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Hersfel-er Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis hersfelö

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezv! Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für l 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für ftbholer 0.80 Reichs-Mark Druck unö Verlag von Ludwig : Junis Buchdruckerei in Hersfeltz, Mitglied des VLZV. |

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mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Anterbaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagessragen.

Nr. 182

Sonnabend, den 6. August 1927

77. Jahrgang

Zeichen und Wunder.

Poincards Berliner Haus. Englisches Reinigungs­bedürfnis. Gedenktage verboten. Schätze! volks­tümlich.

Wir werden bald, so scheint es, daran denken müssen, Herrn Poincarö Abbitte zu leisten. Er hat der Welt zwar oft genug versichert, daß ihm nichts ferner liege, als Haß zu säen und den Frieden unter den Völ­kern zu stören. Aber da man in Deutschland nun einmal Wert darauf legt, Worte und Taten eines Staatsmannes und gar eines s o großen Staatsmannes, wie dieser französische Ministerpräsident zu sein sich rühmen kann miteinander in Übereinstimmung zu finden, so erntete er mit solchen Redensarten hierzulande selten mehr als ab­weisendes Achselzucken. Nun will er uns aber doch ein greifbares Zeichen seiner Zuneigung geben. Wenigstens wissen kundige Leute, die das Gras wachsen hören, aus Paris zu berichten, die französische Regierung habe be­schlossen, in allen Hauptstädten Europas, also auch in Berlin, Propagandabureaus zu schaffen zur Förde­rung des Fremdenverkehrs in Frankreich. Berlin soll so­gar den unerhörten Vorzug genießen, als erste Stadt der Welt mit einem solchenMaison de France" beglückt zu werden offenbar aus Dankbarkeit dafür, daß un­verhältnismäßig viel Deutsche auch in diesem Jahre wieder in den teuren französischen Luxusbädern anzutreffen sind, wahrend Engländern und Amerikanern der Spaß nach­gerade etwas zu kostspielig geworden ist. Also wie man uns Germanen einstmals nachgesagt hat, wir könnten keinen Franzmann leiden, aber seine Weine, die tränken vir gern, so soll auch Herr Poincarö sich jetzt dazu auf- chwmgen, seine Abneigung gegen die Teutonen wenig- tens soweit zu überwinden, daß er ihr gutes Geld n möglichst großen Portionen nach Frankreich herein- lockt. Wenn die Deutschen das und so wären, wofür dieser unverbesserliche Deutschenhasser sie immer gehalten hat, wurden sie französische Liebeswerbungen, auch wenn sie ihnen mit noch so viel freundlicher Gebärde entgegenge-

Briand an den Völkerbund

Me EMaWungskonirolse

in Deutschland.

F . anzösische Hetze.

Die französische Presse macht großes Wesen mit der Veröffentlichung eines Schreibens des französischen Außenministers Briand vom 22. Juli an den Völkerbund­rat, in dem die Rede ist von der Übertragung der Voll­machten der interalliierten Botschafterkonferenz über die Militärkontrolle an den Völkerbund.

Briand teilt dem Völkerbundrat offiziell die be­kannte Tatsache mit, daß die Interalliierte Militär­kontrollkommission in Deutschland, deren Funktionen in den Artikeln des Vertrages von Versailles festgelegt waren, am 31. Januar d. I. aufgelöst worden ist. In­dessen seien auf Grund eines am 12. Dezember v. J. zwischen den Vertretern der alliierten Regierungen und dem deutschen Reichsaußenminister abgeschlossenen Ab­kommens bei den diplomatischen Missionen dieser Regie­rungen in Berlin Sachverständige belasten worden, um die endgültige Erledigung derjenigen Fragen zu ver­folgen und sicherzustellen, die am Tage der Zurückziehung der Kontrollkommission noch nicht als vollständig geregelt angesehen werden konnten. Briand macht dabei den Völkerbundrat auf das ihm zustehende Recht aufmerksam, gegebenenfalls von dem ihm durch den Vertrag von Ver­sailles zuerkannten Jnvestigationsrecht (Ersorschungs-, Feststellnngsrecht) Gebrauch zu machen. Gleichzeitig über- sendet Briand den Bericht der früheren Kontroll­kommission.

Die Pariser Zeitungen begleiten die Verössent-

lichung mit der gleichlautenden, also woyr veranlaßten Bemerkung:Die neue von Deutschland eröffnete Kam­pagne, durch die es vermeiden will, daß die Alliierten oder der Völkerbund zu einer Nachprüfung der Entwaff­nung des Deutschen Reiches schreiten, insbesondere, so­weit sie die Küstenbefestigungen Deutschlands betrifft, er- scheint unangebracht. Die kürzlichen Enthüllungen über den Umweg, aus dem Deutschland seine Armee zu ver­mehren beabsichtige, beweisen, daß eine Kontrolle durch­aus notwendig ist. . . . Selbstverständlich ist es der Völkerbund, dem jetzt diese Kontrolle zufällt."

Der Versuch, dem Völkerbundrat gleichsam Vor­schriften zu geben, ist eigentlich vollkommen überflüssig, denn er wird wohl wissen, was er zu tun hat. Die offen­bare Feindseligkeit gegen Deutschland, die sich aber in dem Zusatz ausspricht, ist doch bezeichnend für die Stim- mung, die sich augenblicklich wieder einmal in Frankreich austobt. Man kann das Schreiben Briands wohl als rein geschäftsordnungsmäßig ansehen, ohne den Zeit­punkt der Veröffentlichung gerade als sehr richtig ge­wählt bezeichnen zu können. Die Interalliierte Milt- tärkontrollkommission ist am 31. Januar d. I. endgültig beendet und die später ernannten militärischen Sachver­ständigen haben tatsächlich keinerlei Kontroll­recht, wie die französischen Zeitungen es wohl gern andeuten möchten.

Deutsche Auffassung von VriandS Schreiben.

Berlin. An zuständiger Berliner Stelle sieht man in dem Schreiben des französischen Außenministers Briand, das dieser in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Botschafterkonferenz in der Angelegenheit der Übertragung der Funktionen der I. M. K. K. in Deutschland aus den Völkerbund nach Gens ge- richtet hat, lediglich einen bureaukratischen geschästsordnungs-

der deutschen Bäder und Erholungsstätten, in denen man nicht französisch parlieren und keine französischen Reiseandenken kaufen kann. Wenn dann Herr Poincarö sich erkenntlich zeigen und beim Völkerbund in allen euro­päischen Schicksalsfragen Schulter an Schulter mit Deutschland zusammenstehen wird, dann wird endlich der ewige Friede für Europa in greifbare Nähe gerückt sein. Und das alles wird dann ein einfachesMaison de France", Unter den Linden zwischen Kaiserschloß und Brandenburger Tor in Berlin, bewirkt haben. Das nächste Mal müßte dann dafür unbedingt Herr Poincard Friedens-Nobelpreis kriegen.

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Ober ob ihm schließlich doch die Engländer Rang ablaufen? Sie haben jetzt in Saarbrücken Präsidium der sogenannten Regierungskommission über­nommen und wetteifern schon ganz munter mit den Fran­zosen, die ihn bisher innehatten, im Erlaß von Verbots- und Unterdrückungsmaßnahmen, als wenn sie zeigen wollten, daß man durchaus nicht Franzose von Geburt und Erziehung zu sein braucht, um einer fremden, hoch­gebildeten und selbstbewußten Bevölkerung die Knute zu zeigen. Und kaum hat sich der sogenannte Bahnschutz im Lande etabliert, da stürmen auch die englischen Offiziere Verzeihung, die englischen Bahnschutzbeamten, die städtischen Badean st alten, um ihrem angeborenen Reinigungsbedürfnis zu der Zeit und in der Gesellschaft, die ihnen gerade paßt, frönen zu können. Die Bürger­schaft kann warten oder, wenn sie will, in den Nacht­stunden ins Saarwasser steigen. Der ausländische Bahn­schutz hat auch hier den Vortritt, und damit er in seinem Behagen nur ja nicht gestört werde, werden Regiments- und Gedenkfeiern rücksichtslos verboten. Es soll für die Saarländer keinen Tag von Spichern mehr geben und keinen von Weißenburg. Und wenn außer­dem noch ihre Wirtschaft langsam, aber sicher zugrunde gerichtet wird, so sollen sie trotzdem nicht aufhören, ihre englisch-französischen Herren und Meister wenigstens zu fürchten. Mehr wird von ihnen nicht verlangt. Der Ausgleich für soviel Unbill wird dann wieder in der

er Paradetagung geliefert, wo " '"ißt, völlig gleichberechtigt mitten Mein Kind, was willst du n o ch

Deutschland gleichberechch am Ratstisch sitzen darf.

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mehr?

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Dasselbe Deutschland läßt sich inzwischen die Mühe nicht verdrießen, die technischen Fortschritte der Zeit un­aufhörlich vorwärtszutreiben. Jetzt haben wir es wirk­lich schon fertiggebracht, unsere Stimme von der Gegend am Potsdamer Platz aus bis nach Argentinien zu übertragen. Und wenn die Propheten recht behalten, wird man nach Buenos Aires bald billiger sprechen als telegraphieren können. Herrn Schätzet, unserem neuen Reichspostminister, hat die deutsche Öffentlichkeit bisher nicht gerade Lorbeerkränze gewunden; wird es ihm aus dem Umwege über diese fabelhaft kurzen Wellen viel­leicht gelingen, ein volkstümlicher Mann zu werden, gleich unserem unvergeßlichen ersten Generalpostmeister Stephan, der auch einmal in seiner Weise die Welt erobert hat? Dr. Sy.

6500 Kilometer in 52 Stunden.

Die Junkers-Piloten überbieten Chamberlin.

Die Piloten Risticz und Edzard haben mit der Junkers-Rekordmaschine33" die ganze Nacht zum Frei­tag den schweren Dauerslug durchgehalten und noch weit in den Vormittag hinein fortgesetzt. Erst gegen 10 Uhr 11 Minuten vormittags erfolgte bei herrlichstem Sommer­wetter und angesichts einer ungeheuren Zuschauermenge die außerordentlich glatte Landung in Dessau. Der bis­her von Chamberlin und Acosta gehaltene Dauerwelt­rekord wurde um 1 Stunde 12 Minuten geschlagen. Der von dem Franzosen D r o u h i n gehaltene Streckenrekord mit Rückkehr zur Startstelle fiel gleichfalls mit 4660 kon­trollierten Kilometern an Deutschland. Insgesamt haben die Flieger 6500 Kilometer zurückgelegt. Diese Strecke entspricht der Luftlinie BerlinBuenos Aires oder

fett

den

BerlinKapstadt.

Als die Landung glatt vonstatten gegangen war, stürmte alles zur Maschine. Die beiden Flieger wurden aus der Maschine gehoben und auf den Schultern in das Auto getragen, das sie zum Flugbureau brächte. Der Apparat wurde inzwischen von den Sportzeugen unter­sucht, die Plomben wurden nachgeprüft: alles war in Ordnung. Lediglich Benzinmange! hatte das Flugzeug zur Landung gezwungen.

Der Flug selbst verlief nach Angaben der Pils ohne jeden Zwischenfall, wenn auch der Nebel in t Nachtstunden die Orientierung schwierig machte Die Maschine arbeitete im allgemeinen ausgezeichnet

Nach dem Erfolg des Dauerrekordfluges ist es nicht mehr zweifelhaft, daß der Flug nach Newyork schon in der nächsten Zeit vor sich gehen wird.

Wie die Reichspost mitteilt, können für diesen Ozean- flug auch Briefsendungen mitgegeben werden. Das Gewicht eines Briefes darf 20 Gramm nicht über­steigen. Portogebühren für eine Postkarte 12, für einen Brief 25 Mark. *5

Der Lebenslauf der Flieger.

Risticz ist der ältere der beiden Piloten. Er wurde 1895 in Budapest geboren, befindet sich also im 32. Lebens- jahre. Bei Beginn des Krieges meldete er sich als Frei- williger in die ö st e r r.e i ch i s ch e A r m e e, wurde dort mehrfach ausgezeichneter Pilot. Nach Beendigung des Krieges war er Verkehrsflieger bei der Ungarischen Luftverkehrsaktiengesellschaft. Seit dem 1. August 1925 ist er für die Dessauer Junkers-Werke tätig. Er ist ver-

Geplante preuß. Flaggenverordnung

Mit Bezugnahme auf den Verfassungstag am 11. August.

Im preußischen Staatsministerium ist der Entwurf einer Verordnung über die Beslaggung der kommunalen Dienstgebäude und der Schulgebäude soeben fertiggestellt worden. Die Verordnung enthält einen einzigen Artikel, Iber den folgenden Wortlaut hat:

»Die Beflaaanna der Dienstaebände der Gemeinden

heiratet und hat seinen Wohnsitz augenblicklich in Dessau, der jüngere ist Edzard. Er ist 29 Jahre alt, wurde 1898 in Bremen geboren und meldete sich zu KriegL- beginn bei der deutschen Armee ebenfalls als Kriegs- Eeiwilliaer. Den arößten Teil des Krieaes machte er

Der Junker-Pilot Risticz. als Flieger mit. 19*24 trat er als Verkehrsflieger in den Dienst der neuen Bremer Luftverkehrsgesellschaft m. b. H. Auch er ist verheiratet.

Andere Wettbewerber.

Die Vorbereitungen des Kielers Könnecke zu seinem Ozeanflug werden in Travemünde mit ver­stärkter Kraft fortgesetzt. Die letzten Probeflüge mit dem AtlantikflugzeugC 32*, die hauptsächlich zur Kontrolle des Betriebsstoffverbrauchs und der Geschwindigkeit ver- anstaltet wurden, sind gut verlaufen.

Auch L e v i n e, der sich mit Drouhin wieder gut steht, ist in Paris startbereit und möchte gern als Erster den EuropaAmerikaflug durchführen. Von Zufällen dürfte es abhängen, wer das Rennen als Erster gewinnt. und Gemeindeverbände gehört zu den örtlichen Geschäften der allgemeinen Landesverwaltung. Das gleiche gilt in Ansehung der Schulgebäude für die Unterhaltsträger der nicht vom Staate allein unterhaltenen öffentlichen Schulen."

In der dem Entwurf beigegebenen Begründung wird Bc- plg genommen aus die Entscheidungen des Oberverwaltungs- ^erichts vom 20. Mai d. I. in Sachen der Magistrate in Pots­dam und Hohenstein (Ostpreußen), die dahin gingen, daß nach geltendem Recht die Beslaggung kommunaler Dienstgebäude