TixsM GeMinderat hielt eine Trauersttzung ab, in der Bürgermeister Seitz namens des Gemeinderats ohne Unterschied der Partei dem Schmerz ^nd der Trauer über das Unglück Ausdruck gab, das die Stadt mitten im Werke der Wiederaufrichtung und des Wiederaufbaues Heim- gesucht habe.
Die strafgerichtliche Untersuchung gegen den kommunistischen LandtagLaSgeordneten Pieck, der dem Wiener Landgericht eingeliefert wurde, wird, nach Mitteilungen von unterrichteter Seite, wegen Störung der öffentlichen Ordnung durchgeführt. Außerdem liegt von polizeilicher Seite gegen Pieck wegen Vergehens gegen die Einreise- vorschriften ein Ausweisungsbefehl vor, da er nicht im Besitz eines Reisepasses war. Pieck ist mit einer Geldstrafe belegt und für immer auS Österreich ausgewiesen worden.
Wie die Wiener Blätter melden, hat der Fremden- zustrom nach Wirn, Innsbruck, Salzburg und anderen österreichischen Orten bereits in vollem Umfange wieder eingesetzt. ___
Preußen und das Reich.
Eine Erklärung Brauns im ReichSrat.
In der letzten Vollsitzung des Reichsrats nahm vor Eintritt in die Tagesordnung der preußische Ministerpräsident Dr. Braun zu einer Erklärung gegen den Reichsinnenminister von Keudell das Wort. Minister von Keudell hatte in der Recchs- ratssitzung der vergangenen Woche gegen das preußische Reichsratsmitglied Ministerialdirektor Badt den Vorwurfdes Bruchs der Vertraulichkeit und der Irreführung der Öffentlichkeit bei einer Berichterstattung über die Feier des Ver- fassungstages durch unwahre Angaben erhoben und hatte von seiner Absicht nicht der preußischen Regierung vorher Kenntnis gegeben. Ministerpräsident Dr. Braun legte gegen dieses Vorgehen des Reichsinnenministers Verwahrung ein. Er betonte hierbei, daß sämtliche von Minister Keudell gegen Badt erhobenen Vorwürfe auf irrigen Voraussetzungen beruhen und jeder Berechtigung entbehren. .
Reichsinnenminister Dr. von Keudell wies in einer kurzen Erwiderung darauf hin, daß die Angelegenheit gegenwärtig Gegenstand der Prüfung durch den zuständigen Ausschuß sei und ihm daher keine Veranlassung biete, zu diesem Zeitpunk, und an dieser Stelle den neulichen Erklärungen ein Wort hinzuzufügen. Auf Antrag Bayerns wurde dann die Erklärung des Ministerpräsidenten Dr. Braun dem gleichen Aus- »überwiesen, der die in der vergangenen Woche erlassene irung Keudells zu beraten hat.
potiiifche Rundschau.
Deutsches Reich
Reichsregierung gegen Hürsing.
Der Vorsitzende des Reichsbanners „Schwarz-Rot- Gold", Oberpräsident H ö r s i n g , hat in diesen Tagen einen Aufruf veröffentlicht, der sich mit den letzten Ereignissen in Wien befaßt. Der Aufruf enthält, wie amtlich betont wird, beleidigende Angriffe gegen die österreichische Regierung. Die Reichsregierung sieht sich veranlaßt, ihrem Bedauern über diesen Aufruf Ausdruck zu geben, da er geeignet sei, die herzlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Österreich zu trüben. Die Reichsregierung hat auch in Wien auf diplomatischem Wege ihr Bedauern über den Aufruf aussprechen lassen, nachdem sie die preußische Staatsregierung von diesem Schritt verständigt hatte. (In Hörsings Aufruf war der Regierung Seipel der Vorwurf gemacht worden, sie habe durch ihre Hilflosigkeit das Unheil in Wien zu einer Katastrophe werden lassen.)
Der Kamps um den innerbayerischen Finanzausgleich.
Der Bayerische Landtag ist in die Sommerferien gegangen und wird erst im Herbst wieder zusammentreten. In der Schlußsitzung wurde zunächst die 3-Millionen-Vor- lage zugunsten der unteren und mittleren Beamten angenommen. Eine stundenlange Debatte löste dann der Gesetzentwurf über den innerbayerischen Finanzausgleich aus. Der Finanzminister und der Innenminister verteidigten die Regierungsvorlage und widersprachen der Auffassung, daß sie Ungerechtigkeiten mit sich bringe. Unter Ablehnung sämtlicher Abänderungsanträge wurde schließlich in namentlicher Abstimmung das ganze Gesetz mit 66 gegen 50 Stimmen angenommen.
Anita.
Roman von Otto Llper. '
Copyright by Greiner & Comp., Berlin 28 30.
Nachdruck verboten.' |
29. Fortsetzung.
„Es handelt sich um das Lebensglück Anitas, Vater."
„Ich denke, es geht ihr ganz gut bei den Stollens?"
„Schämst du dich nicht, Vater, von Stolten eine Rente zu beziehen, gleichsam ein Almosen, Vater — oder vielmehr als Lohn für dein — Schweigen?"
„Was willst du damit sagen? Die Rente habe ich redlich verdient! Ich habe Anita vom Tode errettet, N habe sie zehn Jahre lang ernährt und gekleidet, ich bin zu ihr wie ein Vater gewesen." . . .
„Um sie dann an Stolten zu verhandeln! Ich sage dir, Vater, ich dulde es nicht, daß du dieses Almosen — oder was es auch immer ist — noch länger annimmst! — Ich bin jetzt in einer Stellung, die es mir ermöglicht, für dich zu sorgen. Du schreibst an Stolten, daß du fernerhin auf die Rente verzichtest!"
Jetzt wurde der Alte blaurot im Gesicht.
„Was soll ich tun?" schrie er.
„Auf die Rente verzichten! Ich werde für dich sorgen! Dann kannst du der Wahrheit die Ehre geben!"
Da schlug der Alte mit der Faust auf den Tisch, daß die Gläser zitterten. Dannn erhob er sich, stemmte die Fäuste aus den Fisch und schrie seinen Sohn wütend an:
„Bist du verrückt oder bin ich verrückt geworden?"
,^ch bin vollständig vernünftig!" entgegnete Jürgen so ruhig, wie ihm nur möglich war. „Und ich bitte dich, auch ruhig zu bleiben. Ich fordere nur von dir, was jeder Ehrenmann tun würde."
„Du willst mich zum Bettler machen?"
„Ich werde dafür sorgen, daß du keine Not leidest."
„Ich danke für dein Gnadenbrot — ich bin kein alter Hund, den man mit Bettelsuppen füttert, bis er krepiert! Ich bin mein eigener Herr und will es bleiben! Jetzt gibst du die Flasche her und dann scher dich hinaus aus meinem Hause, du ungeratener Junge du!"
„Du bekommst die Flasche nicht und ich gehe nicht
Aus In» and Auslank
. „ Berlin. Der Reichspräsident hat anläßlich des Ablebens des hessischen Staatsministers von Brentano di Tre- ^8$° an den hessischen Staatspräsidenten und an die Witwe des Verstorbenen Beckidstelegramme gesandt. Namens der Reichsregierung kondolierte Reichskanzler Dr. Marx.
Karlsruhe: Rektor und Senat der Technischen Hochschule Karlsruhe haben dem Reichsfinanzminister Dr. Heinrich Köhler die Wurde eines Dr.-Jng. ehrenhalber verliehen als Anerkennung für die Förderung der lechnisch-wirtschaft- lichen Entwicklung des Landes Baden und insbesondere der Elektrizitatswirtschaft.
~ Oslo. Offiziere und Mannschaften der ersten deutschen Torpedobootshalbflottille, die in der letzten Zelt eine Reihe norwegischer Hafen besucht hat, werden dieser Tage Oslo einen Besuch abstatten. Zu Ehren der deutschen Gäste ver- anstaltet die deutsche Kolonie zahlreiche Festlichkeiten.
Budapest. Der wegen Franknotenfälschung zu längerer Strafe verurteilte Prinz Ludwig Windischgrätz, der seit längerer Zeit an einer Nervenkrankheit leidet, mußte sich einer Operation unterziehen, die gut verlief.
Die Forderungen der ehemaligen Siandesherren.
Eine Zusammenstellung der preußischen Regierung.
In einer Kleinen Anfrage einiger Landtagsabgeordneter Wurde das preußische Staatsministerium um Auskunft über die Abfindungs- und Entschädigungsansprüche der deposse- vierten und ehemaligen Standesherren, ferner um Auskunft über die seit November 1918 von Preußen an die ehemaligen Standesherren usw. ausgehändigten Bar- und Sachwerte ersucht.
Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Antwort des preußischen Finanzministers entnimmt, ergibt sich die Höhe der einzelnen Ansprüche in Papiermark und ihre Begründung in folgender Zusammenstellung der an depossedierte Fürsten und ehemalige Standesherren zu zahlenden Jahresrenten: 1. Hoheitsrenten, zugesichert für den Verlust der Landeshoheit insgesamt 981720 Mark. 2. Standesherrliche Renten, zugesichert für den Verzicht auf den durch Artikel 14 der Wiener Bundesakte vom 8. 6. 1815 gewährleisteten und im Auschluß daran in den deutschen Ländern durch Landesgesetze geregelten „Standesherrlichen Zustand" 206 670 Mark. 3. Reichsschlutz- mäßige Renten, zugesichert für die Abtretung linksrheinischer Hoheitsgebiete an Frankreich im Jahre 1801 durch den Reichsdeputationshauptschluß vom 25. Februar 1803 37 000 Mark. 4. Regalienrenten, zugesichert für den Verlust nutzbarer Regalien 128 900 Mark. 5. Apanagen, zugesichert zur Unterhaltung nachgeborener Prinzen 101280 Mark. 6. Entschädigungsrenten, zugesichert zwecks Schadloshaltung für die durch die politischen Ereignisse der Jahre 1848—1866 erlittenen Vermögensverluste 376 000 Mark; in der Gesamtsumme also 1831570 Mark. Diese Geldrenten wurden seit 1918 zunächst in der bezeichneten Höhe in Papiermark weitergezahlt. Im Jahre 1923 ist die Zahlung infolge der Inflation eingestellt worden. Sachwerte sind an depossedierte Fürsten und ehemalige Standesherren nicht verabfolgt worden.
Seit dem 1. JaNuar 1924 wurden insgesamt an Barwerten 2 239 528,69 Mark gezahlt, über die Regelung der Aufwertungsfrage, die. eines Reichsgesetzes bedarf, schweben seit längerer Zeit Verhandlungen mit dem Reich.
Dempsey Wettmeisterschafiskandidai.
Sein Knock-out-Sieg über Sharkey.
8:5 standen die Wetten für den jungen und erfolgreichen Boxer Sharkey und viele Fachleute sahen in ihm schon den Weltmeister, der dem jetzigen Titelinhaber Gene T u n n e y ebenbürtig und einem Dempsey weit überlegen schien. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Waren die ersten Runden ziemlich ausgeglichen, so hatte Dempsey in der sechsten Runde entschieden die Führung. In der siebenten Runde landete er zwei wuchtige Treffer knapp über der Gürtelllinie. Sharkey geriet ins Taumeln und erhob protestierend die Hand, um Tiefschlag zu reklamieren. In diesem Augenblick erkannte Dempsey seine große Chance und versetzte Sharkey einen Kinnhaken, der ihn zu Boden zwang. Bei 9 wollte er sich aufrichten, aber er war zu schwach. Ein Teil des Publikums protestierte, die ärztliche Untersuchung Sharkeys ergab jedoch, daß Dempsey nicht unkorrekt ge- kämpft hat.
Finanziell kann auch Sharkey zufrieden sein. Er bekommt 200 000 Mark (50 000 Dollar) und der glückliche Sieger eine Million Mark (250 000 Dollar). Am 15. September wird er — was ihm aber Wohl noch wichtiger ist — erneut um die Weltmeisterschaft mit dem ehemaligen Matrosen Gene Tunney kämpfen. _________
eher, als bis du mir die reine Wahrheit über die Herkunft Anitas gesagt hast. Ist sie das legitime oder das illegitime Kind des Herrn Osterroth und ist jener Mann, dem du sie aus den erstarrten Armen genommen, ihr Vater?"
„Wie kann ich das wissen, du dummer Kerl! Laß mich zufrieden mit deinen Flausen!"
„Vater, ich warne dich! Es lebt noch jemand, der von der Angelegenheit Kenntnis hat."
„So? Na, dann frag' ihn doch, wenn du so neugierig bist. Wer ist denn dieser kluge Mann?"
y,$ier Rechtsagent Wippermann in Hamburg."
Der Alte lachte spöttisch auf.
„So wende dich doch an ihn, wenn du ihn kennst! Aber nimm dich in acht, daß er dich nicht übers Ohr haut, wie er's mit mir gemacht hat."
„Er lebt nicht mehr?"
„Ich weiß nicht, ob ihn schon der Teufel geholt hat oder ob er an irgendeinem Galgen in Amerika baumelt."
„Er ist in Amerika?" '
„Ja — er war es wenigstens. Ich hoffe aber, daß er jetzt für seine Gaunereien in der Hölle bratet! Nachdem er mir die Hälfte von der Summe, die mir Stolten bewilligt hatte, unterschlagen hat, bräunte er nach Amerika durch, der Halunke! Aber woher kennst denn du den
^„Jch kenne ihn nicht. Aber ich besitze die Briefe, die er an dich gerichtet hat." ~ .
Klaas Hennig starrte seinen Sohn erschrocken an und sein Gesicht wurde ounkelrot; seine Hand griff nach dem Glas, um zu trinken; als er jedoch merkte, daß es leer war, stellte er es so heftig auf den Tusch, daß es zer- W^ siehst," fuhr Jürgen in ernstem und energischem Tone fort, „daß ich von allem genau unterrichtet bm. Ich frage dich nun nochmals, willst du mir wahrheitsgetreu auf meine Fragen antworten? ' _ . „„
„Ja, das will ich," rief der Alte wütend. „Du sollst die Wahrheit hören, du Schuft, du ungeratener Bursche, du Dieb, der du deines Vaters Briefe.stiehlst, der^du deinen Vater in das Zuchthaus bringen willst! so, das ist die Wahrheit, du hergelaufener Schllngel du.
Aus der Heimat.
für diele Rubrik sind Mittellungen lokalen UntereHes aus dem Leserkreise liess erwünkfit und werden auf Wunfdi bezabIL
Die SWziWslege im Kreise Hersfeld.
Bekanntlich hatte der vorige Kreistag die Summe von 4000 Mark bewilligt, um in den Schulen auf dem Lande die kostenlose Zahnbehandlung etuzuführen. Nunmehr sind die Verhandlungen mit hiesigen und im Kreise ansässigen Zahnärzten zum Abschluß gelangt und man hat sich zur Einführung des sog. Mannheimer Systems entschlossen. Hiernach werden zunächst die Kinder deS 2 , 5. und 8. Schuljahres der Zahnbehandlung unterworfen. Seither fand lediglich in jedem Jahre eine Zahnuntersuchung in den Schulen statt, und den Eltern war es überlassen, sich selbst einen Zahnarzt zu wählen, der dann die Be- Handlung gegen Berechnung der Krankenkaffenge, bühren übernahm. Jetzt aber sollen alle Kinder, ob bemittelt oder unbemittelt, von dem Zahnarzt kosten- los behandelt werden, welcher den betreffenden Bezirk hat. Der Kreis ist zu diesem Zwecke in 3 Bezirke eingeteilt worden, welche von zwei Zahnärzten aus Hersfeld und einem aus Heringen versehen werden. Man hofft, daß sich bereits nach 3jähriger Behandlung eine wesentliche Besserung in dem Zustande der Zähne zeigen wird, die heute nach den stattgefundenen Untersuchungen vielfach in sehr trauriger Verfassung sind. Man hat in manchen Schulen bis zu 90 Proz. zahnkranke Kinder gezählt, während in anderen Ge- meinden dieser Prozentsatz nicht annähernd erreicht wird. Bet vielen Kindern können die Eltern infolge Mittellosigkeit keine Aufwendungen für Zahnbehandlung machen, und deshalb hofft man jetzt durch die kostenlose Behandlung auf eine wesentliche Besserung in den nächsten Jahren. Die Mitwirkung der Lehrer bei der ganzen Zahnbehandlung ist natürlich von entscheidender Bedeutung, und hier hat man die e:- treuliche Feststellung machen können, daß zahlreiche Lehrer im Kreise ihre Schulkinder schon jetzt inbezug auf Reinigung der Zähne kontrollieren.
So ist denn zu hoffen, daß die vom Kreise zur Einführung gelangende kostenloseSchulzahnbehandlung zum Segen für unsere Kreisbevölkerung, besonders aber für die Schuljugend, werden wird, denn zahl- reiche Krankheiten des Magens haben ihren Ursprung in der schlechten Verfassung der Zähne.
Saalenstand im Kreise Hersfeld.
Ansang Juli 1927.
Begutachtungsziffern: 1-sehr gut, 2-gut, 3 Mittel, 4-gering, 5-sehr gering.
Winterweizen 2,6, Winterrogen 3,2, Winter- gerste 3,2, Sommergerste 2,7, Hafer 2,8, Hülsenfrüchte 2,8, (Erbsen und Pferdebohnen), Wicken 2.8, Futterrüben 3,0, Rotklee 2,0, Luzerne 2,1, Wiesen 2,7.
B e m erkungen: Im Anfang deS Monats Juni trat eine wesentliche Erwärmung im Vergleich zu den kalten Tagen der letzten Maihälfte ein, die jedoch zu häufigen Gewitterbildungen führte. Auch der Monat Juni stand daher unter dem Zeichen einer feuchten, mäßig warmen Witterung. Gesamtnieder. schlage im Juni: 87,8 mm.
Der Stand des Weizens hat sich im Vergleich zum Monat Mai nicht verschlechtert und kann als mittelgut bezeichnet werden. Stellenweise ist allerdings infolge des feuchten Wetters wiederum Rostbesall eingetreten, was besonders bei Dickkopiweizensorten hervortritt. Der Stand des Roggens hingegen befriedigt infolge seines vielfach lücktgen und dünnen Bestandes im allgemeinen nicht.
Hafer, besonders der früh gesäte, und Sommer- gerste stehen mittelgut. Der zweite Kleeschnitt zeigt fast überall einen lückenlosen, dichten Bestand. Kartoffel- und Rübenfelder weisen vielfach infolge . des feuchten Wetters eine starke Verunkrautung auf. Der Heuschnitt ist im allgemeinen hinsichtlich seiner Menge befriedigend, jedoch hinsichtlich Qualität und Futterwert deS Heus nur gering ausgefallen.
„Vater, ich bitte dich . . ."
„Hinaus mit dir — hinaus aus meinem HaNse!" schrie der Alte außer sich vor Wut. „Sonst vergreife ich mich an dir und schlage dir den Schädel ein!" .
Seine Fäuste packten einen der schweren Holzstühle , und hoben ihn drohend in die Höhe. Jürgen trat einen Schritt zurück, bleich vor Erregung und bebend vor verhaltenem Zorn.
Da stürzte die alte Hansen herein.
„Um Gottes willen, was geht denn hier vor? StTaiS Hennig, was tun Sie?"
.Klaas ließ den Stuhl sinken. Er keuchte vor Wut, seine Augen waren blutunterlaufen und die Adern auf seiner Stirn dick angeschwollen.
„Siehst du den Mann da, Hansensche?" würgte er hervor „Das will mein Sohn sein — aber ein hergelaufener Lümmel ist er! Ein Schuft ist er, ein Bube, der seinen alten Vater zum Verbrecher machen und ins Zuchthaus bringen will! Das ist er — aber ich fürchte mich nicht vor ihm, wenn er auch Kapitän geworden ist und ich nur ein alter Schiffer bin, der es nicht weiter als bis zum Matrosen gebracht hat. Aber hier sind wir nicht auf Deck, mein Junge! — Hier sind wir in meinem Hause! Hier bin ich der Kapitän und habe zu befehlen! — Und wenn du nicht machst, daß du aus meinem Hause hinaus- kommst, so laß ich dich durch den Landjäger rausschmeißen . . ."
„Klaas Hennig, ich bitt' Sie um Gottes willen . ."
„Lassen Sie nur, Frau Hansen," sagte Jürgen mit bebender Stimme und tief gedemütigt durch die Roheit seines Vaters. „Mein Vater weist mir die Tür des Hauses, in dem meine Mutter gestorben ist — ich will nicht mit ihm rechten — er ist immer noch mein Vater — ich gehe und verlasse dieses Haus! Aber das eine jage ich dir, Vater, ich kehre nicht eher zurück, bis ich die Wahrheit ergründet habe, und dann wirst du mir das Unrecht abbitten, das du mir heute angetan hast!"
„Den Deuwel werde ich tun! Marsch fort mit dir und komme mir nicht mehr vor die Augen! Halt da — die Flasche läßt du hier! Sie ist von meinem Gelde gekauft und gehört mir. Oder soll ich dich als Dieb der Polizei anzeigen?" setzte er höhnisch hinzu. (Fortsetzung folgt.) .