Hersfelöer Tageblatt
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Nr. 219
Montag, den 19. September 1927
77. Jahrgang
Der Veschüßer des Vaterlmdes.
Ehrungen Hindenburgs.
Bevor der Reichspräsident die feierlichen Worte sprach, mit denen er das zum Gedenken an die gewaltige Schlacht von Tannenberg im Jahre 1914 errichtete Rationaldenkmal bei Hohenstein in die Obhut des deutschen Volkes übernahm, war der Präsident Gegenstand zahlreicher und überwältigender Ehrungen. Empfindet doch gerade die Provinz Ostpreußen, wie sie durch seinen Sieg bei Tannenberg vor dem Einbruch der Feindesscharen bewahrt wurde, wie er ihr Retter geworden ist, so daß sie ihm keinen besseren Namen geben kann als den eines Beschützers des Vaterlandes.
In Markienen und Bartenstein-
Der Reichspräsident hatte in Markienen bei Herrn Geh. Rat von Berg Wohnung genommen. Die in der Vaterländischen Arbeitsgemeinschaft Bartenstein zusammengeschlossenen Vereine brachten einen Fackelzug dar, an dem sich viele Hunderte beteiligten. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft richtete an den Reichspräsidenten eine Ansprache, in der er ausführte, daß Ostpreußen seinem Befreier in diesen Tagen aufs neue zujubele.
Reichspräsident ös» Hindenburg dankte für die ihm zuteil gewordene Ehrung und sagte, er freue sich, wieder in der Provinz Ostpreußen weilen zu dürfen, an deren Befreiung er einst teilnehmen durfte und für die er, bei deren Lage, volles Verständnis habe. Er werde auch weiter seine Pflicht tun und hoffe dabei auf die Unterstützung aller. Seine Worte klangen in ein dreifaches Hurra auf das geliebte Vaterland aus.
Von Markienen begab sich der Reichspräsident zum Bahnhof in Bartenstein. Die Straßen trugen reichen Flaggenschmuck. Tausende von Zuschauern hielten die Straßen besetzt. Der Kraftwagen des Reichspräsidenten durchfuhr in laugsaruer Fahrr vw Straßen und wurde von Blumen überschüttet. Am Bahnhof hatten sich zum Abschied der Landrat des Kreises Friedland, der Bürgermeister der Stadt Bartenstein und mehrere Magistratsmitglieder eingefunden. Namens der Bürgerschaft begrüßte der Bürgermeister den Reichspräsidenten und teilte den Magistratsbeschluß mit, nach dem der neue Stadtwald den Namen Hindenburgwald erhalten soll. Er erbat dazu die Genehmigung. Der Reichspräsident erwiderte auf die Ansprache, er gebe gern seine Einwilligung für die neue Bezeichnung des Stadtwaldes. In ein von Hindenburg ausgebrachtes Hurra auf das Vaterland stimmte die Menschenmenge freudig ein. Dann ging die Fahrt mit der Bahn weiter.
*
Die Einweihung des Tannenberg -Aattonaldeolmals.
Glänzender Verlauf.
Zum Einweihungsakt des Tannenberg - National- denkmals am Sonntag hatte sich auf dem eineinhalb Kilo- meter von Hohenstein entfernten Denkmalsplatz eine vieltausendköpfige Menge eingefunden. In langer Front waren die militärischen Verbände und Vereine, die zahlreichen Mitkämpfer der Schlacht bei Tannenberg aus Ostpreußen und aus dem ganzen Reiche aufgestellt. Um 11% Uhr erschien der Reichspräsidentin Generalfeldmarschalls uniform, von Staatssekretär Dr. Meißner und seinem Adjutanten, Major v. Hindenburg, begleitet. Als Vertreter der Reichsregierung erschienen der Reichskanzler Dr. Marx sowie die Reichsminister Dr. Geßler und Dr. v. Keudell. Die preußische Regierung war durch den Innenminister Grzesinfli sowie den Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen, Siehr, vertreten. Von Generalen der alten Armee waren u. a. Ludendorff, Mackensen, Frarwois und Morgen anwesend. Die Reichswehr war vertreten durch den Befehlshaber des Truppenkommandos I, v. Zitzewitz, der den verhinderten General Heye vertrat, und durch den Befehlshaber des Wehrkreises I, Generalleutnant v. Elbstedt, und zahlreiche höhere Offiziere. Am Nordzugang des Denkmalsplatzes hielt der Vorsitzende des Tannenberg-Nationaldenkmal- Vereins, Generalmajor a. D. Kahns, an den Reichspräsidenten eine
Begrüßungsansprache,
in der er sagte: Wir begrüßen es, daß Eeuer Exzellenz so frisch und gesund hier in unserem Kreise stehen. Euer Exzellenz haben vor drei Jahren den Grundstein zu dem Ehrenmal gelegt, das dort vor uns steht, mit den Worten: Den Gefallenen zum ehrenden Gedächtnis, den Lebenden zur Mahnung und den kommenden Geschlechtern zur Nach- eiferung. Die Steine werden reden dermaleinst von der Zeit, in der unter Eeuerer Exzellenz Führung hier
das große Geschehen sich abspielte, auf dem Boden, auf dem wir stehen, der uns allen heilig ist. Wie der Geist von Tannenberg tm Jahre 1914 das deutsche Volk, die deutschen Landsmannschaften zusammen- führte zu einigem Tun unter zielklarer, verantwortungs- «icher KMrMg Eurer Exzellenz und Eurer Exzellenz
treuen Berater, des Generals von Ludendorff und all der Herren, die hier versamme^ stehen, wie Eurer Exzellenz damals unter gottesgnädiger Führung Ostpreußen frei machten vom russischen Heer, u soll der Geist von Tannenberg sich verkörpern indem, ms wir hier geschaffen haben und was wir geschaffen hären in feinen Grundzügen zunächst, damit das deutsche Volk dieses Denkmal, das wir heute hier weihen wollen, ausbaue in der festen Überzeugung, daß die Tage kommen werden, wo endlich
wir wieder aufsteigen zu alter deutscher Höhe, daß sich der Geist von Tannenberg, meine Herren, erstrecke auf die deutschen Männer, die deutschen Frauen und die deutsche Jugend, darauf wollen wir heute ein Treu- g e l ö b n i s an dieser Stelle ablegen. Wir wollen hoffen, daß uns Gott die Kraft gibt, dieses Treugelöbnis zu erfüllen, wir wollen ihn bitten, daß der Geist von Tannenberg das deutsche Volk beseele in alle feine Kreise hinein, daß dieser Geist von Tannenberg wach bleibe und geweckt werde von allen denen, die an verantwortlicher führender Stelle stehen, der Geist, der hier repräsentiert wird durch unseren allverehrten Generalfeldmarschall und seine getreuen Helfer vom letzten Armierungsfoldaten bis zum ältesten General. Dieser Geist, er bleibe wach, und das bekräftigen wir nach alter deutscher Art, indem wir rufen: Der Geist von Tannenberg und die Herren, die hier oben stehen, die Führer von Tannenberg: Hurra! Hurra! Hurra!
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Zurückweisung der Kriegsschuldlüge.
Nach dieser Begrüßungsansprache nahm Reichspräsident von Hindenburg das Wort zu folgender Rede:
„Ich freue mich, meine alten Kampfgenossen von einst an dieser Stelle Wiedersehen zu können. Das Tannenberg-Nationaldenkmal gilt in erster Linie dem Gedächtnis derer, die für die Besreinng der Heimat gefallen sind. Ihr Andenken, aber auch die Ehre meiner noch lebenden Kameraden verpflichtet mich dazu, in einer Stunde und an dieser Stätte feierlich zu erklären: Die Anklage, daß Deutschland schuldig sei an diesem größten aller Kriege, weisen wir, weist das deutsche Volk in allen seinen Schichten einmütig zu rück! Nicht Neid, Haß oder Eroberungssucht gaben uns die Waffen in die Hand. Der Krieg war uns vielmehr das äußerste mit den schwersten Opfern des ganzen Volkes verbundene Mittel der Selbsterhaltung einer Welt von Feinden gegenüber. Reinen Herzens sind wir zur Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen und mit reinen Händen hat das deutsche Heer das Schwert geführt. Deutschland ist bereit, das unparteiischen Richtern gegenüber zu beweisen. In den zahllosen Gräbern, welche Zeichen deutschen Heldentums sind, ruhen ohne Unterschied Männer aller Parteifärbungen. Sie waren damals einig in der Liebe und Treue zum gemeinsamen Vaterland. Und darum möge an diesem Erinnerungsmale stets innererParteihaderzerschellen; es sei eine Stätte, an der sich alle die Hand reichen, welche die Liebe zum Vaterland beseelt und denen die deutsche Ehre über alles geht. Mit diesem Wunsche wollen wir das Denkmal weihen!"
Nach der Beendigung der Rede Hindenburgs präsentierte die Fahnenkompagme. Die alten Fahnen des 1., 17. und 20. Korps neigten sich vor dem Feldmarschall, der die Front der Ehrenkompagnie abschreitet, hinter ihm Mackensen und Ludendorff, dann die Schar der alten Heerführer der Schlacht von Tannenberg. Die Musik intonierte das Deutschlandlied, in vas die Menge begeistert einstimmte. Der Feldmarschall bestieg sodann einen Vierspänner und fuhr die Front der Zuschauer, die aus Ostpreußen und dem ganzen Reich herbeigeeilt waren, entlang. In einem zweiten Wagen hatte General Ludendorff mit Major von Treuenfels Platz genommen. Generalfeldmarschall von Mackensen, neben ihm General von Hell, folgten im dritten, Wagen. Nach der Vorbeifahrt fand der F e l d g o t t e s d i e n st statt.
Die Llebernsh:r«e v^ Seata&lö.
Hierauf übergab General Kahns dem Feldmarschall den Schlüssel zum Tanuenberg-National- d e n k m a l. Er dankte all denen, die sich um den Denkmalsbau verdient gemacht haben. Darauf fchritt er, gefolgt von Reichskanzler Dr. Marx, Reichswehrminister Dr. Geßler und der Generalität, zur Eingangspforte des Denkmals, die er mit dem ihm übergebenen Schlüssel öffnete.
Als der Feldmarschall den großen gewaltigen Ehren- Hof, der von acht großen Säulen umgeben ist, betrat, ertönte Musik. Er nahm den Helm ab zum stillen G e be t und legte darauf am Denkmal des deutschen Feldgrauen einen Kranz nieder. Auch von den alten Generälen und den Spitzen der Behörden wurden Blumengebinde niedergelegt.
Der gewaltige Raum des Innern des Denkmals war bald gefüllt von Hunderten und aber Hunderten von Fahnen, Bannern und Standarten. Von den hohen Türmen wehten weiße Fahnen mit dem alten deutscher: Ordenskreuz herab. An der einen Seite des Denkmals hatte die ostpreußische Studentenschaft in vollem.Wichs
mit ihren Bannern Aufstellung genommen. Die gesamten Kriegervereine und Formationen, der Jungdeutsche Orden, die Jugendbünde usw. waren mit ihren Fahnen ins Innere geeilt. Der Reichspräsident stand, umgeben von der Schar seiner alten Mitkämpfer und Führer, und lauschte dem Gesang des Sängerbundes Tannenberg. In der Ferne ist am Waldesrand eine kleine Höhe sichtbar, auf der sich das alte Denkmal der Schlacht von Tannenberg von 1410 befindet. Der Himmel klärte sich
im Verlauf der Feierlichkeiten
immer mehr auf, die Höhen traten mehr und mehr her- vor. Man sah die masurischen Seen, die weiten Wälder, bte dem Russenheer zum Verhängnis wurden.
. Ein erster Sonnenstrahl blickte durch die Wolken. Die weite Ebene um das Denkmal herum war erfüllt von den großen Menschenmassen, die zur Feier des Tages aus allen deutschen Gauen zusammengeeilt waren. Nach vorsichtigen Schätzungen waren etwa 100 000 Teilnehmer anwesend, -öer gewaltige Raum von 40 Morgen, den die Stadt Hohenstein für den Denkmalsplatz zur Verfügung stellte, war dicht gefüllt. Aber auch ringsherum hatten sich viele Zuschauer angesammelt. Von nachts 2 Uhr bis mittags %12 Uhr strömten ununterbrochen die Menschenmassen zusammen, die teils mit Sonderzügen, teils mit Autos und teils zu Fuß augekommen waren. In dem Augenblick, als der Generalfeldmarschall das Innere desDenkmals betrat, begann eine Batterie mit dem Abschießen von 101 Salutschüssen. Während die Feier im Innern des Raumes noch vor sich ging und der Sängerchor weiter sein Lied erschallen ließ, hatten draußen schon die einzelnen Formationen, Verbände und Vereine den Abmarsch an- getreten, da sonst ein geordneter Abmarsch der großen gewaltigen Menschenmassen nicht möglich gewesen wäre. All denen, die dieser schönen Feier be-gewohnt haben, wird sie sicher unvergessen bleiben.
DeuMands Mitarbeit im MkerSmid.
Dr. Stresemann vor der Weltpresse.
Bei einem Tee, den Dr. Stresemann in Genf den Ver- rretern der L-Settprcffe M mLyw der wamitez eine Steche von Ausführungen grundsätzlicher Art zu den ■ Vorgängen im Völkerbund während der gegenwärtigen Tagung. Er stellte dabei fest, daß die Befürchtungen, die vor Beginn der Tagung ziemlich verbreitet waren, es werde hier kaum Wichtiges geschehen, sich keineswegs bewahrheiteten, daß vielmehr die Tagung schon durch die lebhafte Zuspitzung der Generaldebatte zu einer der bedeutungsvollsten geworden sei. Der Minister verwies dann auf den Entschluß Deutschlands zur Annahme der Fakultativklausel für die Haager Schiedsgerichtsbarkeit als Beweis dafür, daß wir uns nicht mit bloßen Worten begnügen, und sprach die Hoffnung aus, daß damit der Bann gegenüber dieser Möglichkeit zur Erweiterung der Schiedsgerichtsbarkeit auch für andere Länder gebrochen sei.
Im Zusammenhang mit verschiedenen Artikeln stellte Dr. Sttesemann die Unterstellungen richtig, als ob jede Äußerung eines Deutschen die deutsche öffentliche Meinung spiegelte und als ob umgekehrt die großen Ideen einer Reichspolitik bis zu jedem einzelnen der 63 Millionen Deutschen unbedingt durchdringen müssen. Mit Bezug auf die Ratswahlen meinte der Minister, Deutschland würde sich stets für die Betonung der demokratischen Prinzipien des Völkerbundes einsetzen. Mit dem Ausdruck des lebhaften Bedauerns über das Ausscheiden von Männern wie Benesch und Vandervelde verband der Minister den Wunsch, daß künftighin bei Ratswahlen neben dem Lande auch die Persönlichkeit stärker in Betracht gezogen werden möge, deren Wirkungsmöglichkeiten im Rat es zu schaffen oder zu erhalten gilt.
Weiter behandelte Dr. Stresemann den Meinungskampf um die Abrüstung. Er unterstrich mit aller Deutlichkeit, daß Deutschland als „das der Sicherheit am meisten bedürftige Land" sich weiter im Sinne einer ent- chiedenen Förderung der Aufgabe bemühen und mit jedem zu- ammenwirken werde, der dem gleichen Ziele diene. „Der etzige Stand der Abrustungsfrage ist durchaus unbefriedigend/ o erklärte Dr. Stresemann, „und wohl auch für diejenigen die für die hochgerüsteten Staaten das Wort führen." Er fügte hinzu, daß zur Abrüstungsfrage voraussichtlich ein Mitglied der deutschen Delegation in der Vollversammlung den positiver deutschen Standpunkt vertreten werde.
Der Kampf der Meinungen, wie er während dieser Session bisher hier geführt worden ist, behandle in aller Osfentlichkeii die Schwäche, die dem Völkerbund wie jeder menschlicher Institution innewohne. „Was Kritik nicht verträgt, ist krank was Kritik übersteyt, gesund. Der Völkerbund hat seine Lebensfähigkeit dargetan und wird, so bin ich es gewiß, weite: wachsen und sich entwickeln." So schloß der Minister seine umfassenden Darlegungen.
Auf die Frage eines französischen Journalisten, ot Deutschland beabsichtige, in Genf auf Grund des Artikels 1$ der Völkerbundsatzung die Frage der R h e i n l a n d - räumung auszurollen, erwiderte der Minister, daß dies« Angelegenheit bislang im Rahmen der Locarnomächte verhandelt worden sei, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß st« im gleichen Rahmen einer zufriedenstellenden Lösung entgegengeführt werde.
Die neue Ratstagung eröffnet.
Der ungarisch-rumänische Streitfall.
Die neue 47. Session des Völkerbundrates begann mit einer geheimen Sitzung. Da China auf den ihm zustehenden Vorsitz verzichtete, behielt der jetzige Präsident Villegas den Vorsitz. Nach Begrüßung der neuen Rats- mitglieder beschäftigte sich der Rat in einer öffentlichen Sitzung mit dem ungarisch-rumänischen Streitfall, der'die Optantenfrage betrifft. Der Rat forderte Rumänien auf, seinen aus dem ungarisch-rumänischen Schiedsgericht zurückgezogenen Schiedsrichter wieder in das Schiedsgericht