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kersfelöer Tageblatt

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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfel-

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mit den Beilagen: Helmalschollen / Illustriertes Anlerhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 221

Mittwoch, den 21. September 1921

77. Jahrgang

Wir kommen wron."

Ms Deutscher kann man doch wohl recht stolz darauf sein, daß das Ausland wenigstens ein großer Teil da­von mit einer gewissen Hochachtung aus den wirt­schaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands sieht. Und wenn wir Deutsche uns selbst gegenüber ehrlich sein wollen, müssen wir doch gestehen, daß wir selbst nicht daran geglaubt haben, so schnell aus dem Zusammen- bruch von 1918, dann aber vor allem aus dem wüsten Chaos der Inflation uns wieder aufrichten zu können. Um so größer darf aber nun auch der Stolz sein darüber, daß es gelungen ist.Wir kommen voran" stellte der Reichskanzler Dr. M a r x in einer Rede fest, die er jetzt anläßlich seiner ostpreußischen Reise in der Königsberger Stadthalle hielt. Sein rheinischer Optimismus treibe ihn zu diesem Wort aber Dr. Marx hat nicht unrecht, hütet sich freilich vor allzu optimistischer Übertreibung.

Als Beispiel nimmt er Ostpreußens Entwick­lung selbst, das ja seit den dunklen Tagen des Abstim­mungskampfes fest auf eigene Füße gestellt rüstig die Arme regte und vor allem dadurch aus dem Gröbsten herauskam. Daß Dr. Marx bei dieser Feststellung vor allem darauf verweisen konnte, daß der Wille zum W i e d e r a u f st i e g getragen wurde von der einhelligen Zusammenarbeit aller Klassen, Stände und Parteien, mag für das übrige Deutschland als Mahnung gelten. Die allergrößten Schärfen im innenpolitischen Kampf hat die Zeit, die Einsicht in die Unerfüllbarkeit manches Wunsches, noch stärker aber wohl die Erkenntnis von der Notwendigkeit engster Zusammenarbeit auf wirtschaft­lichem Gebiete milder werden lassen. Der Kampf um die Staatsform ist nicht erloschen, richtet sich aber nicht mehr von ganz rechts und ganz links her mit der früher so großen Erbitterung gegen die Staatsform von heute. Diese Tatsache ist viel wichtiger als die theoretischen Aus­einandersetzungen darüber und wir kämen auch innen­politisch viel schneller vorwärts, wenn man sich mit dem Wachsen dieser Erkenntnis begnügte, anstatt ständig Opfer der Überzeugung zu fordern. Das heißt nach Bis- marcks Wort nichts anderes als dieMampe unter einen Apfel zu halten, um ihp.R^, zu vringen.

Dr. Marx verwies in seiner Königsberger Rede auch auf die Gestalt des Reichspräsidenten von Hindenburg als Vorbild. Fast zweieinhalb Jahre liegt die Zeit zurück, da der erbitterte Kampf in Deutsch­land darum ging, wer von diesen beiden Persönlichkeiten den Stuhl des Reichspräsidenten besteigen sollte und wer denkt jetzt noch an diesen Kampf? Auch diese Gegen­sätze haben sich gemildert, haben schwinden können, weil ja schließlich jede Partei immer nur einen Teil des Volkes, nie die Gesamtform umfaßt, zu der das Volk sich ver­band und die höher steht mit ihren Interessen als jede Partei. Das will Dr. Marx sagen mit der Feststellung: Wir kommen voran".

Freilich liegt die Bahn nicht schrankenlos vor uns; enge Grenzen politischer, finanzieller, wirtschaftlicher und anderer Art sind uns vorläufig gesetzt, hemmen unser Wollen, werfen so manche Pläne über den Haufen, die doch nur unbedingt Notwendiges beabsichtigen. Gerade unsere gefährdeten Grenzprovinzen wissen davon manch übles Lied zu singen, nicht zuletzt Ostpreußen. Täglich fast spüren wir diese Einengung, diesen Druck, der uns den besten Ertrag unserer Arbeit nimmt. Leider hat der Reichsverkehrsminister Koch nur allzu recht, wenn er gerade jetzt auf einer Veranstaltung der Christlichen Ge­werkschaften in Barmen betonte:Der Deutsche Staat wird erst dann wieder zu einer machtvollen Einheit, wenn wir in voller Freiheit unserer Arbeit nachgehen können und wenn es uns wieder möglich ist, in Freiheit uns selbst zu regieren." Darin freilich sind wir leider in der letzten Zeit nicht vorangekommen und unsere Machtlosigkeit zwrngt uns zur Geduld. Und man wird den Gedanken nicht los, daß gerade die Tatsache des raschen deutschen Wiederauf­stiegs den andern rings um uns die Veranlassung dazu abgibt, uns neue Hindernisse, neue Steine auf den Weg des Vorwärtskommens zu werfen. Oft genug geschieht es und verlangt von Deutschland noch stärkeres Muhen. Aber wie einst aus dem grauenhaften Elend des Dreißig­jährigen Krieges Deutschland sich wieder erhob, so wird das stolzeWir kommen voran" unserer weiteren Ent­wicklung zur Seite bleiben.

Ostpreußens Rot.

Im Anschluß an die Tannenbergfeier stattete Reichs­kanzler Dr. Marx der Hauptstadt Ostpreußens, Königs­berg, einen Besuch ab, um sich über die wirtschaftliche Lage der Provinz zu unterrichten. Dem Reichskanzler wurde durch den Oberbürgermeister die durch die Ab- schnürung in der Provinz Ostpreußen hervorgerufene traurige Lage eingehend geschildert, wie dies auch schon bei früheren parlamentarischen Besuchen geschehen ist. Reichskanzler Dr. Marx betonte in seiner Erwiderung, daß die Regierung des Deutschen Reiches die kerndeutsche Gesinnung der ostpreußischen Bevölkerung dankbar wür­digt und den ungeheuren Schwierigkeiten, mit denen dieser Landesteil zu kämpfen hat, unablässig nach besten Kräften zu steuern bestrebt ist.

Bei einem dem Reichskanzler von der Stadt Königs­berg gegebenen Essen hob Dr. Marx hervor, daß es für unser ganzes Vaterland, für unser ganzes Volk ein un- ersetzlicher Verlust wäre, wenn die Mgste Verbindung mit

Innere Krise in Polen

7'77' »r GewallmaßnÄMn.

Auslösung des Landtages bevor stehend.

Der eigentlich an der Spitze des Polnischen Staates stehende Ministerpräsident Pilsudski regiert bekanntlich mit stark diktatorischen Gelüsten. Er hat kürzlich den Sejm, den Landtag, ohne dessen Zustimmung vertagt, weil der Sejm dem Marschall nicht willfährig genug erschien. Ferner hat Pilsudski einen Presseerlaß herausgegeben, der ähnlich wie in Italien die noch bestehende dürftige Presse­freiheit gänzlich zunichte macht. Der wieder zusammen­getretene Sejm hat nun in seiner ersten Sitzung diesen Presseerlaß als nicht dem Staatswohl entsprechend mit überwiegender Mehrheit abgelehnt. Marschall Pil­sudski ist daraufhin sofort aus feinem Sommerurlaub nach Warschau zurückgekehrt und hat über die Lage mit dem stellvertretenden Premierminister Bartel beraten. Pilsudski soll die Absicht haben, den Sejm unter Umständen aufzulöfen und einstweilen seine Alleinherrschaft zu prokla­mieren. Man erwartet jedenfalls starke innere Verwick­lungen.

Im Sejm scheint vorläufig noch der feste Wille zu be­stehen, die unhaltbare Lage, wie sie gegenwärtig zwischen Regierung und Volksvertretung besteht, zu beseitigen, oder, falls dies nicht möglich sein sollte, zu klären. Die ge­samte Rechtspresse stellt die Verschärfung der innenpoliti­schen Lage fest. Es kommt dies auch in den zahlreichen Interpellationen und Anträgen der mächtig angewachsenen Opposition zum Ausdruck.

Der Fall Zagorski.

So wurde der das stärkste Interesse erregende Antrag in der Asfäre des geheimnisvoll verschwundenen Flieger- generals Z a g o r s k i nicht nur von sämtlichen drei Rechts­

einem so herrlichen Landesteil aclsckert.würLe-Weun - mir einer solchen Einigkeit, mit einer solchen Opfer- freudigkeit und Vaterlandstreue gearbeitet werde, würde er vertrauensvoll in die Zukunft blicken und sagen: Deutschland geht einer guten Zeit ent­gegen. Der Reichskanzler faßte seine Ausführungen zu­sammen in den Ruf:Königsberg und Ostpreußen, sie leben hoch!"

Reichskanzler Dr. Marx begab sich von Königsberg im Auto nach Frauenburg, um dem Bischof Dr. Bludau einen Besuch abzustatten.

Sie -ämscheSichauMrnach Deutschland

Eine offiziöse Mitteilung.

Die von einer Korrespondenz gebrachte Mitteilung über deutsch-dänische Verhandlungen wegen einer ver­stärkten dänischen Vieheinfuhr trifft, wie von informierter Seite mitgeteilt wird, in dieser Form nicht zu. Bisher ist bekanntlich die Einfuhr von lebendem Vieh aus Dänemark nur über die Seequarantänehäfen möglich, wo das Vieh abgeschlachtet werden muß, so daß ein Weitertransport nuringeschlachtetemZustande in Frage kommt. Dänemark hat nun vor einiger Zeit den Wunsch ausgesprochen, es möchte doch eine deutsche Kom­mission durch Besichtigung der maßgebenden großen Vieh­märkte sich selbst davon überzeugen, daß derarttg scharfe Quarantänebestimmungen Dänemark gegenüber nicht not­wendig seien. Gleichzeitig sollte diese Kommission die Frage prüfen, ob Dänemark die Durchfuhr von Schlachtvieh durch Deutschlanad gestattet werden könnte. Lediglich zum Studium dieser Fragen, die aus­schließlich auf veterinär-polizeilichem Gebiete liegen, sind Vertreter des Reichsministeriums des Innern bzw. des Reichsgesundheitsamtes und der preußischen Behörden nadf Dänemark gefahren, um die in Betracht kommenden Einrichtungen zu prüfen.

Ob und welche Folgerungen aus dieser Besichtigung sich ergeben, steht noch in keiner Weise fest. Die Reichs- regierung wird sich jedenfalls mit der Angelegenheit erst nach Rückkehr der deutschen Herren befassen und die Frage prüfen, ob und in welcher Weise den besonderen dänischen Wünschen Rechnung getragen werden kann. Dabei wird auch die deutsche Landwirtschaft gehört werden.

Ein sranzösisch-helgisKer MitSrverttag?

Vereinbarung zwischen den Generalstäben

Wenn man einer Zuschrift aus Brüffel an das Pariser BlattJournal des Debüts" Glauben schenken will, so sog. das bisher fast wie eine Blutsbrüderschaft aussehende Verhältnis des kleinen Belgiens zu seinem großen galli­schen Nachbarn noch enger gestaltet werden. Der Ge­währsmann des Pariser Blattes hat aus angeblich durch­aus zuverlässigen Quellen erfahren, daß zwischen dem französischen und dem belgischen Generalstab nunmehr eine völlige Übereinstimmung über alle gemeinsamen Sicherheitsmaßnahmen erzielt worden sei.

Die belgische Kommission, die damit beauftragt sei, die Anwendung des Verteidigungssystems zu prüfen, habe Beschlusse gefaßt, deren erster sich auf die Schaffung eines

parteien, sondern auch von "den Sozialdemokraten, der Bäuerlichen Volkspartei und der Nationalen Arbeiter­partei unterzeichnet. Die Anfrage weist noch auf die tiefe Beunruhigung hin, die das Verschwinden des Generals in der Bevölkerung hervorgerufen habe, und fordert die Regierung auf, alles zu unternehmen, daß die Wahrheit enthüllt und die Schuldigen bestraft werden. Ferner liegt vor der Mißtrauensantrag der Nationaldemokraten gegen Unterrichtsminister D o b r u c k i und der Antrag des gleichen Klubs, der Regierung die seinerzeit erteilten Voll­machten zu entziehen, da sie, wie es in der Begründung heißt, zu politischen und zu Parteizwecken benutzt wurden.

*

Die polnische Kinanzlage.

Das Bestreben der Retzirrung, der Opposition Boden abzugraben, geht aus einer Darlegung hervor, die soeben der Finanzminister C z e ch o w i c z zu offensichtlichem Zweck vor der Presse machte. Obwohl in der ganzen Welt die wenig günstige Lage der polnischen Finanzen bekannt ist, bemühte sich der Finanzminister, möglichst rosige Lichter aufzusetzen. Er sprach von Überschüssen, von der noch in der Luft schwebenden amerikanischen An­leihe. Die Gold- und Devisendeckung wachse beständig. Nichtsdestoweniger erachte die Regierung den Zufluß aus­ländischen Kapitals als nützlich und notwendig für das polnische Wirtschaftsleben. Das kann aber nicht von einer Anleihe mit ungünstigen Bedingungen erwartet werden. Wenn die amerikanische Anleihe zustande komme . . . usw.

Darauf wartet man nun schon seit dem vorigen Jahre. Aber die Amerikaner scheinen weniger Vertrauen zu besitzen als Herr Czechowicz. Sie lassen noch immer nichts Ernsthaftes von sich hören.

ae^vM$&i»i£ä^Ä»4n^ Lutttcy beziehe. Die Kommission habe weiter beschlossen, das Verteidigungs- system für Belgien derart dem französischen System anzu- passen, daß die Verteidigungsanlagen in Belgien die Fort­setzung der französischen Verteidigungsanlagen dar- stellten. Aus derselben Quelle versichert man, der belgische Generalstab wehre sich heftig gegen die von den Sozia­listen vorgeschlagene Herabsetzung der Militärdienstzeit auf sechs Monate.

Da bisher Frankreich schon gewohnt ist, Belgien wie einen Vasallenstaat zu behandeln, was kürzlich bei dem Verbot der Abmachung mit Deutschland über die Unter­suchung des Frankttreurkrieges recht deutlich geworden ist, so könnte schließlich die Umwandlung der belgischen Armee zu einem vorgeschobenen Militärposten der fran­zösischen nicht weiter wundernehmen.

GiarL Könneckes.

Der geplante Flug nach San Franzisko.

Der Flieger Könnecke, Graf Solms und der Funker Hcrrmann sind mit derGermania" auf dem Flugplatz Butzweilerhof bei Köln zum Ostasienflug gestartet. Die Germania" brauchte etwa 30 Sekunden, um sich nach einem Anlauf von 450 Metern von der Erde abzuheben.

Otto Könnecke stand mit seiner Kaspar-Maschine Germania" seit Freitag auf dem Flugplatz Köln start­bereit zu seinem geplanten Langstreckenflug, der ihn über Ostasien bis nach San Franzisko bringen soll. Er wäre schon einige Tage früher gestartet, wenn er nicht noch die Versicherungsfrage, über die bis in letzter Stunde in Wiesbaden verhandelt wurde, zu regeln gehabt hätte.

Der Flug soll zunächst über Budapest, die Donau ent­lang vor sich gehen. Als erste Zwischenlandungs- st e l l e ist A n g o r a in Aussicht genommen. Neben Kön­necke und Graf Solms wird als Funker der bis jetzt bei den Junkers-Werken beschäftigt gewesene Funkspezialist Johannes Herrmann aus Dessau mitfliegen. Die Maschine soll in der Hauptsache von Könnecke gesteuert werden, nur zwischendurch für kurze Zeit soll Graf Solms Könnecke in der Steuerung ablösen. Gelingt ihm der Flug, so wird er den Flug von Brock und Schlee in den Schatten stellen.

In etwa vierzehn Tagen gedenkt Könnecke San Fran­zisko zu erreichen. Natürlich hängt die Jnnehaltung dieser Frist von den Wetterverhältnissen ab. Die Strecke von Köln nach Tokio hat eine Länge von etwa 10 000 Kilo­metern, fast ebenso lang ist die Strecke von Tokio bis San Franzisko. Sollte es nun Könnecke glücken, bis San Franzisko zu gelangen, dann würde er versuchen, von dort aus zunächst nach Newyork weiterzufliegen und den Ozean von Westen nach Osten, nach dem Muster der amerika­nischen Ozeanflieger, zu überqueren und so einen Weltflug bis zu dem Ausgangsflughafen Köln auszuführest.

DieGermania" hat für den jetzigen Flug ein Ge­samtgewicht von rund 3300 Kilogramm, darunter 1280 Kilo Benzin und 150 Kilo Ol. Auf dem Flugplatz waren zur Verabschiedung anwesend Oberbürgermeister Dr. Ade­nauer und mehrere Beigeordnete. Angesichts des plötz­lichen, überraschend angesetzten Starts war fast kein Publikum zugegen. Oberbürgermeister Dr. Adenauer sowie die übrigen Herren der Stadt, der Lufthansa und der Flugpolizei richteten herzliche Abschiedsworte an die Flieger. ____________