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Hersftl-er Tageblatt

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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger für von Kreis Hersfelö

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mit den Beilagen: Leimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblakt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterbaltung und Wissen Delehrans und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 202

Dienstag, den 30. August 192t

77. Jahrgang

Kabinettsrat über das Rheinland

Deutsche Stellungnahme

zur defatzungsverminderung

Vor der Abreise nach Genf.

Für Dienstag abend ist die Abreise der deutschen Ab- lung zu den Beratungen des Völkerbundrates in Genf

ordnung zu

angesetzt. Da inzwischen das Abkommen Englands und Frankreichs über die Verminderung der Besatzungsstärke im Rheinland abgeschlossen worden ist, wird sich das Reichskabinett dem Vernehmen nach noch vor der Abfahrt der Deutschen nach Genf versammeln, um einen Bericht über die außenpolitische Lage entgegenzunehmen. Selbst­verständlich wird dabei das Kompromiß in der Rheinland- frage znr Sprache kommen, zumal man die amtliche Mit­teilung über die Truppenverminderung am Rhein jeden Augenblick erwartet.

Wahrscheinlich wird das Kabinett nicht einen bestimm­ten Beschluß fassen; es wird lediglich für die in Genf vor sich gehende Auseinandersetzung Richtlinien geben können. Wie man hört, wird aus diesem Grunde auch der in Urlaub weilende Reichskanzler an dem Kabinettsrat nicht teilnehmen. Anwesend werden sein die in Berlin weilenden Minister Dr. S t r e s e m a n n, Dr. Geßler, Dr. C.urtius, Schiele und Koch.

Ob in Genf eine anderweitige Festsetzung der Truppenverminderung, als wie sie jetzt mit der Reduktion um 10 000 Mann, also von 70 000 Mann auf 60 000 Mann, geschehen ist .überhaupt in Frage kommt, bleibt fraglich; denn Frankreich hält eine etwaige gänzliche Räumung für nicht spruchreif und bezieht sich darauf, daß vor den Neuwahlen zur Französischen Kammer im Sommer 1928 nichts mehr geschehen könne.

Wie die Belgische Telegraphenagentur mitteilt, wird die Stärke der Besatzungstruppen um 600 Belgier, 900 Engländer und 8500 Franzosen vermindert werden.

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Die AHrüsiuugsfrage in Genf.

Von der Tagung des Völkerbundrates werden in Ber­liner politischen Kreisen irgendwelche Sensationen nicht er­wartet. Von grundsätzlicher Bedeutung unter den Punk­ten der Tagesordnung ist die Entscheidung in dem Streit­fall zwischen Rumänien und Ungarn. Dieselbe grund­sätzliche Frage spielt hinein in die Anrufung des Völker­bundrates durch Griechenland wegen des Streitfalles um den KreuzerSalamis". Die Reichsregierung hat mit der Angelegenheit direkt nichts zu tun. Besonders hat sich der englische Außenminister um die Beilegung bemüht. Er hat auch einen Vorschlag ausgearbeitet, der ein Entgegen­kommen von beiden Seiten und eine gewisse Entschädi­gung an die V u l k a n w e r f t vorsieht. Dieser Vorschlag ist aber von keiner Seite akzeptiert worden. Ferner stehen eine Reihe Danziger Fragen auf der Tagesordnung, über sie ist das Wesentliche bereits in der Presse bekannt­geworden.

Das Völkerbundplenum, das nach der Ratstagung zusammenentritt, wird sich vor allem mit der Weltwirt­schaftskonferenz, der Durchführung ihrer Ergebnisse und mit der A b r ü st u n g beschäftigen. Wie Dr. S t r e s.e - mann auf der letzten Ratstagung angekundigt hat, wird in der Plenarversammlung von deutscher Seite eine Er­klärung erfolgen, die unseren Standpunkt in der Ab- rttstungsfrage zum Ausdruck bringt. Daneben werden natürlich auch wieder die besonderen Besprechungen der Außenminister stattfinden. Außerdem werden sich die Unterhaltungen der Außenminister diesmal zweifellos auch mit der Frage der Rheinlandräumung be­schäftigen. In Berlin ist man freilich der Auffassung, daß eine Entscheidung hierüber vor dem nächsten Jahr nicht zu erwarten ist. Nach Rückkehr der deutschen Delegation von Gens wird das Reichskabinett sich erneut mit der außenpolitischen Lage beschäftigen und seine Stellung-

um etwa 10 000 Mann eingewilligt. Wir werden nun sehen, wie in den nächsten Tagen eine geschäftige Aus­landspresse am Werke ist, um Deutschland und vor allem der Welt den ganzen Edelmut der alliierten Besetzungs­mächte vor Augen zu führen, trotzdem ihnen, wie aus einem großen Teile ihrer Presse hervorgeht, auch nicht ganz geheuer dabei zumute ist.

Obgleich in dem Ganzen ein gewisses Entgegen­kommen nicht zu verkennen ist, steht man doch bei uns dieser Lösung außerordentlich kühl gegenüber. Deutsch­land hat in erster Linie ein Recht auf vollständige Räumung der Rheinlands und nicht bloß auf eine Minderung der Truppenzahl, mag diese größer oder kleiner sein. Letzten Endes bleibt Besetzung immer Be­setzung. In Frankreich meint man immer, die Besetzung sei aus Gründen der Sicherheit notwendig. Auch wird darauf hingewiesen, daß sie die Reparationsleistungen ver­bürgen soll. Demgegenüber ist zu erwidern, daß die Reparationsleistungen schon lange durch das Dawes - Abkommen garantiert sind. Dabei hat Deutschland derartige Bürgschaften gegeben, wie es bisher Wohl noch niemals in der Weltgeschichte vorkam. Es hat sich des größten Teils seines Eigentums begeben und außerdem große Lasten auf Industrie und Landwirtschaft gelegt.

Ähnlich steht es mit der Sicherheitsfrage. Auch sie ist in einer Weise gelöst, daß derjenige, der auf eine Siche­rung glaubt bedacht sein zu müssen, mehr als zufrieden sein kann. Deutschland ging die Locarnoverträge ein, die eine Entsagung fordern, die man vorher kaum für möglich gehalten hätte. Wir haben, soweit der Westen in Frage kommt, uns loyal auf den Boden der einmal durch den Weltkrieg und unsere Niederlage gegebenen Tatsachen ge­stellt, aber auch nach Osten hm erklärt, dort keine gewalt­samen Grenzänderungen anstreben zu wollen. Was hat es da nun für einen Zweck, wenn man uns durch Bei­behaltung der Besetzung eine Art O st l o c a r n o auf­zwingen will, eine -AnAeleaenhoit, die doch schon unter Zustimmung Polens, des dabei am meisten beteiligten Staates, durch das eigentliche Locarno mit erledigt worden ist. Aber Ausreden sind feil wie Brombeeren.

Hat es also schon in Deutschland schwer enttäuscht, daß man sich nicht zur Aufhebung der Besetzung entschloß,

so hat schließlich die Art, in der das letzte Kompromiß zwischen Paris und London entstand, dem Ganzen auch jeden moralischen Wert genommen. Seit zwei Jahren feilscht man. Hätte man gleich nach Abschluß des Locarno- vertrages und nach der Unterredung von Thoirh mit einer noblen Geste vielleicht auch nur die jetzige unvollkommene Minderung bewilligt, dann hätte man Deutschland wenig­stens den guten Willen gezeigt. Zu widerwillig hat man sich aber jetzt endlich nach so langer Zeit zu einem Kom­promiß durchgerungen, nur, um überhaupt etwas zu tun. Da ist kühle Aufnahme in Deutschland verständlich.

B r i a n d mag ja den besten Willen haben, das ge­gebene Wort einzulösen. Er muß auch auf die französische Eigenart Rücksicht nehmen. Es hat sich doch herausgestellt, daß der alte Geist P o i n c a r ö s die französische Politik noch immer beherrscht und daß letzten Endes die Generale doch den Ausschlag geben, für die Deutschland noch immer der Besiegte ist, mit dem nicht verhandelt wird, der nur Befehle oder Anweisungen entgegenzunehmen hat. Das zeigt uns immer wieder von neuem, wie wett wir noch von dem Zeitpunkt entfernt sind, wo man uns jenseits des Rheins Gerechtigkeit widerfahren lassen wird. Der französische Charakter wird auch durch den Vorbehalt im Kompromiß gekennzeichnet, wonach, falls Belgien oder England mehr Truppen als vorgesehen abrufen sollten, da­für französische Truppen entsandt werden dürfen. Man kann daraus schließen, daß Frankreich am liebsten über­haupt im Rheinlande bleibt. Das nennt sich dann fran­zösische Erfüllung der Locarnopolitik.

Warum Lord Cecil zurückirüi.

In London war noch keine amtliche Bestätigung über den Rücktritt des bisherigen Vertreters in Genf, des Mi­nisters Lord Robert Cecil, bis Montag erfolgt. Dem Blatt Observer" hat Lord Cecil mitgeteilt, daß er augenblicklich nicht in der Lage sei, eine Erklärung abzugeben.Ob­server" schreibt jedoch, es sei möglich, die Gründe darzu- legen, die Lord Cecil dazu bewogen haben, dem Premier­minister seinen Standpunkt zu unterbreiten. Wenn Cecil seinen SRM+rHt einreiche, so g&J chey e hi? s uuM tat Lemelne t Differenz mit Chamberlain und auch nicht wegen irgend­einer Meinungsverschiedenheit bezüglich der Kabinetts- Politik gegenüber bem Völkerbund. Roch weniger Grund bestehe für die Erklärung, daß Cecil wegen der Haltung der Regierung in der Frage der Verminderung der Rheinlandtruppen zurücktrete. '"' ^'" '

Die neuen Atlantikflieger

DerStolz von Detroit" in Deutschland.

Ein neuer Atlantikflug begonnen.

Die Weltslieger Brock und Schlee sind von London kommend mit dem EindeckerStolz von Detroit" am Montag, nachmittags 4 Uhr, nachdem sie mehrere Schlei­fen gezogen hatten, aus dem Münchener Flugplatz Ober- wiesenseld eingetroffen. Zur Begrüßung hatten sich außer der Leitung der Süddeutschen Lufthansa Vertreter der Stadt und des Bayerischen Handelsministeriums sowie der amerikanische Generalkonsul in München eingefunden. Die Flieger wurden mit großer Begeisterung empfangen.

das sie auch pünktlich erreichten. Die Landung in München erfolgte hauptsächlich wegen der Aufnahme von Benzin. Der Flug dürfte in Richtung Wien Konstanti­nopel fortgesetzt werden.

Die Wetterlage auf dem Ozean hat sich wieder verschlechtert. Auch das über dem westlichen Atlantik liegende Hochdruckgebiet ist wieder abgeflacht unb zeigt Verfallserscheinungen. Für einen Flug von Europa nach Amerika sind somit die Wetterverhältnisse wieder recht ungünstig geworden.

Die Flieger Tully und Medcalf haben mit

Außenminister stattfinden.

nähme bestimmen.

DasAecht auf voWndigeMumung.

überden Eindruck, den die Einigung zwischen England und Frankreich über die Verminderung der Rheinlandbesatzung in Deutschland gemacht hat, wird uns von unterrichteter Seite geschrieben:

Seit Monaten verhandelten die Mächte, die Truppen im Rheinlande halten, unter sich, wieweit die Stärke der Truppen herabgesetzt werden sollte. Es gab ein viel­faches Hin und Her, Noten und Berichte wurden in Un­zahl gewechselt. Schließlich hatte es den Anschein, als ob man die ganzen Verhandlungen ergebnislos abbrechen und alles den mündlichen Besprechungen in Genf Vor­behalten wolle. Darauf war man auch bei uns vor­bereitet und vernahm mit einmal mit Überraschung, daß sich unsere ehemaligen Gegner im letzten Augenblick noch geeinigt haben.

Man hat sich schließlich gesagt und ist sich auch Wohl darüber klar geworden, einen wie schlechten Eindruck es in Deutschland hervorrufen müßte, wenn man wieder mit leeren Händen in Genf erschienen wäre. Unter diesen Umständen hat Wohl schließlich auch Frankreich einen Teil seiner Bedenken zurückgestellt und in die Lerabminderung

Die beiden amerikanischen Ozcanflicger.

Drei Stunden, nachdem sie am Sonnabend die Küste von Neufundland hinter sich gelassen hatten, gerieten sie in einen schweren Sturm. Da jedoch der zeitweise orkan­artige Wind von hinten kam, trug er zur Erhöhung der Fluggeschwindigkeit bei. Als die Flieger die englische Küste erreichten, wurden sie von einem dichten Nebel überrascht. Sie flogen deshalb in ganz geringer Höhe und warfen verschiedentlich die Aufforderung an die B evölke rung ab, ihnen mitzuteilen, wo sie sich befänden. Erst als in einer kleinen Ortschaft der Grafschaft Devonshire Einwohner ihnen mit einer englischen Flagge zuwinkten, konnten sie sich über die Lage orientieren. 24 Stunden nach dem Start in Amerika er­reichten sie den bei London gelegenen Flugplatz Croydon Am Montag um 8 Uhr flogen sie nach München weiter,

dem StinsoneindeckerSir John Carling" von London in Amerika aus den Flug nach England angetreten. Die Stadt London (11. S. A.) ist etwa 300 Kilometer nord­östlich von Rewyork entfernt. Die Strecke von London bis London beträgt danach etwa 5600 Kilometer.

Der amerikanische Flieger Paul R e d f i Donnerstag zu einem Dauerflug nach B gestiegen ist, gilt seitdem als verschollen.

Bei einem Übungsflug stürzte bei Böblingen ein Flugzeug ab, wobei es vollständig zerstört wurde. Sein Führer H o l l i n g wurde schwer verletzt und nach dem Bezirkskrankenhaus gebracht, während der Flugschüler Kannenberg aus Mülheim a. d. Ruhr tödlich ver­unglückt ist.

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rasilien auf

Europatagung ^Ausländsdeutschen

UnterstützungderHindenburg-Spende.

Bei dem Festabend zu Ehren der Tagung am Sonn­tagabend in Dresden überbrachte Wirtschaftsminister Dr. K r u g v. N i d d a die Grüße und Wünsche der sächsi­schen Regierung und sprach die Hoffnung aus, daß durch die Tagung des Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen In- und Ausländsdeutschen gestärkt werde. Gouverneur a. D. Schnee dankte und gab einen kurzen historischen Überblick über die Entwicklung des Auslandsdeutschtums von den Zeiten der Fugger bis zur Gegenwart. Zum Schluß dankte Ministerialrat Dr. K a r st e d t vom Reichs­arbeitsministerium den Ausländsdeutschen für ihre Unterstützung der Hindenburg-Spende und for­derte sie auf, auch weiter in ihrer Gebefreudigkeit nicht

zu erlahmen.

Montag früh besichtigten die Tagungsteilnehmer die ^resschau deutscher ArbeitDas Papier". >

Jahresschau deutscher

Einigung statt Trennung.

(Von einem besonderen Mitarbeiter.)

n. Dresden, 29. August.

In den Verhandlungen trat immer wieder die Sehnsucht nach Vereinigung und Zusammenschluß zutage. So sprach