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ßersfelöer Tageblatt

Hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Mnzeiger für den Kreis hersfelS mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungöblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.20 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfelö 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 0.80 Reichs-Mark * Druck und Verlag von Ludwig Junta Buchdruckerei in Hersfelb, Mitglied des VDZV.

________________________________Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche TageSfragen.______________________

Nr. 178 Dienstag, den 2. August 1927 77. Jahrgang

Die erste Milliarde.

Mit der achselzuckenden Kaltherzigkeit, die eben nur ein Engländer aufbringen kann, hat der Unterstaats­sekretär Locker L a m p s o n vor ein paar Tagen im Unterhaus erklärt, daß an eine Räumung der R h e i n l a n d e erst dann gedacht werden kann, wenn Deutschland alle seine Verpflichtungen erfülle. Daß wir die Entwaffnungsbestimmungen durchgeführt haben, ver­mag die Botschafterkonferenz nicht mehr abzuleugtten, und der Bericht des Reparationsagenten über die Ausfüh­rung des Dawes-Plans in den ersten neun Monaten des jetzt laufenden, also des dritten Reparationsjahres beweist, daß wir auch unsere daraus entstehenden finan­ziellen Verpflichtungen auf den Pfennig genau beglichen haben. Überdies sagt es der Bericht selbst an zahlreichen Stellen.

Es ist eine leider nur allzu wahre Tatsache, daß man in Deutschland diesen Dawes-Verpflichtungen vor­läufig viel zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Denn das deutsche Volk verspürt nicht unmittelbar, welche Leistungen es zu bewältigen hat. Verspürt auch nur allzu indirekt, wie sich diese Verpflichtungen auswirken. Dabei wäre der berüchtigteSchwarze Freitag", der 13. Mai, an der Börse nicht möglich gewesen, wenn nicht vorher der Reparationsagent "durch einen großen Bartransfer (Verrechnung und Überweisung in fremde Währung) den Devisenvorrat der Reichsbank erheblich verkleinert hätte, so daß eine radikale Maßregel erfolgen mußte, um unsere Währung vor einer Erschütterung zu bewahren.

Im dritten Reparationsjahr erhält der Generalagent Parker Gilbert nicht weniger als eineinhalb Milliarden Mark. Davon bezahlt die Reichsbahn 550 Millionen, da­zu noch 290 Millionen Beförderungssteuer; 250 Mil­lionen entfallen auf die Verzinsung der Jndustrieobli- gationen und 410 Millionen werden aus den allgemeinen Einkünften des Reiches an die Entente abgeführt. Von dieser Summe wird nun ein Teil in Goldmarkzahlungen transferiert", der andere in fremder Währung. Was Deutschland z. B. an Sachlieferungen zu leisten hat, be­zahlt der Reparationsagent mit Goldmark; ebenso die Besatzungskosten, die Kosten der injeralliiertsv Zo-ML^ Zivilen und verschiedene andere Zahlungen. In fremder Währung er tauft sich die Devisen bei der Reichs­bank zahlt der Reparalionsagent nun eine Reihe von Posten aus, die die verschiedenartigste Bestimmung haben. Da erhebt z. B. Amerika Anspruch auf Ersatz seiner Besatzungskosten; im dritten Dawes-Jahr sind das 55 Millionen. Vor allem aber muß jeder deutsche Kauf- mann, der nach England oder Frankreich Ware ausführt, dort einen Zollzuschlag von 26 Prozent bezahlen; den er zwar von der deutschen Regierung zurückerstattet erhält, dieser aber auf Reparationskonto verrechnet wird, also von ihr bezahlt werden muß. Außerdem hat der Reparationsagent auch noch Barsummen an unsere Gläu­bigerstaaten transferiert.

Der neueste Bericht des Generalagenten zeigt nun, daß dieser letzte Posten, nämlich die Barüberweisung, schon in den neun Monaten des laufenden Jahres mehr als doppelt so groß ist als in den beiden vergangenen Jahren zusammengenommen. Er zeigt aber auch des weite­ren, daß das Verhältnis zwischen den Goldmarkzahlungen und den Überweisungen in fremder Währung gleichfalls sehr viel schlechter geworden ist. Hatte in den ersten beiden Jahren die Zahlung in Goldmark noch etwa 67 v. H. der Gesamtzahlung ausgemacht, so beträgt dieser Transser durch Goldmarkzahlung in den neun Monaten des dritten Reparationsjahres nur 51 v. H., b. h. die beiden Arten der Überweisung halten sich beinahe die Wage. In fremder Währung sind 449 Millionen transferiert worden bisher! und diese Summe, die weit größer als alles ist, was in jedem der beiden Vorjahre transferiert wurde, führt uns nunüberdieer st e Milliardehinaus, denn in den ersten beiden Reparationsjahren wurden auf diese Weise rund 670 Millionen in fremder Währung transferiert. Es ist nach diesen Vorgängen ohne wei­teres damit zu rechnen, daß am Ende des dritten Repara­tionsjahres sicherlich anderhalb Milliarden in Form von Devisen an unsere Gläubigerstaaten ausgezahlt sind.

Am 1. September 1928 beginnt dasNormaljahr" mit einer Zahlungsverpflichtung von 2500 Millionen nach dem, wie sich die Überweisung in der letzten Zeit entwickelt hat, müssen wir damit rechnen, daß die Sachlieferungen noch weiter zurückgehen, die Überweisung in fremder Wäh­rung ständig zunimmt. Es fragt sich nur, wie lange die deutsche Wirtschaft, vor allem aber die deutsche Währung das aushalten wird.

Kurze Vertagung der Seeabrüllung-- konferenz.

Japan sucht zu vermitteln.

Die Vollsitzung der Genfer Seeabrüstungskonferenz, die auf den 1. August festgesetzt war, ist auf zwei bis drei Tage verschoben worden, und zwar aus Wunsch der ameri­kanischen Delegation. Der amerikanische Schritt scheint auf einen Besuch des Führers der japanischen Delegation bei Gibson, dem Führer der Amerikaner, veranlaßt worden zu sein. Japan soll den Versuch gemacht haben, den Ver­mittler zwischen England und den Vereinigten Staaten zu spielen. Andererseits Hat die amerikanische Delegation den Text einer Sicherungsklausel für den Fall, daß das Abkommen zum Abschluß gelangen sollte, veröffentlicht.

Nach dieser Klausel ist jede der vertragschließenden |

Sumpf um den rinmnWi Arm

Prinz Larol will die Königskrone.

Widerruf der Verzichtleistung.

Es war jedem unterrichteten Politiker seit Jahren klar, daß bei einem Thronwechsel in Rumänien schwere Konflikte sich entwickeln würden. Wenn auch während der Krankheitstage des verstorbenen Königs Ferdinand beschwichtigende Nachrichten in Massen ins Ausland gin­gen, wenn kurz vor dem Tode Ferdinands der energische Bratianu die Zügel der Regierung in seine selbst nicht vor brutalen Zugriffen zurückschreckenden Hände nahm und nach der Katastrophe im Nu Ferdinands fünf­jähriger Enkel zum Herrscher ausgerufen wurde, so waren das doch nur Tatsachen, die mehr für die unsichere Lage sprachen als für eine Befestigung der Verhältnisse. Schneller als man vermutete meldet sich jetzt der seinerzeit ziemlich gewaltsam zum Verzicht auf die Nachfolge ge, zwungene älteste Sohn des verstorbenen Königs, Prinz C a r o l, und erhebt Anspruch auf die Krone. Er erläßt in Pariser Blättern eine Art Proklamation, in der es heißt:

Trotz meines lebhaften Wunsches, mich zu den Bei­setzungsfeierlichkeiten meines Vaters zu begeben, wurde mir in striktester Form mitgeteilt, daß meine Anwesenheit nicht erwünscht sei. Obgleich diese Antwort mir gegen­über als der letzte Wille des Königs hingestellt worden ist, bin ich darüber unterrichtet, daß der letzte Wunsch meines Vaters ganz im Gegensatz hierzu stand. Mir liegt der Gedanke fern, in meinem Lande irgendeine Aktion zu entfachen. Wenn ich vor anderthalb Jahren aus meine Rechte verzichtet habe, so deshalb, weil ich durch Personen »nd Mittel dazu gezwungen worden bin, über die ich mich im einzelnen nicht äußern will. Heute hat sich die Lage geändert, denn heute erweckt die Zukunft Rumäniens ernste Besorgnisse, während sie sich damals nach mensch­lichem Ermessen unter den besten Ausvirien darsteltte- ihn nichts in der Welt darf zirgeläffen werden, daß die Initiative und fruchtbare Arbeit zweier Generationen in Gefahr gebracht wird. Ich bin der Ansicht, daß ich als Rumäne und Vater das Recht und die Pflicht habe, über die Größe der Nation zu wachen, die der Gegenstand der Fürsorge zweier ruhmvoller Souveräne gewesen ist, damit der Staat in keiner Weise beeinträchtigt wird, da­mit mein Sohn ein unantastbares Erbe erhält, wenn seine Zeit gekommen ist. Diese Lage gibt mir das Recht, per­sönlich zu intervenieren. Ich habe den lebhaften Wunsch, meinem Lande nützlich zu sein und nicht dort Unruhe her­

Mächte berechtigt, vor dem 31. Januar 1936 einen neuen Zusammentritt der Drei-Seemächte-Konferenz zu fordern, falls eine der vertragschließenden Parteien die in dem Ab­kommen sestgesetzte Gesamttonnage für die Kreuzer in einer Art und Weise zum Bau von Kreuzern verwendet, die der anderen Macht eine Abänderung der in dem Abkommen festgesetzten Gesamttonnage als erforderlich erscheinen läßt. Jedoch gilt diese Bestimmung e r st v o m 31. Januar 1931 a b. Sollte auf der neuen Konferenz eine Einigung zwischen den drei Mächten nicht zustande kommen, so ist der einberufende Staat berechtigt, das Abkommen mit ein­jähriger Frist zu kündigen. In diesem Falle verliert das Abkommen auch, gegenüber den beiden anderen vertrag­schließenden Staaten seine Gültigkeit. Dieser neue ameri­kanische Vorschlag steht gegenwärtig im Vordergrund der Verhandlungen.

Handwerkerforderungen an das Reich

Norddeutscher Handwerkertag in Schwerin.

Nach einer Reihe von handwerklichen Fachtagungen und einer kommunalpolitischen Handwerkertagung fand in Schwerin die Haupttagung des Norddeutschen Handwerkertages statt. Die Tagung brächte zunächst einen Vortrag des Syndikus des Reichsverbandes des Deutschen Schneidergewerbes, Dr. Men- ninger, überDasdeutscheHandwerkinStaatund Wirtschaft". Der Redner kritisierte heftig die Einmischung des Staates in Privatintereffen und wies auf die schwere Schädigung deß Handwerks durch die Regiebetriebe hin. Der Redner warnte weiter vor jedem übertriebenen Wirtschaftsoptimismus, der auch heure trotz gewisser unverkennbarer Fortschritte nicht am Platze sei. Nach einem weiteren Referat des Syndikus der Handwerkskammer in Kassel, Dr. Hartmann, über das ThemaWas wir wollen" faßte der Vorsitzende der mecklenburgischen Handwerkskammer, Landtagsabgeordneter Laubach, die gegenwärtigen Forde­rungen des Handwerks zusammen. Diese erstrecken sich aus rückhaltlose Anerkennung der Reichsverdingungsord. nung für Bauleistungen durch die Reichs- und Kom- munalbehörden sowie aus Einschränkung und Vereinfachung des kostspieligen und umfangreichen Verwattungsapparals, da die Kosten dafür vom Handwerk und von der Gesamtwirtschaft nicht mehr aufgebracht werden könnten.

Verbesserte SparlassenaufVettung in Preußen.

Einheitlicher Aufwertungssatz von 15 Prozent.

Der preußische Minister des Innern hat im unmittel­baren Anschluß an die durch feine Vertreter im Rechts­ausschuß des Reichstages bei der Beratuna der Novelle

vor,zurusen. Aber ich werde es niemals ablehnen können, dem Wunsche meines Volkes zu gehorchen und seinem Rufe zu entsprechen, wenn er an mich gerichtet wird.

Scharfe, ja außerordentliche Maßnahmen der Regie­rung Bratianu haben seit Ferdinands Hinscheiden die Ruhe in Rumänien aufrechterhalten, ob es fürderhin so biethen wird, ist nach der aufsehenerregenden Erklärung des Prinzen Carol sehr zweifelhaft geworden. Die Pariser Zeitungen, die natürlich als erste in der Lage waren, Stellung zn nehmen, äußern sich im allgemeinen noch etwas zurückhaltend zu der Sache. Man hält Bratianu für franzosenfreundlicher als seinen Vorgänger Averescu, der nach Italien gesehen haben soll. Deshalb findet die französische Rechtspresse ziemliche Worte der Abwehr gegen den Prinzen. So schreibt dasJournal": Diese Erklärung beweist, daß Prinz Carol die feierliche Beschwörung des sterbendes! Königs Ferdinand nicht ge­hört hat, obwohl dieser an den heiligen Charakter des Thronverzichtes formell erinnert hatte."Echo de Paris" erklärt:Prinz Carol hat kein Recht, auch nur einen An- spruch in irgendeiner Form geltend zu machen. Wir müssen wünschen, daß Bratianu siegt und daß er und seine Ratgeber bis 1940, dem Jahre der Volljährig­keit des Königs Michael, die Stabilität des Staates ge­währleisten." Die liberalen Blätter, die Bratianu als einen Rückschrittler bezeichnen, lassen erkennen, daß sie dem Prinzen Carol Erfolg wünschen.

Volksabstimmung in Rumänien?

Aus Bukarest wird gemeldet, in einflußreichen poli­tischen Steifen lege man sich die Frage vor, ob eine Rück berufung des Prinzen Carol nicht einer zwanzigjährigen Regentschaft vorzuziehen sei, um so mehr, als zahlreiche Beispiele der Geschichte bewiesen, wie schädlich solche Regentschaften den Ländern gewesen find. Wie es heißt, ffeW ^ L-..prt^r*s1>oi,r tptiiu Uh '»'..'----s"--........

Met die Rückkehr des Prinzen und seine Ausrufung zum ^^Ob diese Angaben mehr als einen Wunsch der Bra- Kanu feindlichen Kreise bedeuten, muß dahingestellt bleiben. Der Ministerpräsident wird sich und seine dem Prinzen Carol entschieden abgeneigte Politik jedenfalls nicht leicht an die Seite schieben lassen. Dem Vernehmen nach hat Carol seine Erklärung unter dem Einfluß von rumänischen Politikern abgegeben, die heimlich nach Paris gekommen sind, um ihn als ihren Prätendenten zu gewinnen.

zum Aufwertungsgesetz gegebenen Zusagen eine erheb­liche Verbesserung der Sparkassenaufwertung in Preußen durch eine neue preußische Durchführungsverordnung zum Aufwertungsgesetz herbeigeführt.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, er­folgt nach dieser Verordnung die Aufwertung der Spar­guthaben bei allen öffentlichen oder unter Staatsaufsicht stehenden Sparkassen Preußens zu einem einheit­lichen Aufwertungssatz von 15 Prozent (bisher 12)4 Prozent). Sofern ein Spartguthaben nach der bisherigen Regelung aufgewertet und durch Erfüllung der entsprechenden Aufwertungsleistung erloschen ist, gilt es nach ausdrücklicher Vorschrift der neuen Verordnung gleichwohl hinsichtlich einer Nachtragsaufwertung von 2% Prozent (d. h. der Differenz von 12)4 und 15) als fortbestehend. Während nach der bisherigen Rege­lung ein Drittel des 12)4prozentigen Aufwertungsgut­habens am 1. Juni 1930 kündbar war und die weitere Kündbarkeit späterer Regelung vorbehalten blieb, wird jetzt je ein Sechstel des 15prozentigen Aufwertungs­betrages zum 1. Januar 1928, 1. Januar 1929 und 1. Januar 1930 kündbar gemacht, so daß bis zu dem letzt­genannten Termin 7,5 Prozent kündbar gemacht sind. Die Kündbarkeit der weiteren 7,5 Prozent bleibt Vor­behalten. Die vorze-itigem Ausschüttungen an Personen nr-it einem geringeren Jahreseinko m m e n werden insofern verbessert, als sie nicht wie bisher nur Personen mit einem Jahresein­kommen bis 800 Mark, sondern darüber hinaus Personen mit einem Jahreseilckommen bis 1000 Mark zugute kommen.

Der frühere vorgesehene Aresgleichsstock, in den über den Einheitssatz auswertende Sparkassen die Hälfte des Mehrbetrages abzuführen hatten, wird beseitigt und durch einen anderen Ausgleichsstock ersetzt, in den die Über­schüsse derjenigen Sparkassen abzuführen sind, deren auf- gewertetes Sparkassenvermogen ihre Aufwertungsver­bindlichkeiten übersteigt, und aus -dem entsprechende Zu­schüsse an diejenigen Sparkassen gegeben werden, deren aufzuwertendes Sparkassenveumögen nicht ausrercht, um die letzten 2)4 Prozent ihrer Auswertungsverbmdlich- keiten zu erfüllen. Zur Deckung der Verwaltungskosten darf weder das aufgewertete Cftiarkassenvermögen noch der Sparkassenausgleichsstock in Anspruch genommen werden.

In einem besonderen Erikatz weist der Munster noch darauf hin, daß die Sparkassen besondere Hartefalle freiwillig berücksichtigen sollen. .