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DerProphet" Häußer gestorben.

46 Jahre alt.

Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der letzten Jahre, Ludwig Christian Häußer, ist dieser Tage in einem Berliner Krankenhaus hinübergeschlummert. Wer diesen Mann mit seinem wallenden Vollbart und Apostel­gewand einmal gesehen hat, wird seine Erscheinung mcht vergessen können. Vor dem Kriege war er Sektreisender. Er besaß eine seltsame Mischung von Naivität, Fana­tismus, politischem Ehrgeiz und nicht zuletzt ein großes Reklametalent für seine Person. Wurde doch, lange bevor er sprach, sein Bkld von seinen gefügigen Anhängern ver­teilt, unter dem dann in großen Lettern stand:Ich rede!" Häußer wollte die Politik entgiften und sich selbst alsVolkskaiser", ja sogar als Präsident der Ver­einigten Staaten von Europa sehen. Durch die Gründung einer eigenen Häußer-Partei, die zu den Reichstags­wahlen im Jahre 1924 fast 50 000 Stimmen erhielt, ist er weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt ge­worden. Auch bei der Neichspräsidentenwahl nach dem Tode Eberts sollte er aufgestellt werden, aber er kam mit der Einreichung der Liste ein paar Tage zu spät. Jeden­falls wußte er in Versammlungsreden die Hörer zu fesseln. In der letzten Zeit wirkte er nur noch in einem kleinen Kreise getreuer Anhänger. Bekannt wurde auch die kurze Episode, in der er mit der Tochter des früheren Admirals von P o h l verlobt war.

Amerikanische Lmpsangsvorbereitungen für Linddergh.

500 000 Briefe.

Während Europas Hauptstädte Chamberlin und Le- vine ehren, will Amerika wieder einmal Europa auch in diesem Punkt überbieten, wenn Lindbergh die heimischen Gestade erreichen wird. Die polizeilichen Maßnahmen in Newyork und Washington haben niemals zuvor einen solchen Umfang erreicht. Die Newyorker Börse wird schließen, was bisher nur einmal zu Ehren eines Lebenden geschah, nämlich als der Oberkommandierende der ameri­kanischen Armee im Weltkriege, P e r s h i n g , vom Kriegsschauplatze heimkehrte. Lindbergh wird in Amerika von einer halben Million Briefen erwartet, das ist eine Menge, die ein deutsches Hauptpostamt in der Mittelstadt an einem Tage nicht austragen lassen kann. Er ist zum Obersten der amerikanischen Armee ernannt und bekleidet noch mehrere hohe Würden. Der Kreuzer Memphis", der Lindbergh von Europa nach Washington bringt, wurde bereits in der Chasepeakebay von 40 Aero- planen empfangen.

Derweilen rüsten andere zu noch größeren Taten, ali

sie der erste Atlantikslieger vollbracht hat. Der französisch» Pilot Drouhin will mit einem 600-?8-Motor den Flug ParisNewyork antreten, der bekanntlich weit schwere» ist als die umgekehrte Strecke. Vorerst wird aber B y r d einen Flug AmerikaEuropa und zurück mit nur zwölf Stunden Aufenthalt in Paris ausführen.

Nah and Fern.

O Es gibt noch tüchtige Leute in Deutschland! Der 20jährige Student Eiffländer von der Technischen Hoch­schule in Nürnberg hat zwei neue Zählmaschinen für Papiergeld und Hartgeld erfunden. Für das Patent hat ihm die Reichsbank 1,6 Millionen Mark und eine amerikanische Gruppe 6 Millionen Dollar geboten. Eine solche Summe ist einem Zwanzigjährigen wohl noch niemals geboten worden.

O Notlandung auf den Bäumen. Das von Berlin kom- mende Flugzeug D. 368 mußte wegen Motordefekts eine Notlandung auf den Bäumen des Sachsenwaldes in der Nähe von Hamburg vornehmen. Passagiere und Flieger blieben unverletzt. Die Maschine erlitt einige Beschädi­gungen.

O Raubmord in Mecklenburg. An der Beckerwitz- Zierower Grenze wurde der Gutssekretär Strohkirch vorn Gut Hohenwieschendorf ermordet und beraubt aufgefun­den. Strohkirch hatte mittags von einer Wismarer Bank gegen 700 Mark Lohngelder geholt, die geraubt wurden. Man fand seine Leiche in einem Roggenfeld ver­steckt auf. Er ist allem Anschein nach mit einem dicken Knüppel erschlagen worden.

O Großseuer in Breslau. Die im Güterbahnhof Ost liegenden Gebäude und Kohlenlager der Firma Lorenz und Richter wurden durch Feuer vernichtet. Es fielen da­bei 1000 Zentner Stroh, 800 Zentner Getreide und mehrere hundert Zentner Briketts den Flammen zum Opfer. Die Entstehung des Feuers ist auf Fahrlässigkeit eines Dachdeckers zurückzuführen, der kochenden Teer überlaufen ließ, der durch das Dach das Strohlager entzündete.

O Ein Arzneischwindler verhaftet. Der Schreiner Wilh. Häberle wurde vom Stuttgarter Gericht zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er sich durch sein angeblich t o t s i ch e r e s" Kropfheilmittel große Geldbeträge er­schwindelt hatte. Das Mittel bestand aus gerösteten Eierschalen, gebranntem Badeschwamm unb gestoßenem Kandiszucker.

O Schlägerei in der Wiener Universität. In der Uni­versität Wien ereigneten sich anläßlich des Vortrages eines sozialistischen Hochschülers Zusammenstöße mit völkischen Studenten, bei denen sieben Studenten leicht und einer schwerer verletzt wurden. Die Schlägereien fanden ihre Fortsetzung auf der Straße und die Polizei hatte große

wiuye, Die rausenven <stuDenten voneinander zu trennen. Der Rektor hat die Schließung der Universität bis auf weiteres angeordnet.

O De Pinedos Rückkehr nach Italien. De Pinedo bot von Horta auf den Azoren aus seinen Probeflug ange­treten. Nachdem er den Punkt erreicht hatte, wo er seiner­zeit aufs Meer niederzugehen gezwungen war, kehrte de Pinedo um, überflog nochmals Horta und setzte seine Reise nach Ponta Delgada fort.

Börse und landet

Amtliche Berliner Notierungen vom 1L Juni.

* Börsenbericht. Tendenz: F e st. Publikum, Börsen­spekulation und Ausland nahmen auf dem ermäßigten Kurs­niveau erhebliche Rückkäufe vor, die eine Erhöhung um 23 Prozent zur Folge hatten. Im weiteren Verlaufe machte die Befestigung noch weitere Fortschritte. Insbesondere machte die Herabsetzung des Privatdiskonts um r/8 Prozent für beide Sichten einen günstigen Eindruck. Monatsgeld wurde zu dem Satz von 7^8% Prozent stärker gesucht.

* Devisenbörse. Dollar 4,214,22; engl. Pfund 20,4720,51; holl. Gulden 168,87169,21: Danz. 81,62 bis 81,78; franz. Frank 16,5016,54; Belg. 58,5758,69; schweiz. 81,0981,25; Italien 23,2723,31; schwed. Krone 112,86113,08; dän. 112,71112,98; norweg. 109,04109,26; 1 schech. 12,4812,50; österr. Schilling 59,3059,42.

* Produktenbörse. Die von den Auslandsmärkten einaelau- fenen Stimmungsberichte lauteten ungleichmäßig, waren daher wenig geeignet, hier die UnternehmunAslust für Brotgetreide anzuregen. Im Lieferungsverkehr zeigte sich etwas stärkeres Angebot, dem aber auch Deckungsfrage gegenüberstand, so daß nur mäßige Abschwächungen zu verzeichnen waren. Das bessere Wetter hatte die Kauflust für Ware beeinträchtigt, zu­mal die Wareneigner keine Neigung zu Preisnachlässen be­kundeten. Mehl ist sehr still. Bei kleinen Umsätzen hatten Fultergetreide und Hilfssutterstoffe ihren Preisstand nicht ver­ändert. Hafer blieb weiter knapp und fest. -Llsaaten geschäfts- los. Braugerste und Hülsenfrüchte unbeachtet.

Getreide und Olsaaten per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilogramm in Reichsmark.

1t. 6.

10. 6.

I 11.6.

10. 6.

Weiz., märk.

305-308

305-308

Weizkl.f.Brl.

1§

15,5-15,7

pommersch.

Rogkl. s.Brl.

18,0-18,2

18.2-18,5

Rogg., märk.

280-282

280-282

Raps

pommersch.

Leinsaat

westpreuß.

-

Vikl.-Erbsen

42-55

42-55

Braugerste

241-275

241-275

kl.Speiseerb.

27-30

27-30

Futtergerste

Futtererbsen

22-23

22-23

Hafer, märk.

254-260

254-260

Peluschken

20-2,2

20-22

pommersch.

Ackerbohnen

21-23

21-23

westpreuß.

Wicken

22,0-24,5

22,0-24,5

Weizenmehl

Lupin.,blaue

14,7-15,7

14,7-15,7

p. 100 kg fr.

Lupin., gelbe

16,0-17,5

16,0-17,5

Bln.br.tnkl.

Seradella

Sack (feinst.

Rapskuchen

15,6-16,1

15,6-16,1

Mrk. u. Not,

37,5-39,5

37.5-39.5

Leinkuchen

20.5-20.8

20,5-20,8

n. W. V.

laoesausliug nach der WThön

(Kr. Fulda'Gersfeld)

Sonntag, den 19. Juni.

Abfahrt Hersfeld BP 7.12 Uhr vorm. (Sonntagsfahrkarte). Wan­derung über Künzell, Wissels, Wisselsrod, Alschberg nach Friesen- hausen (3Std., Mittagspause 11.30 bis 13.30). Aufstieg nach der Steinwand (1 Std.) Basaltstein­felsen mit Fernsicht nach der Maulkuppe mit dem neuen Rhön- häuschen (15 Min.) Pause 1 Stde. Gang nach der Haltestelle Bieber- stein über Giegenberg, Wolferts, Oekenbach, Guckai, Fohlenweide. Bahnfahrt ab Bieberstein 18.04, Ankunft in Fulda 18.41. Abfahrt in Fulda 19.00, Ankunft in Hers­feld 20.09 nachm.

Statt der dreistünd. Wanderung Fulda-Wissels-Friesenhausen kann Postauto ab Fulda 9.35 Uhr Fulda- Friesenhausen (12 km) Preis 1.20 RM. benutzt werden. Abfahrt Bahnhof, sodaß man noch Sehens­würdigkeiten in Fulda in der Zeit 89 Uhr bewundern kann.

Rege Beteiligung von Damen und Herren sehr erwünscht. Liste zum Einzeichnen wegen der Voraüs- bestellung des Mittagessens in Friesenhausen liegt bis Donners­tag, den 16. 6. 1927 im Deutschen Hause und im Hotel zum Stern offen.

Führung: Falkenthal.

Sefanntma^nnoen der Stadtdrhdrde».

Sie Ausgabe der Lorholzzettel erfolgt am Donnerstag, den 16. unb-Freitag, den 17. Juni 1927, jeweils von vormittags 7Va bi§|12 Uhr unD nachmittags von 2^2 bis 572 Uhr im Rathaussitzungssaal.

Die Aushändigung der Losholzzettel 'erfolgt nur gegen Rückgabe der Quittung über die geleistete An­zahlung und gegen Barzahlung des Restbetrages.

Der Weiterverkauf des zugefallenen Losholzes ist ist nach § 8 des Gesetzes vom 6. 6. 1873 strafbar.

Freiwillige Feuerwehr.

Hauptübung

der gesamten Feuerwehr am Mittwoch, den 15. Juni 1927 abends 7 Mr mit anschließender Hauptversammlung bei D. Bolender, zu welcher auch die Ehrenmitglieder freundlichst eingeladen werden.

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