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Umfelder Tageblatt

Anzeigenpreis: die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Zür die Schriftleitung verant­wortlich: Kranz Kunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr. 8

mit den Beilagen: Leimatsch ollen /

Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger fir den Kreis HersfelS

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.20 Keichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für HersfelS 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 0.80 Reichs-Mark: Druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDZV.

Illustriertes Anlerhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 215

Mittwoch, den 14. September 1927

77. Jahrgang

Hurtig, hurtig, Herr Mifier!

Durch die kürzlich erfolgte Tariferhöhung hatte sich die Reichs Po st recht unbeliebt gemacht, so unbe­liebt, daß Gerüchte wissen wollten, ihr werde ihre weit- oehende Selbständigkeit Reichstag und Reichsregierung haben ja jetzt in ihr Geschäftsgebaren fast nichts hinein- zureden wieder genommen werden. Besonders wurde der Reichspost entgegengehalten, daß sie jetzt tatsächlich viel weniger leiste als früher, weil vielfach der Dienst ge­genüber der Vorkriegszeit stark eingeschränkt sei, nament­lich aber in den kleinen Städten und bei der Landbestel­lung auf die Bedürfnisse des Publikums viel zu wenig Rücksicht genommen werde. Dabei spielte nicht zuletzt auch die Regelung des Telephon­verkehrs eine sehr erhebliche Rolle. In den Großstädten klagte man besonders über die Verspätung, mit der des Morgens die Post abgeliefert würde kurz, e s gab de r Ausstellungen die Hülle und Fülle. Deswegen wirkte die Tariferhöhung fast verbitternd.

. Der Reichspostminister will aber nun zeigen, daß er nicht nur mehr fordern kann, sondern auch mehr leisten will. Eine Einrichtung, diedem Verkehr dient", muß aber auch mit der raschen Entwicklung des Verkehrs fort­schreiten, sonst gerät sie trotz ihres Monopolcharakters bald ins Hintertreffen und verspürt das sehr rasch an ihren Einnahmen. Freilich soll und muß dabei gespart, unnötige Ausgaben sollen unbedingt vermieden werden aber es ist doch ein gar zu großer Unterschied, wenn z. B. in Berlin vor dem Kriege am Tage eine achtmalige Postzustellung erfolgte, jetzt aber nur eine drei- bis vier­malige! Verständig ist es, daß man jetzt Unterschiede machen, also in den Geschäftsgegenden häufiger die Post zustellen will als in den sonstigen Bezirken.

Auf dem Lande und in kleinen Städten aber will die Reichspost auch Verbesserungen einführen. Dort gibt es vielfach nur eine einmalige Zustellung und nun soll geprüft werden hoffentlich dauert diese Prüfung nicht allzulange, wo eine mindestens zweimalige Orts­zustellung notwendig erscheint. Überhaupt die Land- «LMLung!.. Die M des seligen

Generalpostmeister Stephans Zeiten einmal des Tages von Dorf zu Dorf seinen Bestellgang der jedesmal eine erkleckliche Anzahl von Kilometern ausmachte zu er­ledigen hatte, ist doch wirklich vorbei; schneller schreiten das Leben, der Güteraustausch und damit auch der posta­lische Verkehr vorwärts und dieMechanisierung" dieses Verkehrs ermöglicht auch raschere Durchführung. An die Stelle desHinkenden Boten", wie der über hundert Jahre alte Titel des bekannten Lahrer Kalenders lautet, tritt jetzt der Briefträger auf Kraftfahrzeug, besonders auf dem Motorrad, und das bedeutet nicht bloß eine Ersparnis an Zeit, Geld und Menschenkraft sondern vor allem eine wirklich sehr notwendige Moder­nisierung und Beschleunigung des posta­lisch e n V e r k e h r s. Die Vorbedingungen dazu, näm­lich weitgehende Verbesserungen des Straßennetzes, sind ja vorhanden; die Benutzung der Kraftfahrzeuge ermög­licht natürlich auch ohne weiteres die Erweiterung des Bestellbezirkes für den Landbriefträger, der hoffentlich recht bald hoch auf knatterndem Motorroß dahergebraust kommen wird. An die Stelle des Posthorns tritt die Hupe.

Mehr noch verspricht der Postminister. Unzählige Male ist gerade in den kleinen Städten es außerordent­lich störend empfunden worden, daß zur Mittagszeit mehrere Stunden hindurch der Postbetrieb vollständig ruhte, dieses Verkehrsmittel stillstand. Jetzt soll das anders, soweit wie möglich ein durchgehender Schalterdienst eingerichtet werden und das mit Recht. Denn auch auf dem Lande draußen, außerhalb der Großstädte, steht der Verkehr nicht still. Hoffentlich gilt die neue Bestimmung auch für die Vermittlung der Tele­phonanrufe, was eine besonders dringende Notwendig­keit darstellt. Man denke nur an etwaige telephonische Übermittlung von Telegrammen; bei den oft vorhandenen weiten Entfernungen spielen hier die Minuten häufig genug eine entscheidende Rolle.

Längst hat die Reichspost von der Beliebtheit und der allgemeinen Zufriedenheit, die sie sich unter des seligen Generalpostmeister Stephans Zeiten erworben hatte, viel eingebüßt; leicht aber kann sie sich durch das Bemühen, den Wünschen des Publikums einigermaßen gerecht zu werden, das verlorene Terrain wiedererobern. Jedes Staatsmonopol, dem der Stachel der Konkurrenz fehlt, trägt die Gefahr einer gewissen Verknöche - r u n g, eines Zurückbleibens hinter dem Notwendigen in sich; es schadet dann viel mehr als es nützt und finan- zielle Schwierigkeiten sind die baldige Folge, die man dann freilich allzu leicht durch Tariferhöhungen wettzu- machen hofft. Verkehr, moderner Verkehr aber ist wir­belndes, strudelndes Leben und höchste Lebendigkeit, schnellste Anpassung an diesen raschen Fortschritt muß darum auch erste Eigenschaft einer Einrichtung sein, die dem Verkehr dient, soll sie ihm nicht zum Hemmschuh worden.

Deuischlimö fordert die Abrüstung.

TagungderAusschüsseiu Genf.

Nach Vertagung der Vollversammlung des Völker- , bundes haben die Ausschüsse ihre Arbeit sofort aufge- m» Sie steht unter dem Druck des BedürfniSxs. bis |

Hindenburg bei der Flotte

Marinemanöver 1927

Parade vor dem Reichspräsidenten.

Wie alljährlich finden in diesen Tagen die Herbst­manöver unserer durch die Kriegsereignisse so wesent­lich beschränkten Verteidigungskräfte zur See statt. Die Übungen stellen den Beschluß des Ausbildungsjahres dar. Von Anfang an war geplant, die Flottenübungen mit den Manövern der Truppen der II. Division auf Rügen zu verbinden, zumal zum ersten Male der Reichspräsi­dent sein Erscheinen zugesagt hatte. Wegen der Abkom­mandierung von Truppen zur Erntebergung in Pommern sah man aber von diesen umfangreichen Plänen ab. Doch blieb man bei der Vorbereitung für eine

Flottenparade vor dem Reichspräsidenten.

Sie wird dem Reichspräsidenten, wie gesagt, zum erstenmal Gelegenheit geben, ein solches Schauspiel zu sehen. Bei früheren Besuchen in den Häfen von Wilhelms- h a v e n und Kiel waren nur einzelne Kampffahrzeuge anwesend.

Uebungen in der pommerschen Bucht.

Die Schiffe der Nordseestation liefen bereits vor einigen Tagen aus Wilhelmshaven aus, gingen durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal nach Kiel, von wo aus sie sich zu- samuren mit den O st s e e s ch i f f e n in die Pommersche Bucht begaben. Dort wurden Verbandsübungen abge­halten. Der Verband besteh, aus der Linienschiff- d i v i s i o n, deren erster Admiral der Flottenchef, Vize­admiral M o m m s e n, und deren zweiter Admiral der Konteradmiral P r e n tz e l ist: LinienschiffeSchleswig- Holstein",Schlesien",Elsaß",Hessen", und aus den Aufklärungsstreitkräften. Diese werden von dem Kapitän zur See und Kommodore v. Löwenfeld be­fehligt und umfassen die drei KreuzerNymphe",Ber- lin",_^Ama.'.ouc" und Von. den-Mteren- nehmen zwar die Boote der I., II. und III. Torpedoboots- halbslottillen an der Flottenparade und den nachfolgenden Manövern teil, nicht aber die der IV. Torpedobootshalb- flottille, die die in diesem Jahre nacheinander fertig gewordenen Torpedobootsneuvauten aufnimmt, von denen bis jetzt vier in Dienst gestellt worden sind. Dafür wird jedoch eine Minenhalbflottille und vielleicht noch eine Tenderhalbflottille an der Parade teilnehmen.

zur nächsten Vollversammlung am Donnerstag mindestens die Generaldebatte Wer die ihnen zugewiesenen Gegen­stände zu beendigen. Das Hauptinteresse nimmt der Ab­rüstungsausschuß in Anspruch, in dem das deutsche Dele­gationsmitglied Gras Bernstorff betonte, daß die Aufgabe der geplanten Abrüstungskonferenz nicht die Begrenzung, sondern die Herabsetzung der Rüstungen sei. Nach­dem Deutschland, so sagte Graf Bernstorff, vollkommen ab- gerüstet ist, handelt es sich darum, daß die allgemeine Ab­rüstungsverpflichtung auch von allen anderen Staaten durchgeführt wird. Was den Zeitpunkt der nächsten Ta­gung des vorbereitenden Abrüstungsausschusses betrifft, so bestand Graf Bernstorff darauf, daß diese Tagung noch

John D. Rockefeller junior, der zum Ausbau der Völkerbundbibliothek zwei Millionen Dollar stiftete.

tm Lause dieses Jahres abgehalten werde. Ohne das Vorliegen eines gemeinsamen Textes des vorbereitenden Abrüstungsausschusses können weder die Verhandlungen der Regierungen noch die öffentliche Meinung wirksam auf die Abrüstungskonferenz hinarbeiten.

Im ersten Ausschuß, der die Rechtsfragen behandelt, drehte es sich um die Frage, ob die Annahme eines Völkerbundabkommens unter Vorbehalt der Ratifi­kation bei Nichtherbeiführung der Ratifikation rechtsver- bindlichen Charakter annehmen kann, und ferner um die Frage der fortschreitenden Kodifizierung des internatio­nalen Rechts. Im zweiten Ausschuß, in dem zunächst die Angelegenheit der internationalen geistigen Zusammen­arbeit und des Pariser Instituts zur Erörterung stan­den, nahmen eine Reihe von Rednern das Wort, dar­unter auch als deutscher Vertreter der Abgeordnete Dr. Breitscheid. Er sprach von den Beziehungen der einzelnen Mächte zu dem Pariser Institut, für welchen Zweck in Berlin in Kurse ein deutsches Verbindunas-

Mittwoch trifft v. Hindenburg in Swinemünde ein, wo er sich an Bord des Flottenflaggschiffes Schleswig-Holstein" einschifft. Für den Reichs­präsidenten ist eine lange hölzerne Treppe errichtet wor­den, die von der Schanze über den hinteren Geschützturm zum Aufbaudeck führt, wo sich die für ihn hergerichteten Räume befinden.

Der Reichspräsident auf Rügen.

Festlicher Empfang.

Auf dem Bahnhof in S t r a l s u n d traf Reichspräsi­dent von Hindenburg mit dem fahrplanmäßigen Zug ein. Er wurde vom Regierungspräsidenten Hausmann und dem Oberbürgermeister begrüßt. Auf dem Bahnhofsvor­platz, auf dem zahlreiche Vereine und Schulen Aufstellung genommen hatten, begrüßte der Reichspräsident die Alt- Veteranen und zog vor allem den einzigen noch überleben­den Gardekürassier von der K a i s e r p r o k l a m a t i o n in Versailles in ein Gespräch. Sodann fuhr er durch Die Hauptstraßen zum Marktplatz, wo sich die städtischen Körperschaften versammelt hatten und wo der Bürger­meister den Reichspräsidenten willkommen hieß. Der Reichspräsident dankte für die Ehrungen und mahnte zur Einigkeit. Er ließ seine Worte ausklingen in ein Hoch auf das deutsche Vaterland. Die Stralsunder Wassersportvereine und Fischer sowie einige Flugzeuge geleiteten die Fähre, die den Reichspräsidenten nach Rügen brächte.

Beim Betreten der Insel Rügen begrüßte Land rat Mielenz in Altefähr den Reichspräsidenten, dem in allen Ortschaften, die er auf seiner Fahrt nach P u t b u s be­rührte, von der Bevölkerung lebhafte Kundgebungen dar­gebracht wurden. Drei Flieger begleiten den Reichs­präsidenten bis zum Ziel. Vor Putbus überblatten drei juwatöntfluterinnen J.n_ ihren ,Latianaltrachte.q-^ Huldigung der^ Nugenschen Frauen und Mädchen. Über 100 Mitglieder Rügenscher Reilervereine erwarteten das Auto des Reichspräsidenten und geleiteten es durch den Ort. Im Ort selbst bildeten die Schulen, Sport­vereine und Militärvereine Spalier. Vor dem Eingang zum Schloß erwartete die Fürstin von Putbus den Gast. Abends wurde im Schloß ein Festbankett abgehalten.

b u r e a u eröffnet werde, von der Förderung des Stu­denten- und Professorenaustauschs durch Deutschland und kam dann auf das Urheberrecht zu sprechen. Bei der For­derung nach Vereinheitlichung der Schutzfrist für die Werke Verstorbener trat er für die dreißigjährige Schutz­frist ein.

*

Unterredung Stresemanns mit Woldemaras.

Zwischen dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann und dem litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras hat in Genf eine Aussprache stattgefunden. Die Unterredung, die längere Zeit dauerte, bezog sich auf die Memeler Vorgänge und die mit dem Memelgebiet zusammen­hängenden Streitfragen.

Nardinis Ermordung in Paris.

Frankreich trägt keine Verantwortung.

Die Bluttai tm italienischen Konsulat zu Paris hat in R o m die größte Erregung ausgelöst, jedoch ist man in Frank­reich nicht der Ansicht, daß Italien irgendwelche Ansprüche er­heben könne. Es wird betont, daß das Attentat auf italieni­schem Boden von einem Italiener ausgeführt worden ist. Gegenwärtig werden Untersuchungen in antifaschistischen Kreisen in Paris und Umgebung vorgenommen, um festzu­stellen, ob vielleicht der Mörder in diesen Kreisen verkehrte. Poincarö und Briand haben dem italienischen Botschafter in Paris das Beileid der französischen Regierung ausgedrückt.

Der Hergang der Tat.

Der Mörder hatte um eine Unterredung mit dem General­konsul gebeten. Er wurde jedoch in das Arbeitszimmer des Vizekonsul geführt und bat in Gegenwart des Sekretärs um ein Visum für seine Frau für die Ausreise aus Italien. Der Sekretär entfernte sich, um Akten zu holen. Er hatte kaum das Zimmer verlassen, als zwei Schüsse kurz hintereinander fielen. Sofort eilte er zurück und fand den Vizekonsul sterbend in seinem Stuhl liegen. Gleichzeitig stürzten der Portier des Konsulates und der diensthabende französische Polizeibeamte herein, die versuchten, den Mörder zu überwältigen. Dieser konnte noch zwei Schüsse abgeben, die aber fehlgingen. Darauf Wurde er niedergeschlagen. Der Vizekonsul Nardini hatte zwei Schüsse erhalten, von denen einer das Herz getroffen hatte. Der Tod erfolgte sofort, nachdem er ins Krankenhaus gebracht war.

Die Person des Mörders.

Während der Attentäter zur Polizeiwache geführt wurde, gelang es ihm, alle seine Papiere zu vernichten, so daß seine Persönlichkeit nicht festgestellt werden konnte. Auf dem Polizei- kommissariat erlitt er bei seiner Vernehmung einen schweren Nervenanfall, der seine weitere Vernehmung unmöglich machte. Nachdem man ihm eine Morphiumeinspritzung gegeben hatte, versuchten die Polizeikommissare vergeblich, ihn zu verhören. Er weigerte sich, an ihn gerichtete Fragen zu beantworten. Es handelt sich um einen etwa Mjährigerr Italiener. Er wurde in das Santö-Gefängnis übergeführt.

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