HersfelöerTageblatt
J^ A ^ ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦
: Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.20 :
pcwreWCi üiOwlöu = Ä*awi $ äi
r : O-80 Keichs-Mark»Druck und Verlag von Ludwig :
Mmmchtzr Rn^igct Kreis Kersfelo ♦Smts m H-rsfel», mitg«ed des vszv.;
mit den Beilagen: Seimalschollen / Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / -Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagessragen.
: Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, : die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grundschrift Korpus). : Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- ;: Nachlaß gewährt. •:• Zur die Schristleitung verant- : wörtlich: Franz Funk in Hersfelö. ❖ Fernsprecher Nr. 8
: Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.20 : Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld : 1.00 Keichs-Nlark bei freier Zustellung, für Abholer ; 0.80 Reichs-Mark * Druck und Verlag von Ludwig : Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDZV.
Nr. 102 Dienstag, den 3. Mai 1927 77. Jahrgang
Die Ostmark.
Von einem Teilnehmer an der soeben beendeten Oft« markentagung der Deutschnationalen Volkspartei in Beuthen (O.-S.) wird uns geschrieben:
In der Ostmark liegen die Wurzeln der Deutschnationalen Volkspartei und darum finden die Tagungen ihres Ostmarkenausschusses weit über den Kreis der Partei hinaus Beachtung. Seit die Führer dieser Partei auch in der Reichsregierung sitzen, gewinnt eine Tagung, wie sie dieser Ostmarkenausschuß jetzt in Beuthen in Oberschlesien veranstaltete, noch mehr an Bedeutung, besonders dann, wenn der Reichsjustizminister H e r g t, der ja zugleich auch Vizekanzler ist, auf dieser Tagung wichtige Ausführungen macht. Er betonte dabei nachdrücklich, daß er nicht etwa im Auftrage des Kabinetts spräche, aber es ist wohl selbstverständlich, daß er die Auffassungen der derzeitigen Regierung über das Grenzmarkenproblem im Osten wiedergibt.
Ebenso wie in seinen Worten, so treten in den Ausführungen wohl aller anderen Redner und Rednerinnen — auch derer, die aus D a n z i g und von jenseits der Grenze her nach Beuthen gekommen sind — immer wieder drei Gesichtspunkte heraus. Zunächst ist diese Grenze — um ein Wort des Vorsitzenden des Ostmarkenausschusses, Exzellenz von Kries, zu gebrauchen — eine „internationale Sehenswürdigkeit". Einen allzu bitteren Beigeschmack freilich hat dieses humoristische Wort, wenn man feststellen muß, mit welcher Raffiniertheit der chinesische Vorsitzende der Völkerbundkommission vor fünf Jahren die Grenze zog. Freilich legt man trotzdem in Ober- schlesien die Hände nun keineswegs in den Schoß, obwohl man an allen Ecken und Kanten durch jene „internationale Sehenswürdigkeit" behindert wird. Reichsjustizminister Hergt legte in seinen Ausführungen des weiteren das entscheidende Gewicht darauf, zu erklären, daß Oberschlesien, überhaupt die ganze östliche Grenzmark, .irrum .Mederaufhau allein gelassen werden darf. Vor ihm hatte der frühere Oberbürgermeister von Köln, Staatsminister a. D. SS all« r af, der jetzt Zweiter Vorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei ist, einen Gesichtspunkt herausgearbeitet, den dann Minister Hergt noch weiter entwickelte: Gewiß haben die Ereignisse am Rhein, an der Ruhr und an der Saar die Blicke des deutschen Volkes. nach dem Westen gedreht, mußte solange der Osten als weniger wichtig im Kampf um die Erhaltung unseres Volkstums erscheinen. Im Westen ist aber jetzt eine gewisse Beruhigung der Verhältnisse eingetreten und darum wendet sich, müßte sich wenigstens das Augenmerk des deutschen Volkes wenden aus den Osten. Mit besonderer Schärfe betonte Hergt, daß die neue Regierungskoalition an ein „Ostlocarno", also an eine freiwillige deutsche Anerkennung der verrückten Grenzziehung im deutschen Osten nicht denke. In dieser Ansicht treffen sich die Deutschnationalen unbedingt mit den Anschauungen auch der anderen Parteien und das gab der ganzen Beuthener Ostmarkentagung das überparteiliche Gepräge. Ebenso ist man sich darüber einig, daß die Grenzmarkenfrage im Osten wie im Westen eben keine Angelegenheit der Grenzmarken allein ist, sondern Sache des gesamten deutschen Volkes. Gegenüber dem Abwehrkampf im Westen, aber ganz besonders im Osten müssen deswegen auch die parteipolitischen und nicht zuletzt auch die konfessionellen Verschiedenheiten zurücktreten hinter der obersten Pflicht der Wahrung unseres Volkstums.
Charakteristisch für die Tagung war noch ein Weiteres. Die Frauen spielten auf ihr eine nicht bloß rednerisch wichtige Rolle und — auch hier kommt die in Grenzmarkfragen so überaus notwendige Überparteilichkeit stark zum Ausdruck — der Kampf in der Ostmark wird nicht mit lautem Getöse geführt, sondern er ist ein stiller, zäher Kampf, in dem nun gerade die deutsche Frau als Gattin und Mutter eine bedeutsame, vielleicht entscheidende Rolle spielt. Immer wieder klang es durch die Ausführungen aller Redner, daß die Erhaltung des Deutschtums diesseits und jenseits der Grenze aufs engste verknüpft ist gerade mit der stillen Arbeit der deutschen Frau, die den kommenden Geschlechtern die deutsche Kultur, deutsche Sprache und Sitte zu übermitteln hat.
Wir können die Arme jetzt wieder regen im Osten wie im Westen. Dort ist man sich dessen bewußt, was Grenz- markpolitk heißt; aber die Kenntnis der Notwendigkeit dieses Kampfes auch in den Norden, in die Mitte und in den Süden des Reiches hineinzutragen, ist eine Aufgabe gerade der politischen Parteien, und das ist erfreulicherweise eine gemeinsame Ausgabe-..
Angenommene Entschließungen.
Zum Schluß der Tagung fanden zwei Entschließungen Annahme. Die eine drückt den Memelländern die Anteilnahme der Deutschnationalen Volkspartei aus und verspricht, bei der Regierung mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß noch nachträglich den Memelländern das Selbstbestimmungsrecht verliehen wird. Die zweite gibt der Überzeugung Ausdruck, daß keine deutsche Regierung jemals Bindungen eingehen werde, die als Anerkennung des dem deutschen Osten angetanen schweren Unrechts ausgelegt werden könnten.
Die Verminderung der
Deutscher Schritt in der Vesaßungsfrage?
„D e r g e e i g n e t st e Zeitpunkt."
Ein Berliner Blatt will aus gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen erfahren haben, daß Deutschland in allernächster Zeit Schritte zur Aufnahme von Verhandlungen über die Verminderung der Besatzungstruppen unternehmen wird. An den zuständigen Berliner Stellen war eine Bestätigung dieser Nachricht, die immerhin einiges Aufsehen erregen dürfte, noch nicht zu erlangen.
Sollte sich die Nachricht bewahrheiten, so würde Deutschland diesen Schritt früher unternehmen, als es bei den zuständigen Behörden ursprünglich geplant war. Die dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann nahestehende Diplomatisch-politische Korrespondenz hat erst vor kurzem darauf hingewiesen, daß Deutschland sich bei der letzten Völkerbundtagung in Genf ausdrücklich den ihm geeignetsten Zeitpunkt Vorbehalten habe, um die Verhandlungen über diese Frage einzuleiten. Als dieser Zeitpunkt war von der gleichen offiziösen Nachrichtenstelle die Beendigung der von der Interalliierten Militärkontrollkommission geforderten und von Deutschland nach langwierigen Verhandlungen zugestandenen Schleifung zahlreicher Anlagen der deutschen Ostbefestigungen ange- angegeben, was etwa im Hochsommer der Fall sein dürfte.
Wie dem auch sei, eines steht fest, daß die Forderung nach Verminderung der Besatzungstruppen, in der sich alle Parteien Deutschlands einig sind, nicht verschwinden wird, bis Frankreich endlich seinem bereits gegebenen
Die Lage der deutschen Landwirtschaft.
Eine Rede Dr. Haslindes.
In Saarbrücken sprach der ehemalige Reichsernährungsminister Haslinde über „Lage und Zukunft der deutschen Landwirtschaft". Er führte u. a. aus: Die deutsche Agrarwirtschaft besitze die große Bedeutung als Tragfläche für die Industrie und für die Beschäftigung der industriellen Arbeiterschaft. Das Gesamtbild der deutschen Landwirtschaft erscheine heute nicht mehr so drohend wie noch bei Beginn des Vorjahres. Es würde noch weit besser sein, wenn uns nicht die U n g u n st d e r Witterung im letzten Herbst eine leider nur recht mäßige Ernte gebracht hätte. In der Entwicklung eines starken leistungsfähigen Landwirtschaftsrates liege eine wesentliche Zukunftsaufgabe unserer Landwirtschaft. Weiter fei ein dringendes Problem der nächsten Zukunft die Siedlung. Eine großzügige Siedlung, besonders an den östlichen Randgebieten, sei dringend geboten. Zum Schluß wies er auf die Notwendigkeit der Schaffung internationaler Organisationen der Landwirtschaft hin. *
Beendigung der Internationalen Getreidekonferenz.
Die in Rom tagende Internationale Getreidekonferenz hat ihre Arbeiten beendet. Eine zweite Internationale Getreidekonferenz soll im Jahre 1930 wieder in Rom stattfinden. Der deutsche Vertreter Baur hob in der Schlußsitzung hervor, daß der K a m p f u m d a s G e - treide im wesentlichen einen Kampf um den Weltfrieden darstelle.
General v. Scholtz 1".
Heimgang eines bekannten Heerführers.
In Ballenstedt, wo er als Ehrenbürger der Stadt lebte, ist General der Artillerie v. Scholtz gestorben. Er hat ein Alter von 76 Jahren erreicht.
General v. Scholtz war in Flensburg geboren. Er nahm an dem deutsch-französischen Krieg 1870-71 teil und avancierte als Offizier schnell bis zum General. Im Weltkriege führte er ein Armeekorps in Ostpreußen, nahm 1915 an der Eroberung der russischen Festungen und an dem Vormarsch im Baltenlande teil, 1917 kam er zur Saloniki- und zur rumänischen Front, wo er bis zum Ende des Krieges verblieb. Für die Erstürmung der russischen Festung Grodno hatte er den Pour le merite erhalten. ____________
Sie rlederschwemnmng in Amerika.
200 000 Existenzen vernichtet.
Nach den letzten Berichten aus New Orleans wurde die Bruchstelle des Mississippidammes durch weitere Sprengungen um etwa 200 Meter erweitert. Durch die Bruchstelle strömen jetzt 200 000 Kubikfuß Wasser in das untere Land. Infolge der Erweiterung der Bruchstelle ist der Wasserspiegel um fünf Zentimeter gefallen. Die Bruchstelle erweitert sich von Stunde zu Stunde, und die Ingenieure beabsichtigen, sie mit Metallblechen zu versteifen. sobald sie die Breite von etwa 650 Meter erreicht
Versprechen nachkommen wird, daß die Besatzungstruppen höchstens die Stärke ausweisen dürfen, die der Stärke der deutschen Garnisonen in früherer Zeit entspreche.
deschungszwischensall in Suren.
Ein bemerkenswerter Besatzungszwischenfall hat sich in der Wilhelmstraße in Stiren in nächster Nähe der Polizeihauptwache abgespielt. Zwei Knaben, ein Deutscher und ein Franzose, hatten eine kleine Auseinandersetzung, ohne daß es zu Tätlichkeiten gekommen wäre. Zwei zufällig vorübergehende Zivilpersonen griffen ein. Der deutsche Junge lies davon, woraus eine der Zivilpersonen ihn einzuholen versuchte und schließlich mit dem Stock nach ihm warf. Der Stock zerbrach an einer Mauer und die Splitter verursachten bei einer vorübergehenden Frau eine leichte Hautabschürfung. Ihr Mann, der Schlosser Heinrich Jndcn, ging auf den Stockwerfer zu, um ihn zur Rede zu stellen. Dieser legitimierte sich als ein französischer Kriminalbeamter, erklärte Juden für verhaftet und fesselte ihn mit einem Strick am linken Arm. Als Juden erklärte, freiwillig folgen zu wollen, wurde die Fessel gelöst. Inzwischen war der Pflasterer Joseph Schmitz hinzugekommen, um Juden beizustehen; er wurde ebcnfas verhaftet und beide alsdann abgeführt.
Während Jnden auf die Vorstellung der deutschen Polizeiverwaltung hin entlassen wurde, ist Schmitz ins Gefängnis eingeliefert und bisher auch nicht wieder entlassen worden. Von deutscher Seite sind alle Schritte unternommen worden, um auch Schmitz aus der Haft zu befreien. __
hat. Fünfzehn we^re uuaoratmeuea Landes sind' unter Wasser gesetzt worden.
Handelssekretär Hoover, der auf einer Besichtigungsreise durch das Überschwemmungsgebiet begriffen ist, hielt im Rundfunk eine Rede, die im ganzen Lande mit- angehört wurde. Er beschrieb darin die Überschwemmung als die schlimmste in der Geschichte des Landes. 200 000 Personen seien ruiniert, sechs Millionen Acres überschwemmt und ein Schaden von 200 Millionen Dollar angerichtet worden. Tausende von Personen warteten noch in ihren vorläufigen Zufluchtsorten auf Rettung.
Der Mississippidamm ist in dem Kreise Concordia des Staates Louisiana an vier Stellen gebrochen. Das Leben von Hunderten von Personen, die die Warnungen nicht beachtet hatten, ist in Gefahr.
Der 1. Mai.
Ruhiger Verlaus im In- und Ausland.
Der 1. Mai ist von den Anhängern des Sozialismus im In- und Auslande durch die seit Jahren bekannten Maifeiern begangen worden. Im großen und ganzen verliefen die Feiern ohne Störungen. In Berlin demonstrierten nach einer polizeilichen Schätzung etwa 50 000 Personen vor dem Schloß, wo der Vorsitzende des Holzarbetterverbandes, Tarnow, in seiner Ansprache betonte, daß der 1. Mai heute mehr denn je das Symbol eines Friedensfeiertages sei. Bemerkenswert war noch die Veranstaltung der Berliner Gruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. In einer stark besuchten geschlossenen Versammlung sprach Adolf Hitler über die Ziele des Nationalsozialismus, nämlich zu einen und Deutschland wieder zur Freiheit zu führen. In den Abendstunden kam es zu kleineren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei, die aber ohne ernste Folgen blieben.
Auch im Ausland hatten die Maifeiern eine starke Beteiligung zu verzeichnen. Bei einer Feier in London kündigte der Sekretär des Englischen Bergarbetterverbandes, Cool, als Kampfmittel gegen die neue Gewerkschaftsvorlage, die bekanntlich die Bewegungsfreiheit der Gewerkschaften in England stark einengt, einen neuen Generalstreik an. In Moskau trug die Maifeier den Charakter eines großen Volksfestes. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stand eine Demonstration, an der etwa eine Million Menschen teilnahm. Der Demonstration ging eine Truppenparade voraus. In Brest Litowsk kam es zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Polizei. Die Polizei mußte von ihrer Feuerwasse Gebrauch machen, als die Menge einige Verhaftete befreien wollte. Eine Person wurde hierbei getötet, drei Personen erlitten Verletzungen.
politische Rundschau.
Deutsches Reich
Einheit von Reich und Nation.
Auf der Landesversammlung der Deutschen Volkspartei Badens, die in Konstanz stattfand, sprach Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius über politische und wirtschaftliche Gegenwartsfragen. Sei auch, so sagte der Minister, die Zurückhaltung der öffentlichen Meinung in Deutschland gegenüber der W e l t w i r 1 sch a f t s k o n - ferenz verständlich, so müsse sich die deutsche Delegation doch aktiv einfteJtten. um die Solidarität der Völker zu