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Hersfelöer Tageblatt

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Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfeld i Sunfe Butirujerd in ßewfX MW^ "" °°" ^E"--"- »--MEE° ' ^ll-^--Mt«ba^M-« ^ «^^^^

Nr. 144

Donnerstag, den 23. Juni 1927

77. Jahrgang

Ehrt durch die Tat!

Ein Wort zur Hindenburg-Spende.

Am 2. Oktober werden in Deutschland die Glocken klingen und bis in den fernsten Winkel unseres Vater­landes hinein die Kunde tragen, daß des Reiches Präsident sein achtzigstes Lebensjahr erreicht hat. Schon jetzt aber soll dafür gesorgt werden, daß die Feier dieses Tages nicht etwa bloß in tönenden Festreden, in Paraden und Fest­artikeln besteht; es entspricht viel mehr dem Wesen dieses Mannes, der sein ganzes Leben hindurch dieTatüber das Wort stellte, daß auch bei seinem 80. Geburts­tag die Tat wirkt, nicht Festwort oder Festartikel.

Hindenburg-Spende es war darum ein glücklicher, Beifall und jede Unterstützung heischender Gedanke, das ganze deutsche Volk auszurufen, durch die Tat nun einmal der Verehrung Ausdruck zu geben, die wir diesem Manne in Krieg und Frieden schulden. Was für diese Spende zusammenkommen wird, das soll ja bestimmt sein für jene, die dem Herzen des Generalfeld­marschalls, des Kriegsführers von einst, besonders nahe- stehen, nämlich für die Kriegsbeschädigten und Kriegsinva­liden. Aber auch den Sozialrentnern und den notleidenden Mittelständlern soll der 2. Oktober eine Freude bescheren; die Hindenburg-Marke, die zum Doppelten des aufge­druckten Preises verkauft werden soll, wird ganz zweifel­los das Hereinströmen großer Mittel für diesen besonderen Zweck veranlassen.

Das wäre wirklich eine Geburtstagsfeier, die ernst und würdig ist, der Not der Gegenwart, aber auch dem Wesen dessen entspricht, der geehrt werden soll. Und es ist eine Art der Geburtstagsfeier, an der jeder Deutsche teil- nehmen kann seinen Kräften gemäß. Gewiß hat Hinden- burg die Schriftzüge seines Handelns in Krieg und Frie­den so tief in die Tafeln der Geschichte eingeschrieben, daß es dieser Spende nicht bedürfte, um seinen Namen und das Gedächtnis seiner Taten auch für die fernsten Geschlechter zu erhalten und zu bewahren. AbN vor allem soll ja ourch diese Spende denen geholfen werden, Die si^Tenr rn - Not und Elend befinden. Das Kriegsende hat ra verhindert, daß der so sehnsüchtig geäußerte Wunsch Hin- denburgs in Erfüllung gehen konnte, eigenen Boden und ein eigenes Heim jedem seiner aus dem Krieg heim- kehrendeu Soldaten zu verschaffen, der sich nach Siedlung sehnte. Allzu eng wurden wir zusammengedrängt und wie in einen Käfig eingesperrt. Jetzt aber gilt es, dem Acht­zigjährigen zu beweisen, daß er nicht bloß äußerlich der Repräsentant des deutschen Volkes ist, sondern sich tm Herzen der Deutschen ein Denkmal er­richtet hat, das dauernder als Erz ist.

Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen" so , hebt die Reichsverfassung an; aber leider bleibt dies meist nur ein Wort. Jetzt soll es einmal zur Tat werden, wenn es gilt, denersten Diener im Staat" zu ehren. Und es kann zur Wahrheit werden, weil selbst jene, die bei der Wahl Hindenburgs ihm noch als parteipolitische Gegner gegenüberstanden, zum großen Teil von ihm gewonnen sind. Und das Volk ehrt sich selbst, das seine großen Männer ehrt. Ehrt durch die Tat, sich nicht mit dem Wort begnügt. Selten genug geschah es bisher; aber unvergeßlich bleibt es doch, wie einstmals das ganze deut­sche Volk, einig in seinen Stämmen" nach der Katastrophe von Echterdingen auch durch solch eine freiwillige Spende den Grafen Zeppelin und dadurch sich selbst ehrte. So sost es jetzt werden, größer noch und gewaltiger, einiger noch und geschlossener, jetzt in der und durch die Hinden­burg-Spende. *

Huldigungen für Hmdenbmg.

Auf zahlreiche im Bureau des Reichspräsidenten und bei der Reichsregierung eingegangene Anfragen und Vor­schläge für die Feier des 80. Geburtstages des Reichsprä­sidenten am 2. Oktober d. I. wird amtlich u. a. folgendes mitgeteilt:

Reichspräsident von Hindenburg hat den Wunsch aus­gesprochen, daß an seinem 80. Geburtstag von kostspieligen und geräuschvollen Feiern oder Veranstaltungen Abstand genommen werden möchte. Allen, die Hindenburgs an diesem Tage gedenken wollen, ist einem jeden nach seinen Kräften Gelegenheit gegeben, dies durch Betei­ligung an derHindenburg-Spende" oder Erwerb der .Hindenburg-Briefmarke" zu tun. Sie werden im Sinne des Reichspräsidenten handeln, wenn sie dazu beitragen, die Not zahlreicher durch Kriegs- und Nachkriegszeit ge­schädigter Volksgenossen zu lindern.

Um der Bevölkerung Berlins und Umgegend Ge­legenheit zu geben, an diesem Tage den Reichspräsidenten zu sehen und zu begrüßen, hat sich der Reichspräsident be­reit erklärt, am Nachmittag des 2. Oktober (Sonntag) im Stadion eine Huldigung der Berliner Schul­jugend entgegenzunehmen. Auf dem Wege zum Sta­dion sollen von den Linden ab Verbände und Vereine, die Studentenschaften und andere Körperschaften sowie die Bevölkerung Spalier bilden, um dem Reichspräsidenten ihre Begrüßung darzubringen. Am Vormittag des 2. Oktober wird der Reichspräsident nach dem Gottesdienst die Glückwünsche der Reichsregierung, der Reichswehr und Reichsmarine, des Reichstags, Reichsrats und an­derer Körperschaften in seinem Hause entgegennehmen. Für den Vorabend ist ein militärischer Zapfen­streich vorgesehen.

DeiiWlmd und die »etoirtW

Zndustrie-«nd Handelsiag in Hamburg

EineRededesReichswirtschaftsministers

In Hamburg ist der Deutsche Industrie- und Han­delstag zu seiner 47. Vollversammlung zusammengetreten. Auf ihm hielt nach einer Begrüßungsansprache durch den Präsidenten Franz von Mendelssohn Reichswirtschafts­minister Dr. C u r t i u s eine bemerkenswerte Rede, in der er die Lage Deutschlands zur übrigen Weltwirtschaft dar- legte. Minister Dr. Curtius betonte zu Beginn seiner Ausführungen, daß

die Stabilisierung der Währung

in Deutschland durchaus gewährleistet ist, und daß irgend­welche Gefahr für die deutsche Währung weder zurzeit noch in Zukunft besteht. Auch von der Seite der Repa­rationsverpflichtungen her kann der deutschen Währung eine Gefahr nicht drohen. Weiter machte der Minister die erfreuliche Mitteilung, daß die Ausfuhr der Fertigwaren aus Deutschland einen zwar langsamen, aber stetigen Auf­stieg zeigt. Das Ziel einer ausgeglichenen und einer sich fortschreitend aktivierenden Handelsbilanz müsse nach wie vor durch

Steigerung der Ausfuhr

Nahrungsmittel und zur Al nalen Schuldverpflichtungen.

angestrebt werden. Diese Steigerung braucht Deutschland zur Bezahlung der für uns notwendigen Rohstoffe und Nahrungsmittel und zur Abtragung unserer internatio-

7" 7. Der Minister kam sodann auf die von der Wirtschaft angestrebte

Rationalisierung der Betriebe

zu sprechen. Als das Ziel aller Rationalisierung bezeich­nete er eine Vergrößerung des Absatzes auf der Grund­lage verbilligter Gütererzeugung. Senkung der Preise

Haltung der arbeitenden Klassen ohne Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft erreichen läßt. Die umgekehrte Entwickelung, die in einer gegenseitigen Steigerung von Preisen und Nominal- löhnen besteht, führt zu keiner Besserstellung der Bevölke­rung, muß den Absatz nach dem Auslande schmälern und damit rückwirkend eine Verteuerung der Waren auch im Jnlande herbeiführen. Für die deutsche innere Wirt­schaftspolitik sei es ein entscheidender Grundsatz, daß unbedingt

Kirche, Volk und Giaai.

Kundgebung des Königsberger Kirchentages.

Vor dem Schluß des Evangelischen Kirchentages in Königsberg i. Pr. sprachen Prof. D. Dr. Kahl über Kirche und Vaterland, Professor A l t h a u s über Kirche und Volkstum. Die bei diesen Vorträgen behandelten Fragen beantwortete der Kirchentag mit einer großen vaterländischen Kundgebung, in der es heißt:

Von ostpreußischem Boden, von der abgeschnürten Grenz­mark aus, aus welcher Not und Gefahr mit besonders schwe­rem Druck lasten, richtet der Deutsche Evangelische Kirchentag an die evangelischen Gemeinden ein Wort über Volk und Vaterland. Es gibt eine Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe, die über Völkergrenzen und Rassenunterschiede hinweg alle verbindet, die sich zu Christus bekennen. Christentum und Deutschtum sind seit mehr als einem Jahrtausend eng miteinander verwachsen. Trotzdem will man beide ent­fremden, ja auseinanderreißen; das bedeutet eine tödliche Ge- sahr für unser Volk. Die Kirche kann dazu nicht schweigen. Sie ruft zum Kampf und zum Einsatz aller Kräfte für die immer völligere Durchdringung des Volkslebens mit dem Geiste des Evangeliums. Die Kirche steht über den Parteien, sie dient allen ihren Gliedern, gleichviel welcher Partei sie angehören. Sie läßt und gibt dem Staat, was des Staates ist. Der Staat ist uns eine Gottesordnung mit eigenem wich­tigen Aufgabenkreis. Ebenso freilich hat sie bestimmte sittliche Forderungen an den Staat zu stellen, ins­besondere kann sie nicht darauf verzichten, in Selbständigkeit und Freimut an Gesetzgebung und Verwaltung die sittlichen Maßstäbe anzulegen und im gesamten öffentlichen Leben die Forderungen des christlichen Gewissens zu vertreten. An ihre Glieder stellt die Kirche drei Forderungen: Sie will, daß jeder nach bestem Wissen und Gewissen dem Staatsganzen dient und für das Wohl der Gesamtheit Opfer bringt.

An den Reichspräsidenten wurde nachstehende Depesche gerichtet: Der in Königsberg versammelte Deutsche Evangelische Kirchentag, der soeben eine vater­ländische Kundgebung beschlossen hat, sendet in unwandel­barer Treue gegen Volk und Vaterland dem hohen Reichs­präsidenten ehrfurchtsvolle Grüße.

Russisch-finnischer Zwischensall.

Abweisung finnischer Beschwerden.

Bei den Erschießungen, die in Rußland vor kurzem nach dem Gesandtenmord in Warschau vorgenommen wur­den und die das Entsetzen der Kulturwelt erregten, war auch ein angeblich finnischer Oberstleutnant E l v e n- g r e e n hingerichtet worden. In einer nach Moskau ge­sandten Note protestierte die finnische Regierung gegen die Erschießung Elvengreens und betonte dabei, der rus­sische Einwand, die Staatsangehörigkeit Elvengreens hätte nicht festgestellt werden können, sei hinfällig. Außer­

die Verbindung zum Weltmarkt aufrechterhalten

d?r, deutsche Produktionsapparat im Rahmen der Weltwirtschaft konkurrenzfähig bleiben muß. Das gleiche lst auch für die Außenhandelspolitik Deutschlands der darm^"^ Gesichtspunkt. Der Minister behandelte so-

die Ergebnisie der WeltwirtschaftSkonferenz, wobei er betonte, daß die Reichsregierung entschlossen sei, dre Beschlüsse dieser Konferenz in die Tat umzusetzen. Es handelt sich hierbei vor allem um eine Senkung der erhöhten Zolltarife, den Abschluß langfristiger Handels­verträge und den Abbau der Zollschranken überhaupt. Dr. Curtius bedauerte weiter, daß es noch nicht gelungen sei,, eine dauernde wirtschaftspolitische Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich zu erreichen.

Am Schluß seiner Wirtschaftsrevue kam der ReichS- Wirtschaftsminister dann noch auf den von der Reichs­regierung gefaßten Beschluß zur

Neuordnung der Zollsätze in Deutschland zu sprechen. Die Erhöhung des autonomen Kartoffel­zolles auf eine Mark und des Fleischzolles auf die Sätze des deutsch-schwedischen Handelsvertrages ist, so unter­strich Dr. Curtius, nicht in dem Sinne zu bewerten, als wenn sie eine Bewegung zur Erhöhung des landwirt­schaftlichen Zollniveaus einleiten sollte. Es handle sich vielmehr nur um eine im Interesse namentlich des bäuerlichen Grundbesitzes und der inneren Kolonisaiton notwendige Ungleichung des Zollniveaus für diese landwirtschaftlichen Sonderprodukte an das ge­samte übrige landwirtschaftliche Zollniveau. Die gegen­wärtig bestehende Disparität zwischen dem landwirtschaft­lichen und dem industriellen Zollschutz möglichst bald zu beseitigen, ist jedoch auch der feste Wille der Reichsregie- ,-^.,.,,^^u^ durch einen entsprechenden Abbau des industrie-wirtschaft- lichen Zollniveaus erreichen.

Wir wollen alles daransetzen, so beendete Dr. Cur­tius seine Ausführungen, die Beschlüsse der Weltwirt­schaftskonferenz soweit als irgend möglich zu verwirk­lichen, weil wir davon überzeugt sind, daß das Schicksal Europas Deutschlands Schicksal sein wird und daß die wirtschaftliche Notlage der europäischen Staaten nur über- wunden werden kann, wenn sie sich aus der engen Ab- geschlossenheit der überprotektionistischen Wirtschaftspolitik heraus wieder auf den freien Kampfplatz wirtschaftlichen Wettbewerbs hinauswagen.

dem habe das Verfahren den Gerechtigkeitsprinzipien der zivilisierten Staaten widersprochen.

Nun hat die russische Regierung geantwortet. Sie sagt dabei u. a.: Es lagen in der Angelegenheit Elven- green, insbesondere in dessen eigenen Aussagen keinerlei Angaben über seine finnische Staatsangehörigkeit vor; außerdem sprach seine gesamte, mit den russischen monar­chistischen Organisationen verknüpfte Tätigkeit gegen eine derartige Annahme. Die Note spricht die Verwunderung der Sowjetregierung darüber aus, daß die finnische Re­gierung es für nötig befunden habe, in der Angelegenheit einer Person zu intervenieren, die sich zum Ziel ihrer Tätigkeit zerstörende Arbeit gegen einen mit Finnland befreundeten Staat und die Organisierung terroristischer Akte gegen Vertreter dieses Staates sowie schließlich die Wiederherstellung des zaristischen Regimes gesetzt hatte, das fast ein Jahrhundert lang das sinnische Volk und seine Kultur unterdrückte und mit dessen Vernichtung durch die Oktoberrevolution die Unabhängigkeit des Fin­nischen Staates begründet wurde.

baleski über deutsch-pvlnischetzeziehungen

Eine Unterhaltung mit dem polnischen Außenminister.

Der polnische Minister des Äußern, Z a l e s k i, hat einem französischen Pressevertreter eine Unterredung ge- währt, in der er sich über das deutsch-polnische P r o b l e m und alle Fragen der Außenpolitik, die Polen berühren, äußerte. Er führte u. a. aus: Nichts wird unsern Willen zur Verständigung mit Deutschland brechen. Wenn Deutschland diese Verständigung anders auffaßt als wir, so können wir abwarten. In der Politik wie in der Natur nimmt die Entwicklung ihren Fortgang. Diese Entwicklung ist bisweilen sehr langsam und er­fordert viel Zeit. Aber es ist besser, sich fest und geduldig zu zeigen, als sich auf künstliche und wirkungslose Kom­promisse einzulassen.

Deutscher Reichstag.

(325. Sitzung.) CB. 83 e r I i n, 22. Juni.

Gemäß einem Vorschlag des Geschäftsordnungsausschusses wurde beschlossen, daß das gegen den völkischen Abgeordneten Henning wegen angeblicher Steuersabotage eingeleitete Verfahren bis auf weiteres einzustellen ist. Die Genehmigung zur Strafverfolgung des nationalsozialistischen Abgeordneten Straffer wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz wird nicht erteilt. Darauf wurde fortgesetzt die erste Lesung! des Entwurfes eines allgemeinen f

Deutschen Strafgesetzbuches, /

Aba. Dr. Bell lötr.l Kielt die Tatsache für s'^"^"°