherr von Maltzan hat ein Alter von AMmaa, MkMütlchkfter verbrachte in Deutsch­land einen Längeren ürmub und wollte am 7 Oktober über Paris nach Washington zurückkehren. Freiherr v. Maltzan widmete sich nach Vollendung seines juristischen Studiums und nach kurzer Gerichtstätigkeit dem diplomatischen Dienst. Hierfür war er in Südamerika, Oslo, Peters­burg und Peking tätig. 1917 war er Beauftragter des Reichskanzlers im Großen Hauptquartier. Nach dem Um­sturz leitete er die Nußlandabteilung im Auswärtigen Amt, wurde 1921 Ministerialdirektor, 1922 Staatssekretär. An dem Abschluß des Rapallo-Vertrages wirkte er sehr aktiv mit. 1925 ging er als deutscher Botschafter nach Washington, wo er der Nachfolger Dr. Wiedtfelds war und sich dank seiner Geschicklichkeit in kürzester Zeit eine hervorragende Stellung zu verschaffen wußte. Wie ge­schickt Maltzan als Diplomat war, kann man aus einem von ihm abgefaßten Telegramm ersehen, in dem er die damalige Reichsregierung auf die bevorstehende japanische Kriegserklärung aufmerksam machte und das trotz strengster Nachrichtensperre auch tatsächlich in Berlin an- kam. Dieses Telegramm lautete:Meine Verlobung mit Miß Butterfly wird täglich erwartet, bitte informiert Eltern." Die Kunde von dem plötzlichen tragischen Tod des Botschafters hat sowohl in Deutschland wie auch in Amerika starke Teilnahme erweckt.

Landtages, der Oberbürgermeister der Stadt Berlin und eine Abordnung von Vertretern der alten Wehrmacht, der Offizierverbände und der Traditionstruppenteile.

Am Nachmittag wird der Reichspräsident sich zu einer feierlichen Veranstaltung der Schulen in das Stadion begeben. In dem festlich geschmückten Stadion werden auf Grund freiwilliger Beteiligung in Anwesen­heit der Spitzen der Reichs-, Staats- und Kommunal- behörden über 40 000 Schüler und Schülerinnen den Reichspräsidenten erwarten, der an ihren Reihen entlang­fahren wird. Sodann wird ein 7 000 Köpfe starker Schülerchor dem Reichspräsidenten eine Reihe von Liedern vorsingen. Für die Hin- und Rückfahrt zum und vom Stadion ist eine Spalierbildung der Bevölkerung so­wie der Vereine, Verbände, Körperschaften usw. vor­gesehen, die den Wunsch haben, den Reichspräsidenten an seinem 80. Geburtstag zu begrüßen.

Weitere Veranstaltungen unter Teilnahme des Reichspräsidenten sind nicht vorgesehen.

Evangelisch-kirchliche Feier zu Hindenburgs Geburtstag.

Zu dem 80. Geburtstag des Reichspräsidenten v. Hin­denburg hat der Evangelische Oberkirchenrat die evange­lischen Konsistorien der älteren preußischen Provinzen veranlaßt, anzuordnen, daß am Sonntag, dem 2. Oktober, in den Gottesdiensten fürbittend des Reichspräsidenten gedacht werde. Die oberste Kirchenbehörde befindet sich dabei in Übereinstimmung mit einem von dem preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung geäu­ßerten und von ihm geteilten Wunsch der Reichsregierung. Außerdem hat der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß, die oberste Vertretung des Deutschen Kirchenbundes, es den deutschen evangelischen Gemeinden im europäischen Auslande anheimgestellt, des Geburtstages des Reichs­präsidenten im Gottesdienst in besonderer Weise zu ge­denken. j