Hersfelöer Tageblakt
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HersfelSer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für ven Kreis Hersfelö
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mit den Beilagen: Selmatschollen / Illustriertes AnlerhaltungSblakt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
Nr. 201
Montag, den 29. August 1927
77. Jahrgang
Mittelstand und Wirtschaft.
Aus politischen Kreisen wird uns geschrieben:
Die Deutsche Wirtschaftspartei war in diesen Tagen in Hamburg zu ihrem Parteitage versammelt. Auf Grund des Berichtes des Reichstagsabgeordneten M o l l a t h über Mittelstand und Weltwirtschaft beschäftigte sich dieser Parteitag auch mit Fragen der Außenpolitik und nahm dabei eine Entschließung an, worin der Reichsregierung empfohlen wird, in der Außenpolitik eine größere Zurückhaltung als bisher zu üben und keine weiteren Versuche zu unternehmen, durch neue Opfer, durch neue Zugeständnisse bei den Gegnern etwas 31t erreichen. Die Enttäuschung des deutschen Volkes ist, so heißt es in der Entschließung weiter, in erster Linie darauf zurückzuführen, daß die Regierung den Wert ihrer Ver- stündigungsbemühungen weit überschätzt hat. Eine wirkliche Verständigung werde erst dann erreicht werden, wenn bei der Gegenseite das Verlangen des deutschen Volkes nach voller Souveränität, nach voller Freiheit seines Gebietes und nach Befreiung von den unerträglichen Wirtschaftslasten anerkannt werde. Nicht nur Deutschland, Europa brauche den Frieden, aber den ehrlichen Frieden im Sinne der Gleichberechtigung aller seiner Völker. Das deutsche Volk wolle diesen Frieden, aber es fordere, um ihn zu erreichen, die Freiheit, die ihm vorenthalten wird.
Der Abgeordnete M o l l a t h hatte in einer Rede den Friedensvertrag von 1919 ein Schriftstück genannt, das mit rücksichtsloser Gewalt in organisatorische und wirtschaftliche Zusammenhänge eingreife. Man kann das nicht zurückweisen, wenn man sieht, wie durch die Teilung Oberschlesiens und durch die Schaffung des polnischen Korridors ganze Wirtschaftsgebiete zerrissen sind und nun beide Teile darunter zu leiden haben. Unter einer solchen Wirtschaftszerrissenheit leiden besonders stark der Mittelstand, das Handwerk und auch die Landwirtschaft. Daß die Reichsregierung auf politischem Gebiete noch weitere Zugeständnisse machen dürste, als sie in den Locarnoverträgen und den Thoiryabmachungen vorgesehen sind, ist kaum anzunehmen. In diesem Sinne haben sich auch der Außenminister und der Reichskanzler bem Reichstage gegenüber ausgesprochen. Sie haben auch schwerlich Angriffe von der Bevölkerung des Rheinlandes zu befürchten, wenn die Lösung der RheiÄsMtrM
der^-Reichsregierung gegenüber neuen gegnerischen Zumutungen sich noch länger hinziehen sollte. Die Rheinländer haben sich ja erst kürzlich selbst in einer energischen Entschließung dagegen gewandt, daß das Reich irgendwie neue drückende Bedingungen an« nimmt. Sie wollten dann lieber die Lasten der Besatzung bis zu Ende, das heißt bis zum Jahre 1935, tragen.
In der nächsten Zeit stehen eine ganze Reihe von Handelsverträgen zur Behandlung. Einige sinv schon abgeschlossen, über andere wird noch verhandelt. Da mag in Kreisen des Mittelstandes die Befürchtung auftauchen, daß hier, um politisches Entgegenkommen zu finden, die Reichsregierung wirtschaftliche Interessen und vor allem solche des Mittelstandes preisgebe. Zu erinnern ist nnr an das Unbehagen der rheinischen Weinbauern über den deutsch-französischen Handelsvertrag wegen der Frankreich zugestandenen Weineinfuhr. Dieses Unbehagen schien der hessischen Regierung so bedeutend zu sein, daß sie, trotzdem sie die deutsch-französische Annäherung begrüßte, gegen den Vertrag im Reichsrat stimmen zu müssen glaubte. Das zeigt, daß der Mittelstand nicht so einflußlos ist, wie er manchmal selbst anzunehmen scheint. Dafür sorgt schon die Mittelstandsbewegung selbst, die in der letzten Zeit an Kraft gewann. Immer mehr drängt sich die Bedeutung der Wirtschaftsfragen in den Vordergrund. Ein großer Teil der Wählerschaft zeigt durch sein Verhalten deutlich, wie sehr es mit dem bisherigen Parteiwesen bei uns nicht mehr zufrieden ist. Die Parteien müssen einsehen, daß die Zukunft den Wirtschaftsfragen gehört. Ist diese Erkenntnis erst einmal Allgemeingut geworden, dann dürften es nicht nur die Parteien, sondern auch die Völker untereinander vermeiden, aus politischen Gründen wirtschaftspolitische Dummheiten zu begehen. ...... , , ,
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Amerikanischer Atlautikflug geMi.
Der „Stolz von Detroit in England gelandet.
Sonntag morgen ungefähr 7 Uhr überflog das von Harbour Grace (Neufundland) mit den amerikanischen Piloten Brock und Schlee nach England abgegangene Flugzeug „Stolz von Detroit" die Hafenstadt Plymouth an der Südwestküste Englands am Kanal La Manche, Ply- moutsund. Die Ozeanüberquerung ist den beiden Amc- rikanern also gelungen. Sie landeten um 10.33 mitteleuropäischer Zeit glücklich im Flughafen Croydon im südöstlichen England, von einer zahlreichen Menge begeistert empfangen. Der Weiterflug nach Stuttgart erfolgt, sobald die Flieger sich von der Ozeanüberquerung genügend erholt haben.
Der Pilot Schiller und der Detroiter Kaufmann Wood, die zu ihrem Englandfluge in Windsor (Ontario) erst bei günstigerer Wetterlage starten wollten, sind Sonnabend ebenfalls abgeflogen, als sie hörten, daß der „Stolz von Detroit" sich bereits auf dem Fluge nach England befand.
über der Insel Valentia (Südwestküste von Irland) will in 1000 Fuß Höhe ein Dampfer einen Eindecker im Fluge in südwestlicher Richtung bemerkt haben.
Lord Cecils Rücktritt
Englische MinZtSOMuns wegen der MeiMsndfrage.
Cecil gegen das Besatzungsheer.
Die größte Überraschung in dem schleppenden Gang der Verhandlungen zwischen England und Frankreich brächte zum Wochenschluß die aus London kommende Kunde vom Rücktrittsgesuch des als Hauptvertreter Englands im Völkerbünde bisher tätig gewesenen Lord Robert Cecil, der als Kanzler des Herzogtums Lancaster dem britischen Ministerkabinett angehört. Nach Frankreichs Vertreter Jouvenel würde damit auch Großbritanniens erster Sprecher aus dem Völkerbund ausscheiden. Welche Wirkungen das auf die bevorstehende Tagung des Völkerbundes in Genf ausüben würde, läßt sich noch nicht übersehen.
Man spricht offen von einer zutage getretenen Spannung zwischen Cecil, dem Ministerpräsidenten B a l d - w i n und dem Außenminister Chamberlain.
Robert Ceeils Gründe.
Es heißt, Lord Cecil habe wahrscheinlich dem Premierminister noch kein formelles Rücktrittsschreiben über- sandt, aber mündlich seiner Absicht, zurückzutreten, Ausdruck gegeben. Sein Rücktritt sei noch nicht angenommen worden, weil Cecils Absicht erst in der letzten Kabinettssitzung bekanntgeworden und in ihn gedrungen worden sei, es sich noch einmal zu überlegen, bevor er den zweiten Schritt unternehme. Die Differenzen sollen bereits auf der letzten Flottenabrüstungskonferenz entstanden sein. Es sei auch nicht unwahrscheinlich, daß Lord Cecil sich im Gegensatz zu der Regierungshaltung in der Frage der Verminderung der Rheinlandtruppen befinde. Chamberlain und das Kabinett hätten in der Vergangenheit ein aewiffes Entge gen? Mmen gegenüber bem- französischen Standpunkt gezeigt, das Cecil verärgert habe. Cecil erklärte der Presse, er wolle die Tatsache seines Rücktritts weder bestätigen noch ableugnen.
Das Blatt „Daily Expreß" sagt, die Krisis sei entstanden wegen der Frage der Verminderung der Rhein- landtruppeu. Cecil habe den Standpunkt vertreten, die Weigerung der französischen Regierung, ihre Truppen um mehr als 5500 Mann zu verringern, sei ein Verbrechen gegen den Geist von Locarno. Cecil gehe noch weiter und erkläre, daß überhaupt kein Besatzungsheer bestehen dürfe, da die französische Sicherheit durch Locarno und das gesamte britische Heer gewährleistet sei.
Jedenfalls fei Cecil nicht einverstanden mit der aus Paris gemeldeten Absicht, die Besatzung im Rheinlande in ungenügender Weise zu verringern.
Einigung über das Rheinland.
Roch immer 60 000 Mann.
Die britische Note zur Frage der Besatzungsverminderung ist bekanntlich in Paris überreicht worden. Das französische amtliche Nachrichtenbureau meldet darüber, die englische Note behandele zwei Fragen, die noch unerledigt geblieben waren, diejenige de Gesamteffektivbe- standes der Besatzungstruppen und diejenige ihrer Ver
Tagung der Ausländsdeutschen.
80 Verbände aus Ausland und Übersee.
Dresden, 28. August.
Die große Zusammenkunft der Verbände für das Auslandsdeutschtum begann mit der Eröffnung der ersten Europatagung der deutschen Vereine des Auslandes in der Dresdener Kaufmannschaft. Die Leitung des Präsidiums übernahm Gouverneur a. D. S ch n e e. Es wurden Begrüßungstelegramme des Reichsaußenministers Dr. Stresemann und des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons bekanntgegeben.
Es wurden zunächst Fragen der Geschäftsordnung erledigt und der weitere Ausbau der Zeitschrift Die Auslandswarte besprochen. Präsident Schnee gab einen kurzen Bericht über den Gang der Pariser Verhandlungen, soweit sich diese auf das Auslandsdeutschtum bezogen, und machte die Mitteilung, daß eine Resolution gegen den Raub der Kolonien durch die fremden Mächte eingebracht worden sei. Es bestehe die Hoffnung, daß die Schranken der Mandate aufgehoben werden.
Zu Ehren der Europatagung des Bundes der Ausländsdeutschen und des Auslandsbundes deutscher Frauen sand ein Empfang durch die städtischen Behörden in den Festräumen des neuen Rathauses statt. Oberbürgermeister Dr. B l ü h e r hieß die Erschienenen, unter denen man zahreiche Vertreter der Behörden bemerkte, namens der Stadt Dresden willkommen, begrüßte sie gleichzeitig im Namen des Reichswirtschaftsrates und des Deutschen Städtetages und wünschte der Tagung der Ausländsdeutschen besten Erfolg. Gouverneur a. D. Dr. S ch n e e dankte namens der vertretenen 68 Ausländsdeutschen» >r- bände für den herzlichen Empfang in Dresden und betonte, daß außer diesen noch neun überseeische Länder mit 12 Verbänden vertreten seien.
teilung. Die erste Frage kann jetzt bereits als gelöst angesehen werden. Eine Gesamtziffer sei festgesetzt worden. Man glaube zu wissen, daß die Ziffer, auf die sich zu einigen die beiden Regierungen im Begriffe stehen, eine Kompromißlösung zwischen dem ursprünglichen englischen und dem französischen Standpunkt darstellt.
Weitere Nachrichten besagen, man dürfe aus eine Herabsetzung in Stärke von etwa 8—10 000 Mann rechnen, so daß im ganzen statt 70 000 Mann 60 000 im Rheinlande verbleiben würden. Nach dem „Echo de Paris" sollen die drei Armeen im Verhältnis zu der Zahl ihrer Truppen die 10 000 Mann unter sich aufteilen. Frankreich soll etwa 7000 Mann zurückziehen, England etwa 1800 und Belgien den Nest. Die Zahl der im Rheinland verbleibenden französischen Besatzungstruppen würde demnach auf 48 000 Mann sinken.
In London soll man befriedigt sein von der Einigung, da nunmehr die Gewähr dafür gegeben scheine, mit einer festen Abmachung nach Genf zu kommen. Was die materielle Basis anbelangt, so würde man in weiten Kreisen Londons eine weitergehende Verminderung der Rheinlandbesatzungstruppen vorgezogen haben, ist aber der Auffassung, daß mit einer Herabsetzung auf 60 000 Mann immerhin über den ursprünglichen französischen Plan hinausgegangen wird.
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Botschafter Hoesch bei Briand.
Der deutsche Botschafter in Paris, Herr vonHoesch, hatte eine neue Unterredung mit dem Außenminister Briand, in der allgemeine Fragen der deutsch-französischen Politik erörtert wurden. Der Botschafter brächte bei dieser Gelegenheit Briand die Befriedigung zum Ausdruck, die die deutsche Regierung trotz der bedauerlichen Nichterfüllung einiger ihrer Forderungen über den Abschluß des deutsch-französischen Handelsvertrages empfinde. Briand sprach in ähnlicher Weise we Genuccknuna r>-v s^ouz^sisch-N"R-gi-> iiirrypfHT von er- folgten Abschluß aus.
Es bleibt bei ßoooo Rann.
Der Kompromiß über die Rheinlandbesatzung.
Die französische Antwort auf die letzte britische Note . ist, wie amtlich in Paris und London bekanntgegeben wird, im Londoner Auswärtigen Amt eingetroffen. Die französische Regierung nimmt den letzten englischen Vorschlag an, die Ziffer der im Rheinland befindlichen Truppen auf insgesamt 60 000 Mann durch entsprechend anteilige Verringerung zu vermindern. Frankreich wird seine Bestände um 8000, England und Belgien um je 1000 Mann verringern. In London erklärt man sich sehr befriedigt darüber, daß zwischen den Alliierten eine Einigung zustande kam, zumal England und Frankreich nicht gezögert haben, ihre ursprünglichen Anschauungen zu ändern, um zu dieser Übereinstimmung zu kommen.
Soviel man im englischen Außenministerium angibt, würde sich Lord Cecil am 30. August nach Genf begeben. Lord Cecils Sekretär erklärte auf eine Frage nach Lord Cecils Rücktritt: Nichts ist bisher endgültig, die Frage ist vollkommen in der Schwebe. Wahrscheinlich werden in den nächsten Tagen endgültige Nachrichten verfügbar sein.
Die Ausländsdeutschen anHindenburg Entschließungen in Dresden.
Die auf der Europatagung in Dresden versammelten Ausländsdeutschen sandten an den Reichspräsidenten fol- gendes Telegramm:
„Dem Herrn Reichspräsidenten entbieten die zur Europatagung der deutschen Vereine und Verbände im Auslande versammelten bevollmächtigten Vertreter ihre ehrerbietigsten Grütze. Sie erblicken in dem Herrn Reichspräsidenten nicht nur den würdigsten Vertreter des alten Deutschlands, sondern auch den Mann, dem Deutschlands Gegenwart und Zukunft zu besten Händen anvertraut ist. Ihm gehören die Herzen der Ausländsdeutschen, deren Liebe zum unglücklichen Vaterlande heitzer ist denn je zuvor."
Die Arbeiten der Tagung begannen mit einer geschlossenen Sitzung. Man beschäftigte sich zunächst mit Fragen der Zusammenarbeit der Deutschtumsverbände in der Heimat und der Verhütung einer parteipolitischen Zersetzung der Ausländsdeutschen. Es wurde eine Entschließung gefaßt, in der gefordert wird, daß eine parteipolitische Zersetzung der im Ausland bestehenden deutschen —Vereine und Verbände vermieden werde. Eine weitere Entschließung weist auf die Notwendigkeit des engen Zusammenschlusses der Reichsangehörigen im Ausland hin und bittet den Reichsminister des Auswärtigen,, daraus hinzuwirken, daß die deutschen Vertretungen im Auslande auf das engste zusammenarbeiten. Weiter wird der Reichsminister des Auswärtigen gebeten, die Vertretungen des Reiches im Ausland auf die besondere Notwendigkeit hinzuweisen, daß die Bestrebungen, das Auslandsdeutschtum zusammenzuschließen, auch von den amtlichen Auslandsstellen des Reiches nach Möglichkeit gefördert