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kersfei-er Tageblatt

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Bnjeißenpteis: Sie einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, öle Reklamezeile 50 Pfennig. (GrunSschrist Korpus). Bei lvieüerholungen wird ein entsprechender Preis- Aachlaß gewährt. Kür die Schristleitung verant­wortlich: Kranz Kunk in Hersseld. Kernsprecher Nr. 8

Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher MZeiger für Sen Kreis tzersfel-

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mit hen Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 189

Montag, den 14. August 192t

77. Jahrgang

Oeltrieg.

Die vor kurzem ausgebrochenen Machtkämpfe zwischen dem holländisch-englischen Petroleum­trust auf der einen, dem amerikanischen auf der anderen Seite interessieren uns Deutsche vorläufig inso­fern, als möglicherweise wieder ein freier Wettbewerb zwischen den Erzeugnissen der beiden Gesellschaften zu einem Herabgehen der Preise namentlich für Benzin und M o t o r ö l führt. Die Kämpfe sind ausgebrochen, weil die Amerikaner etwas schneller auf dem Plan waren als die Engländer und sehr gewinnbringende Verträge mit der allein noch außerhalb des Trustes befindlichen russischen Naphthaindustrie in Baku abgeschlossen haben.

Die Engländer haben überhaupt Pech. Während des Weltkrieges haben sie größtes Gewicht auf die Eroberung Mesopotamiens gelegt, weil dort angeblich Petro­leumquellen von größtem Ausmaße vorhanden seien. Be­kanntlich besteht dort seit langem die Anglo-Persian-Oil- Company, die allerdings ihr Haupterzeugungsgebiet im westlichen und südlichen Persien hat; von dort führt eine nicht weniger als 450 Kilometer lange Röhrenleitung zum Persischen Golf, wo dieses kostbare Naß in die Schiffe verfrachtet wird. So großes Gewicht legten die Engländer auf den Besitz Mesopotamiens und namentlich der Ver- muteten Olfelder im Norden dieses Gebietes um Mossul herum, daß es darob vor zwei Jahren wegen der Grenz- führung beinahe zu einem Krieg zwischen England und der Türkei gekommen wäre. Dieser Krieg wurde durch das Eingreifen des Völkerbundes verhindert. Damit war der Mossulstreit aus der Welt gebracht, aber vor kurzem wurde im englischen Unterhause die unerfreuliche Mit­teilung gemacht, daß man sich in seinen Hoffnungen ,ganz außerordentlich getäuscht habe. Auf der anderen Seite ist es den Engländern nicht gelungen, dem Vordringen des amerikanischen Oltrusts unter des noch immer sehr rüsti­gen alten Rockefellers Führung nach den sehr aussichts­reichen mexikanischen Petroleumfeldern Einhalt zu tun. Damit wird es den Amerikanern leicht werden, sogar der Vorherrschaft der englisch-holländischen Gruppe in Europa

DaS Erdöl ist zu einem entscheidendem Faktör^in ^der Weltpolitik geworden; bei dem unlängst erfolgten Bruch zwischen England undRußland spielte Sir Henry Deterling, der Präsident des englisch-holländischen Petro­leumtrusts, eine fast entscheidende Rolle. Man arbeitet mit allen Mitteln gegen das Vordringen der Russen auf dem Petroleummarkt. Man ist wütend darüber,, daß sich die Amerikaner dem Vorgehen gegen Rußland nicht nur nicht angeschlossen, sondern sogar mit den Russen ein Überein­kommen getroffen haben. Die von Rußland nach England ausgeführte Petroleummenge beträgt jetzt schon 11 Prozent des gesamten englischen Bedarfs. Vor allem aber ist die antirussische Propaganda der Engländer scharf durchkreuzt worden. Selbstverständlich kamen durch den Abbruch der Beziehungen die Russen in eine sehr schwere Lage, aus der sie nun durch die Amerikaner befreit worden sind. Dre neue Kynkurrenz, die nun von den Russen dem englischen Trust auf dem europäischen Kontinent bereitet wird, denn nur nach Europa und Nordafrika, aber nicht nach Amerika darf russisches Sl geliefert werden, wird möglicherweise dazu führen, daß die Vereinbarungen zwischen dem englischen und dem amerikanischen Trust völlig in die Brüche gehen und die lachenden Dritten sind die Verbraucher, vor allem Frankreich und D e u t sch - land. Daß sich angesichts der gewaltigen Überproduktion von Petroleum, Benzin usw. ein scharfer Prelskampf er­heben wird, ist ganz sicher. Im übrigen ist dre englyche Entrüstung um so unberechtigter, als dre englischen Ver­treter vorher selbst versucht haben, mit den Russen ein Übereinkommen zu schließen. ,

Wieder einmal beherrscht das Erdöl die , W elt- politik. Noch wichtiger als Kohle und Eisen ist dieses öl geworden, das ja jetzt in der Hauptsache auch das Heiz- und Betriebsmaterial für den Schiffsverkehr abgibt. Eng­land weiß nicht mehr, wohin mit seinem Kohlenreichtum; jetzt droht ihm auch schwere Bedrängnis durch einen neuen Olmkrieg. England hat sich darin verrechnet, durch den Weltkrieg zum wirtschaftlichen Weltherrscher werden zu

Wunen.

Das Gut für den Reichspräsidenten.

Öffentlicher Aufruf für eine Geburtstagsgabe.

Vor kurzem war berichtet worden, daß dem Reichs­präsidenten zum 80. Geburtstage das Stammgut der Familie von Beneckendorf und von Hindenburg, das im Kreise Rosenberg gelegene Gut Neudeck, als Ehren­gabe geschenkt werden soll. Jetzt erlassen die Spitzenver- bünde der deutschen Industrie, des Handels, des Hand­werks, der Landwirtschaft unter der ÜberschriftH i n d e n- burg-Dank" einen Aufruf, in dem sie um Spenden bitten, die dazu beitragen sollen, dem Reichspräsidenten ihre Dankbarkeit zu bezeugen. Man beabsichtige, dem Ver­teidiger der Heimat, der in siegreichen Schlachten das deutsche Vaterland vor feindlichem Einfall bewahrt hat; ein Stück deutscher Erde, den alten Hindenburg- schen Familienbesitz, zum Geschenk zu machen. Dieser, nicht weit gelegen von der Stätte seiner Siege, solle erworben werden. Ein Teil solle alten Soldaten zur Siedlung überlassen, der andere dem Feldmarschall selbst und seinen Nachkommen übergeben werden. "^

Sie AiWWBremen" u.EmM" m Sonntag Abend ach Amerika gestartet

Dessau 14. Aug.

Die beiden Junkersmaschinen sind soeben zur

Ueberfliegung des Atlantischen Ozeans gestartet. Um 6^3 Uhr ist dieBremen" mit den Piloten Koehl und

Loose und dem Passagier Freiherr» von Hüneseld ab­geflogen. Die Maschine hat den Weg unmittelbar nach Wolsenbüttel genommen, ohne noch einmal über Dessau zu kreuzen. Unmittelbar darauf, um 6.26 Uhr ist die Europa" mit den Piloten Edzard und Risticz und dem Passagier Knickerbocker gestartet. Das Flugzeug hat den gleichen Kurs eingeschlagen wie dieBremen".

Bereits um 6 Uhr war das Begleitflugzeug G. 31 gestartet, das über Dassau kreiste, bis es den Ozean­fliegern folgen konnte.

Berlin, 15. Aug., 6.45 Uhr früh.

Nach Meldungen aus London hat dieBremen" um 5.15 Uhr Kingstown passiert. Kingstown liegt fünf englische Meilen von Dublin in der Dubliner Bay.

Die Rstlmldmg derEurops".

-- ----, August---- Nach einer Meldung des Flughafens Bremen ist dieEuropa" um 23.01 Uhr in Bremen mit Bruch

Die Jersaffmgssestr des Reichsbanners'

Ansprachen von Hörsing und Wirth.

Den Auftakt zu der Verfassungsfeier des Reichs­banners in Leipzig bildete eine Begrüßungsfeier im neuen Rathause. Der Bundesvorsitzende Hörsing-Magde- burg führte in seiner Eröffnungsrede aus: Die Wei­marer Verfassung sei die Rettung der deutschen Nation ge­worden. Die furchtbaren Folgen des Krieges und der dar­aus geborenen inneren Unruhen und Wirren seien durch die Verfassung und den eisernen Willen der großen Mehr­heit der Nation, die die Verfassung beschlossen habe, schon heute abgeschwächt und zum wesentlichen Teil überwunden. Daß in diesem Jahre alle Regierungen, wie sie auch zu­sammengesetzt seien, Verfassungsfeiern begangen hätten, bedeute einen ungeheuren Erfolg des republikanischen Ge- banfenSunb der Arbeit des Reichsbanners. Hörsing schloß: Schwarz-Rot-Gold, das Symbol der sozialen und demo­kratischen Republik, werden wir. das aeloben wir auch am Versassungstage, dem größten Ehrentage der Republik, weiter vorantragen, bis unser hohes Ziel erreicht ist und die Republik, ihre Verfassung und ihre Farben Allge­meingut der ganzen deutschen Nation geworden sind." Professor N ö l t i n g verteidigte darauf die Forderun­gen, den Tag der Verfassungsverkündigung zum National­feiertag zu erheben, und widmete seine Ausführungen im wesentlichen den Aufgaben des Bürgers in der demokra tischen Republik.

Der Begrüßungsfeier im Rathause folgte auf dem Augustus-Platz ein großer Zapfenstreich. Ansprachen hielten der 2. Gauvorfitzende, Reichstagsabgeordneter Lipinski-Leipzig und Reichskanzler a. D. Dr. Wirth. Lipinski forderte in feiner Ansprache Wachsamkeit für die Erhaltung und Sicherung der Republik und stempelte die Verfassungsfeier des Reichsbanners zu einem mäch­tigen Bekenntnis für die Republik, den deutschen Einheits­staat und die Vereinigung Österreichs mit Deutschland.

Dr. Wirth, stürmisch begrüßt, führte aus, das Reichsbanner strebe zur großen Einheit des deutschen Volkes. Die Erbberung der staatlichen Macht sei repu­blikanische Pflicht. Das Reichsbanner wache über den Staat, den Staat erobern aber könne man nur mit der politischen Partei. Nicht die Wetterfahne entscheide über den Charakter des neuen deutschen Staates, die Deutsche Republik werde so sein, wie die deutschen Republikaner seien. In diesem Zusammenhang ermähnte Dr. Wirth, durch die Wahlen des kommenden Jahres der Welt zu zeigen, daß die Deutsche Republik von deutschen Republikanern regiert werde. Hin zum Staat, hinein in den Maat, hinein in die Regierung sei die Parole. In dieser Arbeit st ehe das Reichsbanner zum Führer Otto Hörsing und zur Fahne. Die Re­publik von heute sei allerdings nicht das Staatsideal. Der Staat, der erstrebt werde, müsse erst erkämpft werden. Schwarz-Rot-Gold müsse Volkssache werden. Das ganze deutsche Volk soll in der Fahne der Väter das Symbol der deutschen Zukunft und Freiheit sehen.

gelandet. Die Besatzung ist unverletzt. An Bord der Europa" befanden sich die Piloten Risticz, Edzard und Mister Knickerbocker.

Nachdem die Europa bereits etwa Va Stunde über der Nordsee flog, trat aus bisher unaufgeklärten Gründen eine Motorstörung ein, die den Führer ver­anlaßte, in der Richtung Bremen zurückzukehren. Nach­dem das Flugzeug noch Va Stunde über dem Bremer Flughafen gekreuzt war, ging es 23,01 Uhr nieder. Infolge der starken Belastung der Maschine kam das Fahrgestell und der Propeller zu Bruch. Die Insassen sind sämtlich völlig unverletzt. DieEuropa" hatte bereits in der Gegend von Magdeburg die Fühlung mit derBremen" verloren.

Ob das dritte in Dessau bereitgestellte Flugzeug verwandt werden wird, steht noch nicht fest.

Die Piloten des Flugzeuges, Risticz und Edzard befinden sich wohlauf. Sie sind natürlich außer­ordentlich betrübt über den schlechten Ausgang ihres Unternehmens.

DieEuropa" stieß auf ihrem Kurs zur Nordsee auf ungeheuer schwere Gewitter, und nach einigem Manövrieren entschloß sie sich, dem Unwetter südlich auszubiegen. Das Gewitter war aber schneller; mit unwahrscheinlicher Geschwindigkeit war es bald über Bremen. Die Stadt war völlig in Dunkel gehüllt, fU*Ja..... fflo^Kf^W...!--J--J' 1 ~ ! ^ ~ l ", "^~ leuchteten gespensterhaft. So blieb nichts anderes übrig als die Landung.

Setter Putschversuch in Portugal.

Mißlungenes Attentat auf den Staatspräsidenten.

Vor einigen Wochen bereits wurde gemeldet, daß sich in Portugal eine neue Revolution vorbereite. In Lissabon war die Ruhe in den letzten Tagen nur noch durch die verstärkten Militärpatrouillen aufrechterhalten worden. Jetzt hat aber die seit langem bestehende Spannung sich in einem neuen Putschversuch Luft gemacht.

Als Auftakt wurde ein Attentat auf den Staatspräsi­denten General C a r m o n a, der sich zum Diktator des Landes gemacht hat, unternommen. Der Anschlag, der mißlungen ist, sollte das Signal für eine neue revolutio­näre Erhebung bilden. Die Regierung hat sofort scharf durchgegriffen. Eine offizielle Mitteilung besagt, daß sie Herr der Lage sei und jeden Aufstand unterdrücken werde. Da Nachrichten aus den Provinzen noch nicht vorliegen, läßt stch einstweilen nicht seststellen, ob der Aufstand wirklich gescheitert ist.

Die Stellung Carmonas gilt seit langem als unhalt­bar. Auch seine Anhänger verlangen, daß er auf seinen Posten des Ministerpräsidenten, den er neben derPrüsidcnt- schaftinnehat, verzichtet, und daß ein neuer Ministerpräsident gewählt werde. Ausersehen für dieses Amt ist der bis­herige Kriegsminister Pasfos e Sousa. Carmona sträubt sich jedoch gegen seine Ausschaltung und weigerte sich bis­her, auf die Ministerpräsidentschaft zu verzichten. Man darf also für die nächste Zeit mit neuen Unruhen in Portu­gal rechnen.,

Der Staatsstreich in Portugal mißlungen.

Der Rädelsführer verhaftet.

Nach den letzten aus Lissabon vorliegenden Meldun­gen ist der Staatsstreich mißlungen. Die Regierung er­klärt, Herr der Lage zu sein. Der Führer der Aufstands­bewegung, Hauptmann Filomena C a m a r o, soll ver­haftet worden sein.

Einige Offiziere drangen, wie noch berichtet wird, in die Konferenzzimmer der Ministerien, vor allem in das Kriegsministerium, ein. Als der Kriegsminister sich weigerte, sich auf eine Diskussion einzulaffen, und den Offizieren ihre Verhaftung mitteilte, gab Leutnant S ar­me n t a Revolverschüsse in der Richtung der Regierungs­mitglieder ab und traf den Sekretär des Finanzministers mit einem Schuß. Der Präsident der Republik warf sich entschlossen auf die Offiziere, doch gelang es Sarmento zu­nächst, zu entkommen. Kurz darauf wurde er jedoch ver­haftet. Vorher hatten Offiziere verschiedener Regimenter versucht, die Truppen aufzuwiegeln. Sie hatten damit jedoch keinen Erfolg. Das Betreten der Laterne wurde ihnen verwehrt. Die Regierung hat im Fluglager von Amadora im Hinblick auf etwa eintretende Ereignisse Truppen konzentriert.