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HersfelSerTageblatt

Anzeigenpreis: Sie einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezeile SS Pfennig. (Grunöschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- Nachlaß gewährt. Kür die Schristleitung verant­wortlich: Kranz Kunk in Hersfelö. Kernsprecher Nr. 8

Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher/lnzeiger für van Kreis Hersfelö

Monatlicher Bezugspreis: durch die Post bezogen 1.20 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Bersfeld 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer S.8S Reichs-Mark» druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchdruckerei in yersfew, Mitglied des VSZV. ♦♦HHm*H0H»<HHH*»HHHHHHHmHHH>immHH

mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblall / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Anterhallung und Wissen Belehrwrg und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 204

Donnerstag, den 1. September 1927

77. Jahrgang

Polens Kampfzölle.

Der Handelspolitische Ausschuß des Reichstages stimmte soeben dem jüngst unterzeichneten deutsch- französischen Handelsvertrag zu. Mit Aus­nahme der Kommunisten sprachen sich alle Redner dafür aus. Es wurden zwar Bedenken geltend gemacht, schließ­lich aber betonte man doch, diese seien gegenüber der Tat­sache zurückzustellen, daß hier endlich einmal ein großer Schritt nach vorwärts getan wurde, um in die deutsch­französischen Wirtschaftsverhältnisse eine gewisse Festigkeit zu bringen. Unsere Unterhändler haben also wirklich ernste Arbeit geleistet, die um so höher einzuschätzen ist, wenn man die zu überwindenden Schwierigkeiten berück­sichtigt, die beinahe noch in letzter Stunde das ganze Werk in Gefahr brachten. Nach Zustimmung des Ausschuffes steht dem nichts mehr im Wege, daß der Vertrag am 6. September in Kraft tritt. Der Reichstag hat zwar noch später seine Zustimmung zu geben. Es ist jedoch nicht daran zu zweifeln, daß der Vertrag auch dort eine große Mehrheit findet.

So erfreulich es ist, wenn im Westen allmählich klare Verhältnisse eintreten, so bedauerlich ist es, daß das im Osten nicht glücken will. In der Kabinettssitzung vom Dienstag kam man auch auf die Tatsache zu sprechen, daß Polen jetzt wirklich die Verordnung erlassen hat, wonach es ab 26. Dezember seine Maximalzölle ver­doppelt, soweit dem nicht Handelsverträge entgegen­stehen. Gleich, als die Absicht der polnischen Regierung bekannt wurde, haben die deutsche Presse und die deutsche Öffentlichkeit gewußt, daß sich das Ganze gegen Deutschland richtet. Von polnischer Seite ist dies zwar noch kürzlich bestritten und darauf hingewiesen worden, daß es noch andere Staaten gibt, mit denen Polen keinen Handelsvertrag besitzt. Demgegenüber ist zu betonen, daß diese es handelt si) meist um kleine Staaten so gut wie gar keine Hände sbeziehungen oder nur sehr geringfügige zu Polen habe t

Pflichtgemäß hat denn auch der d- atsche Vertreter in Wa r s ch a u die polnische Regierung im Auftrage der Reichsregierung darauf aufmerksam gemacht, welchen Mrechren Mnbouck^Mese Maßnahme, wem» sie erfolgen sollte, in Deutschland machen würde. Wenn sie Wirklichkeit geworden ist, wird man natürlich erneut in Warschau vor­stellig werden. Allerdings ist kaum damit zu rechnen, daß Polen vorläufig seine Haltung ändert. Es wird wieder schöne Worte machen, hervorheben, wieviel ihm an guten Beziehungen zu Deutschland liegt, aber zugleich darauf aufmerksam machen, daß die handelspolitische Lage Polens eine Zurücknahme der Maßnahme leider nicht zu- lasse, doch von einer Unfreundlichkeit gegen Deutschland nicht die Rede sein könne.

Die Vertragsverhandlungen mit Polen, wenn man überhaupt noch von solchen sprechen kann, gehen in einem derartigen 'Schneckentempo vor sich, daß es völlig ausge­schlossen ist, bis Ende des Jahres zu einem Handelsver­träge zu kommen. Es müßte denn sein, daß man deutscher­seits dem polnischen Erpressungsversuch, denn ein solcher liegt hier vor, stattgibt und die polnischen Bedingungen namentlich in der Niederlassungsfrage, bei Fleisch, Getreide und Kohle annimmt. Da dies jedoch ausgeschlossen ist, so dürften die Verhandlungen vorläufig ins Stocken geraten.

Das ganze Vorgehen Polens ist mehr als eine Un­freundlichkeit. Wenn das Fortbestehen des jetzigen Zoll­zustandes wirklich eine Gefahr für Polen wäre, dann hätte man eine Verordnung mit sofortiger Wirkung erlassen. Man hat aber eine Frist von vier Monaten gesetzt, was delltlich eine Drohung für die Staaten bedeutet, die mit Polen verhandeln. Es wäre gut, wenn mit Rücksicht auf diese Tatsache die deutsche Antwort in Warschau an Deut­lichkeit nichts zu wünschen übrigließe. Vielleicht nimmt auch Außenminister Dr. Stresemann Gelegenheit, in Genf den polnischen Außenminister auf das Merk­würdige derartiger Verhandlungsmethoden aufmerksam zu machen.

Polen richtet sich so gern nach Frankreich, das es als erhabenes Vorbild ansieht. In Frankreich hat man sich lange gesträubt, Deutschland die nötigsten handelspoli­tischen Zugeständnisse zu machen. Die harte Notwendig­keit hat aber schließlich zu einer. Einigung geführt.

Sie Truppenreduzierung miigeieili.

Briand kommt doch nach Genf.

Das Auswärtige Amt in Berlin ist nunmehr von dem Beschluß der alliierten Regierungen über die bevorstehende Truppenreduzierung im besetzten Gebiet durch einen diplo­matischen Vertreter der Ententemächte benachrichtigt worden. Die Zahl der zurückzuziehendett Truppen wird sich auf 10 000 Mann belaufen, also 100 Mann mehr, als zunächst allgemein angenommen wurde. Über die Einzel­heiten der Truppenzurückziehung werden wahrscheinlich noch weitere Besprechungen stattfinden.

Der deutschen Delegation war diese offizielle Benach­richtigung vor ihrer Abreise nach Genf noch nicht bekannt. Unterdessen hat auch der englische Außenminister Chamber- lain die Reise nach Genf über Paris angetreten, wo er mit dem französischen Außenminister Briand eine Zu- sammenkunft hatte. Die Nachrichten, die von einer Er­krankung Briands wissen wollten, haben sich nicht be­stätigt. Briand wird, wenn auch etwas verspätet, nach Genf reisen und bestimmt an der Völkerbundjagullg jeil- nehmen,

Mischer Wahlsieg ii Memelgebiet

Das Memelland ist deutsch.

Litauens Wahlniederlage.

Durch den Friedensvertrag von Versailles wurde das Memelland vom Deutschen Reich abgetrennt und stand vom Februar 1920 bis Anfang 1923 unter französischer Verwaltung. Im Februar 1923 sprach sich die Pariser Botschafterkonferenz für die Angliederung an Litauen unter Gewährung selbständiger Verwaltung aus, die dem Lande auch einen eigenen Landtag zubilligte. Ein Gou­verneur übt die oberste Gewalt aus. Seit jener Zeit gibt sich Litauen die erdenklichste Mühe, das Gebiet seines deutschen Charakters zu entkleiden. Keine Rücksichislosig- keit, kein Hinwegsetzen über die Verträge scheute man dabei von litauischer Seite. Mit welchem Erfolg, zeigt die jetzige Wahl zum Memellandtag, die schon vor der end­gültigen Feststellung der Resultate einen gewaltigen Sieg der Deutschen erkennen läßt.

Die Wahlen zum Memelländischen Landtag werden folgende Mandatsverteilung bringen: deutsche Par­te i e n 22, Groß-Litauer 4, Kommunisten 2, Aufwertungs­gegner 1. Die Wahlbeteiligung betrug in der Stadt 73, auf dem Lande etwa 60 Prozent gegen rund 85 Prozent bei den ersten Landtagswahlen. In der Stadt Memel wurden nach der ersten Zahlung Stimmen abgegeben: für die deutsche Memelländische Volkspartei 8548 (12 194), Landwirtschaftspartei 732 (208), Sozialdemokratische Partei 1449 (2643), Kommunisten 2391 (1146), Grosr- litauische Parteien 1076 (428). 93 Stimmen sielen noch auf die Aufwertungspartei. Die in Klammern stehenden Zahlen zeigen die Stimmcuverteilung bei der letzten Wahl im Oktober 1925 an. Wahlberechtigte find 20100 vor­handen.

Also trotz der geringeren Wahlbeteiligung ist das Stimmenverhältnis ungefähr das gleiche geblieben tote 1925. Dabei ist. aber zu berücksichtigen, daß zahlreiche

Ein EMMAmeribaM fitgoiM

Son England nachKanada unterwegs

Zwei Männer und eine Frau im Flugzeug.

Am Mittwoch um 7.30 Uhr ist die Fokker-Maschine F. 7St. Raphael" in Upavon in der Grafschaft Wiltshire (England) mit dem Ziel, Ottawa in Kanada gestartet. Die Besatzung besteht aus Kapitän H a m i l t o n, Oberst Minchin und der Prinzessin Löwen st ein-Wert- heim- Freudenberg. Der Start vollzog sich glatt. Das Flugzeug nahm bei günstigem Ostwind Kurs über Bath.

Die Prinzessin Löwenstein-Wertheim erschien, be­gleitet von dem katholischen Erzbischof von Cardiff, auf dem Flugplatz. Kurz vor dem Start segnete der Erzbischof das Flugzeug und wünschte den Fliegern eine gute Reise.

Die geplante Fluglinie des St. Rafael.

Beim Start regnete es leicht. Die Prinzessin war etwas nervös, doch ist sie überzeugt, daß das Abenteuer mit einem Erfolg enden wird und daß sie die erste Frau sein wird, die den Atlantik überflogen hat. Sie hat nur einen kleinen Koffer und eine Hutschachtel mitgenommen. Während eines Teiles der Fahrt wird sie selbst steuern.

Die Wetterlage auf dem Ozean.

Nach einer Mitteilung der Deutschen Seewarte über die Wetterverhältnisse auf dem Atlantischen Ozean liegt das Tiefdruckgebiet noch unverändert zwischen Grönland und Irland und erstreckt sich mit einem Aus­läufer südwestlich bis zum 45. Breitengrad. An der ameri­kanischen Küste herrschen auf der Nordseite dieses Hoch­druckgebietes frische Südwestwinde.

Könnecke wechselt den Funker.

Könneckes Start zum Amerikaflug hat sich durch einen Konflikt zwischen ihm und dem Funker Wall von neuem verzögert. Wall verlangte durch seinen Rechtsanwalt, an dem finanziellen Ergebnis des Unternehmens beteiligt zu werden, was ihm jedoch abgeschlagen wurde. Auf Grund dieser Forderung hat Könnecke auf die weiteren Dienste Walls verzichtet und sich einen anderen Funker

Deutschgesinnte, die nicht für Litauen optiert hatten, tn- zwischen zur Auswanderung veranlaßt worden sind und durch einwandernde Litauer ersetzt wurden, die bereits mitwählen durften. Die Wahlmüdigkeit gegen 1925 hatte Platz gegriffen, als die mit großer Energie im Februar geführten Wahlvorbereitungen plötzlich abgebrochen wer­den mußten. Außerdem war es infolge der strengen amtlichen Pressezensur nicht möglich, die Wähler hin­reichend aufzuklären. Fast alle von Amts wegen bestellten Wahlbeamten waren Litauer, ferner stand die ganze Öffentlichkeit während der Wahlzeit unter stärkstem nnlr- tärischen Druck. Aber trotz aller Schikanen, trotz aller Be­einflussung ist der Gedanke der deutschen Kultur- g e m e i n s ch a f t nicht zu beeinträchtigen gewesen, weder in der Stadt Memel, noch in den Landbezirken.

Ergebnisse aus Land und Stadt.

Von insgesamt 200 Landbezirken wurde in 130 Be­zirken der Wahlausfall im Laufe des Mittwochs festge­stellt. In diesen Landbezirken hatten erhalten: Memel­ländische Volkspartei (deutsch) 7200, LandwirtschaftS- partei 12 000, Sozialdemokraten 3000, Kommumsten 1000, Aufwertungsbnnd 1200. grosilitanische Parteien zusam­men rund 4000. Aus Stadt Memel und den 130 Land­bezirken zusammen ergab sich nachmittags folgendes Stimmeneraebnis: Volkspartei 15 700. Landwirtschafts­partei 12 800, Sozialdemokraten 4400, Kommunisten 3200, Aufwertungsbund 1300, großlitauische Parteien zusam­men 5200 Stimmen. _ .

In Kowno fand alsbald unter dem Vorsitz des litauischen Präsidenten Woldemaras ein Kabinetts­rat statt, der zu den aus den Wahlen zu ziehenden Folge­rungen Stellung nehmen sollte. Die Herren mögen be­schließen, was sie wollen an der Tatsache, daß das Memelgebiet trotz der Bestimmungen von Versailles und Paris ein u r d e u t s ch g e s i n n t e s L a n d geblieben rN ^nb Melken MltM Tonnen Ke nichts ändern!

von auswärts engagiert. An seine Stelle ist nun ein ge­wisser Johanne" getreten. Mit ihm will Könnecke starten, sobald es die Witterungsverhältnisse erlauben.

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LevineDrouhin sind wieder gut

Die Gattin des Ozeanfliegers Levine hat bei ihrem Advokaten Drouhin die Konventionalstrafe von 1 00 00 0 Frank ausgezahlt, da Levine von dem mit Drouhin ge­schlossenen Vertrag zurückgetreten ist. Frau Levine ist darauf nach London abgereist. Damit ist der Konflikt Le­vineDrouhin beigelegt und der Amerikaner kann starten, ohne wieder Prozesse am Halse zu haben.

Die amerikanischen Weltflieger in Belgrad.

Zu Ehren der in Belgrad gelandeten amerikanischen Weltflieger Schlee und Brock veranstaltete die Stadt Bel­grad einen feierlichen Empfang. Die Flieger setzten da­nach ihren Flug nach Konstantinopel fort.

Flugunfälle.

Ein französischer Marineflieger, der mit seinem Be­gleiter, einem Mechaniker, einen Flug rund um Frankreich durchgeführt hatte, überschlug sich mit seinem Apparat beim Landen auf dem Flugplatz Le Bourget. Das Flugzeug ging in Flammen auf und wurde vollkommen vernichtet.

Das seit Sonnabend vermißte jugoslawische Flug­zeug wurde unterhalb der Jsabella-Spitze an einem Gletscher nächst der Reutlinger Hütte aufgefunden. Das Flugzeug war total zertrümmert. Es scheint an den Gletscher angeflogen und bei dem Anprall sehr beschädigt worden zu sein. Neben dem Flugzeug lag der Pilot, ein jugoslawischer Oberleutnant, mit mehreren Schenkel- brüchen; beide Füße hatte er verloren. Etwas abseits lag der Kommandant des Fliegergeschwaders, Oberst Petro- witsch, tot, aber ohne Verletzungen. Er hatte anscheinend Hilfe suchen wollen, war aber in dem Unwetter schließlich zusammengebrochen und ist dann erfroren. Der töd­liche Absturz ereignete sich westlich des Arlbergs. An­scheinend hatte das Flugzeug aus dem Nebel und Schnee­treiben nicht herausfinden können und ist infolgedessen an die Gletscherwand angestoßen.

Friedensreden in Paris.

Abschluß der Interparlamentarischen Friedensunion.

Die seit einiger Zeit in Paris tagende Interparlamenta­rische Friedensunion fand ihren Abschluß durch ein großes Bankett, das der französische Außenminister Briand den Teil­nehmern der Veranstaltung gab. Hierbei hielt Briand eine Rede, in der er daraus hinwies, daß die Friedensunion den Völkerbund harmonisch ergänzen solle. Es handele sich darum, den Weltfrieden aus dem Boden des Rechts zu festigen. 6ur die zivilisierte Wett sei der Frieden nicht ein Luxus, fono^n eine vitale Notwendigkeit. Es sei sch w i e r l g e r, d e r S a ch e des Friedens zu dienen als der des Krteges. -.ie Mitglieder der Interparlamentarischen Union mußten in ihrem Lande ihren Landsleuten das wahre Gesicht der Männer und