Einzelbild herunterladen
 

hersfelöer Tageblatt

;: Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, : die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). :: Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- ; Nachlaß gewährt. Zür die Schristleitung verant- :: wörtlich: Zranz §unk in Hersfeld. Zernfprecher Nr. 8

tzersfel-er Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für öm Kreis Hersfelö mit den Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.20 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld 1.00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 0.80 Reichs-Mark Druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDZV.

Rr. 105

Freitag, den 6. Mai 1027

77. Jahrgang

Unsere Landwirtschaft und Genf.

Über die allgemein wirtschaftlichen Fragen, die auf der Genfer Wirtschaftskonferenz verhandelt werden, ist vielleicht allzu unbekannt geblieben, daß doch eine beson­dere Kommission dieser Konferenz sich auch mit land­wirtschaftlichen Fragen beschäftigen soll. Wenn daher gerade ein Mann wie der frühere Reichsernährungs­minister Dr. Hermes nach Genf entsandt worden ist, so geschah das aus dem Grunde, um für jene Commission deutscherseits einen Sachverständigen zu stellen. Immer wieder muß betont werden, daß diese Wirtschaftskonferenz ausschließlich eine Aussprache bedeutet, daß also nicht eine direkte, sondern höchstens eine indirekte Wirkung erzielt werden kann. Aufgabe der Delegierten ist es also, durch andere Mittel und Wege diese Wirkung zu verstärken, und so hat denn auch Dr. Hermes Gelegenheit genommen, vor den Vertretern der Presse in Gens über Agrar­fragen zu sprechen. Natürlich rückte er auch die agrar- politischen Angelegenheiten in den Vordergrund und man kann über seine Ausführungen den alten Satz setzen:Hat der Bauer Geld, so hat's die ganze Welt."

Eine Zwischenbemerkung mag eingeschaltet werden: Es gibt nur ganz wenige Länder in Europa, die hinsichtlich ihrer Ernährung auf ausländische Zufuhr nicht ange­wiesen sind; die meisten Staaten bedürfen vielmehr dieser Zufuhr. Und so versteht man, wenn Dr. H e r m e s zu Beginn seiner Ausführungen erklärte, daß die Weltwirt­schaftskrise nur dann erschöpfend behandelt werden kann, wenn auch die Erscheinungen der Weltagrarkrise dabei in vollem Ausmaße berücksichtigt werden; denn die Weltwirtschaftskrise treffe die Landwirtschaft nicht weniger als Industrie und Handel.

Gerade die Frage der inneren Kaufkraft in jedem nnzelnen Lande ist es ja, die das eigentliche Beratungs- zebiet der Genfer Konferenz ausmacht, wenn es auch richt gerade auf der Tagesordnung steht; letzten Endes ist doch jeder Staat, um zu einer gefunden Wirtschaft zu kommen, darauf angewiesen, den Hauptteil seiner Er- jeugung im eigenen Lande abzu-el-ey Dabei hat die wie auch w^r ^uF^?,.-

steichsernährungsminister Schiele ausführte, eine nicht minder wichtige Aufgabe wie die Industrie; zwischen )em Gesetz eines Gleichgewichts auf dem Binnenmarkt und dem Interesse am deutschen Überseehandel bestehe kein wirklicher Widerspruch. Aber es ist nun einmal Tat­sache, daß Deutschland für viele hundert Millionen an Lebensmitteln entführt, die durch eine pflegliche Behand­lung der Landwirtschaft erspart und dem Binnenmarkt jugeführt werden können.

Dr. Hermes gab dann einen Überblick über die Weltproduktion an Agrarerzeugnissen, der manchem die llugen öffnen kann über das, was nicht bloß in der Welt, ondern besonders in Deutschland an landwirtschaftlichen Werten erzeugt wird. Wenn Dr. Hermes darlegte, daß rllein an Weizen die Welt für 19,5 Milliarden Mark, an Keis sogar für 50 Milliarden Mark hervorbringt, so verschwindet dagegen der Wert der Weltproduktion an stöhle mit 17 Milliarden und der des Petroleums mit >,4 Milliarden. Das Deutsche Statistische Reichsamt be- siffert den Wert des gesamten Welthandels mit 241 Mil­liarden Mark im Jahre 1924 und dabei sind die land- virtschaftlichen Produkte mit etwa einem Drittel.Die Heilung der Weltwirtschaftskrise kann also nur durch Einbeziehung aller Produktionszweige erfolgen," so sagte Hermes, wobei die Agrarerzeugnisse wirklich nicht die unwichtigste Rolle spielen dürften. Ist es denn in Deutschland so mag hier eingeschaltet werden be­kannt, daß beispielsweise der Wert der von der deutschen Landwirtschaft erzeugten Milch und Milchprodukte um ün beträchtliches den Gesamtwert der deutschen Kohlen- rrzeugung übersteigt, also eines der wichtigsten Zweige der deutschen Schwerindustrie? Dabei ist doch die Ver­wertung dieser Waren lediglich ein Nebenzweig in der landwirtschaftlichen Erzeugung.

,Dr. Hermes ging dann noch des weiteren ein auf die Verteilung der ländlichen Erzeugung, also auf die Frage, wie Erzeuger und Verbraucher aufs engste zu­sammengebracht werden können. Er verwies auf die Zu­sammenarbeit zwischen den landwirtschaftlichen Erzeuger­genossenschaften und den Konsumgenossenschaften und hob hervor, daß beispielsweife die Großeinkaufsgefellfchaft der deutschen Konsumvereine in Hamburg über 60 % ihres Bedarfs an Butter, Hülsenfrüchten und Kartoffeln von landwirtschaftlichen Genossenschaften des Inlandes und Auslandes direkt, also unter Ausschaltung des Zwischen­handels, bezogen habe. Hier rührt Dr. H e r m e s an eine Frage, die ja gerade in Deutschland Gegenstand ein­gehendster Erwägungen geworden ist: die unmittelbare Verbindung zwischen Erzeuger und Verbraucher. Es wäre aber falsch, die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handels zu unterschätzen, namentlich des Kleinhandels, der die Auf­gabe hat, Sonderbedürfnisse zu befriedigen. Aber nicht zu Unrecht wird die Klage erhoben, daß sich in diesen Handel, also in die Verteilung der Produktion, zum Teil über­flüssige Zwischenglieder eingeschoben haben, die die Ware verteuern und dadurch daran schuld sind, daß die Land­wirtschaftserzeugnisse zu Preisen in die Hand des Ver­brauchers gelangen, die zweifellos Gründe zu Klagen ab­geben. Vieles wäre besser in dem Verhältnis von Stadt zu Land, wenn es gelingen würde, verteuerinde überIlüssig- reitM auszuschalten. ^^ ' --

Hebung des Lebensniveaus"

D. Siemens vor der

Weltwirtschaftskonferenz.

Durch Arbeit zur Wohlfahrt."

-Auf der Weltwirtschaftskonferenz in Genf, die auch vielfach als das Parlament der Millionäre bezeichnet wird, hielt der deutsche Delegationsführer, von Siemens, seine mit Spannung erwartete Rede. Als Zweck der Konferenz bezeichnete Dr. von Siemens, in gemeinsamer Aussprache den Politikern die Grundforderungen der Wirtschaft auf- zuzeigen, damit die bestehenden wirtschaftlichen Hemmun­gen abgebaut und der natürlichen Entwicklung wieder freierer Spielraum gewährt werden kann. Nur so kann in gemeinsamer Arbeit das von allen erstrebte ZielH e - bung des Lebensniveaus der Bevölke­rungen" erreicht werden. Es wäre ein großer Erfolg der Konferenz, wenn einige zum Teil vielleicht nur vor­bereitende, den Weg in die Zukunft ebnende Empfehlun­gen ausgesprochen werden würden, von denen die Welt aber auch die Überzeugung bekäme, daß sie mit einigem guten Willen von den Politikern durchgeführt werden könnten.

Die Beeinflussung der Wirtschaft durch die Staats- leitungen ist heute viel größer als vor dem Kriege. Viele Staaten haben Maßnahmen mit Rücksicht auf mögliche Kriege getroffen. Hierdurch ist eine starke Beeinträchti­gung der natürlichen Produktionsbedingungen zuni Schaden der Lebenshaltung der Bevölkerung eingetreten. Weiterhin sind die Produktionsstätten aus Kriegs- und Jnflationsgründen weit über das notwendige Maß ver­mehrt.

Herr von Siemens kam dann auf die nach dem Kriege eingetretene Arbeitslosigkeit in Europa zu sprechen, die er in der .Hauptsache auf die plötzliche Verteueruna der Arbeitskräfte in Europa zurückführt. Es ist die große Frage, was sozial richtiger ist, dafür zu sorgen, daß mög­lichst viele Menschen Arbeit haben, wenn auch zu einem etwas geringeren Einkommen, oder daß diejenigen, die im Besitz von Arbeit sind, möglichst viel verdienen und dann von diesem Verdienst zum kärglichen Unterhalt der anderen abgeben. Alle Wirtschaftler müßten sich stets ihrer obersten Pflicht bewußt bleiben, für das Wohl des g e -

ölahytlmsühm beim Reichspräsidenten.

Der Berliner Polizeipräsident zum Stahlhelmtag.

Der Reichspräsident empfing am Donnerstag vom Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, die beiden Bundes- führer Franz Seldte und Oberstleutnant a. D. Düster- berg, den Bundeskanzler Generalmojar a. D. Czettritz, den Hauptschriftleiter Dr. Brauweiler und den Hauvtmann

Der erkrankte Reichstagsabgeordnete Drewitz.

Wie bereits gemeldet wurde, ist der Vorsitzende bei Reichspartei des Deutschen Mittelstandes, auchWirt­schaftspartei" genannt, der Abgeordnete Drewitz, ziem­

lich heftig erkrankt. Er kehrte von längeren Vortragsreisen aus Mecklenburg und Pommern erschöpft nach Berlin zurück und mußte alsbald das Krankenlager aufsuchen. Die nervöse Erkrankung soll sehr schmerzhaft sein, obwohl die Ärzte keine ernsten Besorgnisse hegen.

a. D. Ausfeld, die dem Reichspräsidenten, als dem Ehren­mitglied des Bundes, das Treugelöbnis und die Grüße der Frontsoldaten, die sich am kommenden Sonn­abend und Sonntag in Berlin versammeln werden, über-

brachten.

Der Berliner Polizeipräsident richtet aus Anlaß der am 7. und 8. Mai in Berlin stattfindenden Kundgebungen des Stahlhelms einen Aufruf an die Bevölkerung Berlins,

samten Volkes zu sorgen, und sich vor Augen halten, daß das Ergebnis ihrer Arbeit den Lebensstandard ihres Volkes in materieller, sozialer und kultureller Art bestimmt.

Die in deutscher Sprache gehaltene Rede des Prä­sidenten .des Reichswirtschaftsrats, von Siemens, wurde von den außerordentlich zahlreichen Delegierten, die der deutschen Sprache mächtig waren, mit lebhaftem Interesse angehört. Etwa fünfzig Delegierte und Sachverständige hatten sich in der Nähe der Rednertribüne aufgestellt, um den Ausführungen des Herrn von Siemens besser folgen zu können, der für seine Darlegungen von allen Bänken lebhaften Beifall erntete.

In der voraufgegangenen Sitzung hatte noch der Vertreter Schwedens, Prof. C a s s e l, auf die Notwendig­keit richtiger internationaler Zusammenarbeit hinge­wiesen, während der italienische Delegierte betonte, daß eine Atmosphäre des Friedens nur geschaffen werden könne, wenn man jedem Lande ermögliche, d u r ch s e i n c Arbeit zur Wohlfahrt zu gelangen.

Zwischenfall mit der russischen Delegation.

Nach dem Eintreffen der russischen Delegation in Genf ist es bereits zu einem Zwischenfall gekommen, der beinahe zur Abreise der russischen Vertreter aus Genf ge­führt hätte. Die russischen Delegierten fühlten sich nämlich durch die intensive Bewachung, die beinahe einer Kon­trolle gleichkam, zu stark belästigt. Durch eine Unter­redung mit dem Generalsekretär des Völkerbundes sind allerdings die von ihnen gewünschten Verbesserungen erreicht worden, so daß sie bereits an der Donnerstag­sitzung teilnahmen.

Der Wettbewerb für das Bötterbundhaus.

Das Preisgericht für den internationalen Architekten- wettbewerb für das Völkerbundgebäude hat keinen der eingereichten 377 Entwürfe zur Ausführung empfohlen. Die gesamte Preissumme von 165 000 Franken wurde in neun erste Preise von je 12 000 Franken und in neun zweite und neun dritte Preise von je 3800 bzw. 2500 Franken aufgeteilt. Unter den neun ersten Preisträgern befinden sich auch zwei deutsche Firmen. Die weiteren ersten Preise entfallen auf drei Franzosen, zwei Italiener, einen Schweizer und einen Schweden.

in der daraus hingewiesen wird, daß kein ernstlicher An­laß für eine Beunruhigung vorliege, da die Polizei die erforderlichen Vorkehrungen zum Schutze der Bürger getroffen habe. Der Aufruf weist weiter auf das Verbot der geplanten kommunistischen Gegen­demonstration hin und richtet zum Schluß an die Bevölke­rung, soweit sie nicht an der Kundgebung des Stahl­helms beteiligt ist, die Bitte, der Demonstration fernzu­bleiben.

Deutschlands Schritt in Frankreich.

Um die Rheinlandräumung.

Zu dem Besuch des deutschen Botschaftsrats Dr. Rieth beim Außenminister Briand wird von gut unterrichteter deutscher Seite festgestellt, daß es sich hierbei um keine planmäßige deutsche Aktion in der Besatzungsfrage handle. In der Aussprache wurde über verschiedene schwe­bende Fragen gesprochen, die dadurch an Umfang und Bedeutung gewonnen haben, daß infolge der Abwesenheit des französischen Außenministers von Paris und der Er­krankung des deutschen Botschafters seit längerer Zeit eine derartige Unterhaltung nicht mehr stattfinden konnte. Es ist anzunehmen, daß neben einer Reihe anderer Fragen in Fortführung des seit einigen Monaten sowohl in Berlin als auch in Paris gepflogenen Gedankenaustausches auch die R h einlandfrage, insbesondere die Frage einer Verminderung der Besatzungsstärke, besprochen worden ist.

Nach demMatin" wird die Rheinlandsrage im nächsten Monat in ein konkretes Stadium treten, Nach demselben Blatt hat Dr. Rieth in seiner Besprechung mit Briand diesen daran erinnert, daß die Reichsregierung einmütig der Überzeugung sei, daß nur eine Annäherungs­politik mit Frankreich die Aufrechterhaltung des Friedens sicherstellen könnte. Die Demarche des deutschen Geschäfts­trägers müsse als Beginn einer Verhandlung in der Rheinlandfrage angesehen werden.

Möglicherweise wird die Rheinlandfrage auch eine Rolle bei der Aussprache spielen, die Chamberlain mit Briand haben wird, wenn dieser den Präsidenten Doumer- gue auf seiner Reise nach London begleiten wird. Außer­dem werden beide Staatsmänner über die Lage in China und die italienisch-jugoslawische Krise in London einen Gedankenaustausch haben.

Der Fall Mathes.

Im Befinden des Landwirtes Joseph Mathes, der noch immer stark an den Folgen des Kopfschusses leidet, den ihm Leutnant Rouzier beibrachte, ist infolge der neuen Belästigungen durch französische Unteroffiziere, über die berichtet wurde, eine besorgniserregende Ver-