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kersftl-er Tageblatt

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Hersselder Kreisblatt

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mit den Beilagen: Setmatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Serd und Scholle / Anterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 190

Dienstag, den 16. August 1927

77. Jahrgang

Stiller

Armen" undEuropa" zurückgekehrt.

Widrige Wetterverhältnisse.

Wegen des anhaltenden Sturmes auf dem Atlantischen Szean mußte auch das nach der Not­landung derEuropa" iveiLergeflogeus zweite AebersesflugzeugBremen" die Weiterfahrt ab- brechen und zurüchkehrsn. Westlich von Irland machte dieBremen" kehrt und richtete den Kurs wieder nach der Heimat. Am 16.30 kam sie in Deffau an und landete glatt. Die Piloten find wohlauf.

Trotz Sturm und Wetter wollten die ersten Piloten, die seinerzeit den EuropaAmerika-Flug wagten, die Franzosen Nungesser und Coli, den Atlantik auf alle Fälle überqueren. Ihr Schicksal, der Untergang in den Wellen, ist tragisch: es gibt zu denken Anlaß. Die deutschen Atlan­tikflieger hatten vor ihrem Start noch ein Telegramm an die Mütter der beiden verunglückten Franzosen geschickt. Sie haben nach ihrem jetzigen Aufstieg mit denselben Ge­walten zu kämpfen gehabt, aber sie zogen aus dem Schick­sal Rungessers und Colts die richtige Lehre, das heißt, sie kehrten zurück, als es noch Zeit war.

Der SLurmflug derBremen".

Dessau, den 15 August.

Nach den Berichten der Piloten hat dieBremen" eine Sturmfahrt hinter sich, wie sie in der Geschichte der Luftfahrt geradezu einzigartig dasteht. Am be. . zeichnendsten ist wohl die Tatsache, daß die Maschine an manchen Stellen nur zwei Meter über dem Erd­boden fliegen und Bäume und andere Hindernisse mit einer gewaltigen Kraftanstrengung gewissermaßen überspringen mußte. Während der Motor sonst bald nach dem Start gedrosselt zu werden pflegt, mußte er diesmal während des ganzen Fluges unter Voll­gas arbeiten. Er hat diese Leistung vollbracht, ohne daß sich irgend ein Schaden gezeigt hätte. Ueber der Nordsee traf die Maschine ein furchtbares Gewitter, daß sie zwang, etwas von der Route abzuweichen. Als die Unwetter sich heute vormittag immer stetger- ten, faßten die Piloten den Entschluß zur Rückkehr. Die Flieger werden jetzt zunächst eine gewisse Zeit zum Ausruhen brauchen. Inzwischen wird die Bremen" genau untersucht und der Motor in allen Einzelheiten überprüft und überholt werden. Sobald auch die Besatzung derEuropa" in Dessau einge­troffen ist, werden die Ergebnisse und Erfahrungen des Fluges eingehend erörtert werden. Diese Er­fahrungen sind für den nächsten Versuch der Ozean- Überquerung zweifellos von erheblichem Werte. Wann dieser nächste Versuch unternommen wird, das hängt von den erwähnten Besprechungen und der Aenderung oder Wetterlage ab. Die Piloten derBremen" er­klären, daß die Bravour, mit der die Maschine diese gewaltige Sturmfahrt überstanden hat, ihr Vertrauen in das schließliche Gelingen des Unternehmens nur noch verstärken konnte.

Berlin. In Berliner Luftfahrtkreisen wird die Durch­führung des Rückfluges und der Landung derBremen" als eine große flugtechnische Leistung bezeichnet. Dabei wird be­sonders hervorgehoben, daß Kohl und Loose die Maschine nicht irgendwo unterwegs abgesetzt, sondern trotz der außerordent­lichen Witterungsschwierigkeiten sicher in den Heimathafen zurückgeführt haben. Der Entschluß zu dem Rückflug wird als die einzigmögliche Lösung angesehen, und es wird besonders anerkannt, daß die Piloten ihn gefaßt haben, obwohl sie natür­lich den Ehrgeiz hatten, den Flug nach Amerika, wenn« irgend­wie möglich, zu Ende zu führen. . .<^ CyK^^.^

Die Glanzleistung der Motoren.

Deffau. Die Piloten derBremen" wissen die Motoren über alles zu rühmen. Sie haben infolge des Unwetters fast die ganze Zeit mit Volldampf arbeiten müssen, während im allgemeinen der Motor bald nach dem Aufstieg gedrosselt wird. Teilweise mußten sie unmittelbar über den Erdboden fliegen und Bäume förmlich überspringen. Die gute Arbeit der Mo­toren hat die Piloten nur in der Auffassung bestärkt, daß der Atlantikflug schließlich gelingen wird. ......^

BMW

Der Dreistundenflug derEuropa"

Am Sonntag um 18 Uhr 25 Minuten startete die Europa" mit den Weltrekordfliegern Edzard und Risticz vom Dessauer Flugplatz und am selben Tage um 21 Uhr 55 Minuten ging sie wieder in Bremen nieder. Ihre Rück­kehr ist auf

ernste Motorstörungen zurückzuführen, die sich nach etwa ^stündiger Fahrt über der Nordsee plötzlich eingestellt hatten und die Flieger Risticz und Edzard nach vergeblichen Ver­such e n zur Behebung des Schadens zur Umkehr zwangen. Die Auffindung des Landungsplatzes in Bremen gestaltete sich ziemlich schwierig. Schließlich konnten aber die Flieger die Lichter des Landungsplatzes entdecken. Die Landung war trotz aller Vorsicht der Flieger ziemlich hart, konnte aber ohne persönlichen Schaden der beiden Flieger und ihres Passagiers Knickebocker durchgeführt werden. Das Fahrgestell wurde jedoch unter der starken Last (sie nahmen 3800 Kilogramm Betriebsstoff von Dessau aus mit) beschädigt und einer der Propeller ge­brochen.

Der Ozeanflieger Edzard äußerte sich folgendermaßen über seine Notlandung:Zwischen Oldenburg und Emden gerieten wir in ein schweres Gewitter. Unaufhörlich um- zuckten uns die Blitze und schwarze Wetterwände schloffen uns ein. Gut hundert Kilometer nordwestlich Borkum wurde unsere Maschine von Gewitterböen furchtbar geschüttelt. Plötzlich stellten wir fest, daß vor allem auch noch unser Motor überaus unregelmäßig arbeitete. Ich entschloß mich daher im Einverständnis mit Risticz schweren Herzens zur Umkehr. Ich habe das Ge­fühl, richtig gehandelt zu haben, indem ich umkehrte. Ich flog also Bremen an und landete auf dem Flugplatz. In­folge der im Verhältnis zum Leergewicht dreifachen Be­lastung zerbrachdasFahrgestellund der Schwanz &®W$Ä' A'U^MMk digst abermals antreten zu können. Die Ent­scheidung darüber liegt bei den Junkers-Werken."

Stark beschädigt.

DieEuropa" hatte übrigens bereits in der Gegend von Magdeburg die Fühlung mit derBremen" verloren.

Die genaue Untersuchung derEuropa" hat ergeben, daß das Flugzeug bei der Notlandung auf dem Bremer Flugplatz schwerere Schäden erlitten hat. Der Propeller ist völlig unbrauchbar geworden, ebenso ist das Fahrgestell nicht mehr zu gebrauchen. DieEuropa" ist gänzlich zu- samengeklappt und liegt auf der Erde. Der Schwanz ist völlig abgebrochen, fo daß man mit Bestimmtheit an­nehmen kann, daß das Flugzeug vorerst nicht wieder flug- fertig gemacht werden kann.

Nur eine Person in der ganzen Welt wird sich über diese allzu kurze Reise derEuropa" gefreut haben, das ist die Gattin des Passagiers Knickebocker, die in Bremen weilte und ihren Gemahl so schnell Wiedersehen konnte. Aber ein solches Unternehmen erfordert Ausdauer und es ist noch nicht aller Tage Abend.

Das Junkers-FlugzeugEuropa" wird von Bremen nach Dessau zurücktransportiert werden, wo erst nach dem Eintreffen der mit dem BegleitflugzeugG. 31" zurück­erwarteten Flieger Edzard und Risticz ein Beschluß über einen weiteren Flug gefaßt werden wird.

Auch das Begleitflugzeug gelandet.

Das Begleitflugzeug der Junkers-Werke,G 31", das die Amerikaflieger bis Irland bringen sollte, ging zuerst nieder. Bei dem Nebel und den ungünstigen Wetterver­hältnissen hielt man es für ein zu großes Risiko, die schwere Junkers-Maschine nach England über das Wasser fliegen zu lassen.

Edzard und Risticz in Dessau.

Dessau, den 15. August

Um 18,05 Uhr landete das BegleitflugzeugG 31" mit Fräulein Junkers, dem Journalisten Knickerbocker und Herrn v. Fischer an Bord in Dessau. Ihm folgte das FlugzeugD 282" mit den Piloten Edzard und Risticz an Bord. "G 31" hat auch den Motor der Europa" mitgebracht, um einen beschleunigten Rück­transport derEuropa" nach Dessau zu ermöglichen. Die Maschine selbst wird abmonttert und nach Dessau verladen, wo ein Beschluß darüber gefaßt werden wird, ob dieEuropa" nach ihrer Ausbesserung zu einem neuen Amerika-Flug starten werden wird oder nicht.

Das Auweiier übsr -em WimHt

Nach amerikanischen Wettermeldungen herrschte auf dem Atlantischen Ozean Weststurm der Stärke 11 bis 12. Die Windverhältnisse werden weiterhin beeinflußt durch die Lage der Tiefdruckgebiete. Südlich des Kerns herrscht Westwind, nördlich davon Ostwind. In den letzten Tagen lag nun der Kern der atlantischen Depression ziemlich weit > im Süden, so daß auf dem größten Teil der Flugstrecke Ostwind zu beobachten war. Seit Sonnabend hat sich nun | jedoch der Kern weiter nordwärts verschoben, so daß sich

dementsprechend auch die Westwindzone weit nach Norden ausgedehnt hat. Die Gegenwinde treten bis über die Hälfte der Flugroute auf. . Erst dann, über der zweiten Hälfte des Ozeans, flauen sie etwas ab. über der Mitte des Ozeans ist ein ganz schwaches Tiefdruckgebiet in Ent­wicklung begriffen, das nordostwärts vordringt und An­schluß an das über Irland liegende Tief gefunden hat.

Amerikanische Vorbereitungen.

In Chikago waren auf die Nachricht vom Abflug hin die Arbeiten für die Empfangsvorbereitungen beschleunigt worden. Der Empfang der deutschen Flieger sollte in keiner Weise dem nachstehen, der Lindbergh bereitet wurde. Colonel Lindbergh selbst hat von Newhork aus den Junkers-Fliegern besten Erfolg wünschen lassen. Auch Philadelphia hatte alle Vorbereitungen beendet.

Die amerikanischen Rundfunksender unterbrechen ihr laufendes Programm, um das Publikum über den Ver­lauf des Fluges zu orientieren. Die Vereinigten Deut­schen Gesellschaften haben eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die Bedeutung des Transozeanfluges für die Be­ziehungen der beiden Länder betonen. Trotz der Rückkehr der beiden deutschen Atlantikflieger loben die Amerikaner ihre Tapferkeit. Sie haben ihr Leben nicht sinnlos ge­opfert, um ihre Tatkraft für große Leistungen für das Deutsche Reich noch aufzusparen.

Größtes Bedauern in Amerika.

N e u y o r k, 15. August.

Das Scheitern des deutschen Ozeanfluges wurde in Neuyork durch Extrabläter bekanntgegeben. Diese Nachricht hat überall das größte Bedauern hervor­gerufen, aber nicht die Hoffnung untergraben, daß die deutschen Junkersflieger in kürzester Zeit noch einmal und dann erfolgreich die Ozeanüberqueruna wagen werden. Chamberlin gab seinem Bedauern in einer Presseerklärung besonderen Ausdruck. Allseitig wird aber daran erinnert, daß auch die amerikanischen Ozeanflieger zuerst mit Mißerfolg kämpfen mußten, bevor ihnen der Flug nach Paris gelang. Dr. Kimball, der Meteorologe der Bundes-Wetterwarte. ^ievrrramertrinrrrcmm^ öieWetterberichtc geliefert hatte, äußerte sich bedauernd über das Miß. lingen des Fluges, da dieBremen", falls es ihr ge­lungen ryäre, die Stürme des Atlantik zu durchstiegen, wertvolles Material über die Ozeanstürme geliefert hätte.

Die Franzosen noch nicht gestartet.

DieColumbia", das Flugzeug Levines und Drou- Hins, ist von unbekannter Hand beschädigt worden und muß erst repariert werden, bis es die Reise über den Atlantik antreten kann. Auch die anderen französischen und englischen Flieger warten wegen des ungünstigen Wetters noch weiter auf den Abflug.

Die Besatzung derGermania".

In der Besatzung derGermania" Könneckes, der jetzt in Köln weilt und Probeflüge macht, ist ein Wechsel eingetreten. Im Interesse der sicheren Durchführung des bevorstehenden Fluges ist Graf S o l m s zu dem Entschluß gekommen, daß die Bedienung der Funkanlage des Flugzeuges in die Hand eines erst­klassigen Funkers gelegt wird. Durch den Rücktritt des Grafen ist in der Übernahme des größten Teils der Kosten des Fluges durch Gras Solms keine Änderung eingetreten. Könnecke beabsichtigt, nach einem erfolgreichen Flug mit einem für einen speziellen Zweck neu zu bauenden größe­ren Flugzeug im nächsten Jahr einen großen Flug zu unternehmen, bei dem Graf Solms sein Begleiter sein soll.

Das unruhige Portugal.

Aus Lissabon kam die Kunde von dem Ausbruch einer neuen Revolte mit dem Versuche, die jetzige Re­gierung zu stürzen. Wie immer bei solchen Gelegenheiten, widersprachen sich die ersten Meldungen. Eine offizielle Auslassung der portugiesischen Regierung behauptete, daß es beim Versuch geblieben sei und die Regierung voll­kommen die Lage beherrsche. Von anderer Seite wurde über Paris gemeldet, daß das Ganze einen ernsthaften Charakter trage. Die Regierung sollte aus Lissabon ge­flüchtet sein und sich in einem benachbarten Ort nieder- een haben. Schwieriger wurde die Beurteilung der legenheit noch, weil gleichzeitig verlautete, daß sich auch in Oporto Unruhen gezeigt hätten. Das war ein Anzeichen dafür gewesen, daß die Bewegung keinen reinen lokalen Charakter trug, wie es nach den ersten Meldungen der Fall zu sein schien.

Wenn man die verschiedenen sich widersprechenden Meldungen aus Lissabon kritisch betrachtet, dann hat sich diese letzte achtzehnte Revolte in den sechzehn Jahren seit Bestehen der Republik ungefähr so abgespielt: Der General C a r m o n a, gleichzeitig Ministerpräsident und Präsident der Republik, war bereits mehrfach aufgefordert worden, e i n e s der beiden Ämter aufzugeben. Er ließ sich endlich dazu herbei, den Obersten Pasos Sonz a zum Vizeministerpräsidenten zu ernennen. Dieser, ein den Linksparteien angehörender Offizier, war der Mehrzahl der Mitarbeiter des Präsidenten verhaßt, da diese größten­teils Monarchisten sind. Es bildete sich eine Verschwörung, an der sich zahlreiche Offiziere beteiligten. Diese drangen mit vorgehaltenem Revolver in den Ministerrat ein und forderten die sofortige Demission Carmonas, Nach der