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HersfelSerTageblatt

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Hersfel-er Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Monatlicher Bezugspreis: Durch Sie post bezogen 1.20 Reichg-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für tiersfelS 1-00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für flbholer 0.80 Reichs-Mark Druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchdruckeret in tzersfelö, Mitglied des VDZV.

mit öen Beilagen: Seimatschollen / Illustriertes Anlerhallungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterhaltuna und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 107

Montag, den 9. Mai 1927

77. Jahrgang

Der Stahlhelm in Berlin.

Achte Tagung der Reichsfrontsoldaten.

ki. Berlin, 7. Mai.

Berlin im Zeichen des Stahlhelmtages! Es sind alle Vorkehrungen zu einem ruhigen Verlauf der Ver­anstaltung getroffen, namentlich die Bahnhöfe sind durch Schutzpolizei stark gesichert, um Zwischenfällen vorzu- beugen. In den Straßen sieht man je nach der Stadt- aeaend vereinzelt oder auch häufiger schwarz-weiß-rote Fahnen, hier und da auch rote Fahnen. In Extrazugen ' aus allen Teilen des Landes kommen die Stahlhelmer an. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, scheint sich das Programm wie vorgesehen abzuwickeln, nur ein paar unbedeutende Kürzungen sollen vorgenommen werden.

Die Kundgebung in der Philharmonie.

Zunächst schloß sich an die Schulungstagung die öffent­liche Kundgebung des Stahlhelms in der Philharmonie an. Unter den zahlreichen Anwesenden sah man viele höhere Offiziere des alten Heeres und der Marine in Uniform und Zivil, u. a. den Generalleutnant von Cramon, Exzellenz v o n L ü t t w i tz , Kapitän E h r h a r d t, Frei­herr« v o n W a t t e r , weiter eine ganze Reihe von Par­lamentariern, darunter den Grafen Westarp und den Präsidenten des Reichslandbundes, GrafenKalck- r e u t H. Nachdem die Fahnen unter den Klängen des Pariser Einzugsmarsches auf der mit schwarz-weiß­roten Fahnen geschmückten Bühne aufgestellt worden waren, begrüßte Major von Stephani, der Führer des Landesverbandes Groß-Berlin, die Gäste., Er dankte der Leitung dafür, daß sie den Stahlhelmlag diesmal nach der Reichshauptstadt zusammengerufen habe. Schon lange habe man darauf gewartet, daß in Berlin wieder einmal deutscher Geist sich öffentlich auf der Straße zeigen könne. Lebhaft begrüßt ergriff daraus der

Bundesführer Seldie,

der wenige Stunden vorher den ersten Teil der Schu- lunastagüng mit einer Ansprache geschlossen hatte, das -n-vrt zu feinem Bvrirag «hM-Me r ne u e W e g d e s Stahlhelm s". m

Seldie wies einleitend darauf hin, daß die Nachricht von der Abhaltung des achten Reichssoldatentages in Berlin überall freudig begrüßt worden sei. Am Reichssrontsoldatenlag ge< denke der Stahlhelm des alten, ruhmreichen deutschen Heeres, lcae sich aber auch Rechenschaft ab über die Jetztzeit und fein Tun und Lassen für neue Pläne und für seinen Weg in bte Zukunft. In seiner Botschaft werde der Stahlhelm seine An­sprüche und sich selbst anmelden. Der Redner gab dann einen Rückblick aus die Gründung des Stahlhelms im November 1918,

Erster Bundesführer des Stahlhelms Seldie- Magdeburg.

Für den Stahlhelm gelte es jetzt, eine Form zu finden, um den alten Frontsoldaten und dem Teil des Volkes, der nah natio­nalem Wollen und nationaler Betätigung dränge, ein Gebiet hierfür zu erschließen. Aus dieser Gedankeneinstellung heraus sei der Stahlhelm den bewußten Weg der nationalen Opposition gegangen und ebenso den Weg der nationalen Freiheits­bewegung. Er streite sich heute nicht um die Staatsform, aber er wolle einen Staat, den er frei, stark, mächtig und geachtet als sein Vaterland begrüße. Er ringe mit um die Form der neuen Gestaltung des deutschen Vaterlandes. Der Redner er­innerte im weiteren Verlauf seiner Rede an das Wort Hindenburgs aus dem Kriege, daß die stärksten Nerven siegen werden.

Nur durch den Stahlhelm als Gegenspieler kann es dem jetzt negativen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold möglich werden, zum positiven Werte zu werden, falls es sich zum nationalen Bekenntnis, zur vaterländischen Mitarbeit durch- zuringen vermag. Der Stahlhelm allein hat die Kraft, das deutsche Volk und die Straße von der Pest der Rotfron 1 - b e w e g u n g zu befreien. Wir kommen nicht nach Berlin als Antirepublikaner, nicht als Antimonarchisten. Wir kommen mit einem positiven Programm.

Wir warten auf den großen Führer.

Wir haben aus uns selbst Führer gewählt in harter Zuchtwahl und wir warten nunmehr auf den großen Führer oder Staats- SQ,,A der diese willige Schar und dieses willige Heer des tzstahlhelms zu führen bereit ist. Wir stellen uns gern dein- jenlgen zur Verfügung, den der Herrgott begnadet hat, Führer von Deutschland zu sein. Der Stahlhelm steht, der Stahlhelm

Der ReiWäsidm in »ntag

Hindenburgs Oldenburger Reise.

überall dem Vaterlande dienen."

Reichspräsident von Hindenburg ist am Sonnabend vormittag in Oldenburg zum Besuch der Staatsregierung eingetrossen. Die Stadt prangt in reichem Flaggenschmuck. An vielen Stellen sind Ehrenpforten errichtet und allent­halben überqueren Tannengirlanden mit bunten Wimpeln die Straßen. Die Teilnahme der Bevölkerung am Besuch des Ehrenbürgers ihrer Stadt ist außerordentlich groß. Auch aus der näheren und weiteren Umgebung ist ein zahlreiches Publikum herbeigeströmt. Der Reichspräsident wurde auf dem Bahnsteig durch Ministerpräsident von Finckh, Oberbürgermeister Dr. Goerlitz, die Chefs der Reichsbehörden, den Divisionskommandeur, Generalleut­nant Freiherr von Ledebur, und den Standortättesten, Oberst Gudovius vom Infanterieregiment Nr. 16, begrüßt und nach dem Platz vor dem Bahnhof geleitet, wo eine Ehrenkompagnie, an derem linken Flügel die Generale und Admirale und anschließend die Altveteranen standen, aufgestellt war. Der Reichspräsident schritt die Front ab, nahm den Vorbeimarsch entgegen und trat dann im Viererzug mit großem Reitergeleit die Fahrt zum Staatsministerium an, von der zahlreichen Menschenmenge herzlich begrüßt. In den Straßen bilde­ten Reichswehr, Krieger- und Militärvereine, Gesang-, Turn- und Sportvereine sowie die Schulen, insgesamt etwa 20 000 Personen, Spalier.

Im Ministerium erfolgte die Vorstellung der Staats­minister und der leitenden Beamten sowie des Landtags­präsidiums und der Mitglieder des Landtages. Etwa 3000 vor dem Ministerialgebäude aufgestellte Schulkinder erfreuten alsdann den Reichspräsidenten durch Gesangs- Vorträge. Der Reichspräsident dankte mit folgenden Lüo Ü£U ; -----*----

Liebe Kinder!

Habt Dank für die prächtigen Lieder, mit denen ihr mich herzlich erfreut habt. Ihr habt eben das schöne Lied gesungen:Ich hab' mich ergeben mit Herz und mit Hand"; laßt diese Worte nicht nur als Gesang auf euren Lippen sein, laßt sie a l s ernstes Gelöbnis stets in euren Herzen wohnen und denkt immer daran, daß ihr überall dem Vaterlands dienen sollt. Dies wollen wir heute geloben, indem wir ge­meinsam rufen:

Deutschland, unser heiliges Vaterland, hurra!

Die Kinder sangen darauf das Deutschlandlied.

Im Anschluß an diese eindrucksvolle Kundgebung unternahm der Reichspräsident eine Rundfahrt durch die Stadt und ihre nähere Umgebung. Hierbei wurde ein kurzer Aufenthalt an der Jngenieurakademie gemacht, wo Lehrkörper und Studierende den Reichspräsidenten begrüßten.

Im weiteren Verlauf des Besuches des Reichsprä­sidenten erfolgte dann im Rathaus die Begrü­ßung durch den Oberbürgermeister Dr. Goerlitz, den Magistrat und den Stadtrat. Der Oberbürgermeister

ist in Form, der Stahlhelm arbeitet, aber er sehnt sich auch nach dem großen deutschen Führer, und ich schließe meine Worte auch in Berlin damit, daß ich sage: Gebt uns diesen Führer, aber hört auch, daß, wenn Deutschland nicht in der Lage ist, uns für unsere Heranwachsende Schicksalsaufgabe den Führer ju stellen, wir selbst in eigenen Reihen uns nach dem Führer mit schauen und ihn auch finden werden,"den finden werden, der bereit ist, den Stahlhelm und Deutschland der inneren und äußeren Befreiung entgegenzuführen und Deutschland wieder frei. groß und mächtig zu machen. Front Heil!

Starker Befall folgte den Worten SeldteS. Das Deutschlandlied bildete den Beschluß der imposanten Kundgebung.

Der Zapfenstreich.

Berlin, 8. Mai.

Der Stahlhelm veranstaltete Sonnabend abend im Stadion einen Zapfenstreich mit Schlachtenfeuerwerk. Bereits am spä­ten Nachmittag setzte eine wahre Völkerwanderung nach dem Stadion ein, das bald auf sämtlichen Plätzen überfüllt war. Große Menschenmengen wohnten dem Anmarsch der Stahlhelm­züge bei. Die Polizei hatte sowohl die Züge selbst, wie auch die Umgebung und die Anmarschstraßen mit äußerst starken Kräften gesichert. Gegen acht Uhr abends begann die Veran­staltung mit dem Einmarsch der Spielmannszüge und Musik­kapellen des Stahlhelms. Nach musikalischen Darbietungen er­folgte unter langanhallendem Beifall der Menge der Ein­marsch der Fahnen. Es mögen Wohl über 500 gewesen sein, darunter zahlreiche Marineflaggen. Nachdem die Fahnen- abteilungen vor den Plätzen der Ehrengäste Aufstellung genom­men hatten, wurden diese vom Bundesführer mit kurzen Worten begrüßt. Ein prächtiges Bild bot sich, als nach Ein­bruch der Dunkelheit die Fackeln angezündet wurden. Die Fahnen senkten sich zum Gruß der Ehrengäste. Unter Beleuch­tung von zwei Riesekischeinwerfern folgte das Dithmarsche Fahnenschwenken, ausgeführt nach alter noch in den holsteini­schen Elbmarschen üblicher Sitte. Nach weiteren musikalischen Darbietungen verließen die Fahnenabteilungen das Stadion, immer wieder von anhaltendenFront-Heil"-Rusen begrüßt. Darauf begannn das Riesenfeuerwerk, das mit dem

sprach hierbei die Hoffnung aus, daß es dem Reichsprä­sidenten vergönnt sein möge, den Wiederaufstieg des deut­schen Vaterlandes und eine neue Blüte der Städte, der festen Säulen von Deutschlands Einheit, zu schauen. Der Reichspräsident erwiderte u. a.:Ich hoffe und wünsche, daß die harten Jahre, in denen Oldenburg wie alle deut­schen Städte schwer gelitten hat, nun endgültig vorüber sind und die Stadt eine neue Entwicklung erlebt! Meine besten Wünsche begleiten Sie auf diesem Zukunftswege!"

Der Oberbürgermeister dankte für die Worte und überreichte ihm ein soeben erschienenes WerkDie Landes­hauptstadt Oldenburg", das die Entwicklung der Stadt schildert. Vom Rathaus begab sich der Reichspräsident in die Wohnung des Ministerpräsidenten von Finckh, wo ein Frühstück in kleinem Kreise stattfand.

Huldigungen aller Art.

Nach dem Rathausempfang begab sich der Reichsprä­sident im Kraftwagen zum Haarenesch, wo turnerische und sportliche Veranstaltungen vorgeführt wurden. Der Reichspräsident ließ sich nach Schluß der Vorführungen den Meisterläufer der Deutschen Turnerschaft, L a m - mers, vorstellen. Darauf trat er in Begleitung des oldenburgischen Ministerpräsidenten, des Staatssekretärs Meißner und des Majors von Hindenburg die Wetter­fahrt nach Z w i s ch e n a h n an. Im Strandpark hatten die Altveteranen, die Vaterländischen Verbände, der Am- merländische Reichsklub, Vereine und Schulkinder Spalier gebildet. Reichspräsident von Hindenburg begrüßte die Altveteranen und begab sich nach Abschreiten der Front zum Bauernhause, wo der Vorstand des Heimatvereins in Ammerländischer Tracht Aufstellung genommen hatte. Nach kurzer Begrüßung wurde von Mitgliedern des Heimatvereins ein Festspiel aufgeführt, worauf ein Im» biß überreicht wurde.

---Sövi^ s tn ^ rrtj- k^rrnd^^e^rik^^vittrivpWiiiifrwx-utfU&v Staatsregierung zu Ehren des Reichspräsidenten verun­staltete, hielt dieser nach der Begrüßungsansprache des Ministerpräsidenten von Ftnkh eine Rede, in der er u. a. ausführte:

Gern nehme ich Ihr Gelöbnis treuer Mitarbeit im Reiche entgegen. Niemand, dem die ruhige Weiterentwicklung des Reiches am Herzen liegt, will die Sonderart der Länder und ihr historisch entstandenes Eigenleben antasten oder erdrücken. Wir alle, bte wir unser Vaterland in seiner Vielgestaltigkeit seltnen und würdigen lernten, sehen in der Mannigfal­tigkeit deutschen Volkstums eine Kraftquelle ganz besonderer Art. So geht das eine im anderen auf, so mündet der Quell des Heimatgefühls im großen Strom der Vaterlandsliebe, so sind Länder und Reich eins!

Gegen 10 Uhr abends bewegte sich ein von den Va- terländischen Verbänden, den Turn- und Sportvereinen veranstalteter Fackelzug durch die Straßen der Stadt. Auf der Hunte wickelte sich ein wundervoller Korso ab. Die Stadt war an verschiedenen Stellen festlich illuminiert.

Am Sonntag nahm der Reichspräsident am Regi- mentsfest des Oldenburgischen Infanterieregiments Nr. 91 teil, nach einem Frühstück im Offiziersheim besuchte er die Festvorstellung im Theater und hörte später den Vor- trag der vereinigten Männerchöre der Stadt Oldenburg.

vielfarbigen rotaufleuchtenden TransparentWillkommen! Stahlhelmkameraden am 8. Mai" begann und nach weiteren prächtigen Darbietungen mit dem Aufleuchten des Stahlhelm­zeichens und zweier riesiger Eiserner Kreuze schloß. Das Publi­kum sang das Niederländische Dankgebet mit. Die Feier schloß mit der Abstngung des Deutschlandliedes.

Die Ehrengäste.

Bei dem großen Zapfenstreich des Stahlhelms im Stadion sah man auf der Ehrentribüne neben der Bundesleitung deS Stahlhelms die Generale von Hutier und von Matter, von Cramon, von der Goltz, die Prinzen Eitel- Friedrich und Osk§r von Preußen, den Herzog von Koburg, Admiral von Schröder, Kapitän Ehr hardt, Forstrat Eschertch, Abordnungen der deutschen Offiziersbünde sowie der früheren österreichischen und bulgari­schen Armee und zahlreiche Reichs- und Landtagsabgeordnete.

Die Kundgebung im Lustgarten

Planmäßig vollzog sich am Sonntag der Aufmarsch der Zehntausende. Aus allen Himmelsri mgen strömten die Züge zum Lustgarten, der bald dichtgc Stimmung der aus dem ganzen Reici helmer war ausgezeichnet und brausend, der Bundesführer Franz Seldie das Wo.

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Der Stahlhelm, der Bund der schlachterprobten, unbesiegt heimgekehrten deutschen Frontsoldaten und der von ihnen zum Geiste der Wehrhaftigkeit erzogenen deutschen Jungmannen, Bot am 8. Reichsfrontsoldatentag in der Reichshauptstadt die politischen Ziele bekannt, für die zu sümpfen er sich und alle seine Kameraden aufs neue verpflichtet.

Der Stahlhelm sagt den Kampf an jeder Weichlichkeit und Feigheit, die das Ehrbewußtsein des deutschen Volkes durch Verzicht auf Wehrrecht und Wehrwillen schwächen und zer­stören will.

_ Der Stahlhelm erklärt, daß er den durch das Versailler Friedensdiktat und dessen spätere Ergänzungen geschaffenen Zustand nicht anerkennt. Er fordert deshalb

bis Anerkennung des Nationalstaates auch für alle Deut-

auch für alle Deut-