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kersfeiöer Tageblatt

Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grun-schrist Korpus). Bei Meöerholungen wir- ein entsprechender Preis- Nachlaß gewährt.: M die Schristleitung oerant- woftlich: Kranz Kunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr. S

Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Mnzsiger für den Kreis yersfelö

mit den Beilagen: Leimatschollen / Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Nr. 96

Dienstag, den 26. April 1927

77. Jahrgang

Sie Host soll teurer werden,

u m 50 Prozent.

Nach einer amtlichen Bekanntmachung bereitet das Reichspostministerium eine Borlage an den Verwaltungs­rat der Deutschen Reichspost vor, wonach die BriefbefSr- derungsgebühr von 10 auf 15 Pfennig und dement­sprechend die übrigen Postgebühren erhöht werden sollen.

Dazu wird in der Bekanntmachung erklärt: Der im Jahre 1868 eingeführte 10-Pfennig-Tarif ist bei dem heu­tigen Geldwert auch nicht mehr annähernd imstande, die stetig steigenden Selbstkosten der Post zu decken. Die in­folgedessen seit einiger Zeit gespannte Finanzlage der Deutschen Reichspost läßt nach Lage der allgemeinen Wirt­schaft leider für absehbare Zeit eine wesentliche Besserung nicht erwarten. Während die Grundpreise von Industrie und Landwirtschaft, der Lebenshaltungsindex und die Arbeitslöhne allmählich um 50 % und mehr gestiegen sind und die Ausgaben der Post sich dadurch laufend erhöht haben, sind die Postgebühren gleichgeblieben, so daß sich eine immer größere Spannung ergibt.

*

Das ist eine nicht gerade angenehme nachösterliche Überraschung, die von der Reichspostverwaltung dem deutschen Volke bereitet werden soll; 5 Pfennig mehr an Fernbriefporto und eine dementsprechende Erhöhung sämtlicher sonstiger Postgebühren! In diesem Sinne wird die Ministerialverordnung als Vorlage an den Verwal- turigsrat der Deutschen Reichspost oorbereitet. Wenn in der Begründung neben den anderen Angaben auch noch gesagt wird, daß kein Land noch gleich niedrige Gebühren wie die Deutsche Reichspost habe, so ist das gewiß zum Teil richtig, wie uns ein Sonderberichterstatter schreibt, aber doch eben nur zum Teil! Gewiß mußte man im Jahre 1868 genau soviel Briefporto zahlen wie heute,

aber doch eben nur an

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. übrigen .PM- dann ist vieles, das viel teurer als in der Vorkriegszeit,

auf' bei 'anderen Seite weist die Postverwaltung Ein­nahmen aus, über die sie vor dem Kriege, geschweige denn vor Jahrzehnten nicht verfügen konnte. Erinnert sei nur beispielsweise an die großen Einnahmen, die aus dem Radio erzielt werden.

Finanziell gut ist es ja der Post eigentlich nie ge­gangen. Vor dem Kriege wies sie zwar einen Überschuß auf, der in der Hauptsache aber nur deshalb zustande kam, weit die gesamten Transportkosten auf der Eisenbahn ihr nicht in Rechnung gestellt wurden. Das ist freilich jetzt anders geworden. Die schweren Schäden, die der Deut­schen Reichsbahn aus Kriegs- und Nachkriegszeit er­wuchsen, sind auch.im allgemeinen beseitigt, und die Post schien immerhin soviel Geld verdient zu haben, daß sie u. a. zahlreiche Kraftverkehrslinien einzurichten imstande war. Ja, noch mehr geschah. Die Reichspostverwaltung wurde der Einflußnahme des Reichstages und der Reichs­regierung fast ganz entzogen; im Reichsetat prangt jetzt nur ganz einsam, als der Bewilligung des Reichstages unterworfen, der Etat des Reichspostministers. Die Post wurde verselbständigt, sollte ein nur nach kaufmännischen Gesichtspunkten geleitetes Unternehmen werden, in das von anderer Seite nicht mehr hineingeredet wurde; bei den Reichstagsdebatten konnten nur Wünsche vorge­bracht werden, mit denen die Postverwaltung anfangen konnte, was sie wollte. Ihr zur Seite steht nun der Ver­waltungsrat, der sich aus Männern der Wirtschaft, Ar­beitnehmervertretern und Parlamentariern zufammen- setzt und der die Rechte eines Aufsichtsrates hat, damit also die Entscheidung auch darüber, ob die vorgeschlagene Tariferhöhung anzunehmen oder abzulehnen ist.

Tariferhöhung bedeutet aber erfahrungsgemäß zu­nächst immer eine Verminderung der Einnah- m e n, erregt auch deswegen besonders böses Blut, werl die Post ja ein ganz unbedingtes Beförderungsmonopol besitzt, über dessen Jnnehaltung sie, gegebenenfalls auch mit Unterstützung der Gerichte, auf das eifrigste achtet. Und eine Tariferhöhung, die in der Hauptsache gleich 50 % betragen soll, ist so erheblich und darum auch so einschneidend, wie es keine der bisherigen gewesen ist. Geraoe aber die Wirtschaft wird sich auf das äußerste dagegen sträuben, sich eine neue Verteuerung der gesam­ten Postgebühren auferlegen zu lassen. Es gibt außer- dem in Deutschland niemanden, der durch diese Porto- erhöhung nicht mehr oder minder stark betroffen wird, " und die Folgen davon wird die Reichspostverwaltung auf ihrer Einnahmenseite auch verspüren müssen. Man wird ihr entgegenhalten, daß überhaupt schon ihre Gebühren höhere, die Leistungen aber weit geringere sind als früher.

Der Verwaltungsrat der Reichspost wird also wohl eher sein Augenmerk darauf richten müssen, wie die ge- spannte Finanzlage der Post gemildert werden kann durch Abstriche auf der Ausgabenfette, ehe er darangeht, durch eine Tariferhöhung nun eine immerhin sehr zweifele hafte Einnahmenerhöhung zu erzielen.

In Ergänzung der amtlichen Ankündigung über die geplante Portoerhöhung wird noch bekanntgegeben, daß die Vorlage in etwa acht bis zehn Tagen dem Verwal- UngDrat her Reichspost auseleiUi werden dürfte. .Die

GroWmOiihltW in Lesterreilh

Neuwahlen zu österreichischen Parlamenten

R-u higer Wahlverlauf.

Österreich hat einen Großkampf-Wahltag hinter sich. Am Sonntag wurden die Wähler in Österreich zu den Urnen gerufen, um für den Nationalrat, für fünf Land-' tage und eine ganze Anzahl von Gemeindevertretungen die Abgeordneten zu wählen. Insgesamt waren 1316 Mandate zu'vergeben, von denen 165 Mandate aus den Nationalrat, der etwa dem Deutschen Reichstag entspricht, entfallen. Der Wahlkampf wurde in heftigster Weise ge­führt, was schon daraus zu ersehen ist, daß in dem kleinen Österreich etwa 14 verschiedene Parteilisten aufgestellt waren, die um die Gunst der Wähler kämpften. Die große« bürgerlichen Parteien hatten eine Einheitswahl, liste aufgestellt, um gegen die sozialdemokratische Liste iq» Lande und vor allem in Wien in gemeinsamer Front ope­rieren zu können.

Nach den bisherigen Wahlergebnissen werden die bürgerlichen Parteien im Nationalrat etwa über 93 Man­date verfügen, die Sozialdemokraten über 72 Mandate. Bisher war das Verhältnis 97 zu 68. Der Landbund sr- WnRMMSSSSSHBMnnKBWMMKM Postverwaltung beabsichtigt eine 50prozentige Erhöhung des Briefportos und ferner in geringem Ausmaße eine Erhöhung des Paketportos. Diese Erhöhung ist nicht schon früher durchgeführt worden, weil die Post an- nahm, daß die Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage auch eine Vermehrung ihrer Einnahmen bringen würde. Diese Hoffnung hat sich indes nicht erfüllt. Auf der an» beww-^eile hat die,Post *i«v Reihe von Verbossesungon ihres Betriebes eingeführt, z. B. die Einrichtung der Selbstanschlußämter im Telephonverkehr. Dadurch sind ihr Ausgaben erwachsen, die bisher"nur auf dem Anleihe­wege gedeckt werden konnten. Das Gesamtvermögen der Reichspost, das auf 2 Milliarden geschätzt wird, ist mit 470 Millionen Mark belastet, und der Zinsendienst hat es bisher nicht gestattet, die Anlagen der Post noch weiter auszubauen, wie das Interesse der Wirtschaft es verlangt.

Tod des Sauern - Tod des Volkes.'

Deutschnationale Wirtschaftstagung in Bielefeld.

Auf einer Wirtschaftstagung der Deutschnationalen Volks­partei in Bielefeld hielt der deutschnationale Abgeordnete Hugenberg eine Rede über das ThemaWege zur politi­schen und wirtschaftlichen Freiheit des deutschen Volkes". Er betonte hierbei, daß es gelte, zu einem großen Wirtschafts- programmdesdeutschenVolkeszu kommen. Augen­blicksnachteile dürften nicht den Blick verschleiern für die Auf­gaben, die lange Zeit hindurch Gültigkeit gehabt und die Zukunft zu beeinflussen noch immer die Möglichkeit hätten. Was die Landwirtschaft angehe, so sei ihre Not zwar groß, doch dürfe sie sich nicht aufgeben, wolle sie nicht ver­loren sein. Mit der Erhöhung der Realsteuern müsse Schluß gemacht werden. Denn den deutschen Bauern tot steuern, heiße, das deutsche Volk totsteuern. Wenn der deutsche Bauer gefa^' - i, so werde der Prozeß auch vor den anderen Berufen n . . ^chen. Der Redner ver­langte schließlich die Errichtung von Schutzzöllen, um Deutsch­land wirtschaftlich leistungsfähiger zu machen, und verlangte, daß der Block des Sozialismus in Preußen hinweggeschoben werden müßte.

Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, S ch i e le bei sodann über die Politik der vaterlän­dischen Arbeit sprach, betonte, daß nur das Volk Unab­hängigkeit und Geltung beansi schert könne, dessen Ernährungs­grundlage im eigenen Lande gesichert sei. Die deutsche Land­wirtschaft sei technisch in der Lage und bereit, unserem Volke diese Sicherung zu geben. Dann dürften ihr auch nicht die wirtschaftlichen Voraussetzungen hierfür versagt werden. Ein verständnisvolles Hand-in-Hand-arbeiten zwischen Landwirt­schaft und Industrie sei heute mehr denn je erforderlich. Der deutsche Osten mit seinen Sieolungsnotwendtgkeiten könne nur lebensfähig sein, wenn den ostdeutschen Bauer» und Sied­lern der Anbau von Roggen und Kartoffeln sowie die Schweinemast so viel Rentabilität ließen, daß sie fuf) aus ihrer Scholle zu halten und den weiteren Bestand ihrer Familie zu sichern vermögen

Nationalsozialistische Tagung in Gen.

Blutige Zusammenstöße.

In Essen sprach in einer Massenversammlung Reichstagsabgeordneter Graf Neventlow über Marxistische und sozialistische Befreier". Als zweiter Redner behandelte Dr. Göbbels-Berlin die bisherige deutsche Innen- und Außenpolitik. Adolf Hitler hielt eine Rede, in der er einleitend auf die Entwicklung der Bewegung in Essen und im Jndustrierevier zu sprechen kam. Das deutsche Bürgertum habe einen Nationalismus geprägt, der arbeiterfeindlich sei, und der Sozialismus habe seine Lehre in eine Form gekleidet, die Millionen Menschen abstoßen müsse. Der Redner gab dann einen Rückblick auf die Entwicklung und die ursprünglichen Ziele der Gewerkschaften, die durch Marx zu Jnteressen-

hält 6 Sitze. Die Verteilung der Reststimmen, die nach, einem schwierigen Wahlmodus festgestellt werden, steht noch aus, wird aber wohl kaum wesentliche Verändern»»? gen in dem Verhältnis der Parteien zueinander bringen können. Neben den Wahlen zum Nationalrat konzentrierte sich das Interesse besonders auf die G e m e i n d e r a t sk» fahlen in Wien, wo die Sozialdemokratie bisher die Herrschaft innehatte. Sie hat auch bei den jetzigen Wahlen wieder die Mehrheit erlangt, und zwar hat sie W bereits von ihr innegehabten 78 Mandate wieder erhalte«, denen 42 Mitglieder der Einheitsliste gegenüberstehen.

. Die Wahlbeteiligung war außerorde n t- lich .stark, besonders fiel die große Teilnahme der weiblichen Wählerschaft auf. Der Wahltag ist im großen und ganzen ruhig verlaufen. Etwa 50 Personen wurden bon der Polizei wegen kleinerer Vergehen festgenommen/ jedoch nach Feststellung der Personalien wieder entlassen. Bemerkenswert ist, daß ein z w e i t ü g i g e s A l k o hol­de r b o t, das vom 23. bis 25. April dauerte, erlassen worden war, da man die schon durch den Wahlkampf er­hitzten Gemüter durch Alkohol nicht noch mehr in Er­regung bringen wollte.

Die bisherigen Ergebnisse aus den Landtagen der Bundesländer zeigen, daß überall eine bür­gerliche Mehrheit gewählt worden ist.

S^^mnnaBBHIBraBHBMBUMnHBBBBaBraiSHSSSES Vertretern der Banken und der Börse gemacht worden seien. Hitler geißelte dann die Demokratie und den Pazi­fismus. Das Bürgertum und der Marxismus würden zerfallen; entstehen werde die junge nationalsozialistische Idee. Feige und Memmen sollten nicht zur Bewegung kommen, sondern nur Männer, die alles Hingaben für die Freiheit des Volkes.

Bei den-sieben MasienverfammümMmrames zu Zu­sammenstößen, und zwar neben mehreren Einzelangriffen aus Nationalsozialisten im Segerothviertel zu einem größeren Zusammenstoß, bei dem mehrere Schüsse fielen. Verletzt wurden zwei unbeteiligte Personen durch Schüsse in Oberschenkel und Knie. In einer Versammlung im Kaiserpark in Alten-Essen kam es zu einer heftigen Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Von den Versammlungsteilnehmern wurden etwa 20 Personen durch Messerstiche und Schläge verletzt. Ein starkes Polizeiaufgebot stellte die Ruhe wieder her.

Der Religionskrieg in Mexiko.

Erschießung eines Priesters.

Die Ausweisungen katholischer Kirchenfürsten aus Mexiko dauern an. Nach einer Reutermeldung sollen auch die römisch-katholischen Prälaten, die sich noch im Lande befinden, deportiert werden, wenn sie gefunden werden. Wie erregt die Stimmung in Mexiko ist, geht daraus her­vor, daß der Truppenkommandeur in Rio del Cuale im Staate Jalisco die Erschießung eines Priesters an geordnet hat, der der Beteiligung an der Organi­sierung eines Aufstandes gegen die Regierung beschul­digt war.

Die mexikanische Regierung erklärt, daß die ausge­wiesenen Bischöfe und Würdenträger vor die Wahl ge­stellt worden waren, vor Gericht zu erscheinen oder das Land zu verlassen. Sie hätten das letztere gewählt. Die in San Antonio (Texas) eingetrossenen Bischöfe stellten in Abrede, daß ihnen die Wahl gelassen worden sei, und sagten, sie hätten dem Mir''-" des Innern erklärt, daß sie die gegenwärtige «.lexikalische Regierung nicht als gesetzmäßig anerkennten-

Schweres Autounglück.

Vier Tote, zwei Schwerverletzte.

Bei Homburg v. d. Höhe ereignete sich auf der Straße nach Oberursel in der Gemarkung Bommersheim ein schweres Automobilunglück. Ein mit sechs Personen besetzter offener Wagen versuchte einen vor ihm fahren­den Wagen mit einer Stundengeschwindigkeit von 70 bis 80 Kilometer zu überholen. Hierbei nahm der Lenker die Kurve anscheinend zu kurz und riß im letzten Augenblick seinen Wagen scharf nach der Seite. Der Wagen prallte gegen das zu überholende Auto, geriet ins Schleudern und überschlug sich mehrere Male. Die Insassen wurden mit ungeheurer Wucht auf die Straße geschleudert und zum Teil getötet, zum Teil schwer verletzt. Getötet wur­den der Kaufmann Reinhardt-Frankfurt, der Kaufmann Fritz Stern und feine Gattin aus Mannheim, schwer ver­letzt die Gattin des Kaufmanns Reinhardt, die bald darauf verstarb, ferner die Kaufleute Georg Ginsberg und Max Wegener, beide aus Frankfurt.

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Auf der Chaussee Crossen-Grünberg, kurz vor dem Dorfe Plau, geriet der Wagen des 68 Jahre alten Kauf­manns Seiffert aus Löwenberg in Schlesien beim Über- holen eines Fuhrwerks ins Schleudern und überschlug sich. Seiffert wurde auf die Straße geschleudert und war sofort tot. Das Auto wurde fast völlia zertrümmert.