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HersfelöerTageblatt

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mit den Beilagen: Heimatschyllen / Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / AuterhalLuna und Wissen Belehrung und Kurzweil / WirlschastUche Tagesfragen.

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.20 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfelö : 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Hbholer : 0.80 Reichs-Mark Druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VSZV. i

Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- Nachlaß gewährt. Kür die Schristleitung verant­wortlich: Zranz Zunk in Hersfeld. Zernsprecher Nr. 8

Nr. 194 (Crfte Matt) Sonnabend, den 20. August 192t **BWSMM,l,l**,iSÄS®*®Äi^«S|SSl,BIM,ww,8lllMI®M,"IHsilM",,ll,lrfBMa^^

77. Jahrgang

Noch nicht...

Der erste Versuch. Am Stillen Ozean. Gewinnende Redensarten. Hintertürchen. Hundert Tage. Re- kordbrechcrei.

Ein kühner Anlauf der erste Versuch, von Deutsch­land aus im Flugzeug eine unmittelbare Verbindung der Alten mit der Neuen Welt herzustellen und die tapfe­ren Bahnbrecher eines himmelstürmenden Unternehmens mußten vor der Wut der entfesselten Elemente u n v e r - richteter Sache umkehren. Nur um eine interessante Erinnerung bereichert, wie Bismarck es dem jungen Battenberger in Aussicht stellte, als er ihm die Annahme der bulgarischen Fürstenkrone nahelegte? O nein, die K öh l und Loofe, die Edzard und Ristic z denken nicht daran, auf den halben Lorbeeren auszuruhen, die ihnen zuerst der Dauerflug über Dessau und dann die orkanbewegte Rundfahrt um die großbritannischen Inseln eingetragen hat. Sie werden sich, wenn die Zeit gekommen ist, ungebrochenen Mutes wieder in die Lüfte erheben und als tapfere Männer dem Schicksal den Siegespreis ab- trotzen, der ihnen diesmal noch versagt geblieben ist. Und selbst wenn ihnen mittlerweile Gedanken darüber gekom­men fein sollten, ob die Tat, die sie anstreben, für den Kulturfortschritt der Menschheit wirklich überragende Be­deutung zu beanspruchen hatte, oder ob nicht andere, gleich­falls in der Ausführung begriffene Versuche ähnlicher, aber ungefährlicherer Art ihnen den Rang ablaufen könnten, sie werden keine Ruhe geben, ehe nicht das Beispiel von Lind- bergh und Chamberlin ein Gegenstück in umgekehrter Richtung gefunden hat der menschliche Ehrgeiz ist nun einmal eine Triebkraft, die durch rein vernunftmäßige Er­wägungen allein nicht auszuschalten ist.

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Vorläufig dürfen wir uns damit trösten, daß von den vier amerikanischen Flugzeugen, die in diesen Tagen auf- stiegen, um den Stillen Ozean zu überqueren, zwei ihr Ziel erreicht haben, und daß diese beiden Maschinen von deutschen Männern Artur Göbel und Martin I e n s e n geführt wurden. Der Lustrausch, der in diesen rekordbewegreu Wochen auch, sonn »^ »mMrue Zeit­genossen einigermaßen gefangennahm, wird ja nun an­gesichts der mehr und mehr sich neigenden Jahreszeit bald wieder kühleren Stimmungen Platz machen. Und wenn die nächsten Versuche unter wesentlich geringerer Lärment- faltung vor sich gehen sollten, so würde der Erfolg der zu bewältigenden Aufgabe darunter gewiß nicht zu leiden haben. Jedenfalls aber hat die deutsche Fliegerei sich schon jetzt einen hohen Ehrenplatz unter den Völkern gesichert. Was ihr darüber hinaus bis heute noch nicht geglückt ist, das wird ihr als Siegespreis neuer, noch größerer An­strengungen nicht vorenthalten bleiben.

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Auch die Franzosen müssen sich gedulden, was ja sonst nicht ihre starke Seite ist; besonders, wenn sie bereits auf einen ausgesprochenen Mißerfolg zurückzublicken haben. Seit Wochen stehen mehrere ihrer besten Piloten sozusagen sprungbereit an den Maschinen, und wenn der Wettergott so übelwollend bleibt, wie er sich bis jetzt ge­zeigt hat, werden auch sie klug genug sein, für dieses Jahr auf allzusehr gewagte Experimente zu verzichten.

Daß geduldiges Abwarten schließlich doch zum Ziele führt, haben soeben die Verhandlungen über eine deutsch-französische Wirtschaftsverstän­digung bewiesen. Auch sie haben zwar, trotz drei­jähriger Dauer, doch nicht zu dem eigentlichen und wirk­lichen Handelsvertrag geführt, wie er zwischen den mitten im Weltverkehr stehenden großen Völkern üblich, ja unum­gänglich ist. Und während die Franzosen, wie sonst über­all, auch auf diesem Gebiete die gewinnendsten Redens­arten über gegenseitige Gleichberechtigung, über billigen Ausgleich der Interessen hüben und drüben im Munde führten, haben sie es doch nicht fertig gebracht, den Feind von gestern in politischer und persönlicher Beziehung schon jetzt als den guten Nachbarn von heute oder auch nur als den nüchternen Geschäftsfreund von morgen zu behandeln, der durch den Abschluß eines echten Handelsvertrages aus­gezeichnet werden darf. Nein, nur für anderthalb oder eindreiviertel Jahre haben sie sich zu binden geruht, haben uns für Elsaß-Lothringen und für Marokko die Gleichberechtigung ganz offen vorenthalten und auch sonst noch, wo sie nur konnten, allerlei Hintertürchen eingeschmuggelt, aus denen der gute Wille zu ehrlichem Wirtschaftsspiel leicht entschlüpfen kann, wenn diese oder jene Konjunktur es den Hochmögenden in Paris je ge­raten erscheinen lassen sollte. Es ist ein Handelsvertrag mit Einschränkungen, mit Hindernissen, den unsere Unter­händler nach Hause bringen. Nun gut, bis zum Sommer 1929 ist für eine endgültige Regelung immerhin Zeit ge­wonnen.

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Ob bis dahin auch der Barmat-Prozeß noch fortdauern wird, der in dieser Woche auf feinen h u n - dertsten Sitzungstag zurückblicken konnte? Hun­dert Tage bedeuten sonst reichlich drei Monate. Hier aber muß man diese Rechnung zum mindesten verdoppeln, weil ja nur zwei- oder dreimal in der Woche verhandelt wird, um die beteiligten Personen aus der Gerichts-, der An­klage- und der Verteidigerbank nicht allzu früh ins Grab zu bringen. Iwan Kutisker mußte den Wettkampf im Ge­richtssaal vorzeitig aufgeben; der Tod hat ihn schließlich allen irdischen Weiterungen entzogen. Julius Barmat dagegen ist in Moabit.quicklebendig wie in seinen besten

ZUM Andenken an Tannenberg

Sie Einweihrmg des

Tanneabergdenkmals.

Teilnahme Hindenburgs.

...^m 18. September soll das zum Gedächtnis an die Schlacht bei Tannenberg im ersten Monat des Weltkrieges -m ^ahre 1914 errichtete Nationaldenkmal feierlich ein­geweiht werden. Damit wird die Erinnerung lebendig an jenes gewaltige Ringen, bei dem der jetzige Reichs­präsident, Generalfeldmarschall von Hindenburg, die vor- drangende Russenmacht aufhielt, zurückwarf und so das Vaterland vor den Schrecken der Überflutung durch fremde Kriegsvölker bewahrte. In den Tagen vom 25. bis 27. August 1914 zerbarst die Heeresmacht des Zaren unter den gewaltigen Schlägen der deutschen Armeen und vor der Kriegskunst ihres genialen Feldherrn.

ReichspraWMi v. Hindenburg

wird selbst an der Einweihungsfeier teilnehmen. Er trifft am 16. September an Bord eines Kreuzers im Königsberger Hafen ein und wird in den nächsten beiden ^.agen Gast des Herrn von Berg in Markienen und des Herrn von Stein auf Graßnitz sein. Am 18. September die Ankunft des Präsidenten auf dem Festplatz bei dem Denkmal für 11% Uhr vorgesehen. Dort fährt er zunächst die Front der Ehrenkompagnie, der Vereine und Ver­bände ab. Diese Besichtigung wird voraussichtlich 1% Stunden dauern, da die gesamte Front eine Länge von über 5% Kilometern haben wird.

Nach Ansprachen je eines evangelischen, katholischen und jüdischen Geistlichen erfolgt die Übergabe des Schlüssels an Hindenburg. Der Reichspräsident wird persönlich das Eingangstor zum Denkmal öffnen. Im Innern des ^jäSfl^.W^^ - ^ beEitULüh- aus. .einem Mauerwall von acht Türmen besteht, folgen sodann musi­kalische Darbietungen. Anschließend marschieren die Ver­bände und Vereine an dem Reichspräsidenten und den Ehrengästen vorbei.

Die Veranstalter werden in jeder Hinsicht dafür Sorge tragen, daß das Publikum an der Einweihungsfeier un­mittelbaren Anteil nehmen kann. Auch nehmen an der Feier eine Reihe hervorragender ehemaliger Heerführer teil. Durch das Entgegenkommen der Militärbehörden werden voraussichtlich alle Fahnen der Regimenter, die den Sieg von Tannenberg errungen haben, bei der Ehren­kompagnie aufgestellt werden.

Strengste MpartLiÜchkeit.

Es soll vor allem peinlich darauf geachtet werden, die Einweihungsfeier in jeder Beziehung in religiöser, par­teilicher und politischer Beziehung vollständig neutral zu halten. Das soll auch bei allen Ansprachen festgehalten wie durch die Beteiligung der Geistlichen aller Konfessionen gezeigt werden.

Bei der Fahnenfrage

hat man beschlossen, sowohl die schwarz-rot- goldene Reichsflagge wie auch die schwarz- weiß-rote Fahne aufzuziehen, ebenso wird die Reichskriegsflagge wegen der Teilnahme zahlreicher An­gehöriger der Wehrmacht gehißt. Ferner werden auf den Vorplätzen des Denkmals sämtliche Länderflaggen wehen.

Tagen. Wenn dieser Richter vor Erschöpfung dem Um- stnken nahe ist, wenn jener Staatsanwalt mit dem Sana­torium zu liebäugeln beginnt, weil er in den Aktenbergen nicht mehr ein und aus weiß, der Angeklagte ist immer vergnügt und kampfbereit auf dem Platz, ist niemals um eine Antwort verlegen; und wenn dieser Prozeß noch jahrelang dauern sollte, er ist offenbar fest entschlossen, auszuhalten, wenn es sein muß, bis zum Tage des Jüng­sten Gerichts. In den Tagen der Rekordbrecherei darf man sich nicht wundern, daß schließlich auch in den Ge­richtssälen der Ehrgeiz erwacht um den Ruhm des längsten Strafprozesses, der jemals auf Erden durchgeführt wurde. Wenn nicht alles täuscht, werden Herr Barmat und seine Strafkammer in diesem internationalen Wettbewerb als unbestrittener Sieger hervorgehen.

Fragt sich nur, wie die Gerechtigkeit, die doch schließ­lich das letzte Ziel aller gerichtlichen Bemühungen ist oder sein sollte, dabei abschneiden wird. D. Sy.

Die Lage im Saargebiei.

Das Programm des Präsidenten Wilton.

Der Präsident der Regierungskommission des Saar­gebietes, Sir Ernest Wilton, sprach sich Vertretern der saarländischen Presse gegenüber über die politische Lage im Saarlande aus. Er betonte, daß er die ihm anver­trauten Interessen völlig neutral vertreten wolle, und kam dann auf die Lage der Bergarbeiter zu sprechen.^^e, f^ er, für die Notlage der Bergarbeiter volles Verständnis und habe auch von der Generaldirek-

Zur Teilnahme sind bis jetzt bereits über 30 000 Per- fonen angemeldet. Das Denkmal wird bis zum Tage der ^-erer im Rohbau fertiggestellt sein, während die übrige Ausschmückung zum Teil provisorisch hergestellt

Der Vorstand des Tannenberg-Nationaldenkmal- Verems wendet sich nochmals an die gesamte Öffentlich­keit mit der B i t t e u m Spenden, um den Denkmals­bau sobald als möglich beenden zu können. Seine An­schrift ist: Königsberg, Henschestraße 10. An diese Stelle können sich auch alle Vereine und Privatpersonen wenden, die an der Feier teilnehmen wollen.

*

Der 80. Geburtstag Hindenburgs.

Aufruf der preußischen Staatsregierung.

Das preußische Staatsministerium hat folgenden Auf­ruf beschlossen:

Am 2. Oktober begeht Reichspräsident von Hindenburg seinen 80. Geburtstag. An diesem Tage vereint sich das deutsche Volk, um seinem erwählten Ober­haupt seine Glückwünsche darzubringen. Aber nicht in ge­räuschvollen Feiern darf diese Anteilnahme ihren Aus­druck smden, sie würden dem Ernste der Zeit so wenig entsprechen wie dem schlichten, sachlichen Sinne des Jubi­lars. In dem Bestreben, die dem Reichspräsidenten zu er­weisende Ehrung seinen eigenen Wünschen gemäß in eine Form zu kleiden, die dem Ernste der Lage des deutschen Volkes Rechnung trägt nnd über den Tag hinaus fort- wirkt, sind Reichsregierung und Länderregierungen übcr- eingekommen, aus Anlaß des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten zu einer

Sammlung

auszurufen. Ihre Erträgnisse sollen den Volksgenossen Mute kommen, mit denen sich der Reichspräsident aus schwerer Kriegszeit in k ^ mvcrem Maße verbunden fühlt, den Kriegsbeschädigten und Kriegs- Hinterbliebenen. Jeder Deutsche betrachte es als feine Ehrenpflicht, zu diesem Hilfswerk nach besten Kräften beizusteuern und damit nicht nur die Person des Reichs­präsidenten zu ehren, sonder» auch dem Danke an die bei der Verteidigung des Vaterlandes Gefallenen nnd Ver­wundeten opferwilligen Ausdruck zu verleihen."

Der Zweck der Hindenburg-Spende.

Es bestehen vielfach noch Zweifel über den Zweck der Hindenburg-Spende. Ihnen gegenüber wird von der Ge­schäftsstelle der Hindenburg-Spende festgestellt: Der Reichspräsident will die Ehrengabe, die in Gestalt der Hindenburg-Spende aus Anlaß seines 80. Geburtstages dargebracht werden soll, ungekürzt und ausschließlich zu­gunsten von Kriegerwaisen und Veteranen verwenden. Diese schon vor längerer Zeit bekanntgegebene Erklärung des Reichspräsidenten schließt die Verwendung der Mittel der Hindenburg-Spende oder auch nur eines Bruchteils von ihnen zu einem anderen Zweck als dem angegebenen aus. Der Verwendungszweck der Hindenburg-Spende dürfte damit endgültig fest- gestellt sein.

Der Bund Deutscher Frauenvereine, in dem 77 Frauenverbünde mit weit über einer Million Mit­glieder zusammengefatzt sind, tritt in einem Aufruf warm für die Hindenburg-Spende, die das Losder Kriegs­hinterbliebenen lindern soll. ein.

tion der französischen Gruben Zugeständnisse erzielt. Die gegenwärtige Krise habe aber ihren Grund in der Kohlen- Überproduktion. Da bei den Bergarbeiter!und - gebungenin Saarbrücken unverantwortliche Ele­mente im Trüben zu fischen versucht hätten, werde die Re­gierung Hinsort Kundgebungen, von denen sie eine Störung der öffentlichen Ordnung befürchte, verbieten. Für die a n= läßlich des 80. Geburtstages des Reichs- präsidentengeplanten Kundgebungen dürste aber ein solches Verbot kaum in Frage kommen.

Nach Schluß seiner Ansprache betonte der Präsident in Gesprächen mit einzelnen der Anwesenden, daß er den festen Willen habe, für Frieden und Ordnung im Saargebiet einzutreten, und daß er dabei auf die Mit­arbeit der Presse hoffe.

SaccosimdVanzetti'sSerllsungverworsen

Werden sie hingerichtet?

Der Oberste Gerichtshof von Massachusetts , hat seine Entscheidung im Falle Sacco und Vanzetti veröffentlicht: danach wird die Wiederaufnahme des Verfahrens abge­lehnt und der Antrag der Verteidigung verworfen.

Mit dieser Entscheidung ist, falls nicht noch das Oberste Gericht in Washington eingreift, jede Aussicht auf Umstoßung des Todesurteils erschöpft und es bliebe nur noch die Hoffnung auf Begnadigung durch den Gouver­neur Fuller von Massachusetts. Sollte diese Begnadigung nicht erfolgen, so würde, wie früher angekündigt wurde, am 22. August die Hinrichtung der beiden Italiener erfol^em