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HersMerTageblatt

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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.S0 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 0.80 Reichs-Mark Druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchdruckerei in Hersjelö, Mitglied des VDZV.

mit öen Beilagen: Seimatschollen / Illustriertes AnterhalLungSblall / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Aalerbaltuna and Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 114

Dienstag, den 17. Mai 1937

77. Jahrgang

SrnkniH Staatsmänner in Wind

Senton empfängt Soomergne nnd Wand.

Angeblich ein Höflichkeitsbesuch.

Der Präsident der Französischen Republik, Dou- mergue, hat Montag früh die seit einiger Zeit angekün­digte amtliche Reise nach England angetreten. Die Über­fahrt von Calais nach Dover erfolgte mit einem Kriegs­schiff, das von mehreren anderen Schiffen und einem halben Dutzend Flugzeugen begleitet war. Der Prinz von Wales empfing den Präsidenten und den in seiner Be­gleitung befindlichen französischen Außenminister in Dover gegen ein Uhr. Es wurde ein großes Salutschießen von den zum Empfang kommandierten britischen Marinefahr­zeugen veranstaltet. Feldmarschall Sir H a i g, Lord Colebrooke, diensttuender Lord im engsten Gefolge des Königs, sowie Major Reginald Seymour vom Kgl. Leibkavallerieregiment sind zu persönlichen Adju­tanten des Präsidenten bestellt und empfingen ihn eben­falls bereits am Kai von Dover.

EmpsaNg in London durch den König.

Der König mit der gesamten königlichen Familie empfing die französischen Staatsmänner persönlich am Londoner Viktoria-Bahnhof und begrüßte sie herzlich. Vom Bahnhof ging die Fahrt in den Staatswagen durch die Straßen Londons zum Buckinghampalast. Auf dem ganzen Wege bildeten die Truppen des Leibgarde­regiments Spalier. Es war vorgesehen, daß Doumergue bereits am Montag das Grab des unbekannten Soldaten in der Whitehall sowie die Westminsterabtei besichtigte. Doumergue nahm sodann an einem Essen im St.-James- Palast, dem Wohnsitz des Prinzen von Wales, teil und &Rtc abends eins«» jw^ J^jxvsnwil Des Komgs im Buckinghampalast bei Banketts und Diners gaben außerdem die Oxforduniversität, die Doumergue den Ehrendoktor verleiht, ferner die Londou-r City in der Guildhall, die französische Gesandtschaft, btu französische Institut in London und C h a m b e r l a i n im Aus­wärtigen Amt. Die City verleiht Doumergue das Ehren­bürgerrecht.

AsusEuieuie csrdiÄls".

Fast alle britischen und französischen Blätter betonen etwas zu krampfhaft, es handele sich nur um einen reinen Höflichkeitsakt, gleichsam um einen der üblichen unverbind­lichen Besuche eines Staatschefs bei einem benachbarten. Nur der britischeDaily Telegraph" hat zugegeben, daß China, Rußland und die großen Mittelmeerfragen für Chamberlain und Briand wichtigere Gesprächsstoffe bilden werden als die Frage, ob Dr. S t r e s e m a n n auch dann im Amte bleiben kann, wenn England und Frankreich in London nur kleinere Konzessionen bezüglich des Abbaues der Rheinlandbesatzung beschließen sollten. Damit ist der politische Charakter der Zusammen­kunft ehrlich betont. Weshalb sollte bei einem ein­fachen Repräsentationsbesuch sich denn auch Briand von seinen sicher wichtigen Geschäften losreißen und gen England fahren? Das Wort von der neuenEntente cordiale", dem frisch aufzurichtenden engen Freundschafts­bund zwischen Frankreich und England, ist in der franzö­sischen Presse gefallen und wird sich aus den zu erwar­tenden Betrachtungen nicht auswischen lassen.

Soll Deutschland die Kosten tragen?

Geflissentlich wird in einer französischen offiziellen Auslassung zwar gesagt, die deutschen Stimmen seien im Irrtum, wenn sie behaupteten, es handle sich darum, Frankreich hinsichtlich der britischen Politik im Fernen Osten und England hinsichtlich der französischen Politik im R h einl and zu binden. Das sei falsch, denn die französisch-englische Freundschaft, so wie sie bestehe, ge­nüge sich selbst und es bestehe kein Bedürfnis, irgendein weitgehendes neues diplomatisches Unternehmen zu er­finden, um die Beziehungen, die die beiden Völker ver­einen, die beide die größten Opfer für die edelste Sache ge­bracht hätten, zur Geltung zu bringen.

Solcher Reden haben wir in Deutschland viele und die Wendung von dengrößten Opfern für die edelste Sache" erinnert gar zu verdächtig an den Verlauf des großen Krieges und an die Behendigkeit, mit der man Deutschland die alleinigeKriegsschuld" aufbürdete. Wir werden diesseits des Rheins Augen und Ohren offenhalten müssen bei den Londoner Vorgängen und uns nicht durch sanfte Worte in Täuschungen stürzen lassen dürfen. Er­fahrung belehrt.

Euglisch-stanzösische Gespräche.

L Won besonderer Seite wird uns geschrieben:

Selbstverständlich melden die englischen Zeitungen, daß der feierliche Besuch, den der französische Staats­präsident Doumergue zusammen mit dem Außen­minister Briand in London macht, gänzlich ohne jede Üt!» MdeuiuM sei. Vielleicht E es Leute. MtJtoÄ

glauben, aber die allermeisten werden sich doch wohl fragen, warum denn Briand m i t nach London gereist ist, wenn der Besuch ein bloß repräsentativer sein soll. Schließlich gibt es doch gerade jetzt eine ganze Reihe bren­nendster politischer Fragen, über die sich der englische Außenminister mit seinem französischen Kollegen nicht bloß unterhalten kann, sondern auch unterhalten muß.

Da ist zunächst einmal das englisch-russische Verhältnis, das unmittelbar auch Paris außerordentlich interessiert. Nicht etwa bloß wegen der allgemein-wirt­schaftlichen Folgen, die die Erstürmung und die Durch­suchung der Londoner russischen Handelsvertretung durch die englische Polizei haben muß, sondern darüber hinaus aus allgemein-politischen Gründen. Man weiß in Lon­don ganz genau, daß sich Moskau dieses Vorgehen der englischen Regierung nicht gefallen lassen kann, will es nicht den letzten Rest seines Ansehens einbüßen, das Sowjetrußland durch seine nicht über einen papierenen Protest hinausgehende Duldung der Pekinger und Schanghaier Durchsuchungen schon schwer genug hat er­schüttern lassen müssen. Dabei ist es dem englischen Innenminister nicht einmal geglückt, das Staatsdokument, dessen Abschrift angeblich in den Geheimschränken der russischen Handelsvertretung verwahrt war, dort zu fin­den, wobei nicht ganz uninteressant zu erfahren wäre, was das für ein Staatsdokument ist. Immerhin glaubt die Londoner Regierung bei dieser Gelegenheit Ent­deckungen genug gemacht zu haben, die das Vorgehen der Polizei rechtfertigen, weil dieArcos", die russische Handelsvertretung, nichts anderes als der Sitz einer weitverzweigten Sowjetorganisation mit stark anti-eng- lischem Charakter gewesen sei Natürlich wird das von der Gegenseite bestritten; ziemlich gleichgültig ist auch, wer dabei recht hat. Es handelt sich hier ja nur um den Ausdruck eines politischen 9JtaiWfnmt^

«14 ty . 4 iu »11 uj uu^ |eyr eryevttch interessiert ist Laß der Vorgang durch seine Rückwirkungen für den euro­päischen Kontinent von einer Bedeutung ist, die eine gründliche Aussprache zwischen Chamberlain und Briand wohl rechtfertigt, ist ohne weiteres verständlich.

Ein zweites Kapitel dieser Aussprache wird sich wohl auch auf die Frage der Rheinlandräumung bzw. der Verminderung der Besatzung beziehen. Ein gutunterrichtetes englisches Blatt erklärt die Besprechung zwischen Briand und Chamberlain als eine Art Vorbe­sprechung für die Junitagung des Völkerbundrats. An und für sich ist rein juristisch genommen auch das deutsche Verlangen ein durchaus berechtigtes, nach Schleifung der Ostbefestigungen die entsprechenden Folgerungen aus dem Artikel 431 des Versailler Vertrages zu ziehen und demgemäß die Räumung des besetzten Gebietes zu bean­tragen. Aber unverhüllt gibt jenes englische Blatt auch zu, daß diese Frage eine nicht durchaus juristische, son­dern vor allem eine politische ist.Für Frankreich bilden gegenwärtig Deutschlands Bemühungen, die Besatzungs­stärke des Rheinlandes zu vermindern, eine Besorgnis." Es ist verständlich, daß dies aber für England im Hin­blick auf die Reibungen mit Sowjetrußland und in China nur eine Frage zweiter Ordnung ist, die man in London lediglich unter dem Gesichtspunkt betrachtet, daß man Deutschland wenigstens einigermaßen befriedigen muß, um es nicht in die Arme Moskaus zu treiben. Ganz^ falsch ist die französische Ansicht, der deutsche Außen­minister sei etwa durch die Deutschnationalen genötigt worden, die Frage der Rheinlandräumung zu einer offiziellen Aussprache zu bringen. Es gibt in Deutsch­land keine Partei, die jetzt, nach Erfüllung aller, Entente­forderungen, nicht auch die Geltendmachung der aus dem Artikel für Deutschland entspringenden Rechte für eine Selbstverständlichkeit hält. Irgendwelche Spekulation auf die Parteigegensätze in Deutschland ist darum ganz

verfehlt.

So haben Briand und Chamberlain Stoff genug zu einer intimen politischen Unterhaltung. So sehr ist die Atmosphäre nicht bloß in Europa, sondern in der ganzen Welt angefüllt mit Konfliktmöglichkeiten, daß eine Aus­sprache zwischen den Vertretern der beiden führenden europäischen Mächte zur Selbstverständlichkeit wird. Leider wiederholt sich aber dabei das für Deutschland recht unvorteilhafte Spiel, indem nämlich vor der offiziellen Besprechung namentlich über die Rheinland­räumung zweifellos eine Vereinbarung zwischen Paris und London herbeigeführt wird, an der im entscheiden­den Augenblick schwer noch etwas zu ändern ist.

polnischer Wahlterror in Sfisberschlesien.

Schwere Ausschreitungen polnischer Nationalisten.

Die Neuwahlen zur Gemeindevertretung in Chwallo- Witz konnten nur unter dem schlimmsten Terror der volnischen Chauvinisten, der Westmärker und der Aufständischen vor sich gehen. Der Terror setzte schon am vergangenen Donnerstag mit einer gewal­tigen Hetze gegen die drutschgesinnte Bevölkerung ein, so daß die deutschen Delegierten Schutz vom Landrat er­baten.' Die deutschen Zettelverteiler wurden mißhandelt und verjagt. Der Terror nahm derartigen Umfang an, daß die Deutschen den Woiwoden telegraphisch ersuchten, die Wahl einzustellen, was aber nicht geschah. Gegen das

Haus des Zeitungsverlegers Trunkhardt wurde eine Bombe geschleudert, die aber nicht explodierte, Man drohte, die Deutschen mit Teer zu beschmieren und auf Karren durch die Stadt zu fahren.

Das Ergebnis der Wahl fiel unter diesen Um» standen entsprechend aus. Während bei der November­wahl 13 Deutsche gewählt wurden, kamen diesmal nur neun deutsche Delegierte bei der Wahl durch, während die polnischen Parteien 21 Delegierte auf sich vereinigen konnten.

Insgesamt sind bis jetzt dreißig Personen als verletzt gemeldet; sie haben teilweise schwere Knochenbrüche und innere Verletzungen erlitten. Bei einer ganzen Reihe von ihnen scheint Lebensgefahr zu bestehen. Die deutschen Parteien wollen sich mit einer Beschwerde an den Völker­bund wenden.

*

Für Boykott deutscher Filme in Ostoberschlesien.

Eine Generalversammlung polnischer Lehrer in Kattowitz faßte eine Entschließung, nach der im Hinblick auf den deutschen oberschlesischen Film Land unterm Kreuz" Maßnahmen getroffen iverden sollen, daß in Polen, be­sonders in Ostoberschlesien, sämtliche deutschen Filme ver­boten bzw. boykottiert werden.

_________ V x ~

Die Haussuchung bei der Arcos.

Wichtiges Beweis Material gefunden. 5

Die Haussuchung bei der Arcos ist auch in den letzten Tagen fortgesetzt worden. Wie vermutet wird, bemüht Kdie Polizei, die mit der Prüfung der Dokumente und

Herstellung von Auszügen für das Jnnenministerinm beschäftigt ist, andere geheime Schränke hinter den Wandfüllungen ausfindig zu machen.

Nach derTimes" ist in den letzten Stunden wichtiges Beweismaterial dafür gefunden worden, daß eine aus­gedehnte Sowjetorganisation von ausge­sprochen antibritifchenr C-harakter besteht. Die beschlag- mäßige Geschäftsorganisation" der Sowjetregierung in London einen internationalen Feldzug zum Sturze der bestehenden Einrichtungen führt. Es liegt klares Beweis­material vor für die enge Verbindung zwischen den russischen Organisatoren und den Kommunisten in Eng­land und anderen Ländern. Es wird erklärt, daß eine Liste bezahlter Agenten und Agitatoren in den verschie­denen europäischen Hauptstädten sich bei den beschlag­nahmen Dokumenten befand. Das Blatt will außerdem wissen, daß ein Mitglied des Personals beim Eindringen der Polizei dabei überrascht worden sei, als es einige Do­kumente in einem Kamin verbrannte.

Deutscher Reichstag.

(315. Sitzung.) CB. Berlin, 16. Mai.

Die Genehmigung zur Strafverfolgung der Abgeordneten Fürst v. Bismarck (Dtn. wegen Übertretung der Verordnung über Kraftfahrzeugverkehr, Lange - Hegermann (bei keiner Partei) wegen Übertretung der Polizeistunde und Buchmann (Komm.) wird nicht erteilt. Erteilt wurde die Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. Henning (Völk.) wegen Steuersabotage. Der Abg. Henning soll, wie der Bericht­erstatter Rießer (D. Vp.) mitteilt, in Versammlungen zur Steuerverweigerung aufgefordert und erklärt haben, der Staat möge sehen, wie er zu seinen Steuern komme.

Es folgte dann die erste Lesung des gemeinsamen An­trages der Regierungsparteien zur Verlängerung des

Gesetzes zum Schutze der Republik

um zwei Jahre. Die noch bestehenden Zuständigkeiten des Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik sollen auf das Reichsverwaltungsgericht und bis zu dessen Errichtung auf das Reichsgericht übergehen.

In einer Entschließung wird die Reichsregierung ersucht, in Erwägungen darüber einzutreten, für welche Vorschriften des Gesetzes zum Schutze der Republik ein Bedürfnis der Beibehaltung besteht.

Abg. Dr. Scholz (D. Vp.) begründet mit einer kurzen Er­klärung der Regierungsparteien den Entwurf. Die unver­änderte Verlängerung des Gesetzes sei beantragt worden, weil man der von der Regierung geforderten Prüfung nicht vor­greifen wolle, welche Bestimmungen des Republikschutzgesetzes in das allgemeine Strafrecht übernommen werden sollen. Der Redner nennt unter den Antragstellern auch die Deutschnatio­

im

nale Volkspartei.

Abg. Landsberg (Soz.) wies daraus hin, daß seine Partei seinerzeit durch das Republikschutzgesetz ein Warnungssignal aufrichten wollte gegen diejenigen, die im Kampfe gegen die Republik alle Mittel, auch das des politischen Mordes, an­wenden wollten. Nachdem die Deutschnationalen jetzt durch ihren Antrag selbst den Schutz der Republik in die Hand ge­nommen hätten, könnte man eigentlich das Republikschutzgesetz für überflüssig halten, was jedoch nicht der Fall sei. Im Februar 1924 hätte ein deutschnationaler Redner, der jetzige Reichsjustizminister, das Republikschutzgesetz ein Ausnahme­gesetz mit geradezu vorsintflutlichen Bestimmungen genannt. Jetzt stimmten die Deutschnationalen sogar dem § 24 zu, der die Rückkehr des ehemaligen Kaisers nach Deutschland verbiete. Die Sozialdemokraten seien den Deutschnationalen zu größtem Dank verpflichtet. Sie würden für den deutschnationalen An­trag stimmen (Beifall links).

Abg. Kreutzberg (Komm.) nannte das Republikschutzgesetz ein Ausnahmegesetz schlimmster Art und beantragt auch die Aufhebung des § 86 des Strafgesetzbuches, der sich gegen die Geheimbündelei richtet.

Abg. Dr. Haas (Dem.) erklärt die Tatsache, daß die Deutschnationalen sich jetzt zu diesem Gesetz bekennen, als von höchster politischer Bedeutung. Am 22. November 1^20 habe Gras Westarp in einer Rcichstagsrede seine unverbruchl che Treue zum ehemaligen Kgiser beteuert. Damit sei es un