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hersfel-er Taaeblatt

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hersfelSer Kreisblatt

Amtlicher MZeiger Mr den Kreis Hersfelö

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.20 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 0.80 Reichs-Mark Druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchbruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDZV. :

mit den Beilagen: Seimatschollea / Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Sagesfragen.

Nr. 185

Mittwoch, den 10. August 1927

77. Jahrgang

Sparen notwendig.

Was nutzt es, daß die deutsche Wirtschaft seit der Währungsstabilisierung vom Auslande her unter manch­mal recht schwierigen Bedingungen Anleihen in einer Höhe von bisher bald Milliarden erhielt! Gewiß waren sie nötig, um uns aus dem Ärgsten herauszubringen, aber diese Summen müssen doch von der deutschen Wirtschaft dem Auslande wieder zurückgegeben werden. Wichtiger als die Unterstützung von draußen her ist für jede Volks­wirtschaft die Kapitalsneubildung durch eigene Erspar- nisse, alsodurch den Verzicht auf augenblicklichen Genuß", wie es in der nationalökonomischen Wissenschaft heißt. Und damit geht es erfreulicherweise wieder vorwärts und aufwärts, wie vor allem aus dem Ansteigen der Spar­kasseneinlagen ersichtlich wird. Das Tempo ist ein verschiedenes, wenn man die einzelnen Monatsergebnisse vergleicht, aber das Anwachsen hat bisher seit der Wäh- rungsstabilisierung noch keine Unterbrechung erfahren.

Ende Juni 1927 lagen, wie das Statistische Reichs­amt soeben mitzuteilen vermag, rund 4 Milliarden Reichs­mark in den deutschen Sparkassen; während dieses Monats ist die Steigerung in der Höhe der Einlagen etwas hinter der des Mai zurückgeblieben, aber der absolute Höchststand seit jener Zeit ist erreicht, als Sparen Unsinn geworden war. Damals, als der Papiermarkschleier von unsern Augen fortgenommen war, da stellte es sich heraus, daß die Spareinlagen, in Gold umgerechnet oder in Goldwert eingezahlt, nur noch dieHöhe" von 200 Millionen hatten.

Dreizehn Milliarden hatten die kleinen und mittleren Einkommen denn fast nur für diese Kreise kam ja für Rücklegung von Geld die Sparkasse in Frage vor dem Kriege gespart und es war bis Ende 1924 zerronnen bis auf einen geringen Rest. Und obwohl das Zutrauen zum Reich nicht gerade gewachsen ist durch die Aufwertung der früheren Sparkasseneinlagen, die ja erst in letzter Zeit auf den besseren Satz von 15 v. H. festgelegt worden ist, so war doch schon bis zum November 1925 der Gesamtein- lagebestand der deutschen Sparkassen also nach kaum zwei Jahren wieder aus 1543 Millionen gestiegen. Er hat sich dann bis zum September 192« um weitere-85 v. H. vermehrt, betrug also über 2700 Millionen, um _ dann wieder binnen zehn Monaten im gleichen Verhältnis an-^ zusteigen. _

Natürlich steht schon vermöge seiner Bevolkerungs- zahl Preußen an der Spitze aller deutschen Länder, überragt aber auch im Durchschnitt also Höhe der Spareinlage pro Kopf der Bevölkerung fast alle anderen. Nur Hamburg und namentlich der Freistaat Bremen weist hierin weit höhere Durchschnittszahlen auf. Interessant ist auch die Verteilung auf die preußischen Provinzen. Hier steht die Rheinprovinz weitaus an erster Stelle, sie war 1926 im Besitz von etwa einem Viertel des Gesamtrücklagebestandes Preußens; ihr folgen dann Westfalen und Hannover, während der Durchschnittssatz in Groß-Berlin ganz ausfallend gering ist, nämlich nur die Hälfte des preußischen Gesamtdurchschnitts. Das alles, vor allem aber, daß der stärkere agrarische Osten Preußens, dann etwa auch Bayern mit seiner immer noch vor­wiegend landwirtschaftlichen Bevölkerung längst nicht den Reichsdurchschnitt erreicht, läßt den Schluß zu, daß eben in den Jahren nach der Währungsstabilisierung der deut­schen Landwirtschaft die Möglichkeit entschwunden ist, in größerem Ausmaß Ersparnisse vornehmen zu können. Am bezeichnendsten ist, daß gerade Ostpreußen und die bei Preußen verbliebenen Teile Westpreußens und Posens Die tiefsten Ziffern aufweisen.

Wie sich biefe Entwicklung fortsetzt, ist aber von größter Wichtigkeit. Viel von dem früher so hoch ent­wickelten Sparsinn des deutschen Volkes ist durch die In­flation verlorengegangen und so mancher, der damals an der Börsespekulierte", um sein Vermögen soweit wre nur möglich zu retten, hofft auch jetzt noch, an eben dieser Stelle das Verlorene rasch wiederzugewinnen. Meist trugt diese Hoffnung; aber noch versuchen es immer wieder weite Kreise, die früher Pfennig um Pfennig zur Spar­kasse brachten. So gibt die Statistik ein zwar nicht ganz zutreffendes Bild von der sich im deutschen Volk voll­ziehenden Kapitalsneubildung; aber auch schon dieses Bild zeigt, daß es erfreulicherweise vorwärts geht.

Sie preußische NaggennotvervrdNMg Gesetz.

Annahme im Ständigen Ausschuß des Landtages.

Die Flaggennotverordnung der Preußischen Regie­rung hat nunmehr Gesetze s kr a s t erlangt. Das Preu­ßische Staatsministerium hat sur den Verfassungstag fol­gende Anordnung erlassen:

Neben sämtlichen staatlichen Drenstgcbauden haben ' auch die Gebäude der Selbstverwaltungskörper am 11. August in den Reichs- und Landesfarben zu flaggen. Den Gemeinden (Gemeindeverbänden) ist es unbenommen, n e b e n d e r R e i ch s s l a g g e auch die Stadt- und Pro- Vinzialfarben zu zeigen. Diejenigen Schulen, welche am Bersassungstage wegen der Ferien geschlossen sind, haben auch an dem Tage zu flaggen, an dem die ^erfassung^- feier in der Schule veranstaltet wird."

Dieser Verfügung ging die Annahme der Flaga-en- verordnung im S t ä n d i g e n A u s s ch u ß des P r e u- ßischen Landtages voran. Bei der Beratung über die Verordnung kam es hier zu erregten Erörterungen,

gutwillig der KmMsWM

Sas ZWßgOZ über KrieMWeu

Die Bestimmungen des Gesetzentwurfs.

Der Reichsfinanzmimster hat nunmehr dem Reichsrat und dem Reichswirtschaftsrat den Entwurf des Kriegs- schädenschlutzgesetzes, das die endgültige Entschädigung der Liquidations- und Gewaltgeschädigten regeln soll, zu- geleitet. Die Vertreter sämtlicher Geschädigtenverbände sowie der Spitrenorganisntionen der deutschen Wirtschaft, denen der Finänzminister in einer Besprechung den In­halt des Gesetzentwurfs mitgeteilt hat, haben überein­stimmend erklärt, daß sie, da sie zu den Vorarbeiten nicht herangezogen worden seien, sich zu dem Regierungsent- wurf erst nach einer Woche sachlich äußern könnten.

Was die Bestimmungen des Entwurfs angeht, so sind für die wiederaufbauenden Geschädigten folgende Entschädigungssätze in der Schlußentschädigung vor­gesehen:

Eine vom Reichsfinanzministerium veröffentlichte Übersicht über die Bestimmungen des Entwurfs des Kriegsschädeuschlußgesetzes sieht für die Wiederaufbauen­den Geschädigten folgende Entschädigungssätze in der Schlußentschädigung vor:

a) bei Entwurzelung: für Grundbeträge bis 2000 Mark 100 Prozent, für Grundbeträge bis 10 000 Mark mindestens 60 Prozent, für Grundbeträge bis 20 000 Mark mindestens 55 Prozent, für Grundbeträge bis 50 000 Mark mindestens 35,8 Prozent, für Grundbeträge bis 100 000 Mark mindestens 29,4 Prozent, für Grundbeträge bis 200 000 Mark mindestens 23,7 Prozent, für Grundbeträge bis 500 000 Mark mindestens 18,48 Prozent, für Grund­beträge bis 1 Million Mark mindestens 16,74 Prozent, für Grundbeträge bis 10 Millionen Mark mindestens 13,37 Prozent, für Grundbeträge bis. 20 Millionen Mark min-

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weil das Zentrum zwei seiner fehlenden Ausschußmit­glieder durch zwei Sozialdemokraten vertreten ließ. Diese Stimmenübertragung erklärte die Opposition für unge­setzlich. Bei der Abstimmung wurde dann die Vorlage mit 15 Stimmen der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Demokraten gegen 14 Stimmen der übrigen Par­teien angenommen.

Die GrundsteinlWung zum Marmeehrenmal.

Die am Eingang der Kieler Föhrde bei Laboe er­folgte Grundsteinlegung des Ehrenmals für die 40 000 im Weltkriege gefallenen deutschen Marineangehörigen hatte eine große Anzahl von Gästen und ehemaligen Mit-

gliedern der Flotte versammelt. Auf unserem Bild sieht man unter den zum feierlichen Akt Erschienenen Admiral Scheer (X), Prinz Waldemar von Preußen (XX) und die Witwe des Admirals Grafen Spee (XXX).

Kundgebungen der Gaarbergleuie.

Schwere Zusammenstöße in Saarbrücken.

Mehr als 50 000 Saarbergleute, die in stundenlangen Fußmärschen aus den Grubenorten des Saargebietes her­beigekommen waren, protestierten in Saarbrücken gegen die Feierschichten und Massenentlassungen in den Saarbergwerken. In einer telegraphischen Entschließung wurde der Völkerbundrat um Eingreifen zwecks Abwen­dung des Elends ersucht. Der Pariser Verwaltungsrat der Saargruben sowie der französische Minister für öffent­liche Arbeiten wurden zu sofortigen Verhandlungen aus­gefordert. , ,

Während der Durchmarsch der Bergleute durch die Stadt ohne ernstere Zwischenfälle verlief, kam es vor der Bergwerksdirektion und den Regierungsgebäuden zu Zu­sammenstößen mit der Polizei, die von der blanken Waffe Gebrauch machte, als mehrere tausend Bergleute gegen drc Wohnung des Saarpräsidenten vorzudringen versuchten. , 16 Demonstranten wurden verletzt, darunter mehrere schwer. Verletzungen leichterer Natur erlitten mehr als | 30 Landjäger.

destens 13,19 Prozent, für Grundbeträge bis 50 Millionen Mark mindestens 13,08 Prozent.

b) bei Nichtentwurzelung: für Grundbeträge bis 2000 Mark 100 Prozent, für Grundbeträge bis 10 000 Mark mindestens 60 Prozent, für Grundbeträge bis 20 000 Mark mindestens 55 Prozent, für Grundbeträge bis 50 000 Mark mindestens 35,8 Prozent, für Grundbe­träge bis 100 000 Mark mindestens 29,4 Prozent, für Grundbeträge bis 200 000 Mark mindestens 23,7 Prozent, für Grundbeträge bis 500 000 Mark mindestens 15,48 Pro­zent, für Grundbeträge bis 1 Million Mark mindestens 12,74 Prozent, für Grundbeträge bis 10 Millionen Mark, mindestens 8,47 Prozent, für Grundbeträge bis 20 Mil-i lionen Mark mindestens 8,24 Prozent, für Grundbeträge bis 50 Millionen Mark mindestens 6 Prozent.

Die Höchstgrenze der Onischädigung.

Für entwurzelte und Wiederaufbauende Geschädigte betrug die ch st g r e n z e der Entschädigung 7 Milli­onen, für nicht entwurzelte, aber Wiederaufbauende Ge­schädigte 3 Millionen, für nicht Wiederaufbauende Ge­schädigte 2 Millionen. Bei Wertpapierschäden beträgt die Höchstgrenze für entwurzelte und wiederaufbauende Ge­schädigte 5 Millionen, beim Fehlen einer dieser Voraus­setzungen 2 Millionen. Alle bisherigen Vorlei - stungen werden auf die Schlußentschüdi- gung angerechnet. Geschädigte mit einem Grundbeträge bis 20000 Mark erhalten Barzahlung. Entschädigungen für einen Grundbe­trag über 20 000 Mark werden als mit 6 v. H. jährlich verzinsliche Schuldbuchforderungen in das Reichsschuld- bud) eingetragen. Sie können später in Reichsschuldver­schreibungen umgewandelt und sollen möglichst schnell ge- tilat werden.

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Der Lotterieskandal.

Eine weitere Gewinnummer gestohlen.

Zu dem Lotteriebetrug des Lotterieoberinspektors Böhm und des Lotterieoberinspektors Schleinstein bei der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie wird amtlich mit- geteilt:

Nach dem bisherigen Ergebnis der Untersuchung gegen die schuldigen Beamten hatten diese auchsürdie 5. K l a s s e der jetzt laufenden 29. Klassenlotterie wiederum betrügerische Manipulationen beabsich­tigt. Es muß deshalb mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß sich nicht alle 278 000 Losnummern in dem Rade befinden. Um jede neue Unregelmäßigkeit auszu- schlietzen, ist deshalb vom preußischen Finanzministerium angeordnet worden, die gesamten Losnummern neu herzustellen. Nach Ausführung dieser Arbeit wird die Einschüttung der Losnummern

in voller Oeffentlichkeit erfolgen

und jeder Lotteriespieler kann der Einschüttung der Los­nummern beiwohnen.

Diese öffentliche Einschüttung der Losnummern stellt keine Ausnahme dar, sondern die Öffentlichkeit der Ziehungsvorbereitung war auch bisher gewahrt. Wenn z. B. von einem Losspieler bei der Einschüttung die Frage gestellt wurde, ob sich auch die von ihm gespielte Nummer im Gewinnrade befinde, so mußte diese Nummer aus dem Losrade herausgesucht und dem Spieler gezeigt werden.

Der preußische F i n a n z m i n i st e r hat auf dem Dienstaufsichtswege angeordnet, daß eine allge­meine Untersuchung der Vorgänge bei der Gene­rallotteriedirektion zu erfolgen habe. Mit dieser Unter­suchung ist ein Ministerialrat des preußischen Finanz­ministeriums beauftragt worden. Außerdem ist die Ober­rechnungskammer an der Untersuchung beteiligt. Unab­hängig von diesen Maßnahmen läuft selbstverständlich auch die bereits im Gang befindliche Untersuchungsaktion der Staatsanwaltschaft weiter.

Die beiden Betrüger gaben zu, daß ihnen die Beute aus erstem Manöver nicht genügt habe, und daß sie die­selbe Manipulation wiederholen wollten. Der Lotterie­oberinspektor Böhm gestand dem Untersuchungsrichter, daß er sich in den Besitz des Losröllchens Nr. 360 672 ge­setzt hat. Eine Rückfrage, die der Untersuchungsrichter bei der Generaldirektion der Klassenlotterie vornahm, blieb ergebnislos. Böhm blieb aber bei seiner Behauptung, er befände sich tatsächlich im Besitze des Losröllchens.

Wie er das Röllchen hat stehlen können, darüber ver­weigert er jede Auskunft.

Der Generaldirektion der Klassenlotterie sind nach den Mitteilungen des Untersuchungsrichters Zweifel an der Vorzüglichkeit des Kontr ollsystems aufgestiegen und der Präsident der Klassenlotterie ordnete daraufhin eine Überprüfung der Losbestände an. Sämt­liche Nummernzettel, die sich bis jetzt in der Lostrommel befunden haben, werden neu angefertigt werden. Dre Überprüfung ergab, daß sich von den 375 000 Losen noch 278 000 in der Radtrommel befinden müßten. Als man den Inhalt der Trommel zählte, wurde festgestellt, daß nur noch 277 999 Lose vorhanden sind. Böhm hatte al)o Die