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Vermischtes.

M D?rbescheidene" Einbrecher. An der Tür einer Berliner Wohnung, in der eine Mutter mit ihrer Tochter Wohnt, klingelt es. Die Tochter öffnet und prallt entsetzt zurück, denn der Mann, der draußen steht, hat sie mit festem Griff am Arm gepackt und sich als Einbrecher vorgestellt. Jawohl, so sagte er:Ich bin Einbrecher von Beruf!" Der Mutter, die hinzukommt, droht er mit Er­schießen, wenn sie auch nur einen Muck sage. Dann sieht er sich in der Wohnung, in die er inzwischen eingetreten ist, mit kurzem, sachverständigem Blicke um und spricht: Na, viel habt ihr selbst nicht, hier ist nichts zu holen. Aber ein Glas Wasser könnt ihr mir geben!" Die zu Tode erschrockene ältere Dame bringt es, der Einbrecher trinkt es bis zur Neige, bedankt sich und geht, ohne etwas an- gerührt zu haben. So geschehen zu Berlin im Sommer 1927!

= Der Erfinder der Postkarte. Von Portoerhöhungen, Postkarten, Fernpostkarten, Ortspostkarten ist jetzt bei uns mehr als genug die Rede. Da trifft es sich gut, daß man Serade jetzt einiges über den Ursprung der so wichtig ge- wrdenen Postkarte sagen kann. Es sind nämlich am 13. Juli 25 Jahre seit dem Tode ihres Erfinders verflossen gewesen. Der Mann hieß Emanuel Herrmann und war österreichischer Ministerialrat und Professor. Im Januar 1869 veröffentlichte er in einer Wiener Zeitung einen Aufsatz mit dem Titel:über eine neue Art der Korre­spondenz mittels der Post." Er machte auf die hohen Kosten des Briefverkehrs aufmerksam und schlug dann Postkarten im Format eines gewöhnlichen Briefum­schlages zu herabgesetzten Portosätzen vor; sie sollten aber mit Einschluß der Adrefle und der Unterschrift des Ab­senders nicht mehr als zwanzig Worte enthalten dürfen, also eine Art Kartentelegramm fein. Der damalige öster­reichische Handelsminister Freiherr von Plener inter­essierte sich für die Sache und man war bald entschlossen, es mit der Postkarte zu versuchen, obwohl Ungarn einige Schwierigkeiten machte. Allerlei Bedenken hatten übrigens auch die Österreicher selbst: sie meinten, daß man die Post­karte zu Grobheiten und Beleidigungen benutzen würde. Aber alle Bedenken wurden schließlich überwunden und im September 1869 bekam Österreich seine erstenKorre­spondenzkarten", die bald in allen zivilisierten Staaten nachgeahmt wurden. Dem Erfinder der Postkarte aber soll jetzt auf dem Mei^linger Friedhof in Wien ein Grab- denkmgl gesetzt Werden.

e' = Strafe muß sein. In Birmingham war es und ein Mann wollte um 11 Uhr vormittags heiraten. Er leitete das damit ein, daß er sich in der Nacht vorher fürchterlich betrank und auf der Straße einen gediegenen Radau machte. Wegen nächtlicher Ruhestörung und groben Un­fugs hielten ihn die Polizeibeamten fest und brachten ihn so gegen 10 Uhr vor den Polizeirichter. Der Mann war noch nicht ganz nüchtern, aber so viel wußte er: er mußte um 11 Uhr auf dem Standesamt sein, sonst war es mit der Heirat vorläufig Essig. Er bat daher den Richter um Beschleunigung der Sac^ und es wurde im Eiltempo verhandelt. Fünf Minuten dauerte die ganze Geschichte und der Mann wurde zu 20 Schilling Geldbuße, im Nicht­zahlungsfalle zu 11 Tagen Haft verurteilt. Der Heirats­kandidat packte sofort sein ganzes Geld aus der Tasche und zählte es mit dem Richter und den Polizeileuten ge­wissenhaft durch, aber es waren trotzdem nur 10 Schilling. Der Mann sagte, daß er dieses Geld zum Heiraten brauche, und bat um Strafaufschub bis nach der Trauung. Der humane Richter gewährte das und der Mann lief im Galopp zu seiner Braut. 15 Minuten nach 11 Uhr war er, ha er einGentleman" war, wieder zur Stelle: er war verheiratet und brächte seine Frau gleich mit. Auch die 20 Schilling hatte er und er wollte die Strafe bezahlen. Aber der Richter warf rasch einen Blick auf die sehr ener- gische, hünenhafte Frau und schob das Geld zurück mit den mystischen Worten:Behalten Sre nur Sre sind be- straft genug!"

= Die Gemeinde zündet das SchulhauS an. Eine ganz famose Gemeindeverwaltung hatten sie in Skochowitz bei Königstadtl in der Tschechoflowakei. Das Skochowitzer Schulhaus war nicht mehr zeitgemäß und die Gemeinde hätte gern ein neues gehabt. Aber Bauen kostet Geld und

Geld gibt eine Gemeinde nicht gern her. Nun lag aber die Sache insofern sehr günstig, als das bestehende Schulhaus bei der Slaviabank mit 80 000 Tschechokronen gegen Brandschaden versichert war. Da es aber leider nicht von

selbst abbrennen wollte, beschloß die Gemeindeverwaltung, ein bißchen nachzuhelfen und mit dem Schulhaus ein Feuerwerk zu veranstalten. Einer nur widersprach: der sehrrückständige" Herr Lehrer. Aber man kümmerte sich nicht um ihn und arrangierte den Brand. Es erschienen eines Tages Zimmerleute im Schulhaus und verlangten die Schlüssel zum Boden, da sie dort dringende Repara­turen vorzunehmen hätten. Die Reparaturen begannen damit, daß die Zimmerleute einen Stapel alter Schuldeste aufbauten und dann feierlich und mit dem Segen der Gemeindeverwaltung Petroleum darübergossen und den gewünschten Brand entfachten. Sehr zur Entwicklung kam das Feuer nicht, da es von demrückständigen" Lehrer und ein paar anderenunvernünftigen" Leuten im Keime erstickt wurde. Jetzt sitzt die gesamte Gemeindever- waltrmg samt dem Gemeindevorsteher in Nummer Sicher.

^ Der Dramant im Backenzahn. Ein hohler Zahn ist erne unangenehme Sache, aber wenn man ihn richtig zu verwerten weiß, kann man unter Umständen Kapital daraus schlagen. Starb da kürzlich in Paris eine reiche Dame, die in ihren hinterlassenen Papieren aus ihren ersten Backenzahn rechts als auf einen besonders kost­baren Gegenstand hinwies. In diesen Backenzahn hatte sie sich nämlich eines Tages unter einer Plombe einen über­aus wertvollen Diamanten einlegen lassen, um in etwaigen Fällen der Not nicht plötzlich ganz mittellos da- zustehen. Die Papiere der Dame fielen in die Hände ihres Dieners, der nichts Eiligeres zu tun hatte, als der toten Herrin den immerhin eigenartigen Juwelenbehälter aus dem Munde zu nehmen und sich den Diamanten anzu- eignen. Zu seinem Pech aber war der Backenzahn mit dem Diamanten auch im Testament der Verstorbenen er­wähnt und so erhielten auch die Erben der Dame Kennt­nis von dem wertvollen Zahn. Der Diener wurde ver­haftet und man sagte ihm denMundraub" auf den Kopf zu. Der Diamant war im ersten Augenblick nicht zu ermitteln, aber schließlich entdeckte man ihn doch, und zwar gleichfalls in einem Backenzahn, nur daß es sich jetzt um den Backenzahn des Diebes selbst handelte und daß dieser Backenzahn in seinem Munde nicht rechts, sondern links stand. Aber die Plombe alsDeckel" über dem Dia­manten war auch da.

Der gefährlicheBismarckturm". Bei Bromberg steht noch, von der deutschen Zeit dieser jetzt polnischen Stadt her, einer der bekannten Bismarcktürme. Lange schon steht er da und die Polen haben ihn feit dem Ver- failler Vertrage Tag für Tag vor Augen gehabt, aber sie scheinen ihn erst jetzt richtig entdeckt zu haben und die Entdeckung flößte ihnen keinen geringen Schreck ein. Mehrere Stadtverordnete taten sich sofort zusammen und brachten einen dringlichen Antrag auf Bewilligung einer bestimmten Summe für den Ankauf von Dynamit ein, auf daß der gefährliche Turm in die Luft gesprengt würde. Aber es waren sehr fluge Leute in der Stadtverordneten­versammlung und die sagten sich und den anderen:Gut. Nehmen wir an, wir bewilligen das Dynamit und der Turm wird hnrtlich gesprengt. Aber da bleiben ja aller Voraussicht nach die Steine liegen und sie werden, wie das in Polen so ist, wahrscheinlich jahrelang liegen- bleiben, so daß man jeden Tag sagen wird:Da liegen die Ruinen von dem Bismarckturm!" Immer wieder und immer noch Bismarckturm ... Na, also!" Na, also wurde das Dynamit nicht bewilligt und der Bismarck­turm bleibt vorläufig stehen. Nur werden sie ihn wahr­scheinlich umtaufen, die Polen, aber dann wird man be­stimmt sagen:Das war früher der Bismarckturm!" Immer wieder und immer noch Bismarckturm. Na, also!

' Ein Wink. Dame des Hauses:$etr Doktor. Sie gähne«? Langweilen Sie fuh )bei uns?" Doktor:Verzeihen Sitz Gnädigste, nicht im geringsten, man gähnt doch bekanntlich auch, wenn man Hunger hat."

Baterstolz.Mein Sohn ist durch und durch Künstler!" Und meiner durch und durch Kaminkehrer."

Lob oder Tadel? Ein Komponist spielt einem Freunde eine neue Schöpfung vor und fragt:Nun, wie gefällt dir denn meine neue Sinfonie?"Lieber Freund, die spielt dir keiner nach!"

I Nach Feierabend

"Unterhaltungsbeilage rum Hersfelder Tageblatt.

DGGGOKGGGGGOOGOOGDKGKKOGKKGOOOD- Wildsraf Hubertus.

Roman von Heinz Msred von Vyen,

16)

Und nun war der ersehnte und doch so gefürchtete Tag gekommen. Wie ein Alp lag es auf allen Be­wohnern der Forstmeisterei, nur Lia bewahrte ihre heitere Ruhe, zwang sich, zuversichtlich und gleichgültig zu erscheinen.

Eben ist die neueste Nummer desSt. Hubertus" gekommen!" Gretel steckte ihren blonden Wuschelkops durch die Tür und Deliane griff nach dem Blatt.

Da haben wir Glück gehabt, Herr Graf, es gibt immer ein Wettrennen, sobald der Postbote erscheint; soll ich Ihnen etwas vorlesen?"

Bitte, gnädiges Fräulein, das heißt, nur dann, wenn Sie nichts Wichtigeres vorhaben--"

Ich?" Das junge Mädchen lachte:Das Aller- wichtigste ist für mich, Ihnen die Stunden des Hängens und Bangens in schwebender Pein zu verkürzen! So, und nun wollen wir einmal sehen, was es Neues gibt, oh, ein Kopfgedicht."

Egede richtete sich auf.

Ein Gedicht? Das würde mich interessieren! Von wem ist es denn?"

Von--," sie stockte,Herr Graf das das ist doch sonderbar--"

Was denn?"

Wildgraf Hubertus steht darunter--!"

So?!" Ein Lächeln huschte über die Züge des Kranken:Ja, da werde ich wohl beichten müssen, entsinnen Sie sich aus unsere erste Begegnung? An dem Abend habe ich die Verse niedergeschrieben und tags darauf aufs Geradewohl abgesandt, aber nun, wollen Sie mein Geisteskind nicht kennen lernen?!"

Delianes Hand, die das Blatt hielt, zitterte, eine jähe heiße Röte flutete ihr in die Wangen, dann las sie stockend, mit halb verschleierter Stimme:

Zwanzig Enden Zw anzig Lenze!"

Ein Hirsch von zwanzig Enden zog durch das hohe Holz

Hei Ho!

Frisch auf, ihr Weidgesellen,

Wir wollen ihn jagen und stellen

Den ed'len Hirschen stolz

Hei Ho!

Wir zogen vor Tau und Tage wohl in den grünen Wald Hei Ho!

Nun liegt der edle Recke

Verendet auf der Strecke,

Und durch den Forst das Hifthorn schallt:

Horrido!

Nachdruck verboten

Ein Mägdlein von zwanzig Lenzen ging durch den dunkeln Tann

Hei Ho!

Ihr Haar gleich Gold und Seide, Die Augen, ihr schönstes Geschmeide, Die haben mir's angetan

Hei Ho!

Wie weiter es gegangen, Mein Weidgeselle traut?

Hei Ho!

Noch eh' ein Jahr vergangen,

Da war ich selbst gefangen, Und sie, war meine Braut

Horrido!"

Nun, gefällt es Ihnen? "

Doch ehe Lia noch antworten konnte, klang von draußen das scharfe Knattern eines Motores, das junge Mädchen sprang aus.

Herrgott Professor Osterrot, Herr Gras, ich muß noch die Binden--" das Weitere blieb unver­ständlich, wie gejagt lief Deliane aus dem Zimmer, ihre Wangen brannten und das Herz hämmerte in wilden, zuckenden Schlägen--, für eine Sekunde lehnte sich Lia gegen den TürpfostenUnd sie war meine Braut -- Horrido!" Das das konnte ja nicht sein, durfte nicht Wahrheit werden,--sie, das arme Mädel und er, einer der größten Grundbesitzer der Provinz, der Besitzer von Bergwerken und Erz­gruben, der Herr über Millionen Hubertus Wildgraf zur Egede---

Nanu, ich glaube gar, Tränen?!"

Das junge Mädchen schreckte zusammen. Doktor Klemm stand neben ihr.Aber Fräulein Delius, Sie sind doch sonst so tapfer! Und nun mal rasch, holen Sie ein paar Schneeglöckchen, Sie sollen die Erste sein, die nnserem Patienten Glück wünscht!"

Glück wünscht?!"

Jawohl," der Professor trat heran,der Herr Kollege hat mir täglich telefonisch über den Heilungs­prozeß berichtet, wir haben die Gewißheit, daß der Eingriff geglückt ist, jetzt kann ich es Jhmn ja sagen, diese Operation gelingt unter hundert Füllen Fällen kaum einmal, es war wie ein Wunder"

Ein Wunder!" sagte sie leise und huschte zur Tür hinaus.

Oho!" Lächelnd blickte ihr der Spezialist nach. Können Sie sich einen Vers darauf machen, Herr Kollege?"