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Hersfelöer Tageblatt

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6: 0.80 Reichs-Mark»druck und Verlag von Ludwig :

Mmtuch^t Rngcigct Kreis ßersfeld in fcr8fe(ö' mit9ik6 ;

mit öen Beilagen: Heimatschollen / Illustriertes AnlerhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

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Monatlicher Bezugspreis: durch die Post bezogen 1.20 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld 1-00 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 0.80 Reichs-Mark druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VVZV.

Nr. SS Freilag, den 29. April >827 77. Jahrgang

Danzig und Polen.

In Warschau ist amtlich bekanntgegeben worden, daß der Zollvertrag zwischen Danzig und Polen bestätigt ist. Anscheinend ist die Bestätigung ohne das Parlament auf Grund der Ermächtigung für die Regierung erfolgt. Der Vertrag gilt nach der Veröffentlichung bis zum 20. August 1928. Aus Danzig wird dazu bemerkt, Danzig sei nun­mehr in der Lage, eine Anleihe aufzunehmen.

Daß das Verhältnis zwischen DanzigundPolen sehr unersreulicher Natur ist, weiß die ganze Welt. Polen kann es eben nicht verschmerzen, daß Danzig nicht einfach dem neugeschaffenen Polnischen Reiche einverleibt worden ist. Nun verfolgt Polen eine Politik der Nadelstiche und der Völkerbundkommissar van Hamel, der . in Danzig wohnt, ist nicht besonders geeignet, dagegen einen Damm zu errichten. Danzig braucht Geld, darf aber eine Anleihe nur abschließen mit Genehmigung der Finanzkommission des Völkerbundes. Nun besteht aber seit langem ein Streit zwischen Danzig und Polen, wie zwischen beiden Staaten die Zolleinnahmen verrechnet werden sollen, die auf die Einfuhr gelegt worden sind. Eine Regelung dieser Streitfrage war besonders deswegen wichtig, weil die neue Anleihe Danzigs u. a. durch diese Zolleinnahmen des Freistaates garantiert werden sollte. Nach vielmonatigen Verhandlungen, die auch die Sep- tembertagung des Völkerbundes im vergangenen Jahre beschäftigt haben, ist es nun endlich gelungen, eine Eini­gung zu erzielen. Das ist besonders deswegen von Be­deutung, weil vor kurzem die deutschen v-Banken sich ge­weigert haben, dem Freistaats die Anleihe zu gewähren; unterbaut werden sollte nämlich diese Anleihe auch noch durch das Danziger Tabakmonopol. Die deutschen Banken weigerten sich deswegen, dabei mitzumachen, weil bei den Genfer Verhandlungen die Danziger Abordnung Bedingungen angenommen hatte, die einer Ausschaltung des deutschen Bankeinflusses bei dem Danziger Tabak- monopol gleichkam. Polen hat aucbfetzt wieder gefordert, .an der Danziger SAtoJi^noWi ?M^ mit eiüM weitaus entscheidenden Einfluß beteiligt zu fern; das deutsche Auswärtige Amt hatte sich trotzdem auf das lebhafteste dafür eingesetzt, daß die deutschen Großbanken sich dann wenigstens an der Danziger Sanierungsanleihe beteiligten, aber deren Vertreter erklärten, daß sie unter diesen Umständen auch hierbei nicht mitmachen wollten. Der Völkerbundrat hatte am 10. März d. I. einen be­sonderen Beschluß über die Höhe der deutschen Beteiligung gefaßt, jedoch wollten die deutschen Banken jetzt nicht mit- machen, weil auch hierbei der polnische Einfluß be­herrschend sein würde.

Gewiß wird deutscherseits alles getan werden, um dieser ehemaligen deutschen Stadt zu helsen. Aber wie gefährdet die Lage des Freistaates ist, das geht aus emem soeben erschienenen Artikel des Danziger Polenblattes, der Gazeta Gdanska", hervor, in dem die polnische Regierung zu nichts Geringerem aufgesordert wird als zu einem gewaltsamen Vorgehen gegen Danzig, und mit außerordentlich scharfen Ausdrücken verlangt wurde, daß Polen Danzig gegenüber keine Politik der Verständigung und des guten Willens verfolgen sollte, sondern nur eine Politik der Gewalt.Wenn das kapriziöse Söhnchen allzu­sehr der Mutter lästig wird und mit geduldigen Mahnun­gen und Warnungen keine erwünschten Resultate erzielt werden, dann nimmt man die Rute und drischt ihm ganz ordentlich die Höschen aus . . . Es ist Zeit, jetzt an die Rute zu denken. Mittel haben wir immer genug in der Hand. Der Danziger wird zuerst schreien, wird sich win­den und drehen und in alle Welt hinausbrüllen. Mag er schreien, mag er brüllen! Die Hungerkur wird ihm guttun und ihn zur Besserung bringen . . Und Marschall Pilfudski wird ihn schon zu zähmen wissen und wenn er auch mit der Peitsche knallen müßte ... Er kann das tun, er hat die Macht dazu. Dresche, dresche, Herr Marschall, nach seiner Art! Diese Belehrung würden die Danziger verstehen, denn sie haben sich daran gewöhnt. Mache er sofort Ordnung und befreie unsere Lungen, unser Atmungsorgan von diesem Alpdruck, der uns seit Jahren drückt." So schreibt das Polenblatt.

Diese Ausführungen sind wirklich unmißverständlich, außerdem bezeichnend für die Wünsche, die Polen Danzig gegenüber hegt. Wenn jetzt eine kümmerliche Verständi­gung in einem der vielen Streitpunkte herbeigeführt wor­den ist, so ändert das an der Einstellung Polens Danzig gegenüber nicht das geringste. Der Völkerbund hat ja ge­nehmigt, daß sich Polen mitten im Danziger Hafen einen Stützpunkt geschaffen hat, den es eifrigst ausbaut. Und in Genf hat man auch des weiteren versucht, mit allen Mitteln zu verhindern, daß sich Danzig in seinen sinan- ziellen Nöten, die in der Grenzziehung des Versculler Vertrages wurzeln, nun etwa an die alte Heimat wendet.

Sie Hochwafferkata-rophe.

Das ganze Odertal überschwemmt.

Das Hochwaffer der Oder hat jetzt Schwedt erreicht. Zwischen Schwedt und Gartz sind etwa 10000Mor- gen Wiesen- und Ackerflächen über- s ch w e m m t. An der ganzen Ostseeküste steht das Wasser bis an die Dünenkette. Bei Gartz erreichte der Pegel mit

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Zniemaiionale MHHaDpM in Genf.

Was wird Rußland tun?

Nach Beilegung des russisch-schweizerischen Konflikts war in Genfer Kreisen die Hoffnung aufgetaucht, daß Rußland an der am 4. Mai in Genf beginnenden Welt­wirtschaftskonferenz sich beteiligen würde, da jetzt jedes Hindernis für Rußland beseitigt schien, wieder russische Vertreter in die Schweiz zu entsenden. Vom Völkerbund­sekretariat wird denn auch jetzt darauf hingewiesen, daß die Einladung zu der Konferenz an Rußland, die aus ein­stimmigen Beschluß erfolgte, unverändert weiterbestehe. Es wird weiter betont, daß die Delegierten der Sowjet­union in Genf dieselbe Ausnahme finden würden wie die Vertreter der anderen Staaten. Allerdings scheint Ruß­land noch immer keine rechte Lust zu verspüren, an der Weltwirtschaftskonferenz teilzunehmen. Begründet wird dieser ablehnende Standpunkt vor allem damit, daß Ruß­land noch nicht in der Lage gewesen sei, die nötigen Vor­bereitungen für eine Konferenzteilnahme zu treffen. Immerhin ist es möglich, daß die russischen Machthaber ihre Pläne noch ändern und wenigstens eine Studien­kommission nach Gens entsenden werden, die dann als Beobachter an der Weltwirtschaftskonferenz teilnehmen würde.

Verschiedene Politiker haben bereits ihre Forderun­gen bekanntgegeben, die sie an das Ergebnis der Welt­wirtschaftskonferenz stellen zu müssen glauben. So ei= wartet der österreichische BirnveskauAer Seipet, vap Die . Konferenz MiweüWsA^ für die künftige

praktische Wirtschaftspolitik finden müsse. Die bisherige Politik kurzfristiger Handelsverträge der Nachfolgestaaten müsse durch ein System langfristiger Bin­dungen ersetzt werden. Der ehemalige französische Mi­nister Loucheur fordert den Abschluß einer Zollunion und eines internationalen Handelsvertra-

1,82 seinen höchsten Stand. Das Odertal bildet fast eine einzige Wasserfläche. Auch in Hinterpommern sind die

Das überflutete Odergebiet.

Leba, Luppow, Stolpe und Lippe über die Ufer getreten und haben Wiesen- und Ackerflächen überschwemmt. Im Oberlauf geht das Hochwasser der Oder bereits langsam zurück.

Im Mündungsgebiet der H a v e l, der Stepenitz und der Karth-ne sowie der Löcknitz ist das Hinterland in eine endlose weite Wasserwüste verwandelt worden. Viele tausend Morgen Wiesen-, Weide- und Ackerland stehen unter Wasser. Aus Strodehne bei Havelbetg wird be­richtet, daß 6000 Morgen überflutet sind. Infolge der neuen Hochwasserkatastrophe stehen die Landwirte hier ge- radezu vor dem Nichts; das Vieh können sie unter den ge­gebenen Umständen nicht länger halten. Die meisten Land­wirte mußten nach der Vernichtung der vorjährigen Ernte ihr Vieh bei anderen hilfsbereiten Landwirten unter- bringen. Schwere Vorwürfe werden immer wieder gegen die verantwortlichen amtlichen Stellen laut, daß sie mit der Elbe- und Havelregulierung nicht vorwärtskommen.

Das Elbehochwasser.

Die Sommerdeiche der vom Hochwasser bedrohten

g e s in Gens, wenn nicht Europa gezwungen werden soll, vor dem täglich wachsenden Reichtum der Vereinigten Staaten abzudanken.

- öeuWn Öffentlichkeit waren Gerüchte ver- breitet, daß die Absicht bestände, in Genf auch die wieder ms Stocken geratenen deutsch-französischen H a n d e l s v-e r t r a g s v e r h a n d l u n g e n weiterzu- fuhren. Diese Gerüchte sind, wie mitgeteilt werden kann, unzutreffend. Von deutscher maßgebender Seite Wiro darauf hingewiesen, daß Genf für die Fortführung dieser Verhandlungen nicht der rechte Boden sei. Allerdings wird hierbei betont, daß die Genfer Besprechungen nicht ohne Einfluß auf die deutsch-französischen Handelsver­tragsverhandlungen bleiben würden.

Dr. Stresemann über Wirtschaffsverständigung.

Auf einer Mitgliederversammlung des Vereins deut­scher Maschinenbauanstalten in Berlin behandelte Reichs- außenminister Dr. Stresemann in einem Vortrag die Lage der deutschen Wirtschaft. Er kam hierbei audj auf die be­vorstehende Weltwirtschaftskonferenz zu sprechen «nd gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie alle Fragen der inter­nationalen Verständigung einer Lösung näher- brmgen würde, wenngleich die Genfer Tagung auch nur ein Anfang fei. Dr. Stresemann erklärte weiter, daß die deutsche Wirtschaft sich noch immer in einem Zustand tiefster Depression befinde. Deshalb sei die Reichsregierung auf die Mitarbeit aller Zweige der Wirt­schaft, namentlich auf dem Gebiet der Handelsvertrags- Politik, angewiesen.

Wenn wir, so betonte Dr. Stresemann, an dem wei­teren Ausbau unserer fenri'aotShavtvK»» «v^eU««, V ^ »a notwendig, zu erkennen, daß nur in der gegenseitigen Verslechtuug des Güterverkehrs allein der Nutzen und Gewinn aller Volkswirtschaften gesucht und gefunden werden kann. Wir müssen selbstverständlich be­reit sein, anderen Nationen in der Handelspolitik ent- gegenzukommen, wenn sie ihrerseits bereit sind, Deutsch­lands wirtschaftliche Lebensnotwendigkeiten zu berück- sichtiaen.

Ortschaften sind teilweise überflutet. Das Werk Gotb- mann ist völlig eingeschlossen und gleicht einer Insel. Die Straße von Lauenburg ist vom Hochwasser umspült. Die Dämme mußten gestützt werden. Auch die Kirche von Hitz- acker ist vom Hochwasser bedroht. Der Schaden dürfte den des vorigen Sommers wesentlich übersteigen. Nach Mel­dungen aus Dömitz sind auch in der Gegend von Damnatz die Sommerdeiche überflutet. Das Dannenburger Gebiet gleicht einem Meer. Bei starkem Sturm und Regen be­fürchtet man überall noch ein Steigen des Wassers.

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Überschwemmungskatastrophe im Mississippital.

Im südöstlichen Arkansas und im Mississippidelta sind nahezu vierzig Städte innerhalb eines Umkreises von nicht weniger als hundert Meilen überschwemmt. Die Lage der Tausende von Flüchtlingen wird als sehr ernst geschildert, da die Wasserwogen beständig gegen die Deiche und Hügel stoßen, auf denen die Flüchtlinge Zuflucht ge­sucht haben. Die Einwohner der durch die Überschwem- mung verwüsteten Gebiete haben dringend um Boote, Kleidung, Nahrungsmittel und andere Lebensbedürfnisse gebeten.

Nach Meldungen aus New Orleans hat der Gouver­neur von Louisiana den Ausnahmezustand über die Provinz verhängt, da infolge des beabsichtigten Damm­durchstichs, der vorgenommen werden soll, um ein Nach­lassen des riesigen Wasserdrucks zu erreichen und die Gefahr einer Überflutung New Orleans' abzuwenden, blutige Zusammenstöße im Bereich der Möglichkeit liegen. Die Stadtverwaltung von New Orleans hat die volle Verantwortung für die durch die Durchstechung des Dammes entstehenden Schäden übernommen. Man rechnet damit, daß durch diese Maßnahme 100 000 Acres guten Ackerlandes unter Wasser gesetzt werden. Die ge­samte Nationalgarde des Staates Louisiana ist auf­geboten worden, um die erregten Bauern, die bewaffnete Posten auf dem Damm aufgestellt haben, in Schach zu halten. Die Kosten, die der Dammdurchstich verursachen wird, werden auf viele Millionen Dollar geschätzt.

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Auch in Rußland Überschwemmungen.

Nach Meldungen aus Moskau sind bei Bijsk weite Landstrecken überflutet, Jrkutsk und Saratow sollen gleich­falls unter Wasser stehen.

England droht erneut mit Sanktionen.

Ein Manifest gegen England.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" meldet: In der letzten Kabinettssitzung wurde der früher gefaßte Beschluß aufrechterhalten, daß Groß­britannien in Zusammenarbeit mit den dazu gewillten Mächten zur Auferlegung vonSanktionen gegen die verantwortlichen chinesischen Behörden über-