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Hersfelöer Tageblatt hersfel-er Kreisblatt /lmtlicher Anzeiger Dr vm Kreis Hersfelö

mit den Beilagen: Setmatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterhaltong und Wissen

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_______________________________________________Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen. ______________

Nr. 146(Wer glatt) Sonnabend, den 25. Juni 192t 77. Jahrgang

Jugend und Alter.

Der unbelehrbare Lothringer. Zu neuen Zielen. Der gefeierte Liebermann. Hindenburg, der Volksheros.

Mit seiner unzeitgemäßen Erinnerung an längst ver­gessene Stresemann-Reden von vor sieben oder acht Jahren hat der französische Ministerpräsident lediglich eine neue Stresemann-Rede heraufbeschworen, die so ziemlich auf allen Seiten des Reichstages als im höchsten Grade zeit­gemäß begrüßt wurde. Es heißt ja wirklich, einen Fels­block ohne jede Aussicht auf Erfolg einen hohen Berg immer wieder hinaufzurollen, wenn Herr P o i n c a r 6 nicht darauf verzichten will, bei jeder passenden oder un­passenden Gelegenheit kaum vernarbte Wunden mit gif­tigen Worten zu bestreichen, die ihm in so überaus reicher Auswahl zur Verfügung stehen. Und wenn Herr Poin- carö, wie es ja zumeist bei ihm der Fall ist, mit seiner neuesten Denkmalsrede das Böse wollte, so hat er doch insofern auch hier wieder das Gute bewirkt, als er die maßgebenden deutschen Parteien zu einer Protest­kundgebung gegen sich zusammengeführt hat, die hoffentlich den Tag, an dem sie dem berufsmäßigen Friedensstörer an der Spitze der französischen Regierung entgegengesetzt wurde, überdauern wird.

Herr PoincarS ist ein Mann Ausgangs der Sechziger, aber er bleibt der unbelehrbare Lothringer, als der er in die politische Laufbahn eingetreten ist, und selbst sein nächster Freund wird ihm nicht nachsagen können, daß die Reife seines Urteils oder die Güte feines Herzens mit den Jahren zugenommen hätten. Wir müssen ihn als eine Erscheinung empfinden, die eigentlich ganz und gar der Vergangenheit angehört, und kommen, trotz nun schon reichlich gehäufter Erfahrungen mit ihm, aus dem Staunen nicht heraus, wenn wir immer wieder sehen, wie dieser Mann seine Herrschaft über Parlament und öffent­liche Meinung des Landes zu behaupten weiß. Ob anch der politische Nachwuchs der Republik zu ihm hält, läßt sich allerdings von außen her schwer beurteilen. Bei uns drängt die Jugend nach neuen Wegen und zu neuen Zielen. Wenn es nach ihr ginge, ganz und allein nach ihr, so wie sie es nicht gerade selten als ihr natürliches Recht laut und vernehmlich fordert, würde sich die ä l t e r e 4>.e ner aMa n aus ner DLyruüg «t Staat und Gesell­schaft, in Kunst und Literatur widerspruchslos zurückzu- ziehen haben. Aber nicht jeder ist bereit, ihr diesen Ge­fallen zu tun. Vorläufig hält man doch noch einigermaßen an dem überlieferten Standpunkt fest, daß erst einmal einen Befähigungsnachweis für sein Führer­talent zu erbringen hat, wer den Anspruch erheben will, an der Spitze des Volkes neue Wege für seine kulturelle Fortentwicklung, für die Sicherung seiner wirtschaftlichen Zukunft zu finden. Bisher ist wohl die Jugend den Be­weis vielfach schuldig geblieben. Grund genug, um so liebevoller die wenigen hervorragenden Häupter der alten Generation zu feiern, die uns nach den schmerzensreichen Erlebnissen des letzten Jahrzehnts noch geblieben sind.

Da ist einmal ein ganz großer Künstler, der in wenigen Wochen sein 80. Lebensjahr vollenden wird und dem zu Ehren aus diesem Anlaß die Berliner Akademie der Künste soeben in ihren Räumen eine Sonderaus- stellung veranstaltet hat: Max L i e b e r m a n n. Ein bodenständiger preußischer Mensch, wie er bei der Er­öffnungsfeier der Ausstellung von dem Festredner des Tages genannt wurde, ein Künstler von internationalem Rang, den aller Wandel der Zeiten, der Kunstrichtungen und des Farbengeschmacks in der Selbstsicherheit seines Wesens, in der Unabhängigkeit seiner künstlerischen An­schauungen niemals auch nur einen Augenblick hat irre machen können. Ein urwüchsiges Berliner Kind, hat er es an spöttischer Kritik gegenüber den mannigfachen Wandlungen des modernen Kunstlebens niemals fehlen lassen. Und wer selbst den köstlichen Schöpfungen feines unermüdlichen Pinsels nicht immer ungeteilten Beifall zollen konnte, der hat doch stets an dem bald beißenden, bald gutmütigen Witz dieses Meisters seine helle Freude gehabt.

Da ist zum zweiten unser Reichspräsident, der, ungebeugt durch-die Last der Jahre, dem deutschen Volk als ein ehrwürdiges Vorbild treuester Pflichterfül­lung vorangeht. Als er vor zwei Jahren sehr gegen seinen Willen an die Spitze des Reiches berufen wurde, konnte er bereits auf ein Lebenswerk zurückblicken, das seinem Namen für immer den ersten Platz in der deut- fchen Geschichte sicherte. Wie er seitdem als Nachfolger Eberts das deutsche Volk nach außen und nach innen ver­treten hat, das hat viele seiner früheren Gegner zum Schweigen gebracht, viele Zweifler in das Lager seiner Verehrer und Bewunderer geführt. Hat doch sogar der Bundespräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft von Hindenburg kürzlich gesagt, er werdeim Bewußt­sein des deutschen Volkes wie ein Heros der antiken Legende sortleben", und sich zu diesem außergewöhnlichen Ruhmeswort in einer Debatte im Berner Nationalrat, als es von verschiedenen sozialdemokratischen Rednern be­anstandet wurde, noch ganz ausdrücklich ohne jede Ein­schränkung wieder bekannt. Wenn so ein auswärtiges Staatsoberhaupt über den deutschen Reichspräsidenten denkt und spricht, darf man gewiß der Zuversicht Aus­druck geben, daß der 2. Oktober, an dem Feldmarschall von Hindenburg sein 80. Lebensjahr vollendet, vom ganzen deutschen Volk als ein Tag der Freude, des Dankes und des Gelöbnisses zu opferbereiter Gefolgschaft im Dienste des uns allen gemeinsamen Vaterlandes gefeiert werden wird. Dr. Sy.

Ruhr oder Locarno?

Das Echo der Stresemann-Rede.

Was die internationale Presse sagt.

Die Rede des deutschen Reichsaußenministers Dr. Stresemann im Reichstag, in der er sich hauptsächlich mit dem Verhältnis Deutschlands zu Rußland und Frank­reich beschäftigte, hat sowohl im Inland wie im Ausland starkes politisches Interesse erweckt. Natürlich haben die Ausführungen Dr. Stresemanns auch Veranlassung zu längeren Kommentaren gegeben. Die Blätter der Reichs- Hauptstadt, die, politisch stark eingestellt, in solchen Fällen häufig als Sprachorgane der von ihnen vertretenen poli­tischen Parteien gelten, heben fast übereinstimmend den großen Eindruck der Rede Dr. Stresemanns auf den Reichstag hervor und stellen auch das hohe Niveau dieser Reichstagssitzung fest. Die deutschnationale Deutsche Tageszeitung unterstreicht, im Reichstag sei die Wirkung der dämmernden Erkenntnis erlebt worden, daß die großen außenpolitischen Tage nicht dazu da sind, um innenpolitische Fehden auszufechten, sondern, daß hier durch Zusammenspiel von Regierung und Volksver­tretung eine bestimmte Wirkung nach außen hin erzielt werden müsse. Im Gegensatz hierzu kennzeichnet der deutschnationale Berliner Lokalanzeiger allerdings die Rede Dr. Stresemanns als eine politische Konkursansage. Die der Deutschen Volkspartei nahestehende Deutsche All­gemeine Zeitung stellt fest, daß die Darlegungen Dr. Stresemanns den allerstärksten Eindruck hinterließen und daß sie geeignet seien, auch im Auslande das Gefühl für unser Recht und unser ehrliches Wollen zu wecken. Die Germania, die für das Zentrum ihre Stimme erhebt, unterstreicht, daß der Tag die Übereinstimmung der über­wältigenden Mehrheit des deutschen Volkes in den großen Fragen unserer Außenpolitik von neuem gezeigt habe. Ein Zweifel au dem Locac.iowillen des deutsche« Volkes ,ei unmöglich. Die linksstehende Presse interessiert sich stark für die innenpolitische Seite der außenpolitischen Debatte, vor allem für die Zustimmung der Deutschnationalen zur Erklärung des Abgeordneten Kaas, die dieser im Namen der Regierungsparteien abgegeben hatte.

Regierungskompromiß

in der Auswertungsfrage.

Die Aufwertung der Sparkassenbeträge.

In der Auswertungsfrage ist ein Kompromiß zwi­schen sämtlichen Regierungsparteien zustande gekommen. Danach soll 1. das Verfahren der sogenannten Einsetzung in den vorigen Stand erweitert und erleichtert, 2. bei der Anleiheaufwertung die Bedürftigkeitsgrenze von 800 auf 1000 Mark heraufgesetzt, 3. der Zahlungsbeginn für aufgewertete Hypotheken vom 1. Juli 1926 auf den 1. April 1926 verlegt werden und 4. sollen die Rest- kausgelder aus dem Jahre 1921 für die ersten drei Quartale bis zur Höchstgrenze von 400 Prozent, für das letzte Quartal bis zu 600 Prozent der Papiermarksumme aufgewertet werden können. (Dies ist ein Übergang zum Jahre 1922, wo bekanntlich die sogenannte unbegrenzte Aufwertung dieser Nestkaufgelder einsetzt.)

Ferner wurde gestern im Rechtsausschuß des Reichs­tages die Frage der Sparkassenaufwertung behandelt. Hierbei konnte angekündigt werden, daß entsprechend der im Unterausschuß geschehenen Vereinbarungen des Reichsjusttzministers mit den Ländern eventuell einzelne Länder die Sparguthaben über den Mindestsatz von 12,5 Prozent werden aufwerten können. So wird Preußen wahrscheinlich eine Aufwertung in Höhe von 15 Prozent durchführen können.

Zwangsmiete bis Juli 1929.

Beschlüsse des Reichsrats.

Der Reichsrat hielt am Freitag eine öffentliche Voll­sitzung ab, in der er die Vorlage der Reichsregierung ge­nehmigte, durch die das Mieterschutzgesetz und das Reichs- mietengesetz um zwei Jahre bis zum 1. Juli 1929 ver­längert werden. Die Entwürfe bringen eine Reihe von Änderungen, die teils vom Reichsrat genehmigt, teils trotz Widerspruches der Regierung in namentlicher Abstim­mung abgelehnt wurden. So wurde im Mieterschutzgesetz der ganze Abschnitt über die Kündigung vom Reichsrat gestrichen. Der Reichsrat hat ferner noch eine Änderung dahin getroffen, daß die Möglichkeit der Vornahme von Jnstandsetzungsarbeiten durch die Wohnungsämter ein­geschränkt wird. Neu ist ferner die Bestimmung, daß für Mietverhältnisse, die durch die Landeszentralbehörden aus dem Gesetz herausgenommen sind, für die aber die gesetzliche Miete zunächst weiter gelte, auch eine Regelung nach dem früheren Vertrag möglich sein soll. In diesen Fällen soll stets ei: angemessener Zinssatz festgesetzt wer­den. Die AusschüsZ des Reichsrats haben dazu Aus- führungsbestimmun- m beschlossen, gegen die die Reichs- regierung keine grm dsätzlichen Bedenken erhob.

Diese Beschlüsse bedeuten, daß dgs Gesetz vom März

Die Auffassung in Frankreich.

Von besonderem Interesse ist natürlich das Echo aus Frankreich, an dessen Adresse ein großer Teil der Aus­führungen Stresemanns gerichtet war. Die Rechtspresse nimmt die Gelegenheit wahr, um ihre Hetze gegen Deutsch­land zu verstärken. Sie bringt vor allen Dingen die Er­klärungen Stresemanns, die sich mit dem Rheinland­problem beschäftigen; arg verstimmt ist sie aber durch den Hinweis des Reichsaußenministers daraus, daß Poincars nicht mehr in außenpolitischen Dingen auf dem laufenden zu sein scheint. Die Blätter bezeichnen den Außenminister als schamlos, gehässig und unverschämt. Die Linkspresse ist allerdings in ihren Äußerungen etwas zurückhaltender. In ihr fehlt es sogar nicht an Anerkennungen für Strese- wann. So erklärt dieVolonts", daß Stresemanns Rede gemäßigt, geschickt und beredt gewesen sei. Die Politik Frankreichs sitze jetzt auf dem Armenfünderbänkchen.

Londoner Echo.

Die Londoner Blätter bringen ausführliche Auszüge der Stresemann-Rede. Der Berliner Korrespondent der rechtsstehenden Parteien meint, es habe selten in einer De­batte über auswärtige Angelegenheiten ein solches Bild der Einhelligkeit gegeben. Stresemanns Worte Ruhr oder Locarno werden in den englischen Blättern als die Quintessenz der Rede betrachtet. Nach englischer Meinung ist die Sprache Stresemanns Rußland gegenüber bemer­kenswert kühl gewesen und werde Moskau kaum be­friedigen.

Beifall in Wien.

Lebhaften Beifall finden die Ausführungen Dr. Stre- semanns in der Wiener Presse. Besonderen Eindruck hat die Frage Stresemanns gemacht,Wohin gehst du, Frank­reich?", welche daher auch bei fast allen Blättern als Über­schrift ihrer Berichte oder Artikel verwendet worden ist.

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Die italienische Presse bringt die Rede Stresemanns in ausführlicher Form an erster Stelle. Wenn auch eigene Betrachtungen fehlen, so ersieht man doch aus den Über­schriften, daß die Öffentlichkeit in Italien den Ausführun­gen des Reichsaußenministers freundlich aeaenüberffebt.

1022 über die Bildung der gesetzlichen Miete, der sog. l,Zwaugsmiete", vorläufig bis zum 1. Juli 1929 bestehen- bleibt. Preußen hat aus deni Gesetz bekanntlich die Be- stimmungen über die gewerblichen Räume und die möb- lierten Btmmer herausgenommen. Für diese Ausnahme Hat der Reichsrat nunmehr Übergangsbestimmungen ge- schaffen. Weiter bleibt das Mielerschutzgesetz, also der sog. ^Kündigungsschutz", in vollem Umfange bestehen.

Die Reform der Beamtenbesoldung.

Vorläufig keine DecknngsMittel.

Der Haushaltsausschuß des Reichstages beschäftigte sich abermals mit den Anträgen zur Reform der Beamten- besoldung. Ein Antrag des Zentrums will die Regierung ermächtigen, den Beamten am 1. Oktober und 1. No­vember d. I. Abschlagszahlungen auf die Erhöhung aus- zuzahlen.

Reichsfinanzminister Dr. Köhler berichtete über die Beratungen der Länderminister. Diese erkennen die Not­wendigkeit der Gehaltserhöhungen an, erklären sie aber vor dem 1. Oktober nicht für tragbar. Selbst dann sind die erforderlichen Ausgaben nicht zu decken. Die Länder erheben daher die Forderung, daß das Reich den Ländern neue Einnahmen zur Deckung der Besoldungserhöhung zur Verfügung stellt.

. , Dazu führt Reichsfinanzminister Dr. Köhler aus, er habe betonen müssen, es könne gar keine Rede davon sein, daß er auf der Grundlage des Etats von 1927 den Län- dern irgendwelche weiteren über die jetzige Gesetzgebung hmausgehenden Überweisungen zur Verfügung stellen ronnte.

. Der Reichsfinanzminister sagt weiter, er stehe nach wre vor auf dem Standpunkt, daß es im Interesse der -Beamtenschaft und einer durchgreifenden Beamtenbesol- "Echt angängig ist, mit irgendwelchen Teil­oder Abschlagszahlungen vor dem 1. Oktober diefes Jahres zu beginnen. Eine zehnprozentige Erhöhung würde unter Hinzurechnung der Kriegsbeschädigten für den eigentlichen Reichsetat ohne Post und Eisenbahn eine Ausgabe von ""st^futzr 250 Millionen im Jahre verurfachen.

Der wiedergegebene Zentrumsantrag auf Abschlags- z^hlungeu im Oktober und November ist inzwischen von allen Regierungsparteien angenommen worden.

Deutscher Reichstag.

(327. Sitzung.) 02. Berlin, 24. Juni.

Die Aussprache über die auswärtige Politik wurde fort­gesetzt. Abg. Gras Bernstorff (Dem.) gab seiner Genugtuung Ausdruck, daß für die gegenwärtige auswärtige Politik eine so starke Mehrheit im Reichstage vorhanden sei. Es müsse aber erreicht werden, daß möglichst das ganze deutsche Volk sich hinter Diese Außenpolitik stelle. Die Demokraten wurden nur MiZ in gySiBMissen. Magen Opposition machen, wenn